| Die einzige Palme am ganzen Strand, aber wir haben sie gefunden! ;-) |
| Der Himmel wurde schon etwas dunkler... |
Justo, der sich, seitdem er heldenhaft eine Küchenschabe aus meinem Zimmer entfernt hat, gerne mal in die Brust wirft, meinte, dass er ein sehr guter „Wettervorhersager“ sei und dass uns der Regen erst in der Nacht erreichen würde. Luis und ich waren etwas skeptisch, aber weil wir bis jetzt immer mehr den Menschen selbst als irgendwelchen anderen Wettervorhersagen trauen konnten, vertrauten wir meinem Gastbruder. Als wir von weiter weg dann schließlich ein Grollen hörten, haben wir dann doch etwas mehr Druck gemacht und uns auf den Rückweg begeben. Dieser führte unter anderem über Eisenbahnschienen, die noch von den Deutschen kurz vor dem 1. Weltkrieg gebaut worden waren. Seitdem hatte man daran auch nicht mehr gearbeitet.
Jedenfalls fing der Regen schon an, als wir uns gerade erst einen Weg durch eine Art Dörfchen bahnten. Ich hatte mir schon ausgemalt, dass wir nachher irgendwo unterschlüpfen müssten, doch es ging weiter durch den Regen. Als wir dann irgendwann in der Stadtmitte ankamen, wurde der Regen dann so doll, dass selbst mein Gastbruder es langsam einsah, dass wir uns besser irgendwo unterstellen müssten.
| Der Himmel zieht sich langsam zu, vor uns ein Friedhof |
| Der Weg vom See aus nach Hause |
Am Straßenrand hatte eine Gruppe älterer Muslime eine Plane aufgestellt und sich darunter zum Dame-Spiel getroffen. Es drängten sich zwar schon mehrere Passanten unter dieses Abdach, doch wir fanden auch noch Platz. Bevor das Gewitter dann zu seinem Höhepunkt auflief, hatte ich bereits einen Platz auf der kleinen Bank zugewiesen bekommen und ein alter Herr lächelte mir ins Gesicht und fragte, ob ich „Draft“ kennen würde, so heißt das Spiel in Tansania.
Während sich immer mehr Leute um uns scharrten, polterte das Gewitter immer weiter. Als der Regen dann ein kleines bisschen weniger wurde, liefen wir in unserer Vierergruppe weiter Richtung Zuhause. Um was für Wassermassen es sich wirklich handelte, haben wir dann gesehen, als wir über einen Busplatz liefen, der leicht schräg angelegt war. Das Wasser floss schnell und in braunen, strömenden Bächen vom Platz in die Schlote neben der Straße. Wir mussten natürlich darüber springen, was sich mit nassen, dreckigen Füßen in nassen Flip-Flops als sehr glitschig und unpraktisch erwies.
Letztendlich haben wir uns dann vor dem Regen und dem tosenden Gewitter in eine mehrstöckige Bar retten können, die zusätzlich noch an einem Felsen gelegen ist. Wir haben uns dann ganz nach oben in einen kleinen Nebenraum gesetzt, der uns durch seine schwache Beleuchtung und Tapete eher an einen Hinterraum für Drogenhandel erinnerte. ;-) Doch man hatte einen schönen Blick über die ganze Stadt und konnte jeden Blitz über den Himmel zucken sehen, was für ein Anblick!
Wir saßen also in diesem winzigen Raum, Justo hat uns eine Soda ausgegeben (Sammelbegriff für Cola, Fanta, Sprite usw.) und während ich Luis gerade etwas erzählte und „Stromausfall“ sagte, ging in GENAU diesem Moment in der ganzen Stadt das Licht aus! Das war wirklich Ironie. xD
So saßen wir nun alle in der Dunkelheit und konnten von dort oben, die im Sekundentakt zuckenden Blitze und den dann kurz lila scheinenden Himmel sehen. Zum Glück fing kurz später der Generator an zu arbeiten und der Regen hört auf. So konnten wir uns auf den Rückweg begeben. Allerdings war die ganze Stadt dunkel und wir konnten die Pfützen nur sehen, wenn gerade ein Auto oder ein „piki piki“ (Motorrad-Taxi) vorbeifuhr. Luis konnte dann auch eines erwischen und musste sich nicht mit seinem Rad durch den Schlamm nach Hause kämpfen. Justo, Helena und ich hüpften weiter über Pfützen und erreichten dann auch irgendwann das Haus. Ziemlich durchnässt und mit einer ersten Gänsehaut seit meiner Ankunft, schöpfte ich mir etwas kaltes Regenwasser aus einem herumstehenden Topf (aufgeräumt wird hier nicht so oft) in einen Eimer zum Duschen. Weil ich vor ein paar Tagen ein Paket von meinen Eltern bekommen habe, was unter anderem einen Wasserkocher (!) enthielt, konnte ich mir so Wasser zum Duschen heiß machen. J Als ich wieder aus meinem Zimmer kam, hatte sich Justo zwar schon meinen Eimer und mein Wasser „ausgeborgt“, aber irgendwann konnte ich dann doch „duschen“.
