Donnerstag, 14. Juni 2012

Kein Alkohol ist auch keine Lösung


Das scheint sich hier so mancher Mann zu denken. In Singida ist das Alkoholproblem meiner Meinung nach nicht zu hoch, wenn doch offensichtlich vorhanden. Denn auch hier in der Stadt trifft man immer wieder Leute, die meinen sich ihren Nachmittag mit einem Tütchen Konyagi oder ein paar Bier verschönern zu müssen. Vor ein paar Wochen saß mir ein angetrunkener Mann beim Schneidern 1,5 Stunden lang gegenüber und hat mich angestarrt. Einfach so, ohne einen Grund (abgesehen davon, dass ich weiß bin); gehen wollte er auch nicht.
Als Lucia (Hausmädchen) und ich dann letztens mit dem Handwagen bei der Lodge Wasser geholt haben, kam eben jener Mann zu mir und wollte mit mir reden. Wie ich dann herausfand, wohnt er in meiner Nachbarschaft. Er hatte sich in der Lodge mit seinem Freund betrunken, was ihm auch sichtlich anzumerken war. Erst habe ich ihn versucht abzuwimmeln, zum Schluss bin ich einfach nicht mehr auf ihn eingegangen. Sein Freund, dem das Ganz ein bisschen unangenehm war, obwohl auch er getrunken hatte, kam dann auch noch und hat mich zugeredet, wie sehr es ihm doch Leid täte. Da sei ich extra aus Las Vegas gekommen, um hier Urlaub zu machen, würde ja gar nicht verstehen, was der Betrunkene mir sagen wolle und nun müsse ich mich mit ihm herumschlagen. Manchmal ist es schon ganz lustig, wenn manch einer denkt, dass ich, weil ich eine andere Hautfarbe habe, direkt aus den USA komme. Wahrscheinlich kommen für ihn auch einfach alle „Weißen“ aus Las Vegas, weil er bisher noch von keiner anderen Stadt gehört hat.
Ein lustiges Bild gaben diese beiden Betrunkenen schon ab, auch wenn sie uns auf den Keks gegangen sind und auf jegliche Bitten uns in Ruhe zu lassen, nicht reagiert haben.

Letztens als ich mit Luise und Rike auf dem Markt nach Stoffen gesucht habe, kam ein betrunkener Mann in Lumpen auf mich zu. Viele Menschen fragen uns nach Geld, weil unsere Hautfarbe verkündet, dass wir aus einem reichen Land kommen und somit auch selbst viel Geld haben müssen. Auch wenn man von außen sieht, dass wir in unserem Alter wahrscheinlich noch kein Geld selbst verdienen, werden wir immer und immer wieder nach eben diesem gefragt und können nur schlecht glaubwürdig machen, dass wir keinen Goldesel im Keller stehen haben. Diesen Mann schien das nicht zu interessieren und er blieb knappe 15-20 cm vor meinem Gesicht stehen. Das war mir eindeutig zu nah. Als ich mich bewegte, bewegte er sich auch, gruselig. Ich versuchte von ihm wegzugehen, doch mit seiner Nase unweit entfernt von meiner, ging er mit mir mit. Zum Glück haben mir gleich ein paar Leute geholfen, doch es war schon eine komische Situation. Gut ist, dass man sich fast immer sicher sein kann, dass sie nichts Böses im Schilde führen und das Betrunkene zwar gegenwärtig sind, aber nicht geduldet werden, wenn sie andere belästigen.

