Freitag, 12. Oktober 2012

Eingedeutscht?

Ich bin jetzt schon seit zwei Monaten wieder in Deutschland und habe seitdem meinen Blog vernachlässigt. Eigentlich dachte ich, könnte ich etwas von der tansanischen Langsamkeit mit in meinen deutschen Alltag einbauen. Doch für "pole pole" bleibt hier leider keine Zeit. Mitten in der Nacht kamen wir vom Flughafen nach Hause und da lag auch schon meine Zulassung für die Universität Hildesheim im Briefkasten. Da hatte ich erst seit einem halben Tag keinen afrikanischen Boden mehr unter den Füßen, habe meinen Freiwilligendienst abgeschlossen und schon ist der nächste wichtige Zukunftsschritt besiegelt. Ich habe mich zum einen sehr gefreut, meinen Studienplatz in trockenen Tüchern zu haben, doch hat es mich auch etwas überrumpelt, kaum Zeit zum Überlegen zu haben, sondern direkt wieder in den deutschen, "stressigen" Alltag hineingeworfen zu werden. Am Morgen nach meiner Rückkehr habe ich mir mit solcher Selbstverständlichkeit ein Vollkornbrot mit Butter und meinem Lieblingskäse beschmiert, dass mir erst beim ersten Bissen auffiel, wie lange ich auf dieses hatte verzichten müssen. Das erste Mal Duschen war wunderschön und so ungewohnt nach knapp einem Jahr mit meinem Wassereimer, dass ich glatt ein paar Tränen verdrücken musste. Und nach meinem Vegetarier-Dasein wurde nun des Öfteren der Grill angeschmissen und ich konnte mich sehr über diese doch sehr deutsche Sitte freuen.
Am Anfang war die Frage "Und, wie war's?" noch sehr seltsam für mich, weil ich auch gar nicht wusste, was ich antworten, von was ich erzählen sollte. Der Umschwung vom heißen Tansania mit all den fröhlichen, aufgeschlossenen Menschen zum kühleren Deutschland, wo Passanten sich oft noch nicht einmal grüßen, war hart für mich. Doch dieses Gefühl hielt nicht allzu lange an. Schon bin ich wieder "eingedeutscht", auch wenn ich mir vorgenommen habe, ein paar Aspekte meines tansanischen Lebens mit in mein weiteres Leben einzubauen.

Sonntag, 26. August 2012

Gerührt, umgerührt


Manch einer erinnert sich vielleicht noch daran, dass ich in meinen letzten Wochen in Tansania einen Workshop zu dem Thema „Eine Woche ohne Stock“ durchgeführt habe. Das Ende dieser Projektwoche fiel leider so, dass ich meine Familie vom Flughafen abholen musste und somit keine abschließende Besprechung mehr mit den Lehrern machen konnte. Ein offizielles Feedback konnten die Lehrer mir so nicht mehr geben, doch habe ich von vielen gehört, dass Lehrer als auch Schüler begeistert waren.
Als ich nach einer Woche mit meiner Familie in die Schule kam, hatte mein Schulleiter meine selbst gemalten Plakate und Vermerkzettel durch getippte Zettel ersetzt. Als ich ihn erstaunt gefragt habe, was er damit machen wolle, hat er mir zu meiner Überraschung gesagt, dass er mein Projekt auf unbegrenzte Zeit weiterführen wolle!! Mir stiegen die Tränen in die Augen, als ich davon erfahren habe. Sollte es nun wirklich klappen und sich Schüler und Lehrer weiterhin gut darauf einlassen, dann gäbe es ab nun eine Schule in Tansania an der ohne Stockstrafe unterrichtet wird!
Wer weiß, wie lange die Lehrer durchhalten und nicht zum Stock greifen, doch erst einmal bin ich sehr positiv überrascht und freue mich riesig, dass mein Workshop/Projekt an meiner Schule Gehör gefunden hat! So einen Erfolg hatte ich nicht erwartet, wollte meiner Schule nicht irgendetwas aufzwingen, sondern den Stockgebrauch durch solche, am besten mehrmals durchgeführte Projektwochen, verringern und so versuchen Schülern und Lehrern die Möglichkeit zu geben, die gegenseitige Beziehung zu verbessern.
Doch nun kann ich wirklich sagen, dass ich meinem Kollegium die Anleitung gegeben habe und ein Jahr lang mit gutem Beispiel voran gegangen bin, sie sich letztendlich aber komplett selbst dazu entschlossen haben, das Projekt weiterzuführen, sogar in einer Woche, in der ich nicht einmal anwesend war.
Ein tansanischer Lehrer wäre vielleicht mit so einem Vorschlag verpönt worden, doch ich als ausländische Freiwillige hatte die Möglichkeit dazu. Ohne meinen weltoffenen und modern denkenden Schulleiter hätte ich dieses Projekt niemals durchführen können und er hat viel dazu beigetragen, dass mein Freiwilligendienst so schön war! Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand so auf die Kultur eines anderen einlässt, wie es mein Schulleiter getan hat.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge - Abschied von Tansania

