Donnerstag, 14. Juni 2012

Kein Alkohol ist auch keine Lösung


Das scheint sich hier so mancher Mann zu denken. In Singida ist das Alkoholproblem meiner Meinung nach nicht zu hoch, wenn doch offensichtlich vorhanden. Denn auch hier in der Stadt trifft man immer wieder Leute, die meinen sich ihren Nachmittag mit einem Tütchen Konyagi oder ein paar Bier verschönern zu müssen. Vor ein paar Wochen saß mir ein angetrunkener Mann beim Schneidern 1,5 Stunden lang gegenüber und hat mich angestarrt. Einfach so, ohne einen Grund (abgesehen davon, dass ich weiß bin); gehen wollte er auch nicht.
Als Lucia (Hausmädchen) und ich dann letztens mit dem Handwagen bei der Lodge Wasser geholt haben, kam eben jener Mann zu mir und wollte mit mir reden. Wie ich dann herausfand, wohnt er in meiner Nachbarschaft. Er hatte sich in der Lodge mit seinem Freund betrunken, was ihm auch sichtlich anzumerken war. Erst habe ich ihn versucht abzuwimmeln, zum Schluss bin ich einfach nicht mehr auf ihn eingegangen. Sein Freund, dem das Ganz ein bisschen unangenehm war, obwohl auch er getrunken hatte, kam dann auch noch und hat mich zugeredet, wie sehr es ihm doch Leid täte. Da sei ich extra aus Las Vegas gekommen, um hier Urlaub zu machen, würde ja gar nicht verstehen, was der Betrunkene mir sagen wolle und nun müsse ich mich mit ihm herumschlagen. Manchmal ist es schon ganz lustig, wenn manch einer denkt, dass ich, weil ich eine andere Hautfarbe habe, direkt aus den USA komme. Wahrscheinlich kommen für ihn auch einfach alle „Weißen“ aus Las Vegas, weil er bisher noch von keiner anderen Stadt gehört hat.
Ein lustiges Bild gaben diese beiden Betrunkenen schon ab, auch wenn sie uns auf den Keks gegangen sind und auf jegliche Bitten uns in Ruhe zu lassen, nicht reagiert haben.

Letztens als ich mit Luise und Rike auf dem Markt nach Stoffen gesucht habe, kam ein betrunkener Mann in Lumpen auf mich zu. Viele Menschen fragen uns nach Geld, weil unsere Hautfarbe verkündet, dass wir aus einem reichen Land kommen und somit auch selbst viel Geld haben müssen. Auch wenn man von außen sieht, dass wir in unserem Alter wahrscheinlich noch kein Geld selbst verdienen, werden wir immer und immer wieder nach eben diesem gefragt und können nur schlecht glaubwürdig machen, dass wir keinen Goldesel im Keller stehen haben. Diesen Mann schien das nicht zu interessieren und er blieb knappe 15-20 cm vor meinem Gesicht stehen. Das war mir eindeutig zu nah. Als ich mich bewegte, bewegte er sich auch, gruselig. Ich versuchte von ihm wegzugehen, doch mit seiner Nase unweit entfernt von meiner, ging er mit mir mit. Zum Glück haben mir gleich ein paar Leute geholfen, doch es war schon eine komische Situation. Gut ist, dass man sich fast immer sicher sein kann, dass sie nichts Böses im Schilde führen und das Betrunkene zwar gegenwärtig sind, aber nicht geduldet werden, wenn sie andere belästigen.

Doch in den Dörfern ist die Situation meist verschärft. Luises und Rikes ungefähr 27-jähriger Gastbruder Donald ist Alkoholiker und belastet damit die ganze Familie. Zwar wohnt er nicht zuhause, kommt nur zum Essen vorbei und sagt auch immer mal wieder, dass er mit dem Trinken aufhören möchte, doch schön ist das trotzdem nicht. Durch Donald ist das Problem noch einmal mehr präsenter, doch auch im Dorf selbst begegnet man immer wieder Betrunkenen. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um Männer. Manchmal habe ich gar nicht bemerkt, dass jemand völlig betrunken war und habe durch eine Frage uns damit jemanden für eine halbe Stunde aufgeschwatzt. Da kann man machen, was man will, derjenige folgt einem dann auf Tritt und Schritt und redet einen zu.
Nerviger wird es dann, wenn man sich einfach nur einmal gemütlich zu einer Soda in ein Café setzten will. Da schauen einen sowieso schon alle blöd an und dann gesellen sich noch die Betrunkenen zu einem. Ohne zu fragen, setzten sie sich mit an den Tisch und starren einen an. Bei diesen Blicken ist es nicht einfach sich nur auf das eigene Gespräch zu konzentrieren und demjenigen durch Ignoranz mitzuteilen, dass man lieber alleine sein möchte. Waren wir den einen los, kam der nächste schon auf uns zu. Der sah unsere leeren Sodaflaschen, ging zum Kühlschrank des Cafés, bediente sich selbst und stellte uns zwei neue Cola auf den Tisch. Der Bedienung gefiel das zwar nicht, doch sie wollte uns auch nicht helfen. Also mussten wir dem Mann klarmachen, dass wir keinen Durst mehr hätten und ja, wie seien auch beide verheiratet. Als ein neuer angetrunkener Gast kam, wollte er uns ebenfalls neue Soda ausgeben, während ein anderer Mann uns vom Nachbartisch ohne zu blinzeln und mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Wenn man dann fragt, ob oder warum er uns anguckt, dann lautet die Antwort nur, dass er das nicht tun würde und guckt uns weiter an. Irgendwann waren wir es dann satt und sind gegangen. Leider enden so mehrere Cafébesuche… Tja, spannend, was man hier alles erleben kann. Nach diesem Jahr werden wir Freiwillige dann noch einmal ganz anders gewappnet sein….

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