Leider habe ich bisher erst wenige Nächte komplett durchschlafen können, da der Lärmpegel zu jeder Tages- und Nachtzeit enorm sein kann. Man wundert sich, denn selbst durch meine tollen Ohropax, ohne die ich schon lange verrückt geworden wäre, kann ich das schreiende Gebete, das am Wochenende morgens um 5:30 Uhr losgeht und mit Unterbrechung bis 2:00 Uhr nachts dauern kann, hören. Mein Wecker klingelt also um exakt kalkulierte 6:37 Uhr :P unter der Woche. Dann kommt es ganz darauf an, wie viel Schlaf mir meine Nachbarschaft gegönnt hat, wie lange ich für den Prozess des „Aus-dem-Moskitonetz-Schälens“ brauche. ;-)
In der nächsten Stunde entscheidet sich dann ganz schnell, was ich für einen Start in den Tag habe:
- Ob mein Brot oder meine Bananen über Nacht verschimmelt sind.
- Ich in der Nacht überhaupt einigermaßen schlafen konnte.
- Wie viel Mühe sich der Muezzin und die umliegenden Gemeinden mit ihrem Gebrüll geben (Ich höre sie alle ab 6 Uhr morgens über mehrere Stunden lang durch mein geschlossenes Fenster und meine Ohropax!)
- Ob ich auf der Suche nach einem Teller an geköpften Hühnern und ihren gerupften Überresten vorbeilaufen muss, die Katzen Hühnerkrallenfangen spielen und ich beim Spalten des Hühnerkörpers mit Knochenzeugs bespritzt werde… (Dies ist ca. zwei mal pro 14 Tage der Fall, gerade ist es wieder soweit.)
- Ob ich überhaupt einen Teller zum Frühstücken finde, denn eine Ordnung gibt es in der Küche nicht und abgespült wird immer erst vor den Mahlzeiten, wenn es unvermeidbar ist.
Weil die Kinder um diese Uhrzeit bereits gefrühstückt haben, was meist unter lautem Geschrei und Gehaue schräg gegenüber von meiner Tür im Stehen stattfindet und auch sonst keiner Interesse oder Zeit für ein gemeinsames Frühstück hat, gehe ich mit meinem eroberten Teller wieder zurück in mein Zimmer. Mein Frühstück bestand zu Beginn meiner Zeit hier nur aus einer Banane, mit meinem ekeligen Malaria-Prophylaxepulver (Zermörserte Blätter der Artemisia annua anamed), nach zwei Wochen kam Rohrzucker dazu, den ich mir immer noch fleißig bunkere.
Dann wiederum konnte ich Weißbrot-Toast ergattern, das leider oft vielmehr nach Plastik als nach Nichts schmeckt. Also wechselte ich lange Zeit zwischen braunen Bananen mit Zucker und Pulver und einer Scheibe Toast mit Zucker und Pulver ab. Weil der Schwarztee immer mit dem normalen, nicht abgekochten Wasser, zubereitet wird, gab es dazu für mich mein Plastikflaschen-Wasser.
| Zerdrückte Banane mit meiner Malaria-Prophylaxe |
| Ein normales Frühstück für Gäste, würde ich sagen: Toast, Maragrine, brauner Zucker und Chai | . |
Schon bald habe ich mir dann eine Marmelade gekauft, die zum einen eine ganz komische Farbe und Konsistenz hat und zum anderen, einfach nicht schmeckte. Nach der Hälfte habe ich aufgegeben und sie den Kindern geschenkt.
Nach einem Frühstück bei Luis, bei dem es u.a. auch Honig und Erdnussbutter gab, habe ich meine Gastmutter danach gefragt. Daraus geworden ist leider nichts, aber als ich nebenbei einmal in der Schule erwähnt habe, dass ich gerne Honig auf meinem Brot essen würde, hat mir am nächsten Tag eine Lehrerin ein wenig mitgebracht. Dunkelgelber, fruchtiger Honig aus den umliegenden Dörfern Singidas, weltklasse!
Am nächsten Tag hatte meine Familie vergessen, mir Brot oder eine Banane zu kaufen, aber meine Malaria-Prophylaxe musste ich trotzdem morgens einnehmen. So konnte ich glücklicherweise einen Löffel Honig mit dem Pulver essen. Immerhin ;-).
| Rechts die kleinsten Bananen, die ich hier bisher gesehen habe. Und man beachte die Fliege, die ich im Flug fotografieren konnte. |
Nach einer Woche täglichem Erinnern habe ich jetzt sogar ein Pöttchen Margarine bekommen. Dass sie gesalzen ist, fand ich am Anfang noch etwas komisch, aber sie reicht dadurch auch ohne weiteren Brotaufstrich. Durch ein Missverständnis, als ich eines der Kinder nach Butter gefragt habe, habe ich einen Rest Johannisbeer-Marmelade bekommen. Eigentlich mag ich die nicht, aber diese hier schmeckt echt gut. Also noch einmal ein Zugewinn! Als der Honig dann aufgebraucht war, habe ich schweren Mutes mein mitgebrachtes Nutellaglas geöffnet und freue mich nun jeden Morgen (und manchmal auch nachmittags^^) über ein oder dann doch schon mal mehrere Toast mit Nutella. Lecker!
| Ein Nutellabrot, ein Traum :-) |
Einmal habe ich sogar Mandazi-Donuts bekommen, das war wirklich klasse!
