Familienbesuch
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Über den Dächern Singidas
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Meine Familie aus Deutschland hat mich für drei Wochen
in Tansania besucht, um mein Zuhause der letzten elf Monate kennen zu lernen. Am
Anfang waren wir von Montag bis Freitag in Kondoa und Haubi, des
Partnerdistrikts der evangelischen Kirche Emsland-Bentheim und unserer
Nikolaikirche in Papenburg. Es war ein schöner Besuch, aber leider haben sich
die Tansanier sehr darauf ausgeruht, dass ich Kiswahili spreche, wodurch es für
mich dann etwas anstrengend war ständig übersetzten zu müssen. Unter anderem
konnten wir uns die „10-100.000“ Jahre alten „Kolo Rock Paintings“,
Felsmalereien, ansehen.
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Meine Gastmutter gab für meine Familie tansan. Kleidung in Auftrag
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Auf dem Rückweg von Kondoa nach Singida (auf der
Landkarte ein Katzensprung) hat unser Bus dann einen „Shorticuti“ (Abkürzung)
genommen und wir sind sechs Stunden lang über eine schreckliche, nicht
vorhandene Straße gebrettert. Wir waren alle sehr froh, als wir endlich
angekommen waren. Aber immerhin konnte meine Familie sich nun vorstellen, wie es
hier jenseits der Städte in den Dörfern aussieht. Es sind auch unzählige
traditionell gekleidete Tansanier mitgereist, die mit Decke, großem Schmuck und
Stock unterwegs waren. Die Zeit danach verbachten wir in meiner Gastfamilie.
Abschied nehmen und
Lehrerstreik
In Singida begann nun meine letzte Schulwoche vor den
Ferien und meiner Abreise, so musste ich als erstes in der Gesundheitsstation
Ade sagen, dann im Kinderzentrum, bei der Schneiderin, die mir ein bisschen
etwas beigebracht hat und dann am Freitag auch in der Schule bei meinen
Klassen.
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Letzter Schultag in der 4. Klasse: Uhren basteln!
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Die gemeinsame Zeit mit meinen Schülern wurde zum
Schluss recht knapp, weil die Lehrer in der Woche vor den großen Ferien
plötzlich streikten. Sie sind zwar Staatsbeamte, doch bei ihrer niedrigen
Bezahlung von 100€ Anfangsgehalt (Versicherungen usw. schon abgezogen), bis 200€
Schlussgehalt bei einer langen Lehrerlaufbahn, reicht das Geld oft nicht aus.
Sie haben von der Regierung mindestens 100% ständigen Zuschuss verlangt, was
diese bisher verweigerte. An diesem Freitag hat der Präsident zugestimmt,
Verhandlungen anzufangen, doch werde das Gehalt nicht so weit erhöht werden
können. Der Streik ist trotzdem beigelegt. Ansonsten könnte auch die
Volkszählung diesen Monat, die von den Lehrern durchgeführt wird, nicht
stattfinden.
Ich wollte meiner Familie eigentlich gerne zeigen, wo
ich für so lange Zeit unterrichtet hatte, aber nun war auf einmal das
Lehrerzimmer wie leer gefegt und ich habe nur den Schulleiter und ein paar
Kinder angetroffen. So habe ich als einzige an diesem Tag unterrichtet. Am
selben Abend wurde meine Schule als Beispiel für einen geglückten Streiktag in
den nationalen Nachrichten gezeigt.
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| Zähneputzen will gelernt sein
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An den darauf folgenden Tagen setzte sich der Streik
fort, sodass ich nur noch an zwei weiteren Tagen in der Schule war, um mich von
„meinen“ Kindern zu verabschieden und an einem Tag ein „Zahnputzprojekt“
durchzuführen. Mein Zahnarzt aus Papenburg war so lieb und hatte meinen Eltern
Zahnbürsten und –pasta mit auf den Weg gegeben.
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Ich zeige den Kindern wie man richtig putzt
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So konnte ich zusätzlich mit
einem großen Gebiss den Schülern der 4. bis 6. Klasse zeigen, wie man richtig
die Zähne putzt. Manchmal ist es schon sehr verwundernswert, aber nach eigenen
Angaben wussten die Kinder nicht wirklich, warum man sich die Zähne putzt. Des
„Geruches“ wegen, war die Antwort. Deswegen putzen sich sehr viele Tansanier nur
morgens die Zähne, verzichten aber darauf, es abends zu wiederholen.
