Ich bin jetzt schon seit zwei Monaten wieder in Deutschland und habe seitdem meinen Blog vernachlässigt. Eigentlich dachte ich, könnte ich etwas von der tansanischen Langsamkeit mit in meinen deutschen Alltag einbauen. Doch für "pole pole" bleibt hier leider keine Zeit. Mitten in der Nacht kamen wir vom Flughafen nach Hause und da lag auch schon meine Zulassung für die Universität Hildesheim im Briefkasten. Da hatte ich erst seit einem halben Tag keinen afrikanischen Boden mehr unter den Füßen, habe meinen Freiwilligendienst abgeschlossen und schon ist der nächste wichtige Zukunftsschritt besiegelt. Ich habe mich zum einen sehr gefreut, meinen Studienplatz in trockenen Tüchern zu haben, doch hat es mich auch etwas überrumpelt, kaum Zeit zum Überlegen zu haben, sondern direkt wieder in den deutschen, "stressigen" Alltag hineingeworfen zu werden. Am Morgen nach meiner Rückkehr habe ich mir mit solcher Selbstverständlichkeit ein Vollkornbrot mit Butter und meinem Lieblingskäse beschmiert, dass mir erst beim ersten Bissen auffiel, wie lange ich auf dieses hatte verzichten müssen. Das erste Mal Duschen war wunderschön und so ungewohnt nach knapp einem Jahr mit meinem Wassereimer, dass ich glatt ein paar Tränen verdrücken musste. Und nach meinem Vegetarier-Dasein wurde nun des Öfteren der Grill angeschmissen und ich konnte mich sehr über diese doch sehr deutsche Sitte freuen.
Am Anfang war die Frage "Und, wie war's?" noch sehr seltsam für mich, weil ich auch gar nicht wusste, was ich antworten, von was ich erzählen sollte. Der Umschwung vom heißen Tansania mit all den fröhlichen, aufgeschlossenen Menschen zum kühleren Deutschland, wo Passanten sich oft noch nicht einmal grüßen, war hart für mich. Doch dieses Gefühl hielt nicht allzu lange an. Schon bin ich wieder "eingedeutscht", auch wenn ich mir vorgenommen habe, ein paar Aspekte meines tansanischen Lebens mit in mein weiteres Leben einzubauen.
Hier berichte ich über meinen Freiwilligendienst in Singida, Tansania über die Kolping Jugendgemeinschaftsdienste.
Freitag, 12. Oktober 2012
Sonntag, 26. August 2012
Gerührt, umgerührt
Manch einer erinnert sich vielleicht noch daran, dass ich in
meinen letzten Wochen in Tansania einen Workshop zu dem Thema „Eine Woche ohne
Stock“ durchgeführt habe. Das Ende dieser Projektwoche fiel leider so, dass ich
meine Familie vom Flughafen abholen musste und somit keine abschließende
Besprechung mehr mit den Lehrern machen konnte. Ein offizielles Feedback
konnten die Lehrer mir so nicht mehr geben, doch habe ich von vielen gehört,
dass Lehrer als auch Schüler begeistert waren.
Als ich nach einer Woche mit meiner Familie in die Schule
kam, hatte mein Schulleiter meine selbst gemalten Plakate und Vermerkzettel durch
getippte Zettel ersetzt. Als ich ihn erstaunt gefragt habe, was er damit machen
wolle, hat er mir zu meiner Überraschung gesagt, dass er mein Projekt auf
unbegrenzte Zeit weiterführen wolle!! Mir stiegen die Tränen in die Augen, als
ich davon erfahren habe. Sollte es nun wirklich klappen und sich Schüler und
Lehrer weiterhin gut darauf einlassen, dann gäbe es ab nun eine Schule in
Tansania an der ohne Stockstrafe unterrichtet wird!
