Samstag, 26. November 2011

Nationalohrwurm Tansanias

Der offizielle tansanische Nationalohrwurm dürfte zur Zeit das Lied zu untenstehendem Link sein. Das Lied heißt "Hakunaga", ist in Kiswahili und handelt von einem Mann, der keine andere Frau, als diese eine, liebt. So bedeutet "Hakunaga" so etwas wie "es gibt nicht" auf altem Kiswahili. Das Lied ist nicht nur ganz oben in den "Top Kumi" (Top 10) und wird deswegen in jedem tansanischen Radiosender rauf und runter gespielt, sondern wird auch auf  Hochzeiten und bei anderen Feierlichkeiten abgespielt. Sogar im Kinderzentrum kennen es die Kinder. Weil jemand auf dem Hof, wo Luis wohnt, eine besonders große und laute Anlage hat, darf ich das Lied in seiner Gegenwart schon gar nicht mehr erwähnen. Der Song ist nicht besonders gut, aber neben "Paper Loving", was auch oft im Radio kommt, eines der momentan "besten", aktuellen, tansanischen Lieder.

Weil das Lied hier auf jeden Fall allgegenwärtig ist und so richtig nervt, wenn man es so oft hören muss, dachte ich, ich poste es mal, um euch an meinem Schicksal teilhaben zu lassen. Das Musikvideo ist eher schlecht, aber anders ist das mit dem tansanischen Fernsehen leider auch nicht. ;-)

 Für diejenigen, die es nicht öffnen können, hier noch einmal der Link:
http://www.youtube.com/watch?v=yVrmiCiT43o

Freitag, 25. November 2011

Kein Fahrrad, kein Frühstück


Nachdem mein nun schon allseits bekannter Gastbruder Justo am Dienstagvormittag mein Fahrrad „ausgeliehen“ hat, weil ich schulfrei hatte und er dachte, ich würde es nicht brauchen, bin ich nach einer halben Stunde Warten, zu spät zu meiner Arbeit im Center gekommen.
Für den Nachmittag des gleichen Tages hat er von mir deswegen „Fahrradverbot“ bekommen, schließlich ist es für mich gedacht, damit ich täglich zu meinem Projekt kommen kann. Resultat war, dass er vorgab, er könnte nur mithilfe meines Rades einkaufen gehen, was natürlich erfunden war.
Er ist also nicht einkaufen gegangen und ich habe nicht wie versprochen Brot und Bananen bekommen. Für den nächsten Morgen hat mein Brot auch noch gereicht. Nur war ich den ganzen Mittwoch unterwegs und konnte nichts kaufen. Als ich spät wiederkam, war immer noch nichts da. Da ich, wenn es dunkel ist, nicht alleine losziehen soll, habe ich drei verschiedenen Familienmitgliedern gesagt, dass ich etwas für das Frühstück am nächsten Morgen brauchen würde. Irgendwie war aber keiner daran interessiert, das gegebene Versprechen auch zu halten, sodass ich am nächsten Morgen mit leeren Händen dastand. Als ich meine Gastmutter fragte, ob wir noch flott etwas kaufen könnten, habe ich erst einmal Ärger bekommen, warum ich denn nicht früher Bescheid gesagt hätte. Hatte ich ja schon am Dienstag, nur das war dann doch etwas schwer, auf Kiswahili zu erklären. Zum Glück kam, kurz bevor ich das Haus verlassen habe, doch noch jemand mit Bananen um die Ecke. Also bin ich flott zur Schule gefahren und konnte in meiner Freistunde frühstücken.
Es ist immer noch nicht ganz selbstverständlich, dass ich mich auf mein Fahrrad und Frühstück verlassen kann. Nur leider sind das die Dinge, die ich jeden Morgen brauche und somit fängt der Tag manchmal schon etwas alternativ an.^^

Gestern, am Donnerstag, habe ich Justo erlaubt, mein Rad zu benutzen. Er hat es abends abgestellt und ich habe erst heute Morgen wieder danach gesehen. Wenn mein Gastbruder eine Begabung hat, dann die, alles kaputt zu machen.
Folgendes schildere ich in Kurzform:

Volle Neun-Liter-Gallone-Wasser auf den Gepäckträger gehievt, um das Wasser im Center zu reinigen.
Ich möchte losfahren, der Sattel ist schief, Schraube fehlt, bin im ersten Gang, Justo hat meine kaputte Gangschaltung benutzt, grr.
Schalte zurück und die Kette springt herunter.
Zurück in den Hof schieben, Fahrrad abstellen, geht nicht, Ständer kaputt.
Gallone runter, Kette wieder drauf, Gallone wieder drauf, raus schieben, treten, ich merke, dass die Bremse ständig bremst und quietscht, komme kaum vorwärts, die Kette fällt wieder herunter.
Wieder zurück, Gallone runter, Kette drauf, Gallone wieder drauf, los schieben, treten, Kette springt zum 3. Mal runter.
Rad wieder in den Hof schieben, Gastbruder verfluchen, Fahrrad abstellen, ach ja, Ständer ist ja kaputt, anlehnen, Gallone runter.
Gallone unter den Arm nehmen, zur Lodge meiner Gasteltern laufen. Gallone zu schwer, auf den Kopf damit, werde von den Tansanis  ausgelacht.
In der Lodge angekommen, Tipp ein pikipiki zu nehmen und Geld dafür bekommen.
Pikipiki (Motorcycle) von der Straße gewunken, „Mzungu“-Preis durch Verhandeln gedrückt und mit meiner Wassergallone zwischen mir und Fahrer zum 1. Mal in meinem Leben Motorrad gefahren!
Erste Versuche ;-) Mit Festhalten klappt es aber. Mit einer Wasserflasche auf dem Kopf klappt es auch so.
Mein Fahrrad ist und bleibt ein Problem, weil es nicht heile war, als ich es bekommen habe und nach sämtlichen Reparaturen und dann Benutzen meines Gastbruders wieder kaputt geht. Die Gallone muss ich nun auch zweimal pro Woche mit dem Rad zur Schule, zum Center und wieder nach Hause kutschieren. Ich habe ja schon in einem vorherigen Eintrag geschrieben, dass das Wasser im Center, was ich vorher immer getrunken habe, durch verschiedene Gründe, nun ungenießbar ist. Nachdem ich ein paar Tage lang abgekochtes Wasser mit sichtbaren Aschestücken getrunken habe und Kopfschmerzen bekam, weil es komisch schmeckte und ich deswegen davon auch nicht viel getrunken habe, nehme ich nun das Wasser von Zuhause und filtere es im Center. Durch das Gewicht der Gallone auf meinem Gepäckträger schaffe ich es morgens schneller den Berg runter zur Schule, aber leider auch nur recht mühevoll wieder hinauf, wenn die Sonne mittags so schön brennt. Dann ist natürlich  mein Pappkarton-Fahrradkorb gerissen und ich durfte der Gallone nachrennen, die auf dem Weg die Straße runter, war.

