Ich bin jetzt schon seit zwei Monaten wieder in Deutschland und habe seitdem meinen Blog vernachlässigt. Eigentlich dachte ich, könnte ich etwas von der tansanischen Langsamkeit mit in meinen deutschen Alltag einbauen. Doch für "pole pole" bleibt hier leider keine Zeit. Mitten in der Nacht kamen wir vom Flughafen nach Hause und da lag auch schon meine Zulassung für die Universität Hildesheim im Briefkasten. Da hatte ich erst seit einem halben Tag keinen afrikanischen Boden mehr unter den Füßen, habe meinen Freiwilligendienst abgeschlossen und schon ist der nächste wichtige Zukunftsschritt besiegelt. Ich habe mich zum einen sehr gefreut, meinen Studienplatz in trockenen Tüchern zu haben, doch hat es mich auch etwas überrumpelt, kaum Zeit zum Überlegen zu haben, sondern direkt wieder in den deutschen, "stressigen" Alltag hineingeworfen zu werden. Am Morgen nach meiner Rückkehr habe ich mir mit solcher Selbstverständlichkeit ein Vollkornbrot mit Butter und meinem Lieblingskäse beschmiert, dass mir erst beim ersten Bissen auffiel, wie lange ich auf dieses hatte verzichten müssen. Das erste Mal Duschen war wunderschön und so ungewohnt nach knapp einem Jahr mit meinem Wassereimer, dass ich glatt ein paar Tränen verdrücken musste. Und nach meinem Vegetarier-Dasein wurde nun des Öfteren der Grill angeschmissen und ich konnte mich sehr über diese doch sehr deutsche Sitte freuen.
Am Anfang war die Frage "Und, wie war's?" noch sehr seltsam für mich, weil ich auch gar nicht wusste, was ich antworten, von was ich erzählen sollte. Der Umschwung vom heißen Tansania mit all den fröhlichen, aufgeschlossenen Menschen zum kühleren Deutschland, wo Passanten sich oft noch nicht einmal grüßen, war hart für mich. Doch dieses Gefühl hielt nicht allzu lange an. Schon bin ich wieder "eingedeutscht", auch wenn ich mir vorgenommen habe, ein paar Aspekte meines tansanischen Lebens mit in mein weiteres Leben einzubauen.
Amrei in Singida,Tansania
Hier berichte ich über meinen Freiwilligendienst in Singida, Tansania über die Kolping Jugendgemeinschaftsdienste.
Freitag, 12. Oktober 2012
Sonntag, 26. August 2012
Gerührt, umgerührt
Manch einer erinnert sich vielleicht noch daran, dass ich in
meinen letzten Wochen in Tansania einen Workshop zu dem Thema „Eine Woche ohne
Stock“ durchgeführt habe. Das Ende dieser Projektwoche fiel leider so, dass ich
meine Familie vom Flughafen abholen musste und somit keine abschließende
Besprechung mehr mit den Lehrern machen konnte. Ein offizielles Feedback
konnten die Lehrer mir so nicht mehr geben, doch habe ich von vielen gehört,
dass Lehrer als auch Schüler begeistert waren.
Als ich nach einer Woche mit meiner Familie in die Schule
kam, hatte mein Schulleiter meine selbst gemalten Plakate und Vermerkzettel durch
getippte Zettel ersetzt. Als ich ihn erstaunt gefragt habe, was er damit machen
wolle, hat er mir zu meiner Überraschung gesagt, dass er mein Projekt auf
unbegrenzte Zeit weiterführen wolle!! Mir stiegen die Tränen in die Augen, als
ich davon erfahren habe. Sollte es nun wirklich klappen und sich Schüler und
Lehrer weiterhin gut darauf einlassen, dann gäbe es ab nun eine Schule in
Tansania an der ohne Stockstrafe unterrichtet wird!
Wer weiß, wie lange die Lehrer durchhalten und nicht zum Stock
greifen, doch erst einmal bin ich sehr positiv überrascht und freue mich
riesig, dass mein Workshop/Projekt an meiner Schule Gehör gefunden hat! So
einen Erfolg hatte ich nicht erwartet, wollte meiner Schule nicht irgendetwas
aufzwingen, sondern den Stockgebrauch durch solche, am besten mehrmals
durchgeführte Projektwochen, verringern und so versuchen Schülern und Lehrern
die Möglichkeit zu geben, die gegenseitige Beziehung zu verbessern.
