Am Donnerstag hat meine Gastmutter ohne Vorwarnung ein neues
Hausmädchen abends von der Arbeit mitgebracht. Nun haben wir also neben Lucia,
Farida und Helena auch noch ein 18-jähriges Mädchen namens Bahati („Glück“),
die sich mit den anderen zusammen um Wäsche, Kochen, Putzen und das Baby
kümmern.
Sie ist insofern anders als die anderen Hausmädchen, weil
sie ganze elf von 13 Schuljahren absolviert hat und damit wahrscheinlich klüger
als Lucia und Farida zusammen ist. Sie ist im Gegensatz zu den beiden kein
einziges Stück verrückt, leider aber trotzdem etwas seltsam.
Ich habe sie bei ihrer Ankunft nett empfangen, ihr alle
Familienmitglieder vorgestellt und ihr den Ablauf hier erklärt. Weil ich ihr
entgegen gekommen bin und sie nicht, wie die anderen es taten, sie einfach nur
habe sitzen lassen, scheint sie einen „falschen“ Eindruck von mir bekommen zu
haben. „Falsch“ in dem Sinne, dass sie nun zu denken scheint, dass ich ihr
möglicherweise unterstellt bin. Dazu muss man wissen, dass in Tansania die
Rangordnung sehr wichtig ist. Dabei geht es um Alter, Beruf, Stellung und das
Geschlecht. Die Jüngeren helfen den Alten, die Kinder müssen in jeder Familie
für Botengänge usw. herhalten. Mir war es unangenehm, dass immer die Kinder geschickt
werden, wenn etwas besorgt werden muss oder ich etwas vergessen hatte und die
paar Meter aber selbst gehen könnte. Doch das ist die Kultur hier, auch wenn
ich es nicht einsehen wollte, weil es mir nicht richtig erschien. So sind die
Kinder alle flott zu Fuß, während die Erwachsenen sich von vorne bis hinten
bedienen lassen und immer weiter Fett ansetzen. ;-)
| Bahati beim Waschen |
Zum Glück werden die Kinder eben auch irgendwann erwachsen
und können dann selbst Kinder herumschicken. ;-) Ich habe mich in der Hinsicht
schon daran gewöhnt, dass es mir nicht richtig erscheint, wenn mir eine jüngere
Person Befehle gibt. Es widerspricht der Kultur und Höflichkeit hier und kommt
deswegen auch kaum vor. Das bezieht natürlich leider auch ein, dass tansanische
Kinder leider oft schüchtern sind, weil es ihnen so eingetrichtert wird.
Bahati scheint das etwas anders zu sehen und hat mir
verboten nach Iguguno zu Luise und Rike zu fahren, als ich mich von ihr
verabschiedete. Als ich dann gestern wiederkam hat sie hartnäckig darauf bestanden
von mir ein Geschenk zu bekommen. Mitbringsel wie Früchte, Brot oder Zucker
sind leider auch eine Art kulturelle Pflicht, das habe ich aber erst im März
herausgefunden^^. Nur fahre ich aber so oft nach Iguguno und bekomme umgekehrt
Besuch, dass wir uns keine Gastgeschenke machen und auch nichts für die eigene
Familie mitbringen. Als ich heute für zwei Stunden aus dem Haus ging, forderte
sie wieder ein Geschenk von mir. Als ich ihr gesagt habe, dass meine heile
Rückkehr aus dem Dorf (durch die Löcher im Boden des Daladalas konnte ich die
Straße sehen…) doch schon ein Geschenk sei, hat ihr das nicht gereicht. Ich
musste mich richtig verteidigen. Es gab noch weitere ähnliche Situationen,
sodass ich ihr heute dann gesagt habe, dass ich 1,5 Jahre älter und Lehrerin
sei, also gewissermaßen eine Respektperson. Da behandele ich nicht, wie meine
Gasteltern zum Beispiel, die Hausmädchen als das Ende der Nahrungskette und
schon wird meine eigene Position in Frage gestellt, weil ich mich nicht danach
verhalte.
Na ja, mal sehen wie es sich entwickelt. Als Farida und
Lucia neu in der Familie waren war es recht schwierig für mich, weil sie mich
täglich nach Geld, Bonbons, Brot und Co. gefragt haben, ich hoffe nicht, dass
sich das alles nun noch einmal wiederholt. Ich muss sogar sagen, dass die
momentane Situation in der Familie die beste von allen ist. Aus irgendeinem
Grund gibt es meist schon bis 21 Uhr Abendbrot, sie geben sich Mühe, dass
Wasser da ist, wenn alle am Abend duschen wollen und erfüllen ihre Aufgaben
verantwortungsbewusster. Daher gibt es viel weniger Aneckpunkte zwischen allen
und die Möglichkeit sich freundlich miteinander zu unterhalten und sich
gegenseitig auch mal zu helfen ist gegeben. Helena hilft mir zum Beispiel
dabei, mein Laken zu waschen, in der Zeit spüle ich das Geschirr usw. Durch
Bahatis Ankunft wird unsere neue, tolle Familienatmosphäre etwas gestört. Mal
sehen, wie wir beide mit einander klarkommen werden. Schön ist es ja, endlich
jemanden zu haben, mit dem man sich vielleicht auch ein bisschen mehr
unterhalten kann, als nur über die Jungs aus der Nachbarschaft. :P
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