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Unser Zahnputzlied und kaufreundliches Essen
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Zum ersten
Mal hörten sie nun etwas von Bakterien und bekamen von mir gesagt, dass
ständiger Zuckerkonsum nicht nur für den Körper, sondern auch für die Zähne
schlecht sei. Damit die Kinder sich gut merken konnten, wo und wie man die Zähne
putzen sollte, haben wir noch gemeinsam ein Zahnputz-Lied auf Kiswahili
eingeübt, was Luise und Rike vorher schon gedichtet hatten. Es war ein tolles
Projekt, nur durften manche Schüler/innen wegen des Ramadans sich nicht direkt
die Zähne putzen, weil sie sonst auch Wasser zu sich nehmen würden.
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Abschied vom Staff im Kinderzentrum
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Am Freitag habe ich mich dann unter tausendfachem
Händeschütteln von meinen Klassen verabschiedet und bin mit meiner Familie noch
ein letztes Mal nach Iguguno gefahren, um der Gastmutter von Luise und Rike
„Tschüss“ zu sagen. Die beiden Mädchen sind schon seit zwei Wochen wieder
zuhause, doch Mama Mwanga habe ich sehr ins Herz geschlossen und es war schön
meiner Familie zu zeigen, wo ich so viele Wochenenden verbracht habe.
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Das Kinder-Küchenteam aus dem Center
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Abschied von Iguguno, im Schneidershop der Mama
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Am Sa., dem 04.08.2012 fand die Abschiedsfeier meiner
Lehrer, auf die ich mich schon lange gefreut hatte, statt. Es sollte um 16 Uhr
losgehen, doch natürlich kam fast das ganze Kollegium weitaus zu spät, sodass
wir 1,5 Stunden später mit der Hälfte der Lehrer anfingen und die Feier immer
wieder von Neuankömmlingen unterbrochen wurde. Aber weil die Mehrheit immer zu
spät zu Verabredungen kommt, war ich schon darauf eingestellt, meine Familie
hat das nicht verstanden. Sieht man einen festlich geschmückten, aber leeren
Raum, dann feiern die Tansanier. ;-)
Nachdem sich jeder vorgestellt hatte, hat der
Schulleiter den DJ gemimt, während der Rest im Raum herumtanzte. Zur
Abschiedsgeschenkübergabe mussten wir uns dann mit unserer vierköpfigen Familie
in die Mitte des Raumes stellen und wurden von meinem Kollegium tanzend
umkreist. Sie haben uns die Geschenke überreicht, wir haben diese hochgehalten
und unter lautem „Lululululu“ damit getanzt, um sie dann den Lehrern wieder
zurückzugeben, die sie dann für uns auspackten.
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Wir wurden in unsere Geschenke eingehüllt
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Wir wurden alle sehr reichlich
beschenkt und ich war froh, dass ich für das Lehrerzimmer ein Plakat mit den
Fotos der Lehrer gestaltet hatte und jedem noch ein kleines Geschenk in die Hand
drücke konnte. Mein Lehrerkollegium hat mir wirklich sehr viel bedeutet und ist
immer da eingesprungen, wo meine Gastmutter versagt hat. Habe ich einen guten
Schneider, ein neues Fahrradschloss, Ratschläge oder jemanden zum Reden
gebraucht, dann habe ich bei ihnen immer Unterstützer gefunden. Ich habe es in
keinem Fall bereut, mein Freiwilligenjahr an dieser Schule verbracht zu haben
und würde mich auch immer wieder für sie
entscheiden.
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Schwerer Abschied von meiner Mama unter den Lehrern
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Gen Schluss der Lehrerfeier habe ich dann von meinem
Mentor erfahren, dass ich mich noch bei der Kolpingfamilie Singida verabschieden
sollte. Durch die Kolping Jugendgeschmeinschaftsdienste bin ich ja schließlich
hier, doch hat die Kolpingfamilie mich bei meiner Ankunft nicht willkommen
geheißen und auch sonst hatte ich neben meinem Schneidern nichts mit Kolping zu
tun. So hatte ich auch mit einer Abschiedsfeier nicht gerechnet und sie nicht in
meinen Terminplan einkalkuliert, sodass ich am Sonntag packen und wir am Montag
aufbrechen wollten. Zum Glück hatten wir die Buskarten noch nicht gekauft und
konnten unserer Abreise noch einen Tag hinauszögern. Das war auch wichtig, denn
am Sonntag trafen wir uns dann in dem Kolpingladen und haben dort mit der
Kolpingfamilie (eine Gruppe aus Arbeitern, die zusammen Projekte durchführen, um
Geld für Projekte zu sammeln) und Richard, meinem Mentor getroffen. Es gab Soda,
wurde viel gesungen und meine deutsche Mama und ich haben jeder ein selbst
gebatiktes Kleid der Kolpingschneiderin überreicht bekommen. Trotz der geplanten
15-minütigen Abschiedsfeier, wurden wir dann auch noch zum gemeinsamen Essen
eingeladen und waren froh, als wir endlich um 16 Uhr zuhause waren und ich
kaputt von allem feiern endlich anfangen wollte, zu packen. Doch da hatte mir
meine Gastfamilie einen Strich durch die Rechnung gemacht.