Familienbesuch
Über den Dächern Singidas
Meine Familie aus Deutschland hat mich für drei Wochen in Tansania besucht, um mein Zuhause der letzten elf Monate kennen zu lernen. Am Anfang waren wir von Montag bis Freitag in Kondoa und Haubi, des Partnerdistrikts der evangelischen Kirche Emsland-Bentheim und unserer Nikolaikirche in Papenburg. Es war ein schöner Besuch, aber leider haben sich die Tansanier sehr darauf ausgeruht, dass ich Kiswahili spreche, wodurch es für mich dann etwas anstrengend war ständig übersetzten zu müssen. Unter anderem konnten wir uns die „10-100.000“ Jahre alten „Kolo Rock Paintings“, Felsmalereien, ansehen.
Meine Gastmutter gab für meine Familie tansan. Kleidung in Auftrag
Auf dem Rückweg von Kondoa nach Singida (auf der Landkarte ein Katzensprung) hat unser Bus dann einen „Shorticuti“ (Abkürzung) genommen und wir sind sechs Stunden lang über eine schreckliche, nicht vorhandene Straße gebrettert. Wir waren alle sehr froh, als wir endlich angekommen waren. Aber immerhin konnte meine Familie sich nun vorstellen, wie es hier jenseits der Städte in den Dörfern aussieht. Es sind auch unzählige traditionell gekleidete Tansanier mitgereist, die mit Decke, großem Schmuck und Stock unterwegs waren. Die Zeit danach verbachten wir in meiner Gastfamilie.

Abschied nehmen und Lehrerstreik
In Singida begann nun meine letzte Schulwoche vor den Ferien und meiner Abreise, so musste ich als erstes in der Gesundheitsstation Ade sagen, dann im Kinderzentrum, bei der Schneiderin, die mir ein bisschen etwas beigebracht hat und dann am Freitag auch in der Schule bei meinen Klassen.
Letzter Schultag in der 4. Klasse: Uhren basteln!
Die gemeinsame Zeit mit meinen Schülern wurde zum Schluss recht knapp, weil die Lehrer in der Woche vor den großen Ferien plötzlich streikten. Sie sind zwar Staatsbeamte, doch bei ihrer niedrigen Bezahlung von 100€ Anfangsgehalt (Versicherungen usw. schon abgezogen), bis 200€ Schlussgehalt bei einer langen Lehrerlaufbahn, reicht das Geld oft nicht aus. Sie haben von der Regierung mindestens 100% ständigen Zuschuss verlangt, was diese bisher verweigerte. An diesem Freitag hat der Präsident zugestimmt, Verhandlungen anzufangen, doch werde das Gehalt nicht so weit erhöht werden können. Der Streik ist trotzdem beigelegt. Ansonsten könnte auch die Volkszählung diesen Monat, die von den Lehrern durchgeführt wird, nicht stattfinden.
Ich wollte meiner Familie eigentlich gerne zeigen, wo ich für so lange Zeit unterrichtet hatte, aber nun war auf einmal das Lehrerzimmer wie leer gefegt und ich habe nur den Schulleiter und ein paar Kinder angetroffen. So habe ich als einzige an diesem Tag unterrichtet. Am selben Abend wurde meine Schule als Beispiel für einen geglückten Streiktag in den nationalen Nachrichten gezeigt.