Doch in den Dörfern ist die Situation meist verschärft. Luises und Rikes ungefähr 27-jähriger Gastbruder Donald ist Alkoholiker und belastet damit die ganze Familie. Zwar wohnt er nicht zuhause, kommt nur zum Essen vorbei und sagt auch immer mal wieder, dass er mit dem Trinken aufhören möchte, doch schön ist das trotzdem nicht. Durch Donald ist das Problem noch einmal mehr präsenter, doch auch im Dorf selbst begegnet man immer wieder Betrunkenen. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um Männer. Manchmal habe ich gar nicht bemerkt, dass jemand völlig betrunken war und habe durch eine Frage uns damit jemanden für eine halbe Stunde aufgeschwatzt. Da kann man machen, was man will, derjenige folgt einem dann auf Tritt und Schritt und redet einen zu.
Nerviger wird es dann, wenn man sich einfach nur einmal gemütlich zu einer Soda in ein Café setzten will. Da schauen einen sowieso schon alle blöd an und dann gesellen sich noch die Betrunkenen zu einem. Ohne zu fragen, setzten sie sich mit an den Tisch und starren einen an. Bei diesen Blicken ist es nicht einfach sich nur auf das eigene Gespräch zu konzentrieren und demjenigen durch Ignoranz mitzuteilen, dass man lieber alleine sein möchte. Waren wir den einen los, kam der nächste schon auf uns zu. Der sah unsere leeren Sodaflaschen, ging zum Kühlschrank des Cafés, bediente sich selbst und stellte uns zwei neue Cola auf den Tisch. Der Bedienung gefiel das zwar nicht, doch sie wollte uns auch nicht helfen. Also mussten wir dem Mann klarmachen, dass wir keinen Durst mehr hätten und ja, wie seien auch beide verheiratet. Als ein neuer angetrunkener Gast kam, wollte er uns ebenfalls neue Soda ausgeben, während ein anderer Mann uns vom Nachbartisch ohne zu blinzeln und mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Wenn man dann fragt, ob oder warum er uns anguckt, dann lautet die Antwort nur, dass er das nicht tun würde und guckt uns weiter an. Irgendwann waren wir es dann satt und sind gegangen. Leider enden so mehrere Cafébesuche… Tja, spannend, was man hier alles erleben kann. Nach diesem Jahr werden wir Freiwillige dann noch einmal ganz anders gewappnet sein….

Montag, 11. Juni 2012

Mitihanis



Weil am 22.06.2012 bei uns die zweiwöchigen Ferien beginnen, schreiben wir gerade in der Schule unsere Halbjahrestests. Diese so genannten „Mitihanis“ bestehen aus 25-50 Fragen, bei denen es sich meist nur um Ankreuzantworten handelt. Trotzdem sind sie aber so schwer gestaltet, um die Schüler auf die vom Government gestellten Abschlussarbeiten der 7. Klasse vorzubereiten, dass meine Schüler trotz zweiwöchiger Wiederholung leider nicht glänzen konnten. Mit dem Ergebnis bin ich trotzdem einigermaßen zufrieden, schließlich müssen alle Kinder von der 1. bis zur 7. Klasse, egal welchen Alters, innerhalb von drei Tagen Prüfungen in neun Schulfächern ablegen, demnach drei Tests pro Tag. Ganz schön hart, wenn man bedenkt, dass sich ein siebenjähriges Kind somit bis zu fünf Stunden mit kurzen Pausen auf Tests verschiedener Fächer konzentrieren muss.
Mein Arbeitsplatz in der Schule
Da kann ja kaum etwas Gutes dabei herauskommen. Zeit zum Lernen bekommen die Schüler auch nicht, weil sie so gut wie nie vorher über die anstehenden großen und wichtigen Abfragen informiert werden. Die erfolgende Note bestimmt dann zu einem großen Teil die Zeugnisnote. Mündliche Noten werden nicht gegeben, das wäre auch eine Überforderung bei so einer großen Schülerzahl. Doch die Noten von geschriebenen wöchentlichen und monatlichen Tests werden von manchen Lehrern leider auch nicht aufgeschrieben, sodass diese kaum eine Rolle spielen. Ziemlich unfair für die Schüler und die Lehrer machen es sich sehr einfach.
Englischtest der 4. Klasse
Vor der Fertigstellung der Zeugnisse werde ich noch einmal mit dem Schulleiter reden und hoffen, dass ich zumindest für meine Klassen die Noten aus Aufgabenkontrollen, Vokabeltests usw. mit einfließen lassen kann.

Doch bis dahin warten noch um die 120 Klassenarbeiten darauf, korrigiert zu werden. Da ist es dann schon wieder gar nicht mal so schlecht, dass es sich nur um Ankreuztests handelt, auch wenn ich den Schülern etwas anderes wünschen würde. Denn viele verstehen die Aufgaben gar nicht und kreuzen wild irgendetwas an. Weil sich meist drei Schüler eine Bank teilen, erleichtert das auch noch einmal das Abschreiben. Das Gehirn brauchen sie also bei diesen „wichtigen“ Tests kaum…

Samstag, 2. Juni 2012

Sporttag in der Schule



Weil bald ein Wettkampf unter verschiedenen Grundschulen stattfinden soll, trainieren momentan alle Klassen im Fußball, Volleyball und Rennen.
Die Mädchen der 4.-7. Klasse treten gegeneinander an
Normalerweise haben wir gar keinen Sportunterricht, deswegen haben wir ganze 2,5 Schultage für den Sport genutzt, in denen mir wertvolle Stunden für die Vorbereitung der Halbjahresexamen verloren ging. Aber gut, wenn die SchülerInnen auch mal die Möglichkeit haben, etwas Sport zu machen.

