Nachdem mein nun schon allseits bekannter Gastbruder Justo
am Dienstagvormittag mein Fahrrad „ausgeliehen“ hat, weil ich schulfrei hatte
und er dachte, ich würde es nicht brauchen, bin ich nach einer halben Stunde
Warten, zu spät zu meiner Arbeit im Center gekommen.
Für den Nachmittag des gleichen Tages hat er von mir
deswegen „Fahrradverbot“ bekommen, schließlich ist es für mich gedacht, damit
ich täglich zu meinem Projekt kommen kann. Resultat war, dass er vorgab, er
könnte nur mithilfe meines Rades einkaufen gehen, was natürlich erfunden war.
Er ist also nicht einkaufen gegangen und ich habe nicht wie
versprochen Brot und Bananen bekommen. Für den nächsten Morgen hat mein Brot
auch noch gereicht. Nur war ich den ganzen Mittwoch unterwegs und konnte nichts
kaufen. Als ich spät wiederkam, war immer noch nichts da. Da ich, wenn es
dunkel ist, nicht alleine losziehen soll, habe ich drei verschiedenen
Familienmitgliedern gesagt, dass ich etwas für das Frühstück am nächsten Morgen
brauchen würde. Irgendwie war aber keiner daran interessiert, das gegebene
Versprechen auch zu halten, sodass ich am nächsten Morgen mit leeren Händen
dastand. Als ich meine Gastmutter fragte, ob wir noch flott etwas kaufen
könnten, habe ich erst einmal Ärger bekommen, warum ich denn nicht früher
Bescheid gesagt hätte. Hatte ich ja schon am Dienstag, nur das war dann doch
etwas schwer, auf Kiswahili zu erklären. Zum Glück kam, kurz bevor ich das Haus
verlassen habe, doch noch jemand mit Bananen um die Ecke. Also bin ich flott
zur Schule gefahren und konnte in meiner Freistunde frühstücken.
Es ist immer noch nicht ganz selbstverständlich, dass ich
mich auf mein Fahrrad und Frühstück verlassen kann. Nur leider sind das die
Dinge, die ich jeden Morgen brauche und somit fängt der Tag manchmal schon
etwas alternativ an.^^
Gestern, am Donnerstag, habe ich Justo erlaubt, mein Rad zu
benutzen. Er hat es abends abgestellt und ich habe erst heute Morgen wieder
danach gesehen. Wenn mein Gastbruder eine Begabung hat, dann die, alles kaputt
zu machen.
Folgendes schildere ich in Kurzform:
Volle
Neun-Liter-Gallone-Wasser auf den Gepäckträger gehievt, um das Wasser im Center
zu reinigen.
Ich möchte losfahren,
der Sattel ist schief, Schraube fehlt, bin im ersten Gang, Justo hat meine
kaputte Gangschaltung benutzt, grr.
Schalte zurück und die
Kette springt herunter.
Zurück in den Hof
schieben, Fahrrad abstellen, geht nicht, Ständer kaputt.
Gallone runter, Kette
wieder drauf, Gallone wieder drauf, raus schieben, treten, ich merke, dass die
Bremse ständig bremst und quietscht, komme kaum vorwärts, die Kette fällt
wieder herunter.
Wieder zurück, Gallone
runter, Kette drauf, Gallone wieder drauf, los schieben, treten, Kette springt
zum 3. Mal runter.
Rad wieder in den Hof
schieben, Gastbruder verfluchen, Fahrrad abstellen, ach ja, Ständer ist ja
kaputt, anlehnen, Gallone runter.
Gallone unter den Arm
nehmen, zur Lodge meiner Gasteltern laufen. Gallone zu schwer, auf den Kopf
damit, werde von den Tansanis
ausgelacht.
In der Lodge
angekommen, Tipp ein pikipiki zu nehmen und Geld dafür bekommen.
Pikipiki (Motorcycle)
von der Straße gewunken, „Mzungu“-Preis durch Verhandeln gedrückt und mit
meiner Wassergallone zwischen mir und Fahrer zum 1. Mal in meinem Leben
Motorrad gefahren!
| Erste Versuche ;-) Mit Festhalten klappt es aber. Mit einer Wasserflasche auf dem Kopf klappt es auch so. |
Mein Fahrrad ist und bleibt ein Problem, weil es nicht heile
war, als ich es bekommen habe und nach sämtlichen Reparaturen und dann Benutzen
meines Gastbruders wieder kaputt geht. Die Gallone muss ich nun auch zweimal
pro Woche mit dem Rad zur Schule, zum Center und wieder nach Hause kutschieren.
Ich habe ja schon in einem vorherigen Eintrag geschrieben, dass das Wasser im
Center, was ich vorher immer getrunken habe, durch verschiedene Gründe, nun
ungenießbar ist. Nachdem ich ein paar Tage lang abgekochtes Wasser mit
sichtbaren Aschestücken getrunken habe und Kopfschmerzen bekam, weil es komisch
schmeckte und ich deswegen davon auch nicht viel getrunken habe, nehme ich nun
das Wasser von Zuhause und filtere es im Center. Durch das Gewicht der Gallone
auf meinem Gepäckträger schaffe ich es morgens schneller den Berg runter zur
Schule, aber leider auch nur recht mühevoll wieder hinauf, wenn die Sonne
mittags so schön brennt. Dann ist natürlich
mein Pappkarton-Fahrradkorb gerissen und ich durfte der Gallone
nachrennen, die auf dem Weg die Straße runter, war.
| Mein stets kaputtes Mountainbike |
| Neun Liter Wasser und mein erst leicht angerissener Fahrradkorb |
Eine endgültige Lösung habe ich damit noch nicht gefunden,
vor allem, wenn am 03. Dezember die Ferien beginnen und ich für sechs Wochen
nicht mehr im Center arbeiten werde…Vielleicht heißt es dann Wasser kaufen, was
mir auf Dauer aber zu teuer wird, da ich das Wasser ja auch zum Teekochen und
Zähneputzen nehme.
Aber für dieses Wochenende bin ich erst einmal versorgt. =)
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