Zähneputzen will gelernt sein
An den darauf folgenden Tagen setzte sich der Streik fort, sodass ich nur noch an zwei weiteren Tagen in der Schule war, um mich von „meinen“ Kindern zu verabschieden und an einem Tag ein „Zahnputzprojekt“ durchzuführen. Mein Zahnarzt aus Papenburg war so lieb und hatte meinen Eltern Zahnbürsten und –pasta mit auf den Weg gegeben.
Ich zeige den Kindern wie man richtig putzt
So konnte ich zusätzlich mit einem großen Gebiss den Schülern der 4. bis 6. Klasse zeigen, wie man richtig die Zähne putzt. Manchmal ist es schon sehr verwundernswert, aber nach eigenen Angaben wussten die Kinder nicht wirklich, warum man sich die Zähne putzt. Des „Geruches“ wegen, war die Antwort. Deswegen putzen sich sehr viele Tansanier nur morgens die Zähne, verzichten aber darauf, es abends zu wiederholen.
Unser Zahnputzlied und kaufreundliches Essen
Zum ersten Mal hörten sie nun etwas von Bakterien und bekamen von mir gesagt, dass ständiger Zuckerkonsum nicht nur für den Körper, sondern auch für die Zähne schlecht sei. Damit die Kinder sich gut merken konnten, wo und wie man die Zähne putzen sollte, haben wir noch gemeinsam ein Zahnputz-Lied auf Kiswahili eingeübt, was Luise und Rike vorher schon gedichtet hatten. Es war ein tolles Projekt, nur durften manche Schüler/innen wegen des Ramadans sich nicht direkt die Zähne putzen, weil sie sonst auch Wasser zu sich nehmen würden. 
Abschied vom Staff im Kinderzentrum
Am Freitag habe ich mich dann unter tausendfachem Händeschütteln von meinen Klassen verabschiedet und bin mit meiner Familie noch ein letztes Mal nach Iguguno gefahren, um der Gastmutter von Luise und Rike „Tschüss“ zu sagen. Die beiden Mädchen sind schon seit zwei Wochen wieder zuhause, doch Mama Mwanga habe ich sehr ins Herz geschlossen und es war schön meiner Familie zu zeigen, wo ich so viele Wochenenden verbracht habe. ;-)





