Freitag, 25. November 2011

Kein Fahrrad, kein Frühstück


Nachdem mein nun schon allseits bekannter Gastbruder Justo am Dienstagvormittag mein Fahrrad „ausgeliehen“ hat, weil ich schulfrei hatte und er dachte, ich würde es nicht brauchen, bin ich nach einer halben Stunde Warten, zu spät zu meiner Arbeit im Center gekommen.
Für den Nachmittag des gleichen Tages hat er von mir deswegen „Fahrradverbot“ bekommen, schließlich ist es für mich gedacht, damit ich täglich zu meinem Projekt kommen kann. Resultat war, dass er vorgab, er könnte nur mithilfe meines Rades einkaufen gehen, was natürlich erfunden war.
Er ist also nicht einkaufen gegangen und ich habe nicht wie versprochen Brot und Bananen bekommen. Für den nächsten Morgen hat mein Brot auch noch gereicht. Nur war ich den ganzen Mittwoch unterwegs und konnte nichts kaufen. Als ich spät wiederkam, war immer noch nichts da. Da ich, wenn es dunkel ist, nicht alleine losziehen soll, habe ich drei verschiedenen Familienmitgliedern gesagt, dass ich etwas für das Frühstück am nächsten Morgen brauchen würde. Irgendwie war aber keiner daran interessiert, das gegebene Versprechen auch zu halten, sodass ich am nächsten Morgen mit leeren Händen dastand. Als ich meine Gastmutter fragte, ob wir noch flott etwas kaufen könnten, habe ich erst einmal Ärger bekommen, warum ich denn nicht früher Bescheid gesagt hätte. Hatte ich ja schon am Dienstag, nur das war dann doch etwas schwer, auf Kiswahili zu erklären. Zum Glück kam, kurz bevor ich das Haus verlassen habe, doch noch jemand mit Bananen um die Ecke. Also bin ich flott zur Schule gefahren und konnte in meiner Freistunde frühstücken.
Es ist immer noch nicht ganz selbstverständlich, dass ich mich auf mein Fahrrad und Frühstück verlassen kann. Nur leider sind das die Dinge, die ich jeden Morgen brauche und somit fängt der Tag manchmal schon etwas alternativ an.^^

Gestern, am Donnerstag, habe ich Justo erlaubt, mein Rad zu benutzen. Er hat es abends abgestellt und ich habe erst heute Morgen wieder danach gesehen. Wenn mein Gastbruder eine Begabung hat, dann die, alles kaputt zu machen.
Folgendes schildere ich in Kurzform:

Volle Neun-Liter-Gallone-Wasser auf den Gepäckträger gehievt, um das Wasser im Center zu reinigen.
Ich möchte losfahren, der Sattel ist schief, Schraube fehlt, bin im ersten Gang, Justo hat meine kaputte Gangschaltung benutzt, grr.
Schalte zurück und die Kette springt herunter.
Zurück in den Hof schieben, Fahrrad abstellen, geht nicht, Ständer kaputt.
Gallone runter, Kette wieder drauf, Gallone wieder drauf, raus schieben, treten, ich merke, dass die Bremse ständig bremst und quietscht, komme kaum vorwärts, die Kette fällt wieder herunter.
Wieder zurück, Gallone runter, Kette drauf, Gallone wieder drauf, los schieben, treten, Kette springt zum 3. Mal runter.
Rad wieder in den Hof schieben, Gastbruder verfluchen, Fahrrad abstellen, ach ja, Ständer ist ja kaputt, anlehnen, Gallone runter.
Gallone unter den Arm nehmen, zur Lodge meiner Gasteltern laufen. Gallone zu schwer, auf den Kopf damit, werde von den Tansanis  ausgelacht.
In der Lodge angekommen, Tipp ein pikipiki zu nehmen und Geld dafür bekommen.
Pikipiki (Motorcycle) von der Straße gewunken, „Mzungu“-Preis durch Verhandeln gedrückt und mit meiner Wassergallone zwischen mir und Fahrer zum 1. Mal in meinem Leben Motorrad gefahren!
Erste Versuche ;-) Mit Festhalten klappt es aber. Mit einer Wasserflasche auf dem Kopf klappt es auch so.
Mein Fahrrad ist und bleibt ein Problem, weil es nicht heile war, als ich es bekommen habe und nach sämtlichen Reparaturen und dann Benutzen meines Gastbruders wieder kaputt geht. Die Gallone muss ich nun auch zweimal pro Woche mit dem Rad zur Schule, zum Center und wieder nach Hause kutschieren. Ich habe ja schon in einem vorherigen Eintrag geschrieben, dass das Wasser im Center, was ich vorher immer getrunken habe, durch verschiedene Gründe, nun ungenießbar ist. Nachdem ich ein paar Tage lang abgekochtes Wasser mit sichtbaren Aschestücken getrunken habe und Kopfschmerzen bekam, weil es komisch schmeckte und ich deswegen davon auch nicht viel getrunken habe, nehme ich nun das Wasser von Zuhause und filtere es im Center. Durch das Gewicht der Gallone auf meinem Gepäckträger schaffe ich es morgens schneller den Berg runter zur Schule, aber leider auch nur recht mühevoll wieder hinauf, wenn die Sonne mittags so schön brennt. Dann ist natürlich  mein Pappkarton-Fahrradkorb gerissen und ich durfte der Gallone nachrennen, die auf dem Weg die Straße runter, war.

Mein stets kaputtes Mountainbike

Neun Liter Wasser und mein erst leicht angerissener Fahrradkorb
Eine endgültige Lösung habe ich damit noch nicht gefunden, vor allem, wenn am 03. Dezember die Ferien beginnen und ich für sechs Wochen nicht mehr im Center arbeiten werde…Vielleicht heißt es dann Wasser kaufen, was mir auf Dauer aber zu teuer wird, da ich das Wasser ja auch zum Teekochen und Zähneputzen nehme.

Aber für dieses Wochenende bin ich erst einmal versorgt. =)

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