Donnerstag, 26. April 2012

"Du bist aber...FETT"

24.04.2012
„Du bist aber…FETT“

„Achso, Danke Mama, das wäre mir fast entgangen. WAAAAS????“
So einen Satz, wie in der Überschrift habe ich mir diese Woche bestimmt schon viermal anhören müssen. Letzten Dienstag umfasste meine Gastmutter noch meinen Arm und fragte mich, was wir mit mir denn bloß machen könnten, ich hätte ja erschreckend viel abgenommen.
Als ich am Tag danach von der Arbeit (und der dort vorhandenen Waage) nach Hause kam, habe ich ihren vorherigen Kommentar verbessern müssen und ihr erzählt, dass ich ein bisschen zugenommen hätte (mich damit aber immer noch unter meinem Ankunftsgewicht befinde). Sie posaunte es gleich in der Familie aus, sodass ich innerhalb von fünf Minuten von der GANZEN Familie, meinen Gastvater ausgenommen, entgegen geschrieen bekam, was für einen „Bierbauch“ ich doch hätte. Aha. Schön, von allen so beäugt zu werden. Meine Gastmutter setzte noch einen drauf und sagte, dass ihr das schon länger aufgefallen sei, dass ich fett angesetzt hätte.
Das Wochenende verbrachte ich mit Luise und Rike. Weil meine Familie es bisher nicht geschafft hat, haben sie mir gezeigt, wie man Chapati backt, haben uns ausgiebig auf die Suche nach Stoffen gemacht, uns Schnitte für Kleider daraus einfallen lassen und einen Abend lang uns den Bauch mit Spaghetti voll geschlagen. Ein sehr gelungenes Wochenende, aber am Montag bestieg ich doch etwas ängstlich die Waage. Die war mir zum Glück wohlgesinnt, im Gegensatz zu meiner Gastmutter. Ich hatte mich zu ihr zum Quatschen ins Wohnzimmer gesetzt und als ich mich verabschiedete und sie deshalb einen guten Blick auf mich werfen konnte, sagte sie: „Du bist aber….FETT. Richtig dick geworden bist du. Herzlichen Glückwunsch!“ Ich habe dann so etwas wie „ Na ja, vielleicht habe ich am Bauch ein kleines bisschen zugenommen..“ erwidert, worauf ich die volle Auflistung der menschlichen Körperteile bekam. Danke, Mama, nun muss ich die wenigstens nicht mehr auf Kiswahili lernen. Aus Trotz mache ich mich gerade über eine Haribotüte her, während ich diesen bitteren Blogeintrag verfasse. ;-)

Seitdem ich aus Sansibar wiedergekommen bin, also am 10. dieses Monats, hat meine Familie insgesamt viermal vergessen, dass ich auch Frühstück brauche. Statt Brot oder mal einer Banane gab es trotz mehrmaligem Erinnern und dem vereinbarten Einkaufslistenschreiben gar nichts zum Frühstück. Ich konnte dann zum Glück das Müsli öffnen, was mein Freund mir aus Deutschland mitgebracht hat. Auch abends wurde das Essen dürftiger und ein traditionelles „Bohnen-Mais-Gemisch“ (Makande) wurde zu groben Maiskörnern in brauner, angebrannter Soße, von dem ich nicht zu viel essen konnte. Aus Brotmangel mussten dann spontan Kekse herhalten. So bin ich dann, statt mit einem knurrenden, mit einem Bauch voller Kekse ins Bett gegangen. Auch nicht toll. Das war vor allem in der letzten Woche blöde, weil es so oft passierte. Da habe ich mich schon etwas veräppelt gefühlt, denn wenigstens Essen sollte ich doch hier bekommen, wenn es schon an anderem mangelt. Nun läuft es zum Glück besser. Wie lange das geht, kann ich bei meiner Gastfamilie leider nur sehr schlecht einschätzen. Es ist einfach sehr unpraktisch, wenn man keinen Kühlschrank besitzt und kaum abgepackte Lebensmittel verkauft werden. So wird immer nur für eine Mahlzeit eingekauft und gleich alles aufgegessen. Packt einen dann der kleine Hunger gibt es maximal eine dunkelbraune Banane, aber das wäre schon hoch gepokert…

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