Manchmal haben die Kinder am Abend auch Mandazi gemacht, beliebig große, in Fett gebackene Teigstücke. Doch leider haben sie das noch nicht richtig drauf und man kann durch die harte Fettkruste kaum beißen. Aber wenn man sie direkt am nächsten Morgen isst (und dann am besten mit Nutella) schmecken sie vorzüglich. Sie liegen durch das ganze verwendete Öl nur eben schwer im Magen.
| Nutella, Blue-Band-Margarine und kleine Donuts |
| Mandazi, bevor sie ins kochende Fett getaucht werden. |
| Ein mehr oder weniger schlechtes Foto von Mandazi,am Glanz zu erkennen ist aber, wie viel Fett für die Zubereitung gebraucht wird. |
Dann habe ich durch Zufall gesehen, dass im „Wohnzimmer“ ein braunes Brot lag. ich habe direkt gefragt, ob ich das einmal probieren könnte. Mir wurde von allen dringlichst davon abgeraten, weil es keinen Zucker enthalte, nur der Vater würde es mögen, Ich habe es getestet und nun eindeutig für mich eine klasse Alternative zu dem weißen Toastbrot gefunden. Braunes Toastbrot!
Leider kann man es nur in bestimmten Lädchen kaufen und auch nicht zu allen Tageszeiten. Deswegen gab es für mich schnell wieder Weißbrot. Mein Gastbruder Justo und ich gehen momentan so gut wie jeden Abend noch los und kaufen Bananen, Tomaten oder Brot, so konnte ich dann einmal sogar „Brötchen“ bekommen. Die sind natürlich auch anders als daheim und auch aus Weißmehl, aber viel leckerer (und riesig)!
Gestern habe ich dann ein Paket von daheim bekommen und so auch ein Glas Zimt und Mamas selbst gemachte Himbeermarmelade. Letztere werde ich wohl erst öffnen, wenn mein Nutella aufgebraucht ist, aber den Zimt (mein Lieblingsgewürz, was ich in Deutschland auch schon immer zu allem gegessen habe) nehme ich jetzt schon mit der Margarine als Brotaufstrich.
In der großen Pause in der Schule, gegen 11 Uhr, wenn ich dann nach den paar Scheiben Toastbrot am Morgen schon fast wieder vor Hunger umkomme, gibt es eine ganz tolle Lehrerin, die sich als meine „Ersatz-Mutter“ ansieht und für mein leibliches Wohl sorgt. Neben dem frisch zubereiteten Ingwertee, den es in der Schule jeden Tag gibt, schickt sie Schüler los, um entweder Mandazi (und zwar viel bessere als die von meinen Gastkindern;), Chapati, Dengu (erst gestern kennen gelernt, frittierter Teig mit Zwiebeln), Kitumbua (aus Maismehl und frittiert), komischen Sandkuchen, Popcorn, eine Banane oder eine Mango zu kaufen. Am meisten freue ich mich über eine Mango, Chapati oder Mandazi, die sind mir bisher noch nicht zu viel geworden. ;-)
| Ein abslouter Glückstag in der Schule: Mangos, Banane und ein Stück Wassermelone. Kam leider aber erst so einmal vor. ;-) |
Ich konnte am Anfang mein Glück kaum fassen, aber sie hat mir einfach angesehen, wie schlecht ich mich ohne ein Pausenbrot konzentrieren konnte. Denn zu Beginn wusste ich mir nicht wirklich selbst zu helfen, weil ich durch meine Familie nicht die Möglichkeit bekomme, mir eine Art Pausenbrot mitzunehmen. Bananen, die ich mir für die Schule eingesteckt hatte, stellten sich dort meist als verschimmelt heraus. Auch Möhren, die ich zeitaufwendig mit meinem Buttermesser geschält hatte, waren oft vergammelt.
Mittlerweile kalkuliere ich meine tägliches Brotbudget von vier Toast pro Tag, die ich von meiner Familie zum Frühstück bekomme, so, dass ich entweder schon satter als früher zur Schule komme, oder mir, dank angekommener Brotdose aus Deutschland, zur Schule mitnehme.
Doch ab jetzt muss ich schon für mein Zweites Frühstück bezahlen, „Ersatzmutter“ hin oder her. Das ist grundsätzlich kein Problem, aber dann überlegt man es sich schon noch einmal, wie viel Geld man täglich extra dafür ausgeben möchte/kann.
Bei dem braunen Brot lohnt es sich auch, sich das für die Schule einzupacken, da es den Hunger immerhin etwas mehr als das Weißbrot stillt und auch nicht sofort zerbricht. Solange ich das öfter bekommen kann, habe ich damit eine gute Lösung für länger gefunden.
In den nächsten Tagen versuche ich endlich einmal etwas über einen ganze normalen Tagesablauf zu schreiben, aber jetzt gerade fragt mich mein Gastbruder Justo, ob ich ihn auf unseren abendlichen Ausflug, um Brot u.äh. zu kaufen begleite. Er macht in seinem gelben Eichhörnchen-Schlafanzug schon einen drolligen Eindruck, wenn wir in völliger Dunkelheit von Shop zu Shop gehen, um herauszufinden, ob es vlt. doch heute braunes Brot zu kaufen gibt. :-) Nach dm Wochenende gibt es hoffentlich mehr von mir zu hören! :-)
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