Am Start
Die Schüler haben sich nicht extra Sportsachen angezogen, sondern haben in ihren Schuluniformen Sport gemacht, weswegen die Mädchen dann auch alle in Röcken antreten mussten.
Weil die anderen Lehrer sich schön an den Rand gesetzt haben, um die freie Zeit zum Plaudern und Erdnüssepellen genutzt haben, habe ich mich zu den Kindern gesellt und bin letztendlich selbst gegen die Mädchen meiner 6. Klasse – auch im Rock –  im 100 Meter Sprint angetreten.
Die etwas faulen, aber sehr lieben Lehrerinnen (links im Bild meine "Ersatzgastmama")
Man sagt nicht umsonst, dass Afrikaner gute Läufer seien, denn sie haben mich zum Schluss doch noch alle überholt… Dafür habe ich den Zuschauern im Scherz vorher gedroht, dass wenn sie lachen würden, wenn ich verliere, sie alle einen Berg Hausaufgaben aufbekommen würden. ;-) 
Da lohnt es sich doch mal, Lehrer zu sein. Die Schüler waren auf jeden Fall begeistert, dass endlich auch mal ein Lehrer mitmacht, anstatt nur Tee zu trinken. Denn die hängen meist träge herum und ich glaube nicht, dass sie überhaupt noch im Stande zu einem leichten Trab wären. Dafür hatte ich aber auch noch zwei Tage später Muskelkater… ;-)

Schüler aus meiner 6. Klasse

Mzungu amepata kizunguzungu


Seit dem  07.05.2012 arbeite ich nun montags und freitags in einer Dispensary, die von LAHFA (Love and Hope for Africa) aus Deutschland gegründet wurde. Deswegen ist sie auch ein bisschen besser ausgestattet als die normalen tansanischen Gesundheitsstationen. Meine Aufgabe besteht eigentlich darin, an der Rezeption Patienten ins System aufzunehmen und deren Gewicht und Blutdruck zu messen.

Amos & ich an der Rezeption
Doch mittlerweile durfte ich auch schon zweimal bei einer Operation zusehen. Bei beiden Malen wurde ein Lipom, ein gutartiges Gewächs, entfernt. In voller OP-Montur durfte ich direkt dabei sein, als die Schulter einer Frau geöffnet wurde und ein fastgroßer „Fettklumpen“ entfernt wurde.
Das Gewächs wird entfernt
Das war sehr eindrucksvoll, nur wurde Amos (mein nun ehemaliger Mitrezeptionist) etwas flau, für mich war es komischerweise kein Problem, das hätte ich nicht gedacht.
Beim zweiten Mal hatte ich nichts anderes erwartet. Doch das Gewächs saß tiefer als gedacht und von einer lokalen musste zu einer Vollnarkose gewechselt werden. Das Narkosemittel veranlasste zwar, dass die Patientin keinen Schmerz spürte, doch hielt sie  nicht davon ab, mit halb geöffneten Augen immer wieder lauthals zu brüllen, dass es ihr wehtun würde, sie Jesus lieben würde und dieser sie gerettet habe. Trotz eines späteren Beruhigungsmittels und eines anderen Narkosemittels wollte diese Frau nicht aufhören zu schreien. Nach geglückter OP haben wir sie dann in ein Bett im Schlafraum gehievt und
Esther und ich nach der OP
die Krankenschwester hat mehrmals versucht, ihr einen neuen intravenösen Zugang zu legen, während ich den Tropf hielt. Die Schwester konnte keine geeignete Ader finden, die Patientin hat weiter geschrieen und ich stand immer noch, nach einer schlecht geschlafenen Nacht und mit noch leerem Magen neben ihrem Bett und habe die Tropfflasche gehalten. Und während die Schwester immer wieder im Arm der Frau herumstocherte, wurde mir dann plötzlich schwarz vor Augen…
Für den nächsten Gebrauch wird alles wieder sterilisiert
Ein schlechter Wortwitz, aber ich konnte die Flasche gerade noch abgeben, bevor ich mich komplett schwindelig in das Bett neben der Patientin legen musste^^.
Daraufhin hieß es dann: „Mzungu amepata kizunguzungu“, der Weißen wurde schwindelig…

Doch nach ein paar Chapati zur Stärkung ging es mir bald wieder besser und bei nächster Gelegenheit schaue ich auch wieder gerne im OP vorbei! Nur mein Mitleider Amos hat leider seine Arbeit in der Dispensary wegen seines baldigen Studiums beendet und nun sitze ich wieder alleine an der Rezeption.