Mein stets kaputtes Mountainbike

Neun Liter Wasser und mein erst leicht angerissener Fahrradkorb
Eine endgültige Lösung habe ich damit noch nicht gefunden, vor allem, wenn am 03. Dezember die Ferien beginnen und ich für sechs Wochen nicht mehr im Center arbeiten werde…Vielleicht heißt es dann Wasser kaufen, was mir auf Dauer aber zu teuer wird, da ich das Wasser ja auch zum Teekochen und Zähneputzen nehme.

Aber für dieses Wochenende bin ich erst einmal versorgt. =)

Samstag, 19. November 2011

Stromausfall 2


Donnerstag, der 17.11.2011

Heute Abend war ich gerade in der „Vatcan Lodge“, der Lodge meiner Eltern und saß mit einem Teil der Familie in der Küche, als das Licht, wie schon am Tag zuvor, kurz flackerte und ausfiel. Dieses Mal hatte ich aus meinem gestrigen Fehler gelernt und konnte sofort zu meinem Handy mit Taschenlampe greifen. Weil es sonst nur noch ein anderes Handy als Lichtquelle gab, wurde meines direkt von einer Köchin einkassiert, die es nutzte, um eine Kerze an einem Stück Kohle zu entfachen. Gute Idee, dauerte eine halbe Ewigkeit, hat aber funktioniert! Ich wollte eigentlich schon lange nach Hause gegangen sein und wollte dann auch gehen, als ich meine „Lampe“ wiederbekam. Allerdings wurde ich mehrmals darauf hingewiesen, dass, wenn jemand das Licht sehen würde, mir sofort mein Handy klauen würde. Na klasse.
Obwohl meine Gastfamilie schon mehrmals die Angst geäußert hat, dass man mich bei Dämmerung/Dunkelheit für einen Albino halten könnte und mit mir kurzen Prozess machen könnte, d.h. beide Hände abhacken und an einen „Hexenarzt“ verkaufen, hat und wollte mich keiner nach Hause begleiten. Manchmal verstehe ich sie auch nicht ganz. So war es, wie am Tag zuvor, überall stockdunkel und ich wieder einmal nicht zuhause. Sehr unpraktisch.
Der Weg von der Lodge nach Hause ist nicht lang, führt aber über einen breiten Sandweg mit zahlreichen Absenkungen, Felsen, Löchern und Erdaufschüttungen, dazu kommen im Weg stehende Bäume und Ziegen. Ich habe zuerst auf ein kommendes pikipiki (Motorrad) gewartet und bin dann nebenher gerannt, um das Schweinwerferlicht auszunutzen. Auch danach habe ich mich nicht getraut, mein Handy herauszuholen und bin bei jedem „Ey, Mzungu! How are you!?“ ein bisschen schneller gegangen. Nicht schön. Als irgendjemand wollte, dass ich stehen bleibe und warte, bin ich dann an den Ziegen und zwischen den Bäumen durch gerannt und war froh, als ich noch mit Handy, aber ohne Beule oder umgeknickten Fuß zuhause ankam. Puh!
Dort konnte ich dann in meinem Zimmer eine Kerze anzünden und meine Taschenlampe hervorholen, was schon angenehmer war. Nach 15 Minuten ging das Licht glücklicherweise wieder an. ;-) Das ist hier nie vorherzusehen und kann auch bis zum nächsten Tag dauern…

Stromausfall 1


Mittwoch, der 16. 11. 2011

Plötzliche Stromausfälle gehören hier zwar nicht zur Tagesordnung, kommen aber doch häufig vor. Ich kann nur weiter tragen, was mir erzählt wurde, aber es soll zum einen an der (korrupten) Regierung liegen, dann daran, dass das Stromnetz generell eines der schlechteren Sorte ist und dann daran, dass der Strom unter anderem durch Wasserenergie erzeugt wird.
In einem Land, wo es öfter vorkommt, dass nicht ausreichend Wasser aber dafür Sonne und Wind en masse zur Verfügung stehen, sollte man diese Art der Energiegewinnung vielleicht noch einmal überdenken. So habe ich vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass wir kein Wasser und gleichzeitig keinen Strom hatten. Das eine bedingte das andere und setze somit die meisten in einem Haushalt ablaufenden Prozesse außer Gefecht.