Wer weiß, wie lange die Lehrer durchhalten und nicht zum Stock
greifen, doch erst einmal bin ich sehr positiv überrascht und freue mich
riesig, dass mein Workshop/Projekt an meiner Schule Gehör gefunden hat! So
einen Erfolg hatte ich nicht erwartet, wollte meiner Schule nicht irgendetwas
aufzwingen, sondern den Stockgebrauch durch solche, am besten mehrmals
durchgeführte Projektwochen, verringern und so versuchen Schülern und Lehrern
die Möglichkeit zu geben, die gegenseitige Beziehung zu verbessern.
Doch nun kann ich wirklich sagen, dass ich meinem Kollegium
die Anleitung gegeben habe und ein Jahr lang mit gutem Beispiel voran gegangen
bin, sie sich letztendlich aber komplett selbst dazu entschlossen haben, das
Projekt weiterzuführen, sogar in einer Woche, in der ich nicht einmal anwesend
war.
Ein tansanischer Lehrer wäre vielleicht mit so einem
Vorschlag verpönt worden, doch ich als ausländische Freiwillige hatte die
Möglichkeit dazu. Ohne meinen weltoffenen und modern denkenden Schulleiter
hätte ich dieses Projekt niemals durchführen können und er hat viel dazu
beigetragen, dass mein Freiwilligendienst so schön war! Es ist nicht
selbstverständlich, dass sich jemand so auf die Kultur eines anderen einlässt,
wie es mein Schulleiter getan hat.
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge - Abschied von Tansania
Meine Familie aus Deutschland hat mich für drei Wochen
in Tansania besucht, um mein Zuhause der letzten elf Monate kennen zu lernen. Am
Anfang waren wir von Montag bis Freitag in Kondoa und Haubi, des
Partnerdistrikts der evangelischen Kirche Emsland-Bentheim und unserer
Nikolaikirche in Papenburg. Es war ein schöner Besuch, aber leider haben sich
die Tansanier sehr darauf ausgeruht, dass ich Kiswahili spreche, wodurch es für
mich dann etwas anstrengend war ständig übersetzten zu müssen. Unter anderem
konnten wir uns die „10-100.000“ Jahre alten „Kolo Rock Paintings“,
Felsmalereien, ansehen.
| Meine Gastmutter gab für meine Familie tansan. Kleidung in Auftrag |
Auf dem Rückweg von Kondoa nach Singida (auf der
Landkarte ein Katzensprung) hat unser Bus dann einen „Shorticuti“ (Abkürzung)
genommen und wir sind sechs Stunden lang über eine schreckliche, nicht
vorhandene Straße gebrettert. Wir waren alle sehr froh, als wir endlich
angekommen waren. Aber immerhin konnte meine Familie sich nun vorstellen, wie es
hier jenseits der Städte in den Dörfern aussieht. Es sind auch unzählige
traditionell gekleidete Tansanier mitgereist, die mit Decke, großem Schmuck und
Stock unterwegs waren. Die Zeit danach verbachten wir in meiner Gastfamilie.
Abschied nehmen und Lehrerstreik
Abschied nehmen und Lehrerstreik
In Singida begann nun meine letzte Schulwoche vor den
Ferien und meiner Abreise, so musste ich als erstes in der Gesundheitsstation
Ade sagen, dann im Kinderzentrum, bei der Schneiderin, die mir ein bisschen
etwas beigebracht hat und dann am Freitag auch in der Schule bei meinen
Klassen.
Die gemeinsame Zeit mit meinen Schülern wurde zum
Schluss recht knapp, weil die Lehrer in der Woche vor den großen Ferien
plötzlich streikten. Sie sind zwar Staatsbeamte, doch bei ihrer niedrigen
Bezahlung von 100€ Anfangsgehalt (Versicherungen usw. schon abgezogen), bis 200€
Schlussgehalt bei einer langen Lehrerlaufbahn, reicht das Geld oft nicht aus.
Sie haben von der Regierung mindestens 100% ständigen Zuschuss verlangt, was
diese bisher verweigerte. An diesem Freitag hat der Präsident zugestimmt,
Verhandlungen anzufangen, doch werde das Gehalt nicht so weit erhöht werden
können. Der Streik ist trotzdem beigelegt. Ansonsten könnte auch die
Volkszählung diesen Monat, die von den Lehrern durchgeführt wird, nicht
stattfinden.