Abschiedsfoto mit dem Staff für Amos

Die Zeit rennt...


Weil wir Freiwillige alle unterschiedlich lange in Tansania bleiben (Luise & Rike 10 Monate, Olga & ich 11 Monate und Jonas 12 Monate) und jeder sich verschiedene Dinge in den Kopf gesetzt hat, die er gerne noch vor seiner Abreise machen möchte, haben wir uns wahrscheinlich letztes Wochenende das letzte Mal mit allen zusammen getroffen.

Ein letztes gemeinsames Foto in Iguguno: Ich, Jonas, Luise, Olga und Rike
Jonas und Olga hatten bisher zwar schon viel von Iguguno gehört, doch waren selbst noch nie dort, so haben wir uns am letzten Maiwochenende zu Fünft zusammen im Dorf bei Luise und Rike getroffen. Weil wir nur zwei Betten hatten, musste Jonas leider auf dem Boden ohne Moskitonetz schlafen, doch das war das einzige Manko. ;-)

Wir haben uns Luises Schule und Rikes Dispensary, wo sie im Labor arbeitet, noch einmal angesehen, sind durch Iguguno zu einem Affenbrotbaum spaziert, haben die
Baobab: Ein Affenbrotbaum
Mama in ihrem Lädchen besucht, wo sie zusammen mit Luise schneidert, es wieder einmal nicht geschafft, mit verschlossenen Augen an den Stoffläden vorbeizulaufen und hatten viel Zeit uns über unseren Abschied vom Land hier zu unterhalten.
Die große afrikanische Sonne und vier bescheuerte Freiwillige davor ;-)
Das letzte Mal zu Fünft, eine wirr zusammen gewürfelte, aber gut zusammengewachsene Truppe. Keiner von uns hat sich aussuchen können, mit wem er gerne nach Tansania gehen würde und wer sein engster Ansprechpartner hier würde werden "müssen“. So haben wir Menschen kennen und mögen gelernt, mit denen wir in Deutschland nie etwas zu tun gehabt hätten, allein schon, weil wir alle aus verschiedenen Teilen des Landes kommen. Doch ich muss sagen, dass es gut geklappt hat und ich sehr froh darüber bin! In dieser Konstellation
Das Fußballfeld der Secondary School in die goldene Abendsonne getaucht
werden wir uns erst beim Nachbereitungsseminar im Oktober, wenige Tage nach Jonas Rückkehr, wieder sehen. Danach wird es wahrscheinlich schwierig, das war uns nun allen bewusst. Und auf einmal drehten sich alle Gedanken nur noch um den Abschied von uns, den Gastfamilien, unseren vielen Schülern, Kollegen und vor allem dem Land! Auf die beiden Mädels warten nur weniger als sieben Wochen bis zum Abflug, genau so lange dauert es noch bis meine Familie kommt. Weil wir im Juni/Juli noch zwei Wochen Ferien haben, arbeite ich also nur noch aktiv fünf Wochen, was wirklich nur noch wenig ist, vor allem, wenn man bedenkt, dass mein Projekt jetzt gerade erst durch die Arbeit im kleinen Krankenhaus und beim Schneidern, so richtig aufblüht.
Singida ist bekannt für ihr Öl & ich freu mich über meine Lieblingsblumen!
Kiswahili lerne ich schon länger nicht mehr aktiv, die Verständigung klappt auch ohne zusätzliches Lernen, durch die Erweiterung meines Projektes und die Halbjahrestests in der Schule habe ich alle Hände voll zu tun und komme erst am späten Nachmittag nach Hause und in der Familie läuft es gerade super. Zurzeit fühle ich mich richtig wohl hier und es passiert immer irgendetwas, weshalb ich abends nur noch hundemüde ins Bett falle.
Die täglich dreckigen Füße werden wir definitiv nicht vermissen :P