Doch nun kann ich wirklich sagen, dass ich meinem Kollegium
die Anleitung gegeben habe und ein Jahr lang mit gutem Beispiel voran gegangen
bin, sie sich letztendlich aber komplett selbst dazu entschlossen haben, das
Projekt weiterzuführen, sogar in einer Woche, in der ich nicht einmal anwesend
war.
Ein tansanischer Lehrer wäre vielleicht mit so einem
Vorschlag verpönt worden, doch ich als ausländische Freiwillige hatte die
Möglichkeit dazu. Ohne meinen weltoffenen und modern denkenden Schulleiter
hätte ich dieses Projekt niemals durchführen können und er hat viel dazu
beigetragen, dass mein Freiwilligendienst so schön war! Es ist nicht
selbstverständlich, dass sich jemand so auf die Kultur eines anderen einlässt,
wie es mein Schulleiter getan hat.
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge - Abschied von Tansania
Meine Familie aus Deutschland hat mich für drei Wochen
in Tansania besucht, um mein Zuhause der letzten elf Monate kennen zu lernen. Am
Anfang waren wir von Montag bis Freitag in Kondoa und Haubi, des
Partnerdistrikts der evangelischen Kirche Emsland-Bentheim und unserer
Nikolaikirche in Papenburg. Es war ein schöner Besuch, aber leider haben sich
die Tansanier sehr darauf ausgeruht, dass ich Kiswahili spreche, wodurch es für
mich dann etwas anstrengend war ständig übersetzten zu müssen. Unter anderem
konnten wir uns die „10-100.000“ Jahre alten „Kolo Rock Paintings“,
Felsmalereien, ansehen.
| Meine Gastmutter gab für meine Familie tansan. Kleidung in Auftrag |
Auf dem Rückweg von Kondoa nach Singida (auf der
Landkarte ein Katzensprung) hat unser Bus dann einen „Shorticuti“ (Abkürzung)
genommen und wir sind sechs Stunden lang über eine schreckliche, nicht
vorhandene Straße gebrettert. Wir waren alle sehr froh, als wir endlich
angekommen waren. Aber immerhin konnte meine Familie sich nun vorstellen, wie es
hier jenseits der Städte in den Dörfern aussieht. Es sind auch unzählige
traditionell gekleidete Tansanier mitgereist, die mit Decke, großem Schmuck und
Stock unterwegs waren. Die Zeit danach verbachten wir in meiner Gastfamilie.
Abschied nehmen und Lehrerstreik
Abschied nehmen und Lehrerstreik
In Singida begann nun meine letzte Schulwoche vor den
Ferien und meiner Abreise, so musste ich als erstes in der Gesundheitsstation
Ade sagen, dann im Kinderzentrum, bei der Schneiderin, die mir ein bisschen
etwas beigebracht hat und dann am Freitag auch in der Schule bei meinen
Klassen.
Die gemeinsame Zeit mit meinen Schülern wurde zum
Schluss recht knapp, weil die Lehrer in der Woche vor den großen Ferien
plötzlich streikten. Sie sind zwar Staatsbeamte, doch bei ihrer niedrigen
Bezahlung von 100€ Anfangsgehalt (Versicherungen usw. schon abgezogen), bis 200€
Schlussgehalt bei einer langen Lehrerlaufbahn, reicht das Geld oft nicht aus.
Sie haben von der Regierung mindestens 100% ständigen Zuschuss verlangt, was
diese bisher verweigerte. An diesem Freitag hat der Präsident zugestimmt,
Verhandlungen anzufangen, doch werde das Gehalt nicht so weit erhöht werden
können. Der Streik ist trotzdem beigelegt. Ansonsten könnte auch die
Volkszählung diesen Monat, die von den Lehrern durchgeführt wird, nicht
stattfinden.
Ich wollte meiner Familie eigentlich gerne zeigen, wo
ich für so lange Zeit unterrichtet hatte, aber nun war auf einmal das
Lehrerzimmer wie leer gefegt und ich habe nur den Schulleiter und ein paar
Kinder angetroffen. So habe ich als einzige an diesem Tag unterrichtet. Am
selben Abend wurde meine Schule als Beispiel für einen geglückten Streiktag in
den nationalen Nachrichten gezeigt.
| Zähneputzen will gelernt sein |
An den darauf folgenden Tagen setzte sich der Streik
fort, sodass ich nur noch an zwei weiteren Tagen in der Schule war, um mich von
„meinen“ Kindern zu verabschieden und an einem Tag ein „Zahnputzprojekt“
durchzuführen. Mein Zahnarzt aus Papenburg war so lieb und hatte meinen Eltern
Zahnbürsten und –pasta mit auf den Weg gegeben.