Ich wollte meiner Familie eigentlich gerne zeigen, wo
ich für so lange Zeit unterrichtet hatte, aber nun war auf einmal das
Lehrerzimmer wie leer gefegt und ich habe nur den Schulleiter und ein paar
Kinder angetroffen. So habe ich als einzige an diesem Tag unterrichtet. Am
selben Abend wurde meine Schule als Beispiel für einen geglückten Streiktag in
den nationalen Nachrichten gezeigt.
| Zähneputzen will gelernt sein |
An den darauf folgenden Tagen setzte sich der Streik
fort, sodass ich nur noch an zwei weiteren Tagen in der Schule war, um mich von
„meinen“ Kindern zu verabschieden und an einem Tag ein „Zahnputzprojekt“
durchzuführen. Mein Zahnarzt aus Papenburg war so lieb und hatte meinen Eltern
Zahnbürsten und –pasta mit auf den Weg gegeben.
So konnte ich zusätzlich mit
einem großen Gebiss den Schülern der 4. bis 6. Klasse zeigen, wie man richtig
die Zähne putzt. Manchmal ist es schon sehr verwundernswert, aber nach eigenen
Angaben wussten die Kinder nicht wirklich, warum man sich die Zähne putzt. Des
„Geruches“ wegen, war die Antwort. Deswegen putzen sich sehr viele Tansanier nur
morgens die Zähne, verzichten aber darauf, es abends zu wiederholen.
Zum ersten
Mal hörten sie nun etwas von Bakterien und bekamen von mir gesagt, dass
ständiger Zuckerkonsum nicht nur für den Körper, sondern auch für die Zähne
schlecht sei. Damit die Kinder sich gut merken konnten, wo und wie man die Zähne
putzen sollte, haben wir noch gemeinsam ein Zahnputz-Lied auf Kiswahili
eingeübt, was Luise und Rike vorher schon gedichtet hatten. Es war ein tolles
Projekt, nur durften manche Schüler/innen wegen des Ramadans sich nicht direkt
die Zähne putzen, weil sie sonst auch Wasser zu sich nehmen würden.
| Ich zeige den Kindern wie man richtig putzt |
| Unser Zahnputzlied und kaufreundliches Essen |
Am Freitag habe ich mich dann unter tausendfachem
Händeschütteln von meinen Klassen verabschiedet und bin mit meiner Familie noch
ein letztes Mal nach Iguguno gefahren, um der Gastmutter von Luise und Rike
„Tschüss“ zu sagen. Die beiden Mädchen sind schon seit zwei Wochen wieder
zuhause, doch Mama Mwanga habe ich sehr ins Herz geschlossen und es war schön
meiner Familie zu zeigen, wo ich so viele Wochenenden verbracht habe.
;-)
| Abschied von Iguguno, im Schneidershop der Mama |
Nachdem sich jeder vorgestellt hatte, hat der
Schulleiter den DJ gemimt, während der Rest im Raum herumtanzte. Zur
Abschiedsgeschenkübergabe mussten wir uns dann mit unserer vierköpfigen Familie
in die Mitte des Raumes stellen und wurden von meinem Kollegium tanzend
umkreist. Sie haben uns die Geschenke überreicht, wir haben diese hochgehalten
und unter lautem „Lululululu“ damit getanzt, um sie dann den Lehrern wieder
zurückzugeben, die sie dann für uns auspackten.
Wir wurden alle sehr reichlich
beschenkt und ich war froh, dass ich für das Lehrerzimmer ein Plakat mit den
Fotos der Lehrer gestaltet hatte und jedem noch ein kleines Geschenk in die Hand
drücke konnte. Mein Lehrerkollegium hat mir wirklich sehr viel bedeutet und ist
immer da eingesprungen, wo meine Gastmutter versagt hat. Habe ich einen guten
Schneider, ein neues Fahrradschloss, Ratschläge oder jemanden zum Reden
gebraucht, dann habe ich bei ihnen immer Unterstützer gefunden. Ich habe es in
keinem Fall bereut, mein Freiwilligenjahr an dieser Schule verbracht zu haben
und würde mich auch immer wieder für sie
entscheiden.