Nun aber etwas über meinen gestrigen Abend:
Ich hatte mich schon bettfertig gemacht und wartete nur noch auf das späte Abendessen. Weil es keine Tomaten mehr gab, sollten mein Gastbruder Justo und ich welche kaufen gehen. Da aber gerade die kleinen Cousins und Cousinen vorbeigekommen waren und nicht alleine nach Hause laufen sollten, haben wir sie begleitet. Aus dem kurzen Verabschieden der Kinder an der Haustür wurde dann ein „kurzes Grüßen“ der Tante und eine „kurze“ Hausbesichtigung. Letztendlich fand ich mich in meinem Schlafanzug in einem fremden Wohnzimmer mit einer Soda in der Hand sitzend wieder, während sechs Kinder meine Haare anfassten, Justo und die Tante plauderten und ich Nachrichten auf Kiswahili gucken sollte, von denen ich kein Wort verstand. Während ich Justo immer wieder von der Seite zunuschelte, dass wir doch vielleicht bald gehen könnten, die Tomaten würden schließlich für’s Kochen benötigt, flackerte das Licht ein paar Mal und blieb dann ganz weg. Na klasse.
Der Fernseher verstummte, die Kinder kreischten, das Baby schrie und ich mitten drin. Ausnahmsweise ohne Handy oder Taschenlampe, beides braucht man ja auch nicht zum Einkaufen. Dementsprechend saß ich einfach schweigend da, schaute dem langsam dunkler werdenden Fernsehbildschirm zu und rückte etwas näher an Justo, um sicherzugehen, dass ich es in jedem Fall mitbekommen würde, wenn er den Raum verlassen würde. Es war einfach stockdunkel, ich konnte NICHTS sehen! Das kann man sich kaum vorstellen, weil normalerweise ja immer von irgendwoher Licht kommt, sei es von einer Straßenlaterne oder einem vorbeifahrenden Auto.
Nachdem die Kinder des Hauses nach einer Weile zwei Taschenlampen gesucht hatten, sie konnten ja schließlich auch nichts sehen^^, bekamen wir eine und machten uns auf den Nachhauseweg. Justo markierte den starken Bruder und lief mit der Lampe voran, nur dass wir Nachfolgenden so nicht viel von dem, was sich direkt vor unseren Füßen abspielte, sehen konnten. Ich hielt Enjo (10) an der Hand, sie Brenda (12). Mkunde (7) rannte vorweg und fiel mal in dies oder das Loch. ;-) Weil die Wege nicht einfach nur platt und gerade, sondern mit Sand, Matsch und durch untergründige Felsen sehr schief sind, sackte Brenda auch einmal ab und riss uns mit sich zu Boden. ;-)
Ich weiß nur, wie ich mich über den langen, noch dunkleren Schatten der Telefonmasten am Straßenrand wunderte, bis ich im Graben landete und mir bewusst wurde, dass es bei völliger Dunkelheit ja gar keine Schatten geben kann. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. ;-) (Es war aber zum Glück gerade kein Wasser darin^^.)
Fazit: Wir sind mit kleinen Zwischenfällen alle heil zuhause angekommen. Alleine zurückgefunden, hätte ich aber nie im Leben! Und für das nächste Mal, Handy mitnehmen!

Donnerstag, 17. November 2011

Granitfelsen

Hinter meinem Haus und auch sonst über ganz Singida verteilt, sind Granitfelsen, da sind Luis und ich jetzt mal draufge"klettert", etwas anderes hat man am Wochenende auch wirklich nicht zu tun. Hier ein paar Fotos:
Ein weiter Blick über hunderte von Wellblechdächern

Aus diesem "Wanderstock" soll noch einmal eine Garderobe für mein Zimmer werden, sollten wir noch einen zweiten Nagel finden...
Granitfelsen sind überall und das einizige landschaftliche Highlight


Samstag, 12. November 2011

Trinkwasser


Samstag, der 12.11.2011

Weil es am Sonntag und Montag so heftig geregnet hat, hat sich der große Wassertank im „Children’s Center“ komplett mit Regenwasser gefüllt, bzw. hat sich dieses mit dem vorherigen Wasser gemischt. Seitdem haben wir dieses zum Trinken, Kochen und Abwaschen genutzt.

Das war am Anfang auch kein Problem, nur wird das Regenwasser wegen Staub, Insekten usw. mit Chlor gereinigt, was den Trinkgenuss nicht gerade erhöht. Das war auch noch auszuhalten, doch ab Donnerstag schmeckte das Wasser nicht mehr nur nach abgestandenem Regenwasser mit Chlor, sondern auch noch nach Erde (bzw. ich finde, auch nach alter Johannisbeermarmelade) und nach dem Plastik meiner Wasserflasche.
Nachdem ich dann verschiedene Trinktechniken ausprobiert habe, wobei man das Wasser schon nicht mehr so stark schmeckt, habe ich gestern, als das Wasser noch schlechter schmeckte als zuvor, aufgegeben es zu trinken. Dabei geht es auch nicht darum, dass ich mich irgendwie zimperlich anstelle, das Wasser ist einfach ungenießbar. Luis trinkt ab jetzt nur noch das Wasser, was er bei sich zuhause bekommt und eine Lehrerin und meine Zimmerpartnerin, die das Wasser probiert haben, meinten auch, dass man dieses einfach nicht trinken könnte.
Bisher hatte ich aber nur im Center die Möglichkeit gereinigtes Wasser zu trinken, weil es dort einen aus den USA gespendeten Filter gab, mit dem wir uns unsere Flaschen befüllen konnten. So bin ich jeden Tag mit 3,5 kg Wasser auf dem Rücken, oder seit neuestem in meinem Pappkarton-Fahrradkorb, vom Center nach Hause geradelt. Als mein Rad einmal wieder kaputt war und ich am Tag davor nicht im Center war und Wasser holen konnte, musste ich ganze sieben Liter Wasser nach Hause tragen. Eine Dauerlösung ist das also nicht unbedingt, aber es war die beste.
Meine Familie hat zweimal versucht Wasser abzukochen, aber jedes Mal schmeckte das dann so stark nach Asche und Feuer, dass ich es nicht einmal zum Zähneputzen nehmen konnte, ohne danach mit diesem penetranten Geschmack im Mund einzuschlafen oder Kopfschmerzen zu bekommen. Wasser mit Asche darin zu trinken ist ja auch nicht die beste Option. ;-)
Jedenfalls stellt es sich jetzt so dar, dass ich das Wasser vom Center bis zum Ende der Regenzeit nicht mehr werde trinken können und meine Familie bisher kein Wasser mehr abgekocht hat. Letzteres ist grundsätzlich kein Problem, weil man damit ja sofort wieder beginnen könnte. Am Donnerstag waren bloß alle Feuerstellen durch Kochtöpfe belegt, die unbedingt bis nach 22:30 Uhr dort weiter köcheln mussten, gestern gab es keine Kohle mehr, die bis zum Abend auch nicht mehr gekauft wurde und heute haben wir zwar Kohle, aber gerade kein Wasser mehr. Also warte ich jetzt darauf, dass einer aus der Familie mit dem Wagen losläuft, um Wasser aus der Lodge zu holen und ich dann hoffentlich Wasser abkochen kann. Nur wenn das die letzten Male schon nicht geklappt hat, dass ich es danach trinken konnte, dann bin ich jetzt noch nicht so optimistisch. Ich hoffe einfach, dass es funktioniert, wenn ich den neusten, saubersten Topf nehme, ihn abdecke und Kohle statt Holz nehme und es eben selbst mache.
Heute Morgen war ich schon etwas verzweifelt, weil ich gar kein Trinkwasser mehr hatte. Gestern habe ich mir eine 1,5 Liter-Flasche gekauft, aber auch gestern getrunken. Heute Morgen war dann nichts mehr da. Als ich meinen Gastbruder darauf angesprochen habe, dass ich nichts mehr zu trinken habe, meinte er, dass er sofort losziehen würde, um Wasser aus der Lodge zu holen. „Sofort“ in tansanischer Zeitrechnung ist dann wiederum frei interpretierbar, weswegen ich immer noch warte und es danach dann ja auch noch abkochen muss. Eigentlich wollten wir auch schon losgefahren sein, um heute mit ihm auf einen Markt zu gehen.
Also habe ich meinen Mentor angerufen und gefragt, was ich machen kann. Immerhin konnte ich mir dadurch gerade kostenlos eine Flasche Wasser aus dem Laden meiner Eltern nehmen, was Rosi, die „Shopkeeperin“ nicht so gefreut hat. Ich hoffe nun einfach inständig, dass das mit dem Abkochen funktioniert. Ich habe ja auch seit neuestem einen Wasserkocher, aber mir wurde gesagt, dass man Wasser über mehrere Minuten abkochen muss, damit es keimfrei ist. Das werde ich noch einmal googeln. Der Gastbruder von Luise und Rike hatte letztens erst noch Typhus, deswegen bin ich da vorsichtig….
Also, bitte alle die Daumen drücken!