So konnte ich zusätzlich mit
einem großen Gebiss den Schülern der 4. bis 6. Klasse zeigen, wie man richtig
die Zähne putzt. Manchmal ist es schon sehr verwundernswert, aber nach eigenen
Angaben wussten die Kinder nicht wirklich, warum man sich die Zähne putzt. Des
„Geruches“ wegen, war die Antwort. Deswegen putzen sich sehr viele Tansanier nur
morgens die Zähne, verzichten aber darauf, es abends zu wiederholen.
Zum ersten
Mal hörten sie nun etwas von Bakterien und bekamen von mir gesagt, dass
ständiger Zuckerkonsum nicht nur für den Körper, sondern auch für die Zähne
schlecht sei. Damit die Kinder sich gut merken konnten, wo und wie man die Zähne
putzen sollte, haben wir noch gemeinsam ein Zahnputz-Lied auf Kiswahili
eingeübt, was Luise und Rike vorher schon gedichtet hatten. Es war ein tolles
Projekt, nur durften manche Schüler/innen wegen des Ramadans sich nicht direkt
die Zähne putzen, weil sie sonst auch Wasser zu sich nehmen würden.
| Ich zeige den Kindern wie man richtig putzt |
| Unser Zahnputzlied und kaufreundliches Essen |
Am Freitag habe ich mich dann unter tausendfachem
Händeschütteln von meinen Klassen verabschiedet und bin mit meiner Familie noch
ein letztes Mal nach Iguguno gefahren, um der Gastmutter von Luise und Rike
„Tschüss“ zu sagen. Die beiden Mädchen sind schon seit zwei Wochen wieder
zuhause, doch Mama Mwanga habe ich sehr ins Herz geschlossen und es war schön
meiner Familie zu zeigen, wo ich so viele Wochenenden verbracht habe.
;-)
| Abschied von Iguguno, im Schneidershop der Mama |
Nachdem sich jeder vorgestellt hatte, hat der
Schulleiter den DJ gemimt, während der Rest im Raum herumtanzte. Zur
Abschiedsgeschenkübergabe mussten wir uns dann mit unserer vierköpfigen Familie
in die Mitte des Raumes stellen und wurden von meinem Kollegium tanzend
umkreist. Sie haben uns die Geschenke überreicht, wir haben diese hochgehalten
und unter lautem „Lululululu“ damit getanzt, um sie dann den Lehrern wieder
zurückzugeben, die sie dann für uns auspackten.
Wir wurden alle sehr reichlich
beschenkt und ich war froh, dass ich für das Lehrerzimmer ein Plakat mit den
Fotos der Lehrer gestaltet hatte und jedem noch ein kleines Geschenk in die Hand
drücke konnte. Mein Lehrerkollegium hat mir wirklich sehr viel bedeutet und ist
immer da eingesprungen, wo meine Gastmutter versagt hat. Habe ich einen guten
Schneider, ein neues Fahrradschloss, Ratschläge oder jemanden zum Reden
gebraucht, dann habe ich bei ihnen immer Unterstützer gefunden. Ich habe es in
keinem Fall bereut, mein Freiwilligenjahr an dieser Schule verbracht zu haben
und würde mich auch immer wieder für sie
entscheiden.