Das Kinder-Küchenteam aus dem Center
Abschied von Iguguno, im Schneidershop der Mama
Am Sa., dem 04.08.2012 fand die Abschiedsfeier meiner Lehrer, auf die ich mich schon lange gefreut hatte, statt. Es sollte um 16 Uhr losgehen, doch natürlich kam fast das ganze Kollegium weitaus zu spät, sodass wir 1,5 Stunden später mit der Hälfte der Lehrer anfingen und die Feier immer wieder von Neuankömmlingen unterbrochen wurde. Aber weil die Mehrheit immer zu spät zu  Verabredungen kommt, war ich schon darauf eingestellt, meine Familie hat das nicht verstanden. Sieht man einen festlich geschmückten, aber leeren Raum, dann feiern die Tansanier. ;-)
Nachdem sich jeder vorgestellt hatte, hat der Schulleiter den DJ gemimt, während der Rest im Raum herumtanzte. Zur Abschiedsgeschenkübergabe mussten wir uns dann mit unserer vierköpfigen Familie in die Mitte des Raumes stellen und wurden von meinem Kollegium tanzend umkreist. Sie haben uns die Geschenke überreicht, wir haben diese hochgehalten und unter lautem „Lululululu“ damit getanzt, um sie dann den Lehrern wieder zurückzugeben, die sie dann für uns auspackten.
Wir wurden in unsere Geschenke eingehüllt
Wir wurden alle sehr reichlich beschenkt und ich war froh, dass ich für das Lehrerzimmer ein Plakat mit den Fotos der Lehrer gestaltet hatte und jedem noch ein kleines Geschenk in die Hand drücke konnte. Mein Lehrerkollegium hat mir wirklich sehr viel bedeutet und ist immer da eingesprungen, wo meine Gastmutter versagt hat. Habe ich einen guten Schneider, ein neues Fahrradschloss, Ratschläge oder jemanden zum Reden gebraucht, dann habe ich bei ihnen immer Unterstützer gefunden. Ich habe es in keinem Fall bereut, mein Freiwilligenjahr an dieser Schule verbracht zu haben und würde mich auch immer wieder für sie entscheiden.
Schwerer Abschied von meiner Mama unter den Lehrern
Gen Schluss der Lehrerfeier habe ich dann von meinem Mentor erfahren, dass ich mich noch bei der Kolpingfamilie Singida verabschieden sollte. Durch die Kolping Jugendgeschmeinschaftsdienste bin ich ja schließlich hier, doch hat die Kolpingfamilie mich bei meiner Ankunft nicht willkommen geheißen und auch sonst hatte ich neben meinem Schneidern nichts mit Kolping zu tun. So hatte ich auch mit einer Abschiedsfeier nicht gerechnet und sie nicht in meinen Terminplan einkalkuliert, sodass ich am Sonntag packen und wir am Montag aufbrechen wollten. Zum Glück hatten wir die Buskarten noch nicht gekauft und konnten unserer Abreise noch einen Tag hinauszögern. Das war auch wichtig, denn am Sonntag trafen wir uns dann in dem Kolpingladen und haben dort mit der Kolpingfamilie (eine Gruppe aus Arbeitern, die zusammen Projekte durchführen, um Geld für Projekte zu sammeln) und Richard, meinem Mentor getroffen. Es gab Soda, wurde viel gesungen und meine deutsche Mama und ich haben jeder ein selbst gebatiktes Kleid der Kolpingschneiderin überreicht bekommen. Trotz der geplanten 15-minütigen Abschiedsfeier, wurden wir dann auch noch zum gemeinsamen Essen eingeladen und waren froh, als wir endlich um 16 Uhr zuhause waren und ich kaputt von allem feiern endlich anfangen wollte, zu packen. Doch da hatte mir meine Gastfamilie einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Mit der Familie zusammen draußen Ugali essen, sehr schön!
Denn zuhause wartete schon meine tansanische Verwandtschaft, mitsamt ihrer 20 Kinder, die alle durcheinander wuselten. Also nichts mit Packen, sondern es ging in die Vatcan Lodge (die Lodge meiner Gasteltern), wo wir mit der ganzen großen Familie meinen Abschied begehen sollten. Doch auch dies war natürlich wieder ein tansanisches Fest, weshalb wir erst nach knappen zwei Stunden eine Soda in die Hand bekamen, alle Platz genommen hatten und sich mein Gastvater überreden ließ, auch zur Feier dazu zustoßen anstatt mit seinen Brüdern draußen gemütlich ein Bier zu trinken.
Aufführung der Kinder
Nach mehreren technischen Schwierigkeiten mit der viel zu lauten Musikanlage, tanzten die Kinder mit einer Trommel in den Raum und haben uns (meine Familie und Richard, die wir an eine Art „Jurytisch/High Table“ sitzen mussten), verschiedene Lieder vorgesungen, in denen sie sagten, dass sie uns alle sehr vermissen würden. Danach haben sie noch ein kleines Theaterstück aufgeführt und ich habe einen Kuchen bekommen, den ich für alle Festgäste in winzige Stückchen schneiden sollte. War dies geschehen, kamen alle in einer Reihe zu meinem Tisch getanzt und ließen sich von mir füttern, bzw. haben als Dank unter „Lululululu“-Gerufe auch mir ein Stückchen Kuchen in den Mund geschoben.
Später tanzten wieder alle in einer Reihe auf unseren Tisch zu und haben uns in Glitzerpapier eingepackte Boxen überreicht. Wenn man bedenkt, dass das typisch tansanische Geschenk ein Stoff ist, den ich im Kindercenter und  bei den Lehrern auch schon bekommen habe, dann versteht man wahrscheinlich, warum ich mich besonders über mein Abschiedsgeschenk von der Familie gewundert habe. Ich habe also unter Klatschen, Singen und Gerufe meine Schachtel geöffnet und den braunen Umschlag herausgezogen und hochgehalten. Unter aller Augen habe ich dann das Geschenk geöffnet und hielt…Unterwäsche in der Hand! Da hat mir meine Gastfamilie doch glatt ganz schreckliche Unterwäsche mit Kühen drauf geschenkt, die ich dann in der großen Halle der Lodge auspacken musste und freudestrahlend zeigen sollte. Nach einem Jahr Zusammenleben, konnte sich meine Gastmutter also nichts Besseres vorstellen, als mir nach Deutschland Polyester-Unterwäsche mitzugeben. Ziemlich komisch. Vor allem, weil auch meine Mutter neben mir unter lautem Lachen rosa Unterhosen aus ihrer Schachtel zog. In Deutschland würde man sich wohl eher nicht trauen, bei einer großen Feier einer 50jährigen Frau öffentlich Unterwäsche zu schenken.^^
Koffer packen mit lauter tansanischen Stoffen!