P.S.: Mein E-Mail-Programm spinnt momentan, deswegen kann ich meine Einträge gerade leider nicht als Rundmail herumschicken. Ich werde es aber nachholen, wenn Outlook Express wieder besser auf mich zusprechen ist. ;-)

Mittwoch, 9. November 2011

Untermieter, Bettnachbarin und noch zwei weitere Gäste


Dass ich so manchen ungebetenen Untermieter in Form von Küchenschaben, tausenundeiner Fliege und nun leider auch Moskitos habe, sollte ja mittlerweile bekannt sein. Doch seit knappen 1,5 Wochen teile ich mir mein Zimmer mit Helena, einer 17-jährigen Cousine der Familie, die hier in Singida einen ca. 6-7-wöchigen Computerkurs macht. Am Anfang war ich davon noch nicht so begeistert, aber momentan kann ich es mir kaum mehr vorstellen, dass sie Mitte Dezember wieder nach Hause gehen wird. Sie schläft fast nur in dem Zimmer, hat ihren Koffer irgendwo anders und hält sich tagsübe hier gar nicht auf. Das ist natürlich ziemlich praktisch für mich und ich kann deswegen immer noch das machen, was ich möchte und muss mich kaum einschränken.
Seit heute Abend aber, haben wir noch zwei weitere Gäste in unserem Zimmer zu beherbergen:
Es handelt sich dabei um zwei ganz junge Katzenbabys, noch mit geschlossenen Augen und Nabelschnur. Die beiden sind wirklich niedlich, ihre Mutter sei weggelaufen, hieß es. Ich weiß nicht, was da passiert ist. Auf jeden Fall hat eines der Mädchen die beiden Kätzchen heute mit nach Hause gebracht-sie hat den Auftrag bekommen, sich um die beiden zu kümmern. Weil sie aber mit den anderen Kindern in einem Raum schläft und die Kinder ziemlich ruppig mit den Katzenjungen umgehen, wurde gemeinschaftlich beschlossen, dass sie am besten in meinem Zimmer aufgehoben seien. Dem bin ich natürlich nicht abgeneigt und jetzt schlafen die beiden in einem Pappkarton in meinem Zimmer. Leider konnte ich den beiden nur ein Handtuch, Wattepads und zwei Klopapierrollen bieten, aber immerhin etwas. Nun haben Manka und ich zusammen die Aufgabe die Katzen zu füttern.
Zum Glück habe ich mir von Zuhause ein paar Spritzen mitgenommen, in der Sorge, dass es hier keine sterilen geben könnte, wir versuchen die Katzen damit zu füttern. Gerade warte ich noch auf Milch. ich wüsste auch nicht, was ich ihnen anderes momentan geben könnte, denn die nahrhafte Muttermilch bekommen sie ja nun leider nicht mehr...Ich hoffe, dass es Manka und mir gelingt, die Kätzchen aufzupäppeln und dass sie überleben. Hoffentlich reicht es, wenn ich sie morgens, spätnachmittags und abends füttern kann, denn dazwischen muss ich ja schließlich noch zur Schule und zum Center, das tut mir jetzt schon Leid.
Eine Hand reicht noch vollkommen für beide Katzenjungen aus, so winzig sind sie. Süß!
"Katze" bedeutet auf "Kiswahili "niau", soweit ich das richtig verstanden habe. Warum, kann man sich denken. ;-)
Man sieht das Wollknäuel kaum in meiner Hand...Links neben mir sitzt meine Gastmutter, hinter ihr steht die Mutter von Manka und Baby Josef.Rechts neben mir eines der beiden Hausmädchen, Lucia

Fotos vom Lake Kindai

So eine schöne Palme haben wir bisher noch nirgendwo gesehen...