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| Wir wurden in unsere Geschenke eingehüllt |
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| Schwerer Abschied von meiner Mama unter den Lehrern |
Gen Schluss der Lehrerfeier habe ich dann von meinem
Mentor erfahren, dass ich mich noch bei der Kolpingfamilie Singida verabschieden
sollte. Durch die Kolping Jugendgeschmeinschaftsdienste bin ich ja schließlich
hier, doch hat die Kolpingfamilie mich bei meiner Ankunft nicht willkommen
geheißen und auch sonst hatte ich neben meinem Schneidern nichts mit Kolping zu
tun. So hatte ich auch mit einer Abschiedsfeier nicht gerechnet und sie nicht in
meinen Terminplan einkalkuliert, sodass ich am Sonntag packen und wir am Montag
aufbrechen wollten. Zum Glück hatten wir die Buskarten noch nicht gekauft und
konnten unserer Abreise noch einen Tag hinauszögern. Das war auch wichtig, denn
am Sonntag trafen wir uns dann in dem Kolpingladen und haben dort mit der
Kolpingfamilie (eine Gruppe aus Arbeitern, die zusammen Projekte durchführen, um
Geld für Projekte zu sammeln) und Richard, meinem Mentor getroffen. Es gab Soda,
wurde viel gesungen und meine deutsche Mama und ich haben jeder ein selbst
gebatiktes Kleid der Kolpingschneiderin überreicht bekommen. Trotz der geplanten
15-minütigen Abschiedsfeier, wurden wir dann auch noch zum gemeinsamen Essen
eingeladen und waren froh, als wir endlich um 16 Uhr zuhause waren und ich
kaputt von allem feiern endlich anfangen wollte, zu packen. Doch da hatte mir
meine Gastfamilie einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Denn zuhause wartete
schon meine tansanische Verwandtschaft, mitsamt ihrer 20 Kinder, die alle
durcheinander wuselten. Also nichts mit Packen, sondern es ging in die Vatcan
Lodge (die Lodge meiner Gasteltern), wo wir mit der ganzen großen Familie meinen
Abschied begehen sollten. Doch auch dies war natürlich wieder ein tansanisches
Fest, weshalb wir erst nach knappen zwei Stunden eine Soda in die Hand bekamen,
alle Platz genommen hatten und sich mein Gastvater überreden ließ, auch zur
Feier dazu zustoßen anstatt mit seinen Brüdern draußen gemütlich ein Bier zu
trinken.
Nach mehreren technischen Schwierigkeiten mit der viel zu lauten
Musikanlage, tanzten die Kinder mit einer Trommel in den Raum und haben uns
(meine Familie und Richard, die wir an eine Art „Jurytisch/High Table“ sitzen
mussten), verschiedene Lieder vorgesungen, in denen sie sagten, dass sie uns
alle sehr vermissen würden. Danach haben sie noch ein kleines Theaterstück
aufgeführt und ich habe einen Kuchen bekommen, den ich für alle Festgäste in
winzige Stückchen schneiden sollte. War dies geschehen, kamen alle in einer
Reihe zu meinem Tisch getanzt und ließen sich von mir füttern, bzw. haben als
Dank unter „Lululululu“-Gerufe auch mir ein Stückchen Kuchen in den Mund
geschoben.
| Mit der Familie zusammen draußen Ugali essen, sehr schön! |
| Aufführung der Kinder |
Später tanzten wieder alle in einer Reihe auf unseren
Tisch zu und haben uns in Glitzerpapier eingepackte Boxen überreicht. Wenn man
bedenkt, dass das typisch tansanische Geschenk ein Stoff ist, den ich im
Kindercenter und bei den Lehrern auch schon bekommen habe, dann versteht man
wahrscheinlich, warum ich mich besonders über mein Abschiedsgeschenk von der
Familie gewundert habe. Ich habe also unter Klatschen, Singen und Gerufe meine
Schachtel geöffnet und den braunen Umschlag herausgezogen und hochgehalten.