Am Montag habe ich dann endlich Zeit zum 
Packen gehabt, am Dienstagmorgen, dem 07.08.,  habe ich mich dann unter Tränen von meiner Gastfamilie verabschiedet, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem meine Gastschwestern und die Hausmädchen werde ich sehr vermissen. Bis zum 10.08. war ich mit meiner Familie in Arusha, wir haben uns die trubelige Stadt angesehen und noch eine Safari im Tarangire Nationalpark gemacht. Am 11.08. ging es für uns morgens um 3 Uhr nachts los...nach Hause, auf das ich mich auch schon sehr gefreut habe! :-)

Freitag, 20. Juli 2012

Älterwerden auf die tansanische Art ;-)

Letzte Woche, am Freitag, den 13. Juli, habe ich die 20er-Marke geknackt und in der Schule, zuhause und mit meinem Mitfreiwilligen Jonas aus Mwanga diesen Festtag würdig begangen. ;-)

Mein Geburtstagstisch
An meinem Geburtstagsmorgen habe ich mir eine Kerze angezündet, mir ein Ständchen gebracht und das 2 kg schwere Süßigkeiten-Paket meiner Familie geöffnet. Weil sich meine Rücklagen zu dem Zeitpunkt auf ganze zwei Maoams beschränkten, war die Freude doppelt groß. ;-)  In der Familie hat mir keiner gratuliert, einen Geburtstag zu feiern ist hier auch nicht üblich. Aber das war auch nicht weiter schlimm, weil die Mama ankündigte, am Abend Pilau (Gewürzreis), Pommes und Kachumbari (Tomatensalat) für mich zu kochen, juhu!

Am Donnerstag hatte ich schon für alle Lehrer Maandazi gebacken und Sambusa gekauft, die ich dann zur Freude aller zum Tee am Freitag verteilen konnte. Meine Lehrer hatten meinen Geburtstag zwar erst vergessen, doch mir dann noch schnell einen Khanga gekauft, alle Lehrer zusammen gerufen und mir ein Ständchen gebracht.
Teacher Mrua packt mein Geschenk unter dem Gesang aller aus

Die Lehtet freuen sich mit mir
Während alle „Öffne es, öffne es!“ gesungen haben, hat Mwl. Mrua mir mein in grüner Glitzerfolie eingepacktes Geschenk geöffnet und ich wurde dann mit lautem „Lululululu“ von oben bis unten in die Stoffbahnen eingewickelt und von allen umarmt.
Von oben bis unten eingepackt!
Khangas sind traditionelle Stoffe, die immer mit einem Spruch versehen werden. Auf meinem Geburtstags-Khanga steht, dass wenn man jemanden respektiert, einem als Dank Liebe entgegen gebracht werde. Kurzum, der Khanga soll ausdrücken, dass ich meine Lehrer respektiere und sie mich, was uns als Grundlage dient, uns gegenseitig zu mögen. ;-)
Ganz liebe Geschenke meiner 5. Klässler

