Samstag, 19. November 2011

Stromausfall 1


Mittwoch, der 16. 11. 2011

Plötzliche Stromausfälle gehören hier zwar nicht zur Tagesordnung, kommen aber doch häufig vor. Ich kann nur weiter tragen, was mir erzählt wurde, aber es soll zum einen an der (korrupten) Regierung liegen, dann daran, dass das Stromnetz generell eines der schlechteren Sorte ist und dann daran, dass der Strom unter anderem durch Wasserenergie erzeugt wird.
In einem Land, wo es öfter vorkommt, dass nicht ausreichend Wasser aber dafür Sonne und Wind en masse zur Verfügung stehen, sollte man diese Art der Energiegewinnung vielleicht noch einmal überdenken. So habe ich vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass wir kein Wasser und gleichzeitig keinen Strom hatten. Das eine bedingte das andere und setze somit die meisten in einem Haushalt ablaufenden Prozesse außer Gefecht.

Nun aber etwas über meinen gestrigen Abend:
Ich hatte mich schon bettfertig gemacht und wartete nur noch auf das späte Abendessen. Weil es keine Tomaten mehr gab, sollten mein Gastbruder Justo und ich welche kaufen gehen. Da aber gerade die kleinen Cousins und Cousinen vorbeigekommen waren und nicht alleine nach Hause laufen sollten, haben wir sie begleitet. Aus dem kurzen Verabschieden der Kinder an der Haustür wurde dann ein „kurzes Grüßen“ der Tante und eine „kurze“ Hausbesichtigung. Letztendlich fand ich mich in meinem Schlafanzug in einem fremden Wohnzimmer mit einer Soda in der Hand sitzend wieder, während sechs Kinder meine Haare anfassten, Justo und die Tante plauderten und ich Nachrichten auf Kiswahili gucken sollte, von denen ich kein Wort verstand. Während ich Justo immer wieder von der Seite zunuschelte, dass wir doch vielleicht bald gehen könnten, die Tomaten würden schließlich für’s Kochen benötigt, flackerte das Licht ein paar Mal und blieb dann ganz weg. Na klasse.
Der Fernseher verstummte, die Kinder kreischten, das Baby schrie und ich mitten drin. Ausnahmsweise ohne Handy oder Taschenlampe, beides braucht man ja auch nicht zum Einkaufen. Dementsprechend saß ich einfach schweigend da, schaute dem langsam dunkler werdenden Fernsehbildschirm zu und rückte etwas näher an Justo, um sicherzugehen, dass ich es in jedem Fall mitbekommen würde, wenn er den Raum verlassen würde. Es war einfach stockdunkel, ich konnte NICHTS sehen! Das kann man sich kaum vorstellen, weil normalerweise ja immer von irgendwoher Licht kommt, sei es von einer Straßenlaterne oder einem vorbeifahrenden Auto.
Nachdem die Kinder des Hauses nach einer Weile zwei Taschenlampen gesucht hatten, sie konnten ja schließlich auch nichts sehen^^, bekamen wir eine und machten uns auf den Nachhauseweg. Justo markierte den starken Bruder und lief mit der Lampe voran, nur dass wir Nachfolgenden so nicht viel von dem, was sich direkt vor unseren Füßen abspielte, sehen konnten. Ich hielt Enjo (10) an der Hand, sie Brenda (12). Mkunde (7) rannte vorweg und fiel mal in dies oder das Loch. ;-) Weil die Wege nicht einfach nur platt und gerade, sondern mit Sand, Matsch und durch untergründige Felsen sehr schief sind, sackte Brenda auch einmal ab und riss uns mit sich zu Boden. ;-)
Ich weiß nur, wie ich mich über den langen, noch dunkleren Schatten der Telefonmasten am Straßenrand wunderte, bis ich im Graben landete und mir bewusst wurde, dass es bei völliger Dunkelheit ja gar keine Schatten geben kann. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. ;-) (Es war aber zum Glück gerade kein Wasser darin^^.)
Fazit: Wir sind mit kleinen Zwischenfällen alle heil zuhause angekommen. Alleine zurückgefunden, hätte ich aber nie im Leben! Und für das nächste Mal, Handy mitnehmen!

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