Unter aller Augen habe ich dann das Geschenk geöffnet und hielt…Unterwäsche in
der Hand! Da hat mir meine Gastfamilie doch glatt ganz schreckliche Unterwäsche
mit Kühen drauf geschenkt, die ich dann in der großen Halle der Lodge auspacken
musste und freudestrahlend zeigen sollte. Nach einem Jahr Zusammenleben, konnte
sich meine Gastmutter also nichts Besseres vorstellen, als mir nach Deutschland
Polyester-Unterwäsche mitzugeben. Ziemlich komisch. Vor allem, weil auch meine
Mutter neben mir unter lautem Lachen rosa Unterhosen aus ihrer Schachtel zog. In
Deutschland würde man sich wohl eher nicht trauen, bei einer großen Feier einer
50jährigen Frau öffentlich Unterwäsche zu
schenken.^^
Am Montag habe ich dann endlich Zeit zum
Packen gehabt, am Dienstagmorgen, dem 07.08., habe ich mich dann unter Tränen von meiner Gastfamilie verabschiedet, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem meine Gastschwestern und die Hausmädchen werde ich sehr vermissen. Bis zum 10.08. war ich mit meiner Familie in Arusha, wir haben uns die trubelige Stadt angesehen und noch eine Safari im Tarangire Nationalpark gemacht. Am 11.08. ging es für uns morgens um 3 Uhr nachts los...nach Hause, auf das ich mich auch schon sehr gefreut habe! :-)
Freitag, 20. Juli 2012
Älterwerden auf die tansanische Art ;-)
Letzte Woche, am Freitag, den 13. Juli, habe ich die
20er-Marke geknackt und in der Schule, zuhause und mit meinem Mitfreiwilligen
Jonas aus Mwanga diesen Festtag würdig begangen. ;-)
An meinem Geburtstagsmorgen habe ich mir eine Kerze
angezündet, mir ein Ständchen gebracht und das 2 kg schwere Süßigkeiten-Paket
meiner Familie geöffnet. Weil sich meine Rücklagen zu dem Zeitpunkt auf ganze
zwei Maoams beschränkten, war die Freude doppelt groß. ;-) In der Familie hat mir keiner gratuliert,
einen Geburtstag zu feiern ist hier auch nicht üblich. Aber das war auch nicht
weiter schlimm, weil die Mama ankündigte, am Abend Pilau (Gewürzreis), Pommes
und Kachumbari (Tomatensalat) für mich zu kochen, juhu!
Am Donnerstag hatte ich schon für alle Lehrer Maandazi gebacken und Sambusa gekauft, die ich dann zur Freude aller zum Tee am Freitag verteilen konnte. Meine Lehrer hatten meinen Geburtstag zwar erst vergessen, doch mir dann noch schnell einen Khanga gekauft, alle Lehrer zusammen gerufen und mir ein Ständchen gebracht.
Während alle „Öffne es, öffne es!“ gesungen
haben, hat Mwl. Mrua mir mein in grüner Glitzerfolie eingepacktes Geschenk
geöffnet und ich wurde dann mit lautem „Lululululu“ von oben bis unten in die
Stoffbahnen eingewickelt und von allen umarmt.
Meine 5. und 6. Klasse, die davon Wind bekommen haben, haben auch noch einmal „Happy Birthday“ für mich gesungen, Schüler meiner 5. Klasse haben mir zwei Kekse, 10ct und ein halbes Stück Kreide geschenkt. Das war wirklich sehr niedlich. ;-) Mein Schulleiter hat mir eine große Glitzerkarte gekauft, die nach ein paar technischen Fehlern ein Liedchen für mich trällerte und ich war mit meinem Geburtstag rundum zufrieden.
Um 22:15 Uhr stand etwas verspätet das Abendessen auf dem Tisch und wir konnten mit Soda, Kassettenmusik und unserem Festmahl mit meiner Gastfamilie feiern. :-)
| Mein Geburtstagstisch |
Am Donnerstag hatte ich schon für alle Lehrer Maandazi gebacken und Sambusa gekauft, die ich dann zur Freude aller zum Tee am Freitag verteilen konnte. Meine Lehrer hatten meinen Geburtstag zwar erst vergessen, doch mir dann noch schnell einen Khanga gekauft, alle Lehrer zusammen gerufen und mir ein Ständchen gebracht.
| Teacher Mrua packt mein Geschenk unter dem Gesang aller aus |
| Die Lehtet freuen sich mit mir |
| Von oben bis unten eingepackt! |
Khangas sind traditionelle Stoffe, die immer mit einem
Spruch versehen werden. Auf meinem Geburtstags-Khanga steht, dass wenn man
jemanden respektiert, einem als Dank Liebe entgegen gebracht werde. Kurzum, der
Khanga soll ausdrücken, dass ich meine Lehrer respektiere und sie mich, was uns
als Grundlage dient, uns gegenseitig zu mögen. ;-)
| Ganz liebe Geschenke meiner 5. Klässler |
Meine 5. und 6. Klasse, die davon Wind bekommen haben, haben auch noch einmal „Happy Birthday“ für mich gesungen, Schüler meiner 5. Klasse haben mir zwei Kekse, 10ct und ein halbes Stück Kreide geschenkt. Das war wirklich sehr niedlich. ;-) Mein Schulleiter hat mir eine große Glitzerkarte gekauft, die nach ein paar technischen Fehlern ein Liedchen für mich trällerte und ich war mit meinem Geburtstag rundum zufrieden.