Meine 5. und 6. Klasse, die davon Wind bekommen haben, haben auch noch einmal „Happy Birthday“ für mich gesungen, Schüler meiner 5. Klasse haben mir zwei Kekse, 10ct und ein halbes Stück Kreide geschenkt. Das war wirklich sehr niedlich. ;-) Mein Schulleiter hat mir eine große Glitzerkarte gekauft, die nach ein paar technischen Fehlern ein Liedchen für mich trällerte und ich war mit meinem Geburtstag rundum zufrieden.
Nachdem ich in der Dispensary meiner üblichen Arbeit nachgegangen war, konnte ich am Nachmittag ausgiebig mit Familie und Freunden skypen, am Abend kamen mein Mitfreiwilliger Jonas und mein Mentor Richard zu Besuch.
Mein 20er-Schild von Olga und Jonas
Obwohl Jonas und Olga bisher noch keiner emsländischen „Schildaufstellen“-Tradition beiwohnen konnten, haben sie mir ein witziges Schild gemalt, was nun einen Ehrenplatz in meinem Zimmer bekommen hat.
Jonas,ich& Mentor Richard beim Festtagsschmaus
Mama, Madita und im Hintergrund Enjo

Um 22:15 Uhr stand etwas verspätet das Abendessen auf dem Tisch und wir konnten mit Soda, Kassettenmusik und unserem Festmahl mit meiner Gastfamilie feiern. :-)
Danach wollten Jonas und ich uns zum ersten Mal in den Club hier im Ort trauen, was dann schon daran scheiterte, dass er nur sonntags geöffnet habe, wie wir erfuhren. Also sind wir ein bisschen weiter weg zu einer Art Bar gefahren, wo ungefähr 20 Menschen im durchschnittlichen Alter von 35 Jahren und meist vorhandenem Bierbauch ihr Bestes auf der Tanzfläche gaben. Die Musik aus den aktuellen tansanischen Charts wurde leider gänzlich von den beiden Playbackmusikern vernachlässigt.
Endlich eine Gelgenheit für die Abendgarderobe gefunden!
Aber auch wenn man in Deutschland diesen Diskobesuch als einen regelrechten Flop bezeichnen würde, war es eine witzige Sache sich unter die paar Leute zu mischen und so zu tun, als ob es nichts Besseres gebe, als dicken, alten, leicht angetrunkenen Männer beim Tanzen auszuweichen. ;-) Der Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt, allein schon, um einmal bei Nacht und klarem Sternenhimmel auf dem Rücksitz eines Pikipikis durch Singida zu brausen!

Doch auch der nächste Tag barg noch einige Highlights: Wir wurden per Skype live zu einem Afrikafestival in Aschaffenburg zugeschaltet, um dort vor einem Publikum Fragen zu unserem Freiwilligendienst zu beantworten.
Und am Abend gingen wir schick essen, um nun doch noch einmal unsere maßgeschneiderte
Vielleicht das beste,wenn auch scharfe Essen der bisherigen 10 Monate hier ;-)
Kleidung auszuführen. Diese war eigentlich für eine Hochzeit am Wochenende davor gedacht gewesen, die aber letztendlich an der Entscheidung scheiterte, ob evangelisch oder katholisch geheiratet werden sollte. Vor allem Jonas konnte es sehr genießen, statt dem täglichen Maisbrei (Ugali) nun ein Pfeffersteak vor sich zu wissen. In meinem Essen hatten die Köche leider eine Chilischote versteckt, weshalb der Abend trotz der leckeren Gerichte in Tränen endete. ;-)

Blinder Passagier


Weil mein Fahrrad nun mittlerweile ganz kaputt ist (ich war bis zu zweimal täglich beim Handwerker) durfte ich vorübergehend das Rad meines Babas benutzen. Um zum Kinderzentrum zu kommen, muss man den kleinen Berg bei uns hinauf. Mit Gegenwind und anderen Passanten kommt man nicht so schnell voran, dazu kam vor einigen Tagen noch ein Taxi, was halb auf dem Gehweg stand. Ich wurde also automatisch etwas langsamer. Diese Gelegenheit hat ein junger Mann genutzt, der mir auf den breiten Gepäckträger gesprungen ist. Aus meinem Rucksack ragt ein großes Flip-Chart-Papier, weswegen ich diesen nicht ganz schließen konnte. Er ist mir also hinten auf’s Rad gesprungen und dachte wahrscheinlich, dass er mir den sowieso schon etwas geöffneten Rucksack komplett abnehmen könnte. Doch mit dem plötzlichen Gewicht und zusätzlich noch im Schneckentempo fahrend, konnte ich das Rad nicht halten und bin mit dem Dieb zu Boden gegangen. Er konnte flott genug abspringen, meinen Rucksack hat er aber trotz des Chaos nicht bekommen können. Während ich mich wieder aufrappelte sprang er schon in das Taxi und wollte schnell flüchten. Doch auf der Straße war viel Verkehr, sodass er nicht vorankam und ich ihm noch ordentlich meine Meinung sagen konnte. Mehr konnte ich nicht machen, weil die umstehenden Zuschauer die Situation eher witzig fanden und er mir ja auch schließlich nichts hatte abnehmen können. Doch es ist schon komisch, dass jemand versucht mir meinen Rucksack zu klauen und danach gemächlich in einem Taxi neben mir fährt, um sich aus der Gefahrenzone zu bringen. Baba hatte ich versprochen, das Fahrrad auch ohne nur einen Kratzer wieder zurückzubringen, was mich an der Situation nun besonders ärgerte, da ich das Versprechen nicht halten konnte.
Tja, da denkt man, man sei schon ganz in Singida/Tansania angekommen und würde einigermaßen akzeptiert werden und doch gibt es immer wieder solch blöde Zwischenfälle, die sich auf meine Hautfarbe und den damit verbundenen „Reichtum“ zurückführen lassen. :-/

