Samstag, 2. Juni 2012

Mzungu amepata kizunguzungu


Seit dem  07.05.2012 arbeite ich nun montags und freitags in einer Dispensary, die von LAHFA (Love and Hope for Africa) aus Deutschland gegründet wurde. Deswegen ist sie auch ein bisschen besser ausgestattet als die normalen tansanischen Gesundheitsstationen. Meine Aufgabe besteht eigentlich darin, an der Rezeption Patienten ins System aufzunehmen und deren Gewicht und Blutdruck zu messen.

Amos & ich an der Rezeption
Doch mittlerweile durfte ich auch schon zweimal bei einer Operation zusehen. Bei beiden Malen wurde ein Lipom, ein gutartiges Gewächs, entfernt. In voller OP-Montur durfte ich direkt dabei sein, als die Schulter einer Frau geöffnet wurde und ein fastgroßer „Fettklumpen“ entfernt wurde.
Das Gewächs wird entfernt
Das war sehr eindrucksvoll, nur wurde Amos (mein nun ehemaliger Mitrezeptionist) etwas flau, für mich war es komischerweise kein Problem, das hätte ich nicht gedacht.
Beim zweiten Mal hatte ich nichts anderes erwartet. Doch das Gewächs saß tiefer als gedacht und von einer lokalen musste zu einer Vollnarkose gewechselt werden. Das Narkosemittel veranlasste zwar, dass die Patientin keinen Schmerz spürte, doch hielt sie  nicht davon ab, mit halb geöffneten Augen immer wieder lauthals zu brüllen, dass es ihr wehtun würde, sie Jesus lieben würde und dieser sie gerettet habe. Trotz eines späteren Beruhigungsmittels und eines anderen Narkosemittels wollte diese Frau nicht aufhören zu schreien. Nach geglückter OP haben wir sie dann in ein Bett im Schlafraum gehievt und
Esther und ich nach der OP
die Krankenschwester hat mehrmals versucht, ihr einen neuen intravenösen Zugang zu legen, während ich den Tropf hielt. Die Schwester konnte keine geeignete Ader finden, die Patientin hat weiter geschrieen und ich stand immer noch, nach einer schlecht geschlafenen Nacht und mit noch leerem Magen neben ihrem Bett und habe die Tropfflasche gehalten. Und während die Schwester immer wieder im Arm der Frau herumstocherte, wurde mir dann plötzlich schwarz vor Augen…
Für den nächsten Gebrauch wird alles wieder sterilisiert
Ein schlechter Wortwitz, aber ich konnte die Flasche gerade noch abgeben, bevor ich mich komplett schwindelig in das Bett neben der Patientin legen musste^^.
Daraufhin hieß es dann: „Mzungu amepata kizunguzungu“, der Weißen wurde schwindelig…

Doch nach ein paar Chapati zur Stärkung ging es mir bald wieder besser und bei nächster Gelegenheit schaue ich auch wieder gerne im OP vorbei! Nur mein Mitleider Amos hat leider seine Arbeit in der Dispensary wegen seines baldigen Studiums beendet und nun sitze ich wieder alleine an der Rezeption.

Abschiedsfoto mit dem Staff für Amos

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