Luis und ich

Mein Gastbruder Justo, mit dem ich mich gut verstehe und viel Spaß habe. :-)

Keine Angst, ich darf nur einmal aushelfen ;-)

Josef, der 2,5-Moante alte Sohn einer Köchin von der Lodge. Während sie Hühner schlachtet, darf ich Josef halten, der mich zum Dank dann auch direkt angepinkelt hat. Seitdem er nicht mehr so zerknittert ist, sieht er wirklich knuffig aus. ;-)

Noch einmal Josef und ich, mit meinem ersten, für mich geschneiderten, afrikanischen Kleid. Leider ist es auch nach Änderungen noch etwas zu groß, aber das ist eben so.

Als Luis und ich von einer meiner Lehrerinnen zum Essen eingeladen worden waren, durfte ich beim anschließenden Spaziergang ihre Enkeltochter Lilli halten, ein sehr hübsches Baby. :-)

Send-off-Party in der Lodge meiner Gasteltern

Weil Luis und ich schon öfter beim Essenausgeben bei Festen in der Lodge meiner Gasteltern geholfen haben, wurden wir auch für letzten Freitag wieder gefragt. Die beiden Freiwilligen aus Iguguno (Luise und Rike) haben uns an dem Wochenende besucht und haben auch mitgeholfen. Hier in zwei Fotos dazu:
Der festlich geschmückte Saal
Ich, Luis und Luise in unserem doch schon bescheuert aussehenden Servier-Outfit. Das in meinem Gesicht ist keine Kriegsbemalung, sondern nur ein Schatten, also nicht wundern. ;-)

Dienstag, 8. November 2011

Fotos zu meiner Arbeit im Children's Center

Hier ein paar Bilder von meiner Arbeit im "Outreach International Children's Center Singida":

Elisabeth und Rachel, die beiden Köchinnen. Hinter ihnen die großen Öfen und Töpfe, in denen jeden Tag das gleiche Reisgemisch für die Kinder gekocht wird.

Vorbereitete Teller, die auf die Kinder warten


Die um die hundert kleineren Kinder kommen aus dem Kindergarten und der Grundschule in der ersten Runde dran, später kommen die älteren.

Die Küche mit Theke, wo Luis und ich das Essen ausgeben.

Der Becherschrank und zwei Schülerinnen, die uns zwar ordenltich nerven, aber auch helfen. ;-)

Die Kinder warten auf ihr Essen. Sicht aus der Küche heraus.


Die Kinder bekommen ihr Essen

Nachhilfe im Center. Ich lasse gerade einen Test über "Time telling", also das Uhrzeitenlesen schreiben.
Eine Kopfbedeckung ist Pflicht, nur dass es gleich eine Mütze mit der ganzen Obama-Familie sein muss...
Und noch einmal Luis mit Obama

Rachel bei der Essensausgabe, normalerweise machen wir diesen Job.


Die täglich gekochte Reismischung kommt in tausenden solchen Paketen aus den USA von "Outreach International" und anderen Organisationen an.


Ein kleiner Karton der Hilfslieferungen aus den USA

Einer der Kartons der drei Organisationen, die das Center unterstützen

Montag, 7. November 2011

Die Erde wird nass

Gestern, am Sonntag, den 06.11.2011, haben mein Gastbruder Justo und meine neue Zimmerpartnerin und Gastcousine Helena, Luis und mir den zweiten See in Singida gezeigt. So genannter „Lake Kindai“ war längst  nicht so schön wie der See, den wir am letzten Sonntag kennen gelernt hatten (siehe mein Blogeintrag) und wir mussten durch Schlamm, Schlick und Kuhdung  waten, um zum See vorzudringen. Als wir nach bestimmt einer Stunde Fußweg, statt den vorausgesagten 10 Minuten, ankamen, machten sich am Himmel bereits dunkle Wolken bemerkbar.
Die einzige Palme am ganzen Strand, aber wir haben sie gefunden! ;-)

Der Himmel wurde schon etwas dunkler...
 Justo, der sich, seitdem er heldenhaft eine Küchenschabe aus meinem Zimmer entfernt hat, gerne mal in die Brust wirft, meinte, dass er ein sehr guter „Wettervorhersager“ sei und dass uns der Regen erst in der Nacht erreichen würde. Luis und ich waren etwas skeptisch, aber weil wir bis jetzt immer mehr den Menschen selbst als irgendwelchen anderen Wettervorhersagen trauen konnten, vertrauten wir meinem Gastbruder. Als wir von weiter weg dann schließlich ein Grollen hörten, haben wir dann doch etwas mehr Druck gemacht und uns auf den Rückweg begeben. Dieser führte unter anderem über Eisenbahnschienen, die noch von den Deutschen kurz vor dem 1. Weltkrieg gebaut worden waren. Seitdem hatte man daran auch nicht mehr gearbeitet.

Jedenfalls fing der Regen schon an, als wir uns gerade erst einen Weg durch eine Art Dörfchen bahnten. Ich hatte mir schon ausgemalt, dass wir nachher irgendwo unterschlüpfen müssten, doch es ging weiter durch den Regen. Als wir dann irgendwann in der Stadtmitte ankamen, wurde der Regen dann so doll, dass selbst mein Gastbruder es langsam einsah, dass wir uns besser irgendwo unterstellen müssten. 
Der Himmel zieht sich langsam zu, vor uns ein Friedhof