Als ich mich gerade umgezogen hatte, fing es wieder stark zu regnen an und auch der Strom versagte. Zum Glück kam dieser dann schon bald wieder und die Hausmädchen waren in der Lage draußen unter dem Abdach Spaghetti (!) zu kochen. Etwas anderes hätte unter diesen Wetterbedingungen auch zu lange gedauert. Nachdem jeder seine Portion innerhalb weniger Minuten verschlungen hatte, ging es schnell wieder in das eigene Zimmer, um sich vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Mit einiger Mühe und Unterbrechungen funktionierte mein Internet dann irgendwann und ich konnte den Abend mit meinem Laptop verbringen.
So viel zum gestrigen Tag…
Heute Morgen regnet es immer noch dicke, schwere Tropfen, was die meisten Sandwege nur schwer passierbar macht. Ich habe zwar erst zur zweiten Stunde Unterricht, soll aber trotzdem immer zur ersten Stunde da sein, und habe mich deswegen ganz normal fertig gemacht. Glücklicherweise habe ich alles Waschzeug und Brot und Butter in meinem Zimmer, sodass dies auch so problemlos ging. Zum Zähneputzen habe ich Regenwasser genommen, die Zahnpasta musste ich mehr oder weniger vor meiner Zimmertür ausspucken, bzw. habe mich nachher dann in Regenjacke und Angler-Hut geschmissen. Mkunde, meine 7-jährige Gastschwester, ist währenddessen singend und feixend mit einem großen Regenschirm an mir vorbeigelaufen und hat mein etwas bescheuert aussehendes Outfit bestaunt. xD
Ich habe mich danach dann zu meiner Gastmutter und meinen vier Gastschwestern in den „Sitting-Room“ gesetzt und sie gefragt, wie ich denn zur Schule kommen würde. „Abwarten und Porridge trinken“, hieß es dann. Nebenbei stelle sich heraus, dass gestern ein Feiertag gewesen sei und dieser heute nachgefeiert werden würde, demnach wäre heute gar keine Schule. Nachdem mir dies alle bestätigt hatten, die Mädchen aber trotzdem alle ihre Schuluniform anhatten, habe ich meinen Schulleiter angerufen, der meinte, dass dem nicht so sei. Ich solle den Regen abwarten und mich dann aber auf den Schulweg machen.
| Blick aus meiner Zimmertür, leider sieht man den Regen selbst nicht, er ist aber da. ;-) |
Weil noch kein rasches Ende des Regens hervorzusagen ist, habe ich mich wieder in mein Bett und unter meine Fleecedecke verkrochen und schreibe eben diesen neuen Blogeintrag.
Ich erlebe Tansania, bzw. Singida gerade noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise:
Wenn ich bisher wusste, dass sich alles von einer auf die andere Minute ändern kann, bzw. ich durch schlechte Information oft erst als Letzte von den meisten Dingen erfahre, so konnte ich bisher immer auf das Wetter zählen. Doch jetzt sitze ich in meinem Zimmer und lausche dem klatschenden Regen, der auf einmal eine ganze Stadt lahm legt. Laut meiner Gastfamilie begebe sich bei diesem Wetter verständlicherweise keiner freiwillig nach draußen, die Läden, Schulen usw. seien geschlossen und jeder warte erst einmal ab.
Der Regen fällt hier auch in so dicken, schweren und lauten Tropfen, dass man binnen Sekunden komplett durchnässt ist. Irgendwie noch einmal anders als in Deutschland.
| Furchen im Boden vom Wasser |
Ich habe zwar eine Regenjacke, aber damit bin ich wahrscheinlich die Einzige. Und wenn das Wasser in neu entstandenen Bächen überall fließt, dann möchte ich auch nicht die Erste sein, die sich auf den Schulweg macht. Helena meinte gerade, dass diese Art von Regen sogar bis zum Abend dauern würde. Jetzt ruft gerade eine Lehrerin an, dass ich doch kommen soll, obwohl mein Schulleiter und meine Familie etwas anderes sagen. Es ist schon verwirrend. Na, dann werde ich mich mal auf den Weg machen, mein Fahrrad aber lieber hier stehen lassen…
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