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| Wir wurden in unsere Geschenke eingehüllt |
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| Schwerer Abschied von meiner Mama unter den Lehrern |
Gen Schluss der Lehrerfeier habe ich dann von meinem
Mentor erfahren, dass ich mich noch bei der Kolpingfamilie Singida verabschieden
sollte. Durch die Kolping Jugendgeschmeinschaftsdienste bin ich ja schließlich
hier, doch hat die Kolpingfamilie mich bei meiner Ankunft nicht willkommen
geheißen und auch sonst hatte ich neben meinem Schneidern nichts mit Kolping zu
tun. So hatte ich auch mit einer Abschiedsfeier nicht gerechnet und sie nicht in
meinen Terminplan einkalkuliert, sodass ich am Sonntag packen und wir am Montag
aufbrechen wollten. Zum Glück hatten wir die Buskarten noch nicht gekauft und
konnten unserer Abreise noch einen Tag hinauszögern. Das war auch wichtig, denn
am Sonntag trafen wir uns dann in dem Kolpingladen und haben dort mit der
Kolpingfamilie (eine Gruppe aus Arbeitern, die zusammen Projekte durchführen, um
Geld für Projekte zu sammeln) und Richard, meinem Mentor getroffen. Es gab Soda,
wurde viel gesungen und meine deutsche Mama und ich haben jeder ein selbst
gebatiktes Kleid der Kolpingschneiderin überreicht bekommen. Trotz der geplanten
15-minütigen Abschiedsfeier, wurden wir dann auch noch zum gemeinsamen Essen
eingeladen und waren froh, als wir endlich um 16 Uhr zuhause waren und ich
kaputt von allem feiern endlich anfangen wollte, zu packen. Doch da hatte mir
meine Gastfamilie einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Denn zuhause wartete
schon meine tansanische Verwandtschaft, mitsamt ihrer 20 Kinder, die alle
durcheinander wuselten. Also nichts mit Packen, sondern es ging in die Vatcan
Lodge (die Lodge meiner Gasteltern), wo wir mit der ganzen großen Familie meinen
Abschied begehen sollten. Doch auch dies war natürlich wieder ein tansanisches
Fest, weshalb wir erst nach knappen zwei Stunden eine Soda in die Hand bekamen,
alle Platz genommen hatten und sich mein Gastvater überreden ließ, auch zur
Feier dazu zustoßen anstatt mit seinen Brüdern draußen gemütlich ein Bier zu
trinken.
Nach mehreren technischen Schwierigkeiten mit der viel zu lauten
Musikanlage, tanzten die Kinder mit einer Trommel in den Raum und haben uns
(meine Familie und Richard, die wir an eine Art „Jurytisch/High Table“ sitzen
mussten), verschiedene Lieder vorgesungen, in denen sie sagten, dass sie uns
alle sehr vermissen würden. Danach haben sie noch ein kleines Theaterstück
aufgeführt und ich habe einen Kuchen bekommen, den ich für alle Festgäste in
winzige Stückchen schneiden sollte. War dies geschehen, kamen alle in einer
Reihe zu meinem Tisch getanzt und ließen sich von mir füttern, bzw. haben als
Dank unter „Lululululu“-Gerufe auch mir ein Stückchen Kuchen in den Mund
geschoben.
| Mit der Familie zusammen draußen Ugali essen, sehr schön! |
| Aufführung der Kinder |
Später tanzten wieder alle in einer Reihe auf unseren
Tisch zu und haben uns in Glitzerpapier eingepackte Boxen überreicht. Wenn man
bedenkt, dass das typisch tansanische Geschenk ein Stoff ist, den ich im
Kindercenter und bei den Lehrern auch schon bekommen habe, dann versteht man
wahrscheinlich, warum ich mich besonders über mein Abschiedsgeschenk von der
Familie gewundert habe. Ich habe also unter Klatschen, Singen und Gerufe meine
Schachtel geöffnet und den braunen Umschlag herausgezogen und hochgehalten.