Der Weg vom See aus nach Hause
 Am Straßenrand hatte eine Gruppe älterer Muslime eine Plane aufgestellt und sich darunter zum Dame-Spiel getroffen. Es drängten sich zwar schon mehrere Passanten unter dieses Abdach, doch wir fanden auch noch Platz. Bevor das Gewitter dann zu seinem Höhepunkt auflief, hatte ich bereits einen Platz auf der kleinen Bank zugewiesen bekommen und ein alter Herr lächelte mir ins Gesicht und fragte, ob ich „Draft“ kennen würde, so heißt das Spiel in Tansania.
Während sich immer mehr Leute um uns scharrten, polterte das Gewitter immer weiter. Als der Regen dann ein kleines bisschen weniger wurde, liefen wir in unserer Vierergruppe weiter Richtung Zuhause. Um was für Wassermassen es sich wirklich handelte, haben wir dann gesehen, als wir über einen Busplatz liefen, der leicht schräg angelegt war. Das Wasser floss schnell und in braunen, strömenden Bächen vom Platz in die Schlote neben der Straße. Wir mussten natürlich darüber springen, was sich mit nassen, dreckigen Füßen in nassen Flip-Flops als sehr glitschig und unpraktisch erwies.
Letztendlich haben wir uns dann vor dem Regen und dem tosenden Gewitter in eine mehrstöckige Bar retten können, die zusätzlich noch an einem Felsen gelegen ist. Wir haben uns dann ganz nach oben in einen kleinen Nebenraum gesetzt, der uns durch seine schwache Beleuchtung und Tapete eher an einen Hinterraum für Drogenhandel erinnerte. ;-) Doch man hatte einen schönen Blick über die ganze Stadt und konnte jeden Blitz über den Himmel zucken sehen, was für ein Anblick!

Wir saßen also in diesem winzigen Raum, Justo hat uns eine Soda ausgegeben (Sammelbegriff für Cola, Fanta, Sprite usw.) und während ich Luis gerade etwas erzählte und „Stromausfall“ sagte, ging in GENAU diesem Moment in der ganzen Stadt das Licht aus! Das war wirklich Ironie. xD
So saßen wir nun alle in der Dunkelheit und konnten von dort oben, die im Sekundentakt zuckenden Blitze und den dann kurz lila scheinenden Himmel sehen. Zum Glück fing kurz später der Generator an zu arbeiten und der Regen hört auf. So konnten wir uns auf den Rückweg begeben. Allerdings war die ganze Stadt dunkel und wir konnten die Pfützen nur sehen, wenn gerade ein Auto oder ein „piki piki“ (Motorrad-Taxi) vorbeifuhr. Luis konnte dann auch eines erwischen und musste sich nicht mit seinem Rad durch den Schlamm nach Hause kämpfen. Justo, Helena und ich hüpften weiter über Pfützen und erreichten dann auch irgendwann das Haus. Ziemlich durchnässt und mit einer ersten Gänsehaut seit meiner Ankunft, schöpfte ich mir etwas kaltes Regenwasser aus einem herumstehenden Topf (aufgeräumt wird hier nicht so oft) in einen Eimer zum Duschen. Weil ich vor ein paar Tagen ein Paket von meinen Eltern bekommen habe, was unter anderem einen Wasserkocher (!) enthielt, konnte ich mir so Wasser zum Duschen heiß machen. J Als ich wieder aus meinem Zimmer kam, hatte sich Justo zwar schon meinen Eimer und mein Wasser „ausgeborgt“, aber irgendwann konnte ich dann doch „duschen“.
Als ich mich gerade umgezogen hatte, fing es wieder stark zu regnen an und auch der Strom versagte. Zum Glück kam dieser dann schon bald wieder und die Hausmädchen waren in der Lage draußen unter dem Abdach Spaghetti (!) zu kochen. Etwas anderes hätte unter diesen Wetterbedingungen auch zu lange gedauert. Nachdem jeder seine Portion innerhalb weniger Minuten verschlungen hatte, ging es schnell wieder in das eigene Zimmer, um sich vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Mit einiger Mühe und Unterbrechungen funktionierte mein Internet dann irgendwann und ich konnte den Abend mit meinem Laptop verbringen.

So viel zum gestrigen Tag…

Heute Morgen regnet es immer noch dicke, schwere Tropfen, was die meisten Sandwege nur schwer passierbar macht. Ich habe zwar erst zur zweiten Stunde Unterricht, soll aber trotzdem immer zur ersten Stunde da sein, und habe mich deswegen ganz normal fertig gemacht. Glücklicherweise habe ich alles Waschzeug und Brot und Butter in meinem Zimmer, sodass dies auch so problemlos ging. Zum Zähneputzen habe ich Regenwasser genommen, die Zahnpasta musste ich mehr oder weniger vor meiner Zimmertür ausspucken, bzw. habe mich nachher dann in Regenjacke und Angler-Hut geschmissen. Mkunde, meine 7-jährige Gastschwester, ist währenddessen singend und feixend mit einem großen Regenschirm an mir vorbeigelaufen und hat mein etwas bescheuert aussehendes Outfit bestaunt. xD
                                          
Ich habe mich danach dann zu meiner Gastmutter und meinen vier Gastschwestern in den „Sitting-Room“ gesetzt und sie gefragt, wie ich denn zur Schule kommen würde. „Abwarten und Porridge trinken“, hieß es dann. Nebenbei stelle sich heraus, dass gestern ein Feiertag gewesen sei und dieser heute nachgefeiert werden würde, demnach wäre heute gar keine Schule. Nachdem mir dies alle bestätigt hatten, die Mädchen aber trotzdem alle ihre Schuluniform anhatten, habe ich meinen Schulleiter angerufen, der meinte, dass dem nicht so sei. Ich solle den Regen abwarten und mich dann aber auf den Schulweg machen.
Blick aus meiner Zimmertür, leider sieht man den Regen selbst nicht, er ist aber da. ;-)
 Weil noch kein rasches Ende des Regens hervorzusagen ist, habe ich mich wieder in mein Bett und unter meine Fleecedecke verkrochen und schreibe eben diesen neuen Blogeintrag.
Ich erlebe Tansania, bzw. Singida gerade noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise:
Wenn ich bisher wusste, dass sich alles von einer auf die andere Minute ändern kann, bzw. ich durch schlechte Information oft erst als Letzte von den meisten Dingen erfahre, so konnte ich bisher immer auf das Wetter zählen. Doch jetzt sitze ich in meinem Zimmer und lausche dem klatschenden Regen, der auf einmal eine ganze Stadt lahm legt. Laut meiner Gastfamilie begebe sich bei diesem Wetter verständlicherweise keiner freiwillig nach draußen, die Läden, Schulen usw. seien geschlossen und jeder warte erst einmal ab.
Der Regen fällt hier auch in so dicken, schweren und lauten Tropfen, dass man binnen Sekunden komplett durchnässt ist. Irgendwie noch einmal anders als in Deutschland.
Furchen im Boden vom Wasser
Ich habe zwar eine Regenjacke, aber damit bin ich wahrscheinlich die Einzige. Und wenn das Wasser in neu entstandenen Bächen überall fließt, dann möchte ich auch nicht die Erste sein, die sich auf den Schulweg macht. Helena meinte gerade, dass diese Art von Regen sogar bis zum Abend dauern würde. Jetzt ruft gerade eine Lehrerin an, dass ich doch kommen soll, obwohl mein Schulleiter und meine Familie etwas anderes sagen. Es ist schon verwirrend. Na, dann werde ich mich mal auf den Weg machen, mein Fahrrad aber lieber hier stehen lassen…

