Sie besteht aus meinen Gasteltern, drei Söhnen, vier Töchtern, drei Hausmädchen, zwei Jugendlichen, die im Shop in der Stadt und in der Lodge arbeiten und mir.
Damit sind wir 15 Leute. Hier möchte ich aber nur kurz meine Gasteltern vorstellen.
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| Familienfoto zu Weihnachten (nicht vollständig) |
An sich ist Baba Edwin ein kleiner, gutgelaunter Mann, der sehr schnell redet und ich ihn deswegen kaum verstehen kann. Im Englischen beherrscht er nur ein paar Sätze, wie z.B. „God is goddie for customers“, was er jeden Abend auf meine Frage antwortet, wie es ihm gehen würde. Auf alles, was ich sage, antwortet er mit „Thank youuu!“ und „ I am happy to meet YOU“, weshalb ich mich am Anfang etwas gewundert habe, dass er es toll findet, dass mein Fahrrad gerade wieder kaputt ist, meine Schüler im Unterricht geschlafen haben oder ähnliches. Auch wusste ich nicht, ob er informiert wurde, dass ich in dieser Familie für 11 Monate leben würde. Er freut sich also weiterhin, dass er mich täglich sieht. Auch schön. :-)
Mama Maria- oder von mir nur Mama Ngure genannt, ist das inoffizielle und strenge Familienoberhaupt, wie wahrscheinlich in den meisten tansanischen Familien. Von September bis März ist sie wegen ihrer Schwangerschaft kaum in Erscheinung getreten, was der Familie und mir nicht gut getan hat. So hat keiner irgendetwas gemanagt und jeder machte irgendwie, was er wollte, wenn mein Bruder Justo nicht den großen Macker markierte. Seit Mitte März sieht man sie auch mal wieder draußen und beginnt nun, wieder in das Geschehen einzugreifen. Ihr neues Projekt ist den Laden am Haus wieder zu eröffnen, der vollkommen verrottet ist, ansonsten verbringt sie natürlich weiterhin viel Zeit mit dem Baby, was leider gerade krank ist, weswegen sie mehrmals wöchentlich zum Arzt muss.
| Hausmädchen Lucia und Schwester Brenda |
Farida, Lucia und Helena- das sind die drei Hausmädchen der Familie. Leider glänzen sie nicht dadurch, dass man gut mit ihnen quatschen kann, sie intelligent sind und dafür sorgen, dass das Essen vor 21 Uhr abends auf dem Tisch steht. Ohne übertreiben oder gemein sein zu wollen, lässt sich sagen, dass sie alle etwas zurückgeblieben sind. Es wird wild und schrill hin- und hergeschrieen, über andere Familienmitglieder gelästert, sich gegenseitig ausgelacht, angelogen und einander verpfiffen. Sie selbst sagen untereinander, dass der andere verrückt sei, machen sich aber nicht viele Gedanken über sich selbst. Vor einiger Zeit haben sie aufgehört, mich aus Spaß in meinem Zimmer auszuschließen oder beim Duschen das Licht auszumachen, das ist schon mal gut. Passiert mir dafür irgendetwas Blödes, dann lacht sich die ganze Meute schlapp darüber. Trotzdem sind sie diejenigen, mit denen ich am meisten in der Familie mache, weil der Rest kaum da ist.
| Meine Liebslingsschwester Enjo und ich |
Justo, Erick und Evaristi- Das sind meine drei Gastbrüder im Alter von 18 bis 14 Jahren, die leider allesamt auf’s Internat gehen. Hat man die Grundschule nach sieben Jahren abgeschlossen, ist ein Internat fast die einzige Möglichkeit auf gute Schulbildung, deswegen sind sie alle in verschiedenen Ecken Tansanias und kommen möglicherweise vor meiner Abfahrt auch nicht wieder. Justo war bis vor kurzem für mehrere Monate hier in Singida, weil er lange Ferien hatte. Am Anfang haben wir uns sehr gut verstanden und waren so etwas wie Freunde, doch als er angefangen hat, seine „Große-Bruder-Rolle“ auszunutzen und die anderen schlecht zu behandeln, haben sich unsere Wege getrennt, sodass ich nun froh bin, dass er wieder zur Schule geht.
Juma und Samuel- Die beiden sind in meinem Alter und arbeiten im Laden in der Stadt und in der Vatcan Lodge. In Letzterer schlafen sie auch meistens, obwohl sie hier ein Bett haben. Sie sind tagsüber viel beschäftigt und kommen nur abends her, um sich ihr Abendbrot abzuholen. Juma spielt sich nun sehr gerne als „Justo-Ersatz“ auf und beginnt jedes Mal einen Streit, der darin endet, dass er eines der Hausmädchen schlägt. Zu mir war er bisher immer recht nett, nur stört er das sowieso schon nicht so herzliche Klima in der Familie, wenn er für ca. 15 Minuten vorbeischaut, zu streiten anfängt und uns verärgert zurücklässt.
| Juma, ich und mein erstes Mal Porridge |
Ich- Auch ich gehöre zur Familie, obwohl die Familie mich des Öfteren vergisst. So wohne ich hier zwar, doch durch die nicht existierende Zusammengehörigkeit der Familie leben alle etwas an einander vorbei, so eben auch ich. Ein bisschen komme ich mir so vor, als ob ich zwar immer als „Tochter“ von meiner Gastmutter vorgestellt werde, aber es sich in Wahrheit kaum jemand für mich interessiert. Jeder macht irgendetwas oder auch gar nichts, was die Tansanier besonders gut können. Setze ich mich dazu, dann laufen entweder alle weg, weil irgendein Handy klingelt, das Baby schreit, der Porridge anbrennt, die Freunde vorbeischauen oder die Mama ruft. Oder ich sitze eben nur und höre den Gesprächen zu, die sich um nicht viel drehen, weil die „Haus“mädchen eben kaum das Gelände verlassen und nur wenig erleben. Begebe ich mich dann in mein Zimmer, schauen sie ab und zu mal herein, um sicherzugehen, dass sie nicht gerade Bonbons oder einen Film auf meinem Laptop verpassen, gehen dann aber auch genauso flott wieder, weil die Mama alle zwei Minuten jemanden zu sich her zitiert.
Vielleicht merkt man, dass ich nicht allzu zufrieden mit meiner Gastfamilie bin. Es ist nicht leicht hier zu wohnen und es wäre auch bestimmt alles einfacher, wenn ich eine andere Gastfamilie hätte. Immer wieder kommt mir auch der Gedanke durch den Kopf, umzuziehen, doch vor zwei Monaten habe ich mich dagegen entschieden. Eine andere geeignete Familie scheint es nicht zu geben, ich würde den Ruf meiner jetzigen Familie ruinieren und bin ja auch nur noch 3,5 Monate hier, von denen ich hoffentlich noch drei Wochen reisen kann. Also heißt es durchhalten und meinem Nachfolgefreiwilligen eine bessere Familie suchen!

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