Unter aller Augen habe ich dann das Geschenk geöffnet und hielt…Unterwäsche in
der Hand! Da hat mir meine Gastfamilie doch glatt ganz schreckliche Unterwäsche
mit Kühen drauf geschenkt, die ich dann in der großen Halle der Lodge auspacken
musste und freudestrahlend zeigen sollte. Nach einem Jahr Zusammenleben, konnte
sich meine Gastmutter also nichts Besseres vorstellen, als mir nach Deutschland
Polyester-Unterwäsche mitzugeben. Ziemlich komisch. Vor allem, weil auch meine
Mutter neben mir unter lautem Lachen rosa Unterhosen aus ihrer Schachtel zog. In
Deutschland würde man sich wohl eher nicht trauen, bei einer großen Feier einer
50jährigen Frau öffentlich Unterwäsche zu
schenken.^^
Am Montag habe ich dann endlich Zeit zum
Packen gehabt, am Dienstagmorgen, dem 07.08., habe ich mich dann unter Tränen von meiner Gastfamilie verabschiedet, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem meine Gastschwestern und die Hausmädchen werde ich sehr vermissen. Bis zum 10.08. war ich mit meiner Familie in Arusha, wir haben uns die trubelige Stadt angesehen und noch eine Safari im Tarangire Nationalpark gemacht. Am 11.08. ging es für uns morgens um 3 Uhr nachts los...nach Hause, auf das ich mich auch schon sehr gefreut habe! :-)
Freitag, 20. Juli 2012
Älterwerden auf die tansanische Art ;-)
Letzte Woche, am Freitag, den 13. Juli, habe ich die
20er-Marke geknackt und in der Schule, zuhause und mit meinem Mitfreiwilligen
Jonas aus Mwanga diesen Festtag würdig begangen. ;-)
An meinem Geburtstagsmorgen habe ich mir eine Kerze
angezündet, mir ein Ständchen gebracht und das 2 kg schwere Süßigkeiten-Paket
meiner Familie geöffnet. Weil sich meine Rücklagen zu dem Zeitpunkt auf ganze
zwei Maoams beschränkten, war die Freude doppelt groß. ;-) In der Familie hat mir keiner gratuliert,
einen Geburtstag zu feiern ist hier auch nicht üblich. Aber das war auch nicht
weiter schlimm, weil die Mama ankündigte, am Abend Pilau (Gewürzreis), Pommes
und Kachumbari (Tomatensalat) für mich zu kochen, juhu!
Am Donnerstag hatte ich schon für alle Lehrer Maandazi gebacken und Sambusa gekauft, die ich dann zur Freude aller zum Tee am Freitag verteilen konnte. Meine Lehrer hatten meinen Geburtstag zwar erst vergessen, doch mir dann noch schnell einen Khanga gekauft, alle Lehrer zusammen gerufen und mir ein Ständchen gebracht.
Während alle „Öffne es, öffne es!“ gesungen
haben, hat Mwl. Mrua mir mein in grüner Glitzerfolie eingepacktes Geschenk
geöffnet und ich wurde dann mit lautem „Lululululu“ von oben bis unten in die
Stoffbahnen eingewickelt und von allen umarmt.
Meine 5. und 6. Klasse, die davon Wind bekommen haben, haben auch noch einmal „Happy Birthday“ für mich gesungen, Schüler meiner 5. Klasse haben mir zwei Kekse, 10ct und ein halbes Stück Kreide geschenkt. Das war wirklich sehr niedlich. ;-) Mein Schulleiter hat mir eine große Glitzerkarte gekauft, die nach ein paar technischen Fehlern ein Liedchen für mich trällerte und ich war mit meinem Geburtstag rundum zufrieden.
