Mittwoch, der 16. 11. 2011
Plötzliche Stromausfälle gehören hier zwar nicht zur
Tagesordnung, kommen aber doch häufig vor. Ich kann nur weiter tragen, was mir
erzählt wurde, aber es soll zum einen an der (korrupten) Regierung liegen, dann
daran, dass das Stromnetz generell eines der schlechteren Sorte ist und dann
daran, dass der Strom unter anderem durch Wasserenergie erzeugt wird.
In einem Land, wo es öfter vorkommt, dass nicht ausreichend
Wasser aber dafür Sonne und Wind en masse zur Verfügung stehen, sollte man
diese Art der Energiegewinnung vielleicht noch einmal überdenken. So habe ich
vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass wir kein Wasser und gleichzeitig keinen
Strom hatten. Das eine bedingte das andere und setze somit die meisten in einem
Haushalt ablaufenden Prozesse außer Gefecht.
Nun aber etwas über meinen gestrigen Abend:
Ich hatte mich schon bettfertig gemacht und wartete nur noch
auf das späte Abendessen. Weil es keine Tomaten mehr gab, sollten mein
Gastbruder Justo und ich welche kaufen gehen. Da aber gerade die kleinen
Cousins und Cousinen vorbeigekommen waren und nicht alleine nach Hause laufen
sollten, haben wir sie begleitet. Aus dem kurzen Verabschieden der Kinder an
der Haustür wurde dann ein „kurzes Grüßen“ der Tante und eine „kurze“
Hausbesichtigung. Letztendlich fand ich mich in meinem Schlafanzug in einem
fremden Wohnzimmer mit einer Soda in der Hand sitzend wieder, während sechs
Kinder meine Haare anfassten, Justo und die Tante plauderten und ich Nachrichten
auf Kiswahili gucken sollte, von denen ich kein Wort verstand. Während ich
Justo immer wieder von der Seite zunuschelte, dass wir doch vielleicht bald
gehen könnten, die Tomaten würden schließlich für’s Kochen benötigt, flackerte
das Licht ein paar Mal und blieb dann ganz weg. Na klasse.
Der Fernseher verstummte, die Kinder kreischten, das Baby
schrie und ich mitten drin. Ausnahmsweise ohne Handy oder Taschenlampe, beides
braucht man ja auch nicht zum Einkaufen. Dementsprechend saß ich einfach
schweigend da, schaute dem langsam dunkler werdenden Fernsehbildschirm zu und
rückte etwas näher an Justo, um sicherzugehen, dass ich es in jedem Fall
mitbekommen würde, wenn er den Raum verlassen würde. Es war einfach
stockdunkel, ich konnte NICHTS sehen! Das kann man sich kaum vorstellen, weil
normalerweise ja immer von irgendwoher Licht kommt, sei es von einer
Straßenlaterne oder einem vorbeifahrenden Auto.
Nachdem die Kinder des Hauses nach einer Weile zwei
Taschenlampen gesucht hatten, sie konnten ja schließlich auch nichts sehen^^,
bekamen wir eine und machten uns auf den Nachhauseweg. Justo markierte den
starken Bruder und lief mit der Lampe voran, nur dass wir Nachfolgenden so
nicht viel von dem, was sich direkt vor unseren Füßen abspielte, sehen konnten.
Ich hielt Enjo (10) an der Hand, sie Brenda (12). Mkunde (7) rannte vorweg und
fiel mal in dies oder das Loch. ;-) Weil die Wege nicht einfach nur platt und
gerade, sondern mit Sand, Matsch und durch untergründige Felsen sehr schief
sind, sackte Brenda auch einmal ab und riss uns mit sich zu Boden. ;-)
Ich weiß nur, wie ich mich über den langen, noch dunkleren
Schatten der Telefonmasten am Straßenrand wunderte, bis ich im Graben landete
und mir bewusst wurde, dass es bei völliger Dunkelheit ja gar keine Schatten
geben kann. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. ;-) (Es war aber zum
Glück gerade kein Wasser darin^^.)
Fazit: Wir sind mit kleinen Zwischenfällen alle heil zuhause
angekommen. Alleine zurückgefunden, hätte ich aber nie im Leben! Und für das
nächste Mal, Handy mitnehmen!
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