Donnerstag, 3. November 2011

Mein Start in den Tag

Leider habe ich bisher erst wenige Nächte komplett durchschlafen können, da der Lärmpegel zu jeder Tages- und Nachtzeit enorm sein kann. Man wundert sich, denn selbst durch meine tollen Ohropax, ohne die ich schon lange verrückt geworden wäre, kann ich das schreiende Gebete, das am Wochenende morgens um 5:30 Uhr losgeht und mit Unterbrechung bis 2:00 Uhr nachts dauern kann, hören. Mein Wecker klingelt also um exakt kalkulierte 6:37 Uhr :P unter der Woche. Dann kommt es ganz darauf an, wie viel Schlaf mir meine Nachbarschaft gegönnt hat, wie lange ich für den Prozess des „Aus-dem-Moskitonetz-Schälens“ brauche. ;-)

In der nächsten Stunde entscheidet sich dann ganz schnell, was ich für einen Start in den Tag habe:
  1. Ob mein Brot oder meine Bananen über Nacht verschimmelt sind.
  2. Ich in der Nacht überhaupt einigermaßen schlafen konnte.
  3. Wie viel Mühe sich der Muezzin und die umliegenden Gemeinden mit ihrem Gebrüll geben (Ich höre sie alle ab 6 Uhr  morgens über mehrere Stunden lang durch mein geschlossenes Fenster und meine Ohropax!)
  4. Ob ich auf der Suche nach einem Teller an geköpften Hühnern und ihren gerupften Überresten vorbeilaufen muss, die Katzen Hühnerkrallenfangen spielen und ich beim Spalten des Hühnerkörpers mit Knochenzeugs bespritzt werde… (Dies ist ca. zwei mal pro 14 Tage der Fall, gerade ist es wieder soweit.)
  5. Ob ich überhaupt einen Teller zum Frühstücken finde, denn eine Ordnung gibt es in der Küche nicht und abgespült wird immer erst vor den Mahlzeiten, wenn es unvermeidbar ist.
Weil die Kinder um diese Uhrzeit bereits gefrühstückt haben, was meist unter lautem Geschrei und Gehaue schräg gegenüber von meiner Tür im Stehen stattfindet und auch sonst keiner Interesse oder Zeit für ein gemeinsames Frühstück hat, gehe ich mit meinem eroberten Teller wieder zurück in mein Zimmer. Mein Frühstück bestand zu Beginn meiner Zeit hier nur aus einer Banane, mit meinem ekeligen Malaria-Prophylaxepulver (Zermörserte Blätter der Artemisia annua anamed), nach zwei Wochen kam Rohrzucker dazu, den ich mir immer noch fleißig bunkere.

Zerdrückte Banane mit meiner Malaria-Prophylaxe
Dann wiederum konnte ich Weißbrot-Toast ergattern, das leider oft vielmehr nach Plastik als nach Nichts schmeckt. Also wechselte ich lange Zeit zwischen braunen Bananen mit Zucker und Pulver und einer Scheibe Toast mit Zucker und Pulver ab. Weil der Schwarztee immer mit dem normalen, nicht abgekochten Wasser, zubereitet wird, gab es dazu für mich mein Plastikflaschen-Wasser.
Ein normales Frühstück für Gäste, würde ich sagen: Toast, Maragrine, brauner Zucker und Chai.



Schon bald habe ich mir dann eine Marmelade gekauft, die zum einen eine ganz komische Farbe und Konsistenz hat und zum anderen, einfach nicht schmeckte. Nach der Hälfte habe ich aufgegeben und sie den Kindern geschenkt.
Nach einem Frühstück bei Luis, bei dem es u.a. auch Honig und Erdnussbutter gab, habe ich meine Gastmutter danach gefragt. Daraus geworden ist leider nichts, aber als ich nebenbei einmal in der Schule erwähnt habe, dass ich gerne Honig auf meinem Brot essen würde, hat mir am nächsten Tag eine Lehrerin ein wenig mitgebracht. Dunkelgelber, fruchtiger Honig aus den umliegenden Dörfern Singidas, weltklasse!
Am nächsten Tag hatte meine Familie vergessen, mir Brot oder eine Banane zu kaufen, aber meine Malaria-Prophylaxe musste ich trotzdem morgens einnehmen. So konnte ich glücklicherweise einen Löffel Honig mit dem Pulver essen. Immerhin ;-).
Rechts die kleinsten Bananen, die ich hier bisher gesehen habe.
Und man beachte die Fliege, die ich im Flug fotografieren konnte.
Nach einer Woche täglichem Erinnern habe ich jetzt sogar ein Pöttchen Margarine bekommen. Dass sie gesalzen ist, fand ich am Anfang noch etwas komisch, aber sie reicht dadurch auch ohne weiteren Brotaufstrich. Durch ein Missverständnis, als ich eines der Kinder nach Butter gefragt habe, habe ich einen Rest Johannisbeer-Marmelade bekommen. Eigentlich mag ich die nicht, aber diese hier schmeckt echt gut. Also noch einmal ein Zugewinn! Als der Honig dann aufgebraucht war, habe ich schweren Mutes mein mitgebrachtes Nutellaglas geöffnet und freue mich nun jeden Morgen (und manchmal auch nachmittags^^) über ein oder dann doch schon mal mehrere Toast mit Nutella. Lecker!