Um 22:15 Uhr stand etwas verspätet das Abendessen auf dem Tisch und wir konnten mit Soda, Kassettenmusik und unserem Festmahl mit meiner Gastfamilie feiern. :-)
| Mein Geburtstagstisch |
Am Donnerstag hatte ich schon für alle Lehrer Maandazi gebacken und Sambusa gekauft, die ich dann zur Freude aller zum Tee am Freitag verteilen konnte. Meine Lehrer hatten meinen Geburtstag zwar erst vergessen, doch mir dann noch schnell einen Khanga gekauft, alle Lehrer zusammen gerufen und mir ein Ständchen gebracht.
| Teacher Mrua packt mein Geschenk unter dem Gesang aller aus |
| Die Lehtet freuen sich mit mir |
| Von oben bis unten eingepackt! |
Khangas sind traditionelle Stoffe, die immer mit einem
Spruch versehen werden. Auf meinem Geburtstags-Khanga steht, dass wenn man
jemanden respektiert, einem als Dank Liebe entgegen gebracht werde. Kurzum, der
Khanga soll ausdrücken, dass ich meine Lehrer respektiere und sie mich, was uns
als Grundlage dient, uns gegenseitig zu mögen. ;-)
| Ganz liebe Geschenke meiner 5. Klässler |
Meine 5. und 6. Klasse, die davon Wind bekommen haben, haben auch noch einmal „Happy Birthday“ für mich gesungen, Schüler meiner 5. Klasse haben mir zwei Kekse, 10ct und ein halbes Stück Kreide geschenkt. Das war wirklich sehr niedlich. ;-) Mein Schulleiter hat mir eine große Glitzerkarte gekauft, die nach ein paar technischen Fehlern ein Liedchen für mich trällerte und ich war mit meinem Geburtstag rundum zufrieden.
Nachdem ich in der Dispensary meiner üblichen Arbeit
nachgegangen war, konnte ich am Nachmittag ausgiebig mit Familie und Freunden skypen,
am Abend kamen mein Mitfreiwilliger Jonas und mein Mentor Richard zu Besuch.
Obwohl Jonas und Olga bisher noch keiner emsländischen
„Schildaufstellen“-Tradition beiwohnen konnten, haben sie mir ein witziges
Schild gemalt, was nun einen Ehrenplatz in meinem Zimmer bekommen hat.
| Mein 20er-Schild von Olga und Jonas |
| Jonas,ich& Mentor Richard beim Festtagsschmaus |
| Mama, Madita und im Hintergrund Enjo |
Um 22:15 Uhr stand etwas verspätet das Abendessen auf dem Tisch und wir konnten mit Soda, Kassettenmusik und unserem Festmahl mit meiner Gastfamilie feiern. :-)
Danach wollten Jonas und ich uns zum ersten Mal in den Club
hier im Ort trauen, was dann schon daran scheiterte, dass er nur sonntags
geöffnet habe, wie wir erfuhren. Also sind wir ein bisschen weiter weg zu einer
Art Bar gefahren, wo ungefähr 20 Menschen im durchschnittlichen Alter von 35
Jahren und meist vorhandenem Bierbauch ihr Bestes auf der Tanzfläche gaben. Die
Musik aus den aktuellen tansanischen Charts wurde leider gänzlich von den
beiden Playbackmusikern vernachlässigt.
Aber auch wenn man in Deutschland
diesen Diskobesuch als einen regelrechten Flop bezeichnen würde, war es eine
witzige Sache sich unter die paar Leute zu mischen und so zu tun, als ob es
nichts Besseres gebe, als dicken, alten, leicht angetrunkenen Männer beim
Tanzen auszuweichen. ;-) Der Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt, allein schon, um einmal
bei Nacht und klarem Sternenhimmel auf dem Rücksitz eines Pikipikis durch
Singida zu brausen!
| Endlich eine Gelgenheit für die Abendgarderobe gefunden! |
Doch auch der nächste Tag barg noch einige Highlights: Wir
wurden per Skype live zu einem Afrikafestival in Aschaffenburg zugeschaltet, um
dort vor einem Publikum Fragen zu unserem Freiwilligendienst zu beantworten.