Mittwoch, 18. Juli 2012

Workshops


Meine letzte Woche war stark vom Plakatemalen und Übersetzen dominiert, denn ich habe mich darauf vorbereitet, am 11.07. mit meinem Lehrerkollegium einen Workshop zu Lehrmethoden durchzuführen. Lehrmethoden stehen zwar grundsätzlich auf dem Ausbildungsplan eines angehenden Lehrers, doch wenden zumindest meine Lehrer diese kaum an. Luise hatte vorher schon bei sich in Iguguno einen dementsprechenden Workshop durchgeführt, so konnte ich ein wenig abgucken. Ich habe den Lehrern also ein bisschen etwas von Lernspielen, Mind-Maps, Stichpunkten, Rhetorik usw. erzählt und es ließen sich besonders alle für das „Galgenmännchenspiel“ begeistern.
Lehrmethoden-Plakat
Weil die Schüler noch draußen auf dem Schulhof herumlungerten, haben sie sich leider nicht getraut, mit mir zwei Spiele auszuprobieren, aber trotzdem war es ein gelungener Workshop und die Lehrer haben sich bei mir zum Schluss bedankt, dass ich ihre Kenntnisse aufgefrischt und ihnen neue Impulse gegeben habe.
Ich war mir erst nicht sicher, ob es wirklich gut sei, wenn ich als gerade 20-Jährige den alt eingesessenen Lehrern erzähle, wie sie unterrichten sollen. Doch letztendlich waren es ja nur Verbesserungsvorschläge, die auch von allen angenommen wurden und ich bin froh, den Workshop gemacht zu haben.