Nachdem ich in der Dispensary meiner üblichen Arbeit
nachgegangen war, konnte ich am Nachmittag ausgiebig mit Familie und Freunden skypen,
am Abend kamen mein Mitfreiwilliger Jonas und mein Mentor Richard zu Besuch.
Obwohl Jonas und Olga bisher noch keiner emsländischen
„Schildaufstellen“-Tradition beiwohnen konnten, haben sie mir ein witziges
Schild gemalt, was nun einen Ehrenplatz in meinem Zimmer bekommen hat.
| Mein 20er-Schild von Olga und Jonas |
| Jonas,ich& Mentor Richard beim Festtagsschmaus |
| Mama, Madita und im Hintergrund Enjo |
Um 22:15 Uhr stand etwas verspätet das Abendessen auf dem Tisch und wir konnten mit Soda, Kassettenmusik und unserem Festmahl mit meiner Gastfamilie feiern. :-)
Danach wollten Jonas und ich uns zum ersten Mal in den Club
hier im Ort trauen, was dann schon daran scheiterte, dass er nur sonntags
geöffnet habe, wie wir erfuhren. Also sind wir ein bisschen weiter weg zu einer
Art Bar gefahren, wo ungefähr 20 Menschen im durchschnittlichen Alter von 35
Jahren und meist vorhandenem Bierbauch ihr Bestes auf der Tanzfläche gaben. Die
Musik aus den aktuellen tansanischen Charts wurde leider gänzlich von den
beiden Playbackmusikern vernachlässigt.
Aber auch wenn man in Deutschland
diesen Diskobesuch als einen regelrechten Flop bezeichnen würde, war es eine
witzige Sache sich unter die paar Leute zu mischen und so zu tun, als ob es
nichts Besseres gebe, als dicken, alten, leicht angetrunkenen Männer beim
Tanzen auszuweichen. ;-) Der Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt, allein schon, um einmal
bei Nacht und klarem Sternenhimmel auf dem Rücksitz eines Pikipikis durch
Singida zu brausen!
| Endlich eine Gelgenheit für die Abendgarderobe gefunden! |
Doch auch der nächste Tag barg noch einige Highlights: Wir
wurden per Skype live zu einem Afrikafestival in Aschaffenburg zugeschaltet, um
dort vor einem Publikum Fragen zu unserem Freiwilligendienst zu beantworten.
Und am Abend gingen wir schick essen, um nun doch noch einmal unsere maßgeschneiderte
Kleidung auszuführen. Diese war eigentlich für eine Hochzeit am Wochenende
davor gedacht gewesen, die aber letztendlich an der Entscheidung scheiterte, ob
evangelisch oder katholisch geheiratet werden sollte. Vor allem Jonas konnte es
sehr genießen, statt dem täglichen Maisbrei (Ugali) nun ein Pfeffersteak vor
sich zu wissen. In meinem Essen hatten die Köche leider eine Chilischote
versteckt, weshalb der Abend trotz der leckeren Gerichte in Tränen endete. ;-)
Und am Abend gingen wir schick essen, um nun doch noch einmal unsere maßgeschneiderte
| Vielleicht das beste,wenn auch scharfe Essen der bisherigen 10 Monate hier ;-) |
Blinder Passagier
Weil mein Fahrrad nun mittlerweile ganz kaputt ist (ich war
bis zu zweimal täglich beim Handwerker) durfte ich vorübergehend das Rad meines
Babas benutzen. Um zum Kinderzentrum zu kommen, muss man den kleinen Berg bei
uns hinauf. Mit Gegenwind und anderen Passanten kommt man nicht so schnell
voran, dazu kam vor einigen Tagen noch ein Taxi, was halb auf dem Gehweg stand.