Und am Abend gingen wir schick essen, um nun doch noch einmal unsere maßgeschneiderte
Kleidung auszuführen. Diese war eigentlich für eine Hochzeit am Wochenende
davor gedacht gewesen, die aber letztendlich an der Entscheidung scheiterte, ob
evangelisch oder katholisch geheiratet werden sollte. Vor allem Jonas konnte es
sehr genießen, statt dem täglichen Maisbrei (Ugali) nun ein Pfeffersteak vor
sich zu wissen. In meinem Essen hatten die Köche leider eine Chilischote
versteckt, weshalb der Abend trotz der leckeren Gerichte in Tränen endete. ;-)
Und am Abend gingen wir schick essen, um nun doch noch einmal unsere maßgeschneiderte
| Vielleicht das beste,wenn auch scharfe Essen der bisherigen 10 Monate hier ;-) |
Blinder Passagier
Weil mein Fahrrad nun mittlerweile ganz kaputt ist (ich war
bis zu zweimal täglich beim Handwerker) durfte ich vorübergehend das Rad meines
Babas benutzen. Um zum Kinderzentrum zu kommen, muss man den kleinen Berg bei
uns hinauf. Mit Gegenwind und anderen Passanten kommt man nicht so schnell
voran, dazu kam vor einigen Tagen noch ein Taxi, was halb auf dem Gehweg stand.
Ich wurde also automatisch etwas langsamer. Diese Gelegenheit hat ein junger
Mann genutzt, der mir auf den breiten Gepäckträger gesprungen ist. Aus meinem
Rucksack ragt ein großes Flip-Chart-Papier, weswegen ich diesen nicht ganz
schließen konnte. Er ist mir also hinten auf’s Rad gesprungen und dachte
wahrscheinlich, dass er mir den sowieso schon etwas geöffneten Rucksack
komplett abnehmen könnte. Doch mit dem plötzlichen Gewicht und zusätzlich noch
im Schneckentempo fahrend, konnte ich das Rad nicht halten und bin mit dem Dieb
zu Boden gegangen. Er konnte flott genug abspringen, meinen Rucksack hat er
aber trotz des Chaos nicht bekommen können. Während ich mich wieder aufrappelte
sprang er schon in das Taxi und wollte schnell flüchten. Doch auf der Straße
war viel Verkehr, sodass er nicht vorankam und ich ihm noch ordentlich meine
Meinung sagen konnte. Mehr konnte ich nicht machen, weil die umstehenden
Zuschauer die Situation eher witzig fanden und er mir ja auch schließlich
nichts hatte abnehmen können. Doch es ist schon komisch, dass jemand versucht
mir meinen Rucksack zu klauen und danach gemächlich in einem Taxi neben mir
fährt, um sich aus der Gefahrenzone zu bringen. Baba hatte ich versprochen, das
Fahrrad auch ohne nur einen Kratzer wieder zurückzubringen, was mich an der
Situation nun besonders ärgerte, da ich das Versprechen nicht halten konnte.
Tja, da denkt man, man sei schon ganz in Singida/Tansania
angekommen und würde einigermaßen akzeptiert werden und doch gibt es immer
wieder solch blöde Zwischenfälle, die sich auf meine Hautfarbe und den damit
verbundenen „Reichtum“ zurückführen lassen. :-/
Mittwoch, 18. Juli 2012
Workshops
Meine letzte Woche war stark vom Plakatemalen und Übersetzen
dominiert, denn ich habe mich darauf vorbereitet, am 11.07. mit meinem
Lehrerkollegium einen Workshop zu Lehrmethoden durchzuführen. Lehrmethoden stehen
zwar grundsätzlich auf dem Ausbildungsplan eines angehenden Lehrers, doch
wenden zumindest meine Lehrer diese kaum an. Luise hatte vorher schon bei sich
in Iguguno einen dementsprechenden Workshop durchgeführt, so konnte ich ein
wenig abgucken. Ich habe den Lehrern also ein bisschen etwas von Lernspielen,
Mind-Maps, Stichpunkten, Rhetorik usw. erzählt und es ließen sich besonders
alle für das „Galgenmännchenspiel“ begeistern.
| Lehrmethoden-Plakat |
Weil die Schüler noch draußen
auf dem Schulhof herumlungerten, haben sie sich leider nicht getraut, mit mir
zwei Spiele auszuprobieren, aber trotzdem war es ein gelungener Workshop und
die Lehrer haben sich bei mir zum Schluss bedankt, dass ich ihre Kenntnisse
aufgefrischt und ihnen neue Impulse gegeben habe.