Einen Tag später, am 12.07., habe ich dann ein weiteres Projekt unter dem Namen „Wiki mjoa bila fimbo“ (Eine Woche ohne Stock) vorgestellt, was wir zurzeit an der Schule durchführen. Statt Stockschläge bekommen die Klassen Punkte und wer am meisten Punkte gesammelt hat, muss für eine Woche die Schultoiletten putzen. Die Klasse, die am wenigsten Strafpunkte bekommt, wird mit Bonbons belohnt. Zuerst habe ich mit den Lehrern über die allgemeine Beziehung zu den Schülern geredet. Wie sie ist und wie sie sein sollte und was es für Möglichkeiten gibt, um diese zu verbessern und nicht durch den Stock behaupten zu lassen. Ich habe mich fast schon ein bisschen gewundert, wie gut sich alle darauf eingelassen haben. Sogar einer der wenigen männlichen Lehrer, der allzu gerne mal nach dem Stock langt, zeigte sich zufrieden.
Bisher verläuft die Woche sehr gut und auch die Schüler haben verstanden, dass das Ziel dieser besonderen Woche nicht nur die Bonbons sind, sondern eine Art „kleiner Beweis“, dass zumindest meine Grundschule wandelbar ist und es auch ohne Stock gehen kann.
Erklärungen zu "Einer Woche ohne Stock"
Meine Gastmutter hat mir noch vor Beginn der Woche erklärt, dass tansanische Kinder anders als deutsche seien und ich gnadenlos scheitern würde. Ohne den „fimbo“ würden die Kinder nicht sporen, sagte sie. Ich habe ihr meine Position erläutert und aber auch gesagt, dass ich nicht weiß, ob großes Chaos das Resultat sein würde. Doch bis jetzt sieht es sehr gut aus! Ob wirklich alle Lehrer ihre Punkte auch gewissenhaft eintragen, kann ich nicht sagen, aber es scheint zu funktionieren und ich bin froh, dieses Projekt noch auf den „letzten Drücker“, in meiner letzten richtigen Woche in der Schule, zu machen. Am Freitag werde ich alles mit den Lehrern zusammen auswerten und es wird eine Siegerehrung geben.
Heute habe ich mit meinem Schulleiter geredet und er hat mir gesagt, dass er so begeistert von meinem Projekt sei, dass er sich vorstellen könne, dies als generelles Strafsystem an seiner Schule einzuführen!! Ich weiß nicht, ob er es nicht doch wieder vergessen wird, aber immerhin mehrfach wiederholt soll es werden! Mit so einem großen Erfolg habe ich nicht gerechnet und bin sehr stolz auf meine Lehrer und eben vor allen Dingen meinen toleranten und offenen Schulleiter. Mit meiner Schule habe ich wirklich großes Glück gehabt und hätte mir auch kein besseres Lehrerkollegium vorstellen können. Sie kümmern sich besser als meine Gastfamilie um mich, es gibt immer viele offene Ohren für mich und egal, ob ich kochen lernen möchte, ein Fahrradschloss brauche oder andere Fragen, sie helfen wir immer. ;-)
Die Lehrer hören mir zu ;-)
Vor ein paar Wochen bin ich zu einer Lehrerin nach Hause eingeladen worden, damit sie mir zeigen konnte, Pilau (Gewürzreis) zu kochen. Ein anderes Mal rief mich der Schulleiter an, um mir mitzuteilen, dass die Mutter einer Lehrerin verstorben sei und wir sind alle zusammen spontan auf die muslimische Trauerfeier gegangen und haben beim Kochen geholfen.
Meine Arbeit an der Schule und das Lehrerkollegium nehmen einen sehr großen Teil meines Freiwilligendienstes hier ein und ich bin sehr froh, sie alle kennen gelernt zu haben und dadurch so viele Stunden beim Hefte korrigieren, schwatzen und Tee trinken zu verbringen. Sie haben viele Fragen zur deutschen Kultur und auch ich konnte schon genug über weniger alltagspräsente Themen wie Hexerei, den Teufel, Beziehungen usw. lernen. Sie staunen stets wieder, wenn ich ihnen erzähle, wie „einfach“ es in Deutschland sei, eine Beziehung zum anderen Geschlecht zu haben, weil man öffentlich zeigen darf, dass man zusammen ist, ohne gleich heiraten zu müssen. Dass es möglich sei, dass Junge und Mädchen miteinander in einem geschlossenen Raum sitzen, ohne, dass sie miteinander schlafen „müssen“ und auch die Eltern viel toleranter seien. Momentan fiebern die Lehrer alle mit mir um meinen Studienplatz, das Prinzip des Doppeljahrgangs in Niedersachsen letztes Jahr und dessen Auswirkungen haben sie verstanden und drücken mir nun die Daumen, trotz andauerndem Ansturm einen Platz zu kriegen. ;-)
Das Kollegium
Nun genieße ich also meine letzte Woche alleine in der Schule, bevor ich nächsten Montag von meiner Familie Besuch bekomme. Dafür nehme ich die Schulwoche frei, um mit ihnen zuerst Zeit bei unserer Partnergemeinde in Kondoa/Haubi zu verbringen. Ab dem darauf folgenden Montag werden wir dann hier in Singida meiner Arbeit nachgehen und ich werde ihnen alles zeigen können. Damit ist mein eigentlicher Freiwilligendienst dann auch „schon“ vorbei, wird durch den Besuch meiner Familie abgeschlossen.

Montag, 16. Juli 2012

Die große afrikanische Sonne :-)

Innerhalb von wenigen Minuten geht die Sonne ganz unter

Sonnenuntergang über Singida