Verkehrstüchtig
Bei unserer Schule gibt es seit ein paar Wochen Schülerlotsen. Die Kinder müssen also am Straßenrand warten, kommen zu spät zur Schule und bekommen dafür Ärger, während Erwachsene und Hühner die Schülerlotsen vollkommen ignorieren und trotzdem über die Straße laufen. Ein guter Ansatz also, ist bisher aber leider gescheitert. Witzig an der Sache ist nicht nur, dass alle anderen Personen die Polizisten und Kinder vollkommen ignorieren, sondern dass sogar die dreijährigen Kinder, die bei uns im Kinderzentrum essen, alleine oder mit gering älteren Geschwistern an und über die Hauptstraße laufen, wo riesige Container-Laster verkehren. Auch wenn es etwas absurd klingt, aber dazu sind die Kinder durchaus in der Lage. Jedes Kind lernt schon im frühen Alter ein Baby auf dem Rücken zu tragen, auf dem Markt einzukaufen, mit einem Messer umzugehen, den „Jiko“ (kleiner Kohleherd auf dem Boden) oder alleine in der Nachbarschaft herumzulaufen. Das rührt daher, dass die Eltern meist mit anderen, „wichtigeren“ Dingen beschäftigt sind, als ständig auf ihre „Schützlinge“ aufzupassen. Bei einer Anzahl von 4-10 Kindern ist das auch eine große Aufgabe.
Die Chinesen kommen!
Die Chinesen halten momentan Einzug in Tansania. In den Läden heißt es noch: „Das verkaufe ich günstiger, das kommt aus China, geht sowieso kaputt.“. Dafür kann man sie bei so gut wie jeder Baustelle auf der Straße mit ihrem breiten Hut stehen sehen, wie sie den tansanischen Arbeitern Anweisungen geben. Auf der Strecke von Arusha nach Singida machen sie tolle Arbeit, auch wenn ich wahrscheinlich nicht mehr in den Genuss einer schönen Straße dort komme. Sie stecken viel Geld in das Land, bauen Straßen, wo man früher beim Passieren mit dem Bus noch vollkommen durchgeschüttelt wurde und sorgen auch in Singida für verkehrstechnische Ordnung. Nun bekommt jede Straße in Singida eine asphaltierte Einfahrt von ca. 10 Metern, danach folgen dann doch wieder nur Sand und Steine. Es gibt auch auf einmal Straßenschilder, die einem sagen, wo man anhalten soll, wo welche Schule ist und dass man auf Kinder Acht geben soll. Dass sich viele daran halten, glaube ich eher nicht, muss man hier doch schließlich als Verkehrsteilnehmer jeden Tag um sein Leben bangen. Aber es wird schöner hier! Natürlich kommt jetzt die Frage auf, was für eine Motivation hinter all den Investitionen steckt. Es wird sehr wahrscheinlich etwas mit Bodenschätzen zu tun haben…
| Mama mit Madita, deren Taufe diesen Samstag ist |
Anders gewichtet
Durch ihre Schwangerschaft hat meine Gastmutter (Mama Justo) zwar an Gewicht zugelegt, doch ansonsten wiegt sie genau so viel wie ich!! Ziemlich erschreckend, wenn man bedenkt, dass diese Frau schon sechs Kinder zur Welt gebracht hat, Oberarme hat, die doppelt so groß wie meine sind und ansonsten auch von einer sehr breiten Statur ist. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich schon so an Gewicht zugelegt habe. Rike, die in Iguguno in der Dispensary arbeitet, wundert sich auch tagtäglich, wie diese afrikanischen Mamas mit ihrem großen, großen Po und merklichem Bauch, teilweise weniger als wir wiegen können. Meinem 18-jährigem Gastbruder mit normaler Statur traue ich auch zu, dass er nur um die 40 bis maximal 50 kg wiegt. Ob deutsche Knochen schwerer sind als tansanische oder unser Körperfett komprimierter ist, dafür aber viel wiegt? ;-) Wenn jemand einen Vorschlag hat, dann heraus damit!
Uhrzeiten
In Tansania liest man die Uhr anders im Rest der Welt. Die Zeitzählung beginnt bei sieben Uhr morgens und wird als „saa moja“ (1 Uhr) bezeichnet. Zu dieser Zeit, bzw. eigentlich eher gegen 6 Uhr geht die Sonne auf. Logisch, da den Anfang zu setzen. 12 Uhr mittags ist dementsprechend 6 Uhr, 18 Uhr dann 12 Uhr und so weiter. Um diese Uhrzeiten zu verstehen, lässt es sich leicht sechs subtrahieren und man landet wieder bei der weltgültigen Zeitrechnung. Es sorgt aber doch noch manchmal für Verwirrung, weil manche Tansanier die englische und manche die tansanische Uhrzeit verwenden.
Verabredet man sich für 3 Uhr, dann bedeutet dass für mich, dass ich um Punkt 15 Uhr am Treffpunkt bin. Ich hatte mir vorher keine Gedanken darüber gemacht, dass es ja 59 Minuten lang 15 Uhr etwas ist. Kommt man also um 15:50 Uhr ist man noch im verabredeten Rahmen. Das kann ganz schön nerven, wenn man es am Anfang nicht weiß und bedeutet, dass sich der Wartende auch nicht aufregen sollte, denn man ist ja letztendlich doch pünktlich.
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