Auf der anderen Seite merke ich schon, dass es bald (aber noch nicht jetzt!) Zeit ist, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Seit gestern kann man sich bei den Unis bewerben, ich möchte gerne meine Familie und Freunde wieder sehen, vermisse die Jahreszeiten und Wasser, das trinkbar aus der Leitung kommt, ohne, dass man etwas dafür tun muss. Da stimmen wir Freiwilligen uns auch überein. Alle wollen gerne noch einmal nach Tansania zurückkommen und schauen dem Abschied zweigeteilt entgegen, doch wir wissen auch, dass es gut ist, bald wieder zurück in die Heimat zu kommen.
Weite Landschaften, rote Erde, das werde ich alles sehr vermissen...
Ein bisschen Schiss habe ich aber davor, dass Leben hier hinter mir zulassen und dann wieder plötzlich in Deutschland in Luxus, Konsum, Hektik, Nachrichten aus der Welt usw. geworfen zu werden. Als ich in Tansania ankam, habe ich keinen Kulturschock bekommen, doch bei meiner Rückkehr bin ich darauf gefasst, obwohl ich ja nur ins Altbekannte zurückkehre.
Noch ist es zum Glück nicht so weit, doch weil ich momentan so viel zu tun habe, fließt die Zeit nur so dahin und alle werden wir schon jetzt ein kleines bisschen sentimental…

Hausarbeit


Unter Hausarbeit/Homework werden hier nicht die Aufgaben verstanden, die der Lehrer aufgibt, zuhause zu lösen, sondern die Arbeit, die zuhause anfällt. Weil wir kein fließendes Wasser, keinen Elektroherd, keine Spülmaschine und auch keine Waschmaschine haben, brauchen wir für ganz normale Arbeiten immer recht lange. Bis 4-8 Wasserkanister vollgelaufen, auf den Handwagen gehievt und von der Vatcan Lodge bis zu uns nach Hause bugsiert wurden, vergeht eine knappe Stunde. Bis der Kohleherd entfacht ist und nach ca. zwei Stunden das Essen fertig ist, sind die Kinder schon in der Küche eingechlafen. Kleidung häuft sich vor allen bei den Kindern in großen Säcken an, bis sie oder die Hausmädchen sich grummelnd derer erbarmen. Weil es bei uns eben so anders zugeht als in Deutschland, hier ein paar Fotos von Dingen, die hier ganz normal sind, weswegen ich bisher noch nicht darauf gekommen bin, sie zu fotografieren. Ob es so spannend ist, weiß ich auch nicht^^. ;-)
Wöchentliches Waschen

Die Wäscheleine vor meiner Zimmertür
Ugali, das täglich Brot, gibt es jeden Mittag in meiner Familie und ist so schwer umzurühren, dass es mit einer Hand kräftig gerührt und mit der anderen mit einem Topfhalter daran gehindert wird (links im Bild), vom Herd zu rutschen.
Brenda rührt das Ugali um

Helena schnippelt Blätter, die wir dann danach als "gekochten Salat" zum Ugali essen. Weil Ugali entweder klebt oder ziemlich hart ist, muss man es mit den Fingern essen. Dafür wird das Gemüse mit dem Ugali zwischen den Fingern in kleinen Portionen zerknetet, was besonders toll ist, wenn wir gerade kein Wasser zum Händewaschen haben. ;-) Ich esse es mittlerweile aber recht gerne.
Lucia wäscht

Wasserholen mit dem Wagen verlangt viel Kraft, ganz alleine kann ich es noch nicht.


Dagar - stinkende, kleine Fischchen, die den Geruch jedes Marktes bestimmen und der Laster, der uns nun wieder allen Platz auf dem Hof wegnimmt.

Neues Hausmädchen!


Am Donnerstag hat meine Gastmutter ohne Vorwarnung ein neues Hausmädchen abends von der Arbeit mitgebracht. Nun haben wir also neben Lucia, Farida und Helena auch noch ein 18-jähriges Mädchen namens Bahati („Glück“), die sich mit den anderen zusammen um Wäsche, Kochen, Putzen und das Baby kümmern.
Sie ist insofern anders als die anderen Hausmädchen, weil sie ganze elf von 13 Schuljahren absolviert hat und damit wahrscheinlich klüger als Lucia und Farida zusammen ist. Sie ist im Gegensatz zu den beiden kein einziges Stück verrückt, leider aber trotzdem etwas seltsam.