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Mit der Familie zusammen draußen Ugali essen, sehr schön!
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Denn zuhause wartete
schon meine tansanische Verwandtschaft, mitsamt ihrer 20 Kinder, die alle
durcheinander wuselten. Also nichts mit Packen, sondern es ging in die Vatcan
Lodge (die Lodge meiner Gasteltern), wo wir mit der ganzen großen Familie meinen
Abschied begehen sollten. Doch auch dies war natürlich wieder ein tansanisches
Fest, weshalb wir erst nach knappen zwei Stunden eine Soda in die Hand bekamen,
alle Platz genommen hatten und sich mein Gastvater überreden ließ, auch zur
Feier dazu zustoßen anstatt mit seinen Brüdern draußen gemütlich ein Bier zu
trinken.
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Aufführung der Kinder
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Nach mehreren technischen Schwierigkeiten mit der viel zu lauten
Musikanlage, tanzten die Kinder mit einer Trommel in den Raum und haben uns
(meine Familie und Richard, die wir an eine Art „Jurytisch/High Table“ sitzen
mussten), verschiedene Lieder vorgesungen, in denen sie sagten, dass sie uns
alle sehr vermissen würden. Danach haben sie noch ein kleines Theaterstück
aufgeführt und ich habe einen Kuchen bekommen, den ich für alle Festgäste in
winzige Stückchen schneiden sollte. War dies geschehen, kamen alle in einer
Reihe zu meinem Tisch getanzt und ließen sich von mir füttern, bzw. haben als
Dank unter „Lululululu“-Gerufe auch mir ein Stückchen Kuchen in den Mund
geschoben.
Später tanzten wieder alle in einer Reihe auf unseren
Tisch zu und haben uns in Glitzerpapier eingepackte Boxen überreicht. Wenn man
bedenkt, dass das typisch tansanische Geschenk ein Stoff ist, den ich im
Kindercenter und bei den Lehrern auch schon bekommen habe, dann versteht man
wahrscheinlich, warum ich mich besonders über mein Abschiedsgeschenk von der
Familie gewundert habe. Ich habe also unter Klatschen, Singen und Gerufe meine
Schachtel geöffnet und den braunen Umschlag herausgezogen und hochgehalten.
Unter aller Augen habe ich dann das Geschenk geöffnet und hielt…Unterwäsche in
der Hand! Da hat mir meine Gastfamilie doch glatt ganz schreckliche Unterwäsche
mit Kühen drauf geschenkt, die ich dann in der großen Halle der Lodge auspacken
musste und freudestrahlend zeigen sollte. Nach einem Jahr Zusammenleben, konnte
sich meine Gastmutter also nichts Besseres vorstellen, als mir nach Deutschland
Polyester-Unterwäsche mitzugeben. Ziemlich komisch. Vor allem, weil auch meine
Mutter neben mir unter lautem Lachen rosa Unterhosen aus ihrer Schachtel zog. In
Deutschland würde man sich wohl eher nicht trauen, bei einer großen Feier einer
50jährigen Frau öffentlich Unterwäsche zu
schenken.^^
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Koffer packen mit lauter tansanischen Stoffen!
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Am Montag habe ich dann endlich Zeit zum
Packen gehabt,
am Dienstagmorgen, dem 07.08., habe ich mich dann unter Tränen von meiner
Gastfamilie verabschiedet, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem
meine Gastschwestern und die Hausmädchen werde ich sehr vermissen. Bis zum
10.08. war ich mit meiner Familie in Arusha, wir haben uns die trubelige Stadt
angesehen und noch eine Safari im Tarangire Nationalpark gemacht. Am 11.08. ging
es für uns morgens um 3 Uhr nachts los...nach Hause, auf das ich mich auch schon
sehr gefreut habe! :-)