Samstag, 2. Juni 2012

Neues Hausmädchen!


Am Donnerstag hat meine Gastmutter ohne Vorwarnung ein neues Hausmädchen abends von der Arbeit mitgebracht. Nun haben wir also neben Lucia, Farida und Helena auch noch ein 18-jähriges Mädchen namens Bahati („Glück“), die sich mit den anderen zusammen um Wäsche, Kochen, Putzen und das Baby kümmern.
Sie ist insofern anders als die anderen Hausmädchen, weil sie ganze elf von 13 Schuljahren absolviert hat und damit wahrscheinlich klüger als Lucia und Farida zusammen ist. Sie ist im Gegensatz zu den beiden kein einziges Stück verrückt, leider aber trotzdem etwas seltsam.

Ich habe sie bei ihrer Ankunft nett empfangen, ihr alle Familienmitglieder vorgestellt und ihr den Ablauf hier erklärt. Weil ich ihr entgegen gekommen bin und sie nicht, wie die anderen es taten, sie einfach nur habe sitzen lassen, scheint sie einen „falschen“ Eindruck von mir bekommen zu haben. „Falsch“ in dem Sinne, dass sie nun zu denken scheint, dass ich ihr möglicherweise unterstellt bin. Dazu muss man wissen, dass in Tansania die Rangordnung sehr wichtig ist. Dabei geht es um Alter, Beruf, Stellung und das Geschlecht. Die Jüngeren helfen den Alten, die Kinder müssen in jeder Familie für Botengänge usw. herhalten. Mir war es unangenehm, dass immer die Kinder geschickt werden, wenn etwas besorgt werden muss oder ich etwas vergessen hatte und die paar Meter aber selbst gehen könnte. Doch das ist die Kultur hier, auch wenn ich es nicht einsehen wollte, weil es mir nicht richtig erschien. So sind die Kinder alle flott zu Fuß, während die Erwachsenen sich von vorne bis hinten bedienen lassen und immer weiter Fett ansetzen. ;-)
Bahati beim Waschen

Zum Glück werden die Kinder eben auch irgendwann erwachsen und können dann selbst Kinder herumschicken. ;-) Ich habe mich in der Hinsicht schon daran gewöhnt, dass es mir nicht richtig erscheint, wenn mir eine jüngere Person Befehle gibt. Es widerspricht der Kultur und Höflichkeit hier und kommt deswegen auch kaum vor. Das bezieht natürlich leider auch ein, dass tansanische Kinder leider oft schüchtern sind, weil es ihnen so eingetrichtert wird.

Bahati scheint das etwas anders zu sehen und hat mir verboten nach Iguguno zu Luise und Rike zu fahren, als ich mich von ihr verabschiedete. Als ich dann gestern wiederkam hat sie hartnäckig darauf bestanden von mir ein Geschenk zu bekommen. Mitbringsel wie Früchte, Brot oder Zucker sind leider auch eine Art kulturelle Pflicht, das habe ich aber erst im März herausgefunden^^. Nur fahre ich aber so oft nach Iguguno und bekomme umgekehrt Besuch, dass wir uns keine Gastgeschenke machen und auch nichts für die eigene Familie mitbringen. Als ich heute für zwei Stunden aus dem Haus ging, forderte sie wieder ein Geschenk von mir. Als ich ihr gesagt habe, dass meine heile Rückkehr aus dem Dorf (durch die Löcher im Boden des Daladalas konnte ich die Straße sehen…) doch schon ein Geschenk sei, hat ihr das nicht gereicht. Ich musste mich richtig verteidigen. Es gab noch weitere ähnliche Situationen, sodass ich ihr heute dann gesagt habe, dass ich 1,5 Jahre älter und Lehrerin sei, also gewissermaßen eine Respektperson. Da behandele ich nicht, wie meine Gasteltern zum Beispiel, die Hausmädchen als das Ende der Nahrungskette und schon wird meine eigene Position in Frage gestellt, weil ich mich nicht danach verhalte.
Na ja, mal sehen wie es sich entwickelt. Als Farida und Lucia neu in der Familie waren war es recht schwierig für mich, weil sie mich täglich nach Geld, Bonbons, Brot und Co. gefragt haben, ich hoffe nicht, dass sich das alles nun noch einmal wiederholt. Ich muss sogar sagen, dass die momentane Situation in der Familie die beste von allen ist. Aus irgendeinem Grund gibt es meist schon bis 21 Uhr Abendbrot, sie geben sich Mühe, dass Wasser da ist, wenn alle am Abend duschen wollen und erfüllen ihre Aufgaben verantwortungsbewusster. Daher gibt es viel weniger Aneckpunkte zwischen allen und die Möglichkeit sich freundlich miteinander zu unterhalten und sich gegenseitig auch mal zu helfen ist gegeben. Helena hilft mir zum Beispiel dabei, mein Laken zu waschen, in der Zeit spüle ich das Geschirr usw. Durch Bahatis Ankunft wird unsere neue, tolle Familienatmosphäre etwas gestört. Mal sehen, wie wir beide mit einander klarkommen werden. Schön ist es ja, endlich jemanden zu haben, mit dem man sich vielleicht auch ein bisschen mehr unterhalten kann, als nur über die Jungs aus der Nachbarschaft. :P

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen