Wenn sich Tansanierinnen ihre Haare wachsen lassen, dann bedeutet das lauf meiner Gastmutter viel Pflege: Die Haare müssen jeden, aber wirklich jeden, Monat einmal gewaschen werden. Möchte man den Afro, der natürlicherweise entsteht, nicht so tragen, dann muss entweder eine Perücke her oder die Haare müssen geflochten werden. Weil die Haare aber immer ein kleines Stückchen wachsen, müssen die Haare dann jede Woche neu geflochten werden. Das ist bei meiner Gastmutter ziemlich witzig zu beobachten: Sie kann sich ihre kleinen, in alle Richtungen abstehenden Zöpfchen zwar selbst machen, aber wenn sie dann rausmüssen, dann kommen Freundinnen oder die Hausmädchen zum Einsatz. Meine Mutter nimmt auf dem Boden im Wohnzimmer Platz und dann werden ihr mit einem langen, groben Holzkamm die Zöpfchen aufgezogen. Zurück bleibt dann ein ca. 10cm langer, krissiliger Afro, der einfach nur witzig aussieht. Fotos durfte ich davon leider noch nicht machen. Doch bei Feierlichkeiten wie z.B. der Taufe setzt sie sich dann ihre Kunsthaar-Perücke auf, was sie, je nach Wahl, sehr hübsch und jung aussehen lässt.
Die meisten anderen Frauen aber lassen sich ihre Haare im "Saloon" ganz eng an den Kopf flechten, was dann anscheinend aber auch nur 1-2 Wochen hält. Nachts muss dann manchmal mit einem Kopftuch geschlafen werden, weil sich sonst das Geflecht auflösen könnte. Beim Frisör kann man sich dann zwischen, ich schätze, 50 verschiedenen Frisuren entscheiden. Zum Flechten kann man fast überall hingehen, es sei denn man landet bei einem Herrenfrisör, der außer einem Rasierer, einem zusammengeschweißten "Friesierstuhl" und meist einer lauten Musikanlage nicht viel mehr als eine Vollglatze zu bieten hat. Schulkinder müssen fast alle eine Glatze oder bis zu 1cm Haare haben. Deswegen habe ich mir besser zweimal selbst meine Haare mit meiner Bastelschere geschnitten, was auch akzeptabel ist.
In Sansibar habe ich mich das erste Mal getraut, meinen Pony flechten zu lassen, was mich eine halbe Stunde und 50ct gekostet hat. Mehr habe ich bis vor zwei Wochen noch nicht über den Weg getraut
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Mit geflochtenem Pony
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Dafür habe ich einfach jemanden auf der Straße angesprochen, ob er mir helfen könnte, einen Saloon zu finden. Er hat mit dann seinen Sohn mitgegeben, der mit mir durch verschiedene Gassen und an Hinterhöfen vorbei gegangen ist. Er hat mich zu einem Privathaus geführt, wo ein Raum druch ein Tuch abgetrennt war. Dahinter saßen fröhlich schnackend mehrere Frauen auf dem Boden, Platsikstühlen und unter Trockenhauben. Man konnte sich nicht nur die Haare flechten oder Rastazöpfe machen lassen, sondern auch für Maniküre, Pediküre und Henna war gesorgt. Witzig war es vor allem einer jungen Muslima in Burka zuzusehen, die sich langsam aus ihrem Gewand schälte, um dann nachher im Top auf Gesicht und das Dekoltée weißmachende Creme aufgetragen zu bekommen. Sie verharrte dann für ca. 10 Minuten mit der Paste im Gesicht und schien danach zu denken, dass sie nun wirklich hellere Haut bekommen hätte. Als ich irgendwo mal erzählt habe, dass ich das für Blödsinn halte, habe ich mir nachher einreden lassen müssen, dass es wirklich etwas bringt. Na ja...
Jedenfalls habe ich mich heute, weil meine Haare von der Sonne sowieso schon kaputt sind, getraut, mir all meine Haare flechten zu lassen. Dafür bin ich in einen neu eröffneten Laden direkt neben dem Kindercenter gegangen.
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Lucia und ich, frisch vom Frisör
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Und ich kann sagen, dass es mein erstes und wahrscheinlich auch letztes Mal war. Ich hatte mir vorher nicht vorgestellt, dass es solche Schmerzen verursachen könnte! Sie hat meine Haare innerhalb einer Stunde für (die Verhältnisse hier überteuerte) 1,50€ geflochten und ich musste mich wirklich zusammenreißen, nicht alles hinzuschmeißen, weil es so wehtat. Da gehe ich lieber zum Zahnarzt!
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| Einen Versuch war es wert, aber ob ich mich damit anfreunden kann? |
Weil ich mein Gesicht die ganze Zeit zusammengezogen habe, sind die Zöpfe leider etwas locker geworden, aber das ließ sich nicht verhindern. ;-) Während ich dasaß hat die ganze Belegschaft mich immer wieder versucht mich zu überreden, mir Rastazöpfe flechten zu lassen. Aber davon bin ich erst einmal noch weit entfernt...Obwohl ich später in meinem Leben wahrscheinlich nie wieder die Möglichkeit habe, so etwas auszuprobieren, ohne von allen Seiten komisch angeguckt zu werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut aussehen könnte, momentan bin ich mir auch nicht so sicher, ob mir meine Frisur gefällt. Mal sehen, ob ich mich daran gewöhne. Eine andere Frage ist ja auch noch, inwiefern ich meine Haare nun waschen kann?
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