Ich wurde also automatisch etwas langsamer. Diese Gelegenheit hat ein junger
Mann genutzt, der mir auf den breiten Gepäckträger gesprungen ist. Aus meinem
Rucksack ragt ein großes Flip-Chart-Papier, weswegen ich diesen nicht ganz
schließen konnte. Er ist mir also hinten auf’s Rad gesprungen und dachte
wahrscheinlich, dass er mir den sowieso schon etwas geöffneten Rucksack
komplett abnehmen könnte. Doch mit dem plötzlichen Gewicht und zusätzlich noch
im Schneckentempo fahrend, konnte ich das Rad nicht halten und bin mit dem Dieb
zu Boden gegangen. Er konnte flott genug abspringen, meinen Rucksack hat er
aber trotz des Chaos nicht bekommen können. Während ich mich wieder aufrappelte
sprang er schon in das Taxi und wollte schnell flüchten. Doch auf der Straße
war viel Verkehr, sodass er nicht vorankam und ich ihm noch ordentlich meine
Meinung sagen konnte. Mehr konnte ich nicht machen, weil die umstehenden
Zuschauer die Situation eher witzig fanden und er mir ja auch schließlich
nichts hatte abnehmen können. Doch es ist schon komisch, dass jemand versucht
mir meinen Rucksack zu klauen und danach gemächlich in einem Taxi neben mir
fährt, um sich aus der Gefahrenzone zu bringen. Baba hatte ich versprochen, das
Fahrrad auch ohne nur einen Kratzer wieder zurückzubringen, was mich an der
Situation nun besonders ärgerte, da ich das Versprechen nicht halten konnte.
Tja, da denkt man, man sei schon ganz in Singida/Tansania
angekommen und würde einigermaßen akzeptiert werden und doch gibt es immer
wieder solch blöde Zwischenfälle, die sich auf meine Hautfarbe und den damit
verbundenen „Reichtum“ zurückführen lassen. :-/
Mittwoch, 18. Juli 2012
Workshops
Meine letzte Woche war stark vom Plakatemalen und Übersetzen
dominiert, denn ich habe mich darauf vorbereitet, am 11.07. mit meinem
Lehrerkollegium einen Workshop zu Lehrmethoden durchzuführen. Lehrmethoden stehen
zwar grundsätzlich auf dem Ausbildungsplan eines angehenden Lehrers, doch
wenden zumindest meine Lehrer diese kaum an. Luise hatte vorher schon bei sich
in Iguguno einen dementsprechenden Workshop durchgeführt, so konnte ich ein
wenig abgucken. Ich habe den Lehrern also ein bisschen etwas von Lernspielen,
Mind-Maps, Stichpunkten, Rhetorik usw. erzählt und es ließen sich besonders
alle für das „Galgenmännchenspiel“ begeistern.
| Lehrmethoden-Plakat |
Weil die Schüler noch draußen
auf dem Schulhof herumlungerten, haben sie sich leider nicht getraut, mit mir
zwei Spiele auszuprobieren, aber trotzdem war es ein gelungener Workshop und
die Lehrer haben sich bei mir zum Schluss bedankt, dass ich ihre Kenntnisse
aufgefrischt und ihnen neue Impulse gegeben habe.
Ich war mir erst nicht sicher, ob es wirklich gut sei, wenn
ich als gerade 20-Jährige den alt eingesessenen Lehrern erzähle, wie sie
unterrichten sollen. Doch letztendlich waren es ja nur Verbesserungsvorschläge,
die auch von allen angenommen wurden und ich bin froh, den Workshop gemacht zu
haben.
Einen Tag später, am 12.07., habe ich dann ein weiteres Projekt unter dem Namen „Wiki mjoa bila fimbo“ (Eine Woche ohne Stock) vorgestellt, was wir zurzeit an der Schule durchführen. Statt Stockschläge bekommen die Klassen Punkte und wer am meisten Punkte gesammelt hat, muss für eine Woche die Schultoiletten putzen. Die Klasse, die am wenigsten Strafpunkte bekommt, wird mit Bonbons belohnt. Zuerst habe ich mit den Lehrern über die allgemeine Beziehung zu den Schülern geredet. Wie sie ist und wie sie sein sollte und was es für Möglichkeiten gibt, um diese zu verbessern und nicht durch den Stock behaupten zu lassen. Ich habe mich fast schon ein bisschen gewundert, wie gut sich alle darauf eingelassen haben. Sogar einer der wenigen männlichen Lehrer, der allzu gerne mal nach dem Stock langt, zeigte sich zufrieden.