Ich habe sie bei ihrer Ankunft nett empfangen, ihr alle Familienmitglieder vorgestellt und ihr den Ablauf hier erklärt. Weil ich ihr entgegen gekommen bin und sie nicht, wie die anderen es taten, sie einfach nur habe sitzen lassen, scheint sie einen „falschen“ Eindruck von mir bekommen zu haben. „Falsch“ in dem Sinne, dass sie nun zu denken scheint, dass ich ihr möglicherweise unterstellt bin. Dazu muss man wissen, dass in Tansania die Rangordnung sehr wichtig ist. Dabei geht es um Alter, Beruf, Stellung und das Geschlecht. Die Jüngeren helfen den Alten, die Kinder müssen in jeder Familie für Botengänge usw. herhalten. Mir war es unangenehm, dass immer die Kinder geschickt werden, wenn etwas besorgt werden muss oder ich etwas vergessen hatte und die paar Meter aber selbst gehen könnte. Doch das ist die Kultur hier, auch wenn ich es nicht einsehen wollte, weil es mir nicht richtig erschien. So sind die Kinder alle flott zu Fuß, während die Erwachsenen sich von vorne bis hinten bedienen lassen und immer weiter Fett ansetzen. ;-)
Bahati beim Waschen

Zum Glück werden die Kinder eben auch irgendwann erwachsen und können dann selbst Kinder herumschicken. ;-) Ich habe mich in der Hinsicht schon daran gewöhnt, dass es mir nicht richtig erscheint, wenn mir eine jüngere Person Befehle gibt. Es widerspricht der Kultur und Höflichkeit hier und kommt deswegen auch kaum vor. Das bezieht natürlich leider auch ein, dass tansanische Kinder leider oft schüchtern sind, weil es ihnen so eingetrichtert wird.

Bahati scheint das etwas anders zu sehen und hat mir verboten nach Iguguno zu Luise und Rike zu fahren, als ich mich von ihr verabschiedete. Als ich dann gestern wiederkam hat sie hartnäckig darauf bestanden von mir ein Geschenk zu bekommen. Mitbringsel wie Früchte, Brot oder Zucker sind leider auch eine Art kulturelle Pflicht, das habe ich aber erst im März herausgefunden^^. Nur fahre ich aber so oft nach Iguguno und bekomme umgekehrt Besuch, dass wir uns keine Gastgeschenke machen und auch nichts für die eigene Familie mitbringen. Als ich heute für zwei Stunden aus dem Haus ging, forderte sie wieder ein Geschenk von mir. Als ich ihr gesagt habe, dass meine heile Rückkehr aus dem Dorf (durch die Löcher im Boden des Daladalas konnte ich die Straße sehen…) doch schon ein Geschenk sei, hat ihr das nicht gereicht. Ich musste mich richtig verteidigen. Es gab noch weitere ähnliche Situationen, sodass ich ihr heute dann gesagt habe, dass ich 1,5 Jahre älter und Lehrerin sei, also gewissermaßen eine Respektperson. Da behandele ich nicht, wie meine Gasteltern zum Beispiel, die Hausmädchen als das Ende der Nahrungskette und schon wird meine eigene Position in Frage gestellt, weil ich mich nicht danach verhalte.
Na ja, mal sehen wie es sich entwickelt. Als Farida und Lucia neu in der Familie waren war es recht schwierig für mich, weil sie mich täglich nach Geld, Bonbons, Brot und Co. gefragt haben, ich hoffe nicht, dass sich das alles nun noch einmal wiederholt. Ich muss sogar sagen, dass die momentane Situation in der Familie die beste von allen ist. Aus irgendeinem Grund gibt es meist schon bis 21 Uhr Abendbrot, sie geben sich Mühe, dass Wasser da ist, wenn alle am Abend duschen wollen und erfüllen ihre Aufgaben verantwortungsbewusster. Daher gibt es viel weniger Aneckpunkte zwischen allen und die Möglichkeit sich freundlich miteinander zu unterhalten und sich gegenseitig auch mal zu helfen ist gegeben. Helena hilft mir zum Beispiel dabei, mein Laken zu waschen, in der Zeit spüle ich das Geschirr usw. Durch Bahatis Ankunft wird unsere neue, tolle Familienatmosphäre etwas gestört. Mal sehen, wie wir beide mit einander klarkommen werden. Schön ist es ja, endlich jemanden zu haben, mit dem man sich vielleicht auch ein bisschen mehr unterhalten kann, als nur über die Jungs aus der Nachbarschaft. :P