Ein Nutellabrot, ein Traum :-)
                          Einmal habe ich sogar Mandazi-Donuts bekommen, das war wirklich klasse!
Nutella, Blue-Band-Margarine und kleine Donuts
Manchmal haben die Kinder am Abend auch Mandazi gemacht, beliebig große, in Fett gebackene Teigstücke. Doch leider haben sie das noch nicht richtig drauf und man kann durch die harte Fettkruste kaum beißen. Aber wenn man sie direkt am nächsten Morgen isst (und dann am besten mit Nutella) schmecken sie vorzüglich. Sie liegen durch das ganze verwendete Öl nur eben schwer im Magen.
Mandazi, bevor sie ins kochende Fett getaucht werden.
Ein mehr oder weniger schlechtes Foto von Mandazi,am Glanz zu erkennen ist aber,
wie viel Fett für die Zubereitung gebraucht wird.
Dann habe ich durch Zufall gesehen, dass im „Wohnzimmer“ ein braunes Brot lag. ich habe direkt gefragt, ob ich das einmal probieren könnte. Mir wurde von allen dringlichst davon abgeraten, weil es keinen Zucker enthalte, nur der Vater würde es mögen, Ich habe es getestet und nun eindeutig für mich eine klasse Alternative zu dem weißen Toastbrot gefunden. Braunes Toastbrot!
Leider kann man es nur in bestimmten Lädchen kaufen und auch nicht zu allen Tageszeiten. Deswegen gab es für mich schnell wieder Weißbrot. Mein Gastbruder Justo und ich gehen momentan so gut wie jeden Abend noch los und kaufen Bananen, Tomaten oder Brot, so konnte ich dann einmal sogar „Brötchen“ bekommen. Die sind natürlich auch anders als daheim und auch aus Weißmehl, aber viel leckerer (und riesig)!
Gestern habe ich dann ein Paket von daheim bekommen und so auch ein Glas Zimt und Mamas selbst gemachte Himbeermarmelade. Letztere werde ich wohl erst öffnen, wenn mein Nutella aufgebraucht ist, aber den Zimt (mein Lieblingsgewürz, was ich in Deutschland auch schon immer zu allem gegessen habe) nehme ich jetzt schon mit der Margarine als Brotaufstrich.

In der großen Pause in der Schule, gegen 11 Uhr, wenn ich dann nach den paar Scheiben Toastbrot am Morgen schon fast wieder vor Hunger umkomme, gibt es eine ganz tolle Lehrerin, die sich als meine „Ersatz-Mutter“ ansieht und für mein leibliches Wohl sorgt. Neben dem frisch zubereiteten Ingwertee, den es in der Schule jeden Tag gibt, schickt sie Schüler los, um entweder Mandazi (und zwar viel bessere als die von meinen Gastkindern;), Chapati, Dengu (erst gestern kennen gelernt, frittierter Teig mit Zwiebeln), Kitumbua (aus Maismehl und frittiert), komischen Sandkuchen, Popcorn, eine Banane oder eine Mango zu kaufen. Am meisten freue ich mich über eine Mango, Chapati oder Mandazi, die sind mir bisher noch nicht zu viel geworden. ;-)
Ein abslouter Glückstag in der Schule: Mangos, Banane und ein Stück Wassermelone.
Kam leider aber erst so einmal vor. ;-)
Ich konnte am Anfang mein Glück kaum fassen, aber sie hat mir einfach angesehen, wie schlecht ich mich ohne ein Pausenbrot konzentrieren konnte. Denn zu Beginn wusste ich mir nicht wirklich selbst zu helfen, weil ich durch meine Familie nicht die Möglichkeit bekomme, mir eine Art Pausenbrot mitzunehmen. Bananen, die ich mir für die Schule eingesteckt hatte, stellten sich dort meist als verschimmelt heraus. Auch Möhren, die ich zeitaufwendig mit meinem Buttermesser geschält hatte, waren oft vergammelt.
Mittlerweile kalkuliere ich meine tägliches Brotbudget von vier Toast pro Tag, die ich von meiner Familie zum Frühstück bekomme, so, dass ich entweder schon satter als früher zur Schule komme, oder mir, dank angekommener Brotdose aus Deutschland, zur Schule mitnehme.
Doch ab jetzt muss ich schon für mein Zweites Frühstück bezahlen, „Ersatzmutter“ hin oder her. Das ist grundsätzlich kein Problem, aber dann überlegt man es sich schon noch einmal, wie viel Geld man täglich extra dafür ausgeben möchte/kann.
Bei dem braunen Brot lohnt es sich auch, sich das für die Schule einzupacken, da es den Hunger immerhin etwas mehr als das Weißbrot stillt und auch nicht sofort zerbricht. Solange ich das öfter bekommen kann, habe ich damit eine gute Lösung für länger gefunden.

In den nächsten Tagen versuche ich endlich einmal etwas über einen ganze normalen Tagesablauf zu schreiben, aber jetzt gerade fragt mich mein Gastbruder Justo, ob ich ihn auf unseren abendlichen Ausflug, um Brot u.äh. zu kaufen begleite. Er macht in seinem gelben Eichhörnchen-Schlafanzug schon einen drolligen Eindruck, wenn wir in völliger Dunkelheit von Shop zu Shop gehen, um herauszufinden, ob es vlt. doch heute braunes Brot zu kaufen gibt. :-) Nach dm Wochenende gibt es hoffentlich mehr von mir zu hören! :-)