Bisher verläuft die Woche sehr gut und auch die Schüler
haben verstanden, dass das Ziel dieser besonderen Woche nicht nur die Bonbons
sind, sondern eine Art „kleiner Beweis“, dass zumindest meine Grundschule
wandelbar ist und es auch ohne Stock gehen kann.
| Erklärungen zu "Einer Woche ohne Stock" |
Meine Gastmutter hat mir noch
vor Beginn der Woche erklärt, dass tansanische Kinder anders als deutsche seien
und ich gnadenlos scheitern würde. Ohne den „fimbo“ würden die Kinder nicht
sporen, sagte sie. Ich habe ihr meine Position erläutert und aber auch gesagt,
dass ich nicht weiß, ob großes Chaos das Resultat sein würde. Doch bis jetzt
sieht es sehr gut aus! Ob wirklich alle Lehrer ihre Punkte auch gewissenhaft
eintragen, kann ich nicht sagen, aber es scheint zu funktionieren und ich bin
froh, dieses Projekt noch auf den „letzten Drücker“, in meiner letzten
richtigen Woche in der Schule, zu machen. Am Freitag werde ich alles mit den
Lehrern zusammen auswerten und es wird eine Siegerehrung geben.
Heute habe ich mit meinem Schulleiter geredet und er hat mir
gesagt, dass er so begeistert von meinem Projekt sei, dass er sich vorstellen
könne, dies als generelles Strafsystem an seiner Schule einzuführen!! Ich weiß
nicht, ob er es nicht doch wieder vergessen wird, aber immerhin mehrfach
wiederholt soll es werden! Mit so einem großen Erfolg habe ich nicht gerechnet
und bin sehr stolz auf meine Lehrer und eben vor allen Dingen meinen toleranten
und offenen Schulleiter. Mit meiner Schule habe ich wirklich großes Glück
gehabt und hätte mir auch kein besseres Lehrerkollegium vorstellen können. Sie
kümmern sich besser als meine Gastfamilie um mich, es gibt immer viele offene
Ohren für mich und egal, ob ich kochen lernen möchte, ein Fahrradschloss
brauche oder andere Fragen, sie helfen wir immer. ;-)
| Die Lehrer hören mir zu ;-) |
Vor ein paar Wochen bin ich zu einer Lehrerin nach Hause
eingeladen worden, damit sie mir zeigen konnte, Pilau (Gewürzreis) zu kochen.
Ein anderes Mal rief mich der Schulleiter an, um mir mitzuteilen, dass die
Mutter einer Lehrerin verstorben sei und wir sind alle zusammen spontan auf die
muslimische Trauerfeier gegangen und haben beim Kochen geholfen.
Meine Arbeit an der Schule und das Lehrerkollegium nehmen
einen sehr großen Teil meines Freiwilligendienstes hier ein und ich bin sehr
froh, sie alle kennen gelernt zu haben und dadurch so viele Stunden beim Hefte
korrigieren, schwatzen und Tee trinken zu verbringen. Sie haben viele Fragen
zur deutschen Kultur und auch ich konnte schon genug über weniger alltagspräsente
Themen wie Hexerei, den Teufel, Beziehungen usw. lernen. Sie staunen stets
wieder, wenn ich ihnen erzähle, wie „einfach“ es in Deutschland sei, eine
Beziehung zum anderen Geschlecht zu haben, weil man öffentlich zeigen darf,
dass man zusammen ist, ohne gleich heiraten zu müssen. Dass es möglich sei,
dass Junge und Mädchen miteinander in einem geschlossenen Raum sitzen, ohne,
dass sie miteinander schlafen „müssen“ und auch die Eltern viel toleranter
seien. Momentan fiebern die Lehrer alle mit mir um meinen Studienplatz, das
Prinzip des Doppeljahrgangs in Niedersachsen letztes Jahr und dessen
Auswirkungen haben sie verstanden und drücken mir nun die Daumen, trotz
andauerndem Ansturm einen Platz zu kriegen. ;-)
| Das Kollegium |
Nun genieße ich also meine letzte Woche alleine in der Schule,
bevor ich nächsten Montag von meiner Familie Besuch bekomme. Dafür nehme ich
die Schulwoche frei, um mit ihnen zuerst Zeit bei unserer Partnergemeinde in
Kondoa/Haubi zu verbringen. Ab dem darauf folgenden Montag werden wir dann hier
in Singida meiner Arbeit nachgehen und ich werde ihnen alles zeigen können.
Damit ist mein eigentlicher Freiwilligendienst dann auch „schon“ vorbei, wird
durch den Besuch meiner Familie abgeschlossen.
Montag, 16. Juli 2012
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