Ich war mir erst nicht sicher, ob es wirklich gut sei, wenn
ich als gerade 20-Jährige den alt eingesessenen Lehrern erzähle, wie sie
unterrichten sollen. Doch letztendlich waren es ja nur Verbesserungsvorschläge,
die auch von allen angenommen wurden und ich bin froh, den Workshop gemacht zu
haben.
Einen Tag später, am 12.07., habe ich dann ein weiteres Projekt unter dem Namen „Wiki mjoa bila fimbo“ (Eine Woche ohne Stock) vorgestellt, was wir zurzeit an der Schule durchführen. Statt Stockschläge bekommen die Klassen Punkte und wer am meisten Punkte gesammelt hat, muss für eine Woche die Schultoiletten putzen. Die Klasse, die am wenigsten Strafpunkte bekommt, wird mit Bonbons belohnt. Zuerst habe ich mit den Lehrern über die allgemeine Beziehung zu den Schülern geredet. Wie sie ist und wie sie sein sollte und was es für Möglichkeiten gibt, um diese zu verbessern und nicht durch den Stock behaupten zu lassen. Ich habe mich fast schon ein bisschen gewundert, wie gut sich alle darauf eingelassen haben. Sogar einer der wenigen männlichen Lehrer, der allzu gerne mal nach dem Stock langt, zeigte sich zufrieden.
Bisher verläuft die Woche sehr gut und auch die Schüler
haben verstanden, dass das Ziel dieser besonderen Woche nicht nur die Bonbons
sind, sondern eine Art „kleiner Beweis“, dass zumindest meine Grundschule
wandelbar ist und es auch ohne Stock gehen kann.
| Erklärungen zu "Einer Woche ohne Stock" |
Meine Gastmutter hat mir noch
vor Beginn der Woche erklärt, dass tansanische Kinder anders als deutsche seien
und ich gnadenlos scheitern würde. Ohne den „fimbo“ würden die Kinder nicht
sporen, sagte sie. Ich habe ihr meine Position erläutert und aber auch gesagt,
dass ich nicht weiß, ob großes Chaos das Resultat sein würde. Doch bis jetzt
sieht es sehr gut aus! Ob wirklich alle Lehrer ihre Punkte auch gewissenhaft
eintragen, kann ich nicht sagen, aber es scheint zu funktionieren und ich bin
froh, dieses Projekt noch auf den „letzten Drücker“, in meiner letzten
richtigen Woche in der Schule, zu machen. Am Freitag werde ich alles mit den
Lehrern zusammen auswerten und es wird eine Siegerehrung geben.
Heute habe ich mit meinem Schulleiter geredet und er hat mir
gesagt, dass er so begeistert von meinem Projekt sei, dass er sich vorstellen
könne, dies als generelles Strafsystem an seiner Schule einzuführen!! Ich weiß
nicht, ob er es nicht doch wieder vergessen wird, aber immerhin mehrfach
wiederholt soll es werden! Mit so einem großen Erfolg habe ich nicht gerechnet
und bin sehr stolz auf meine Lehrer und eben vor allen Dingen meinen toleranten
und offenen Schulleiter. Mit meiner Schule habe ich wirklich großes Glück
gehabt und hätte mir auch kein besseres Lehrerkollegium vorstellen können. Sie
kümmern sich besser als meine Gastfamilie um mich, es gibt immer viele offene
Ohren für mich und egal, ob ich kochen lernen möchte, ein Fahrradschloss
brauche oder andere Fragen, sie helfen wir immer. ;-)
| Die Lehrer hören mir zu ;-) |
Vor ein paar Wochen bin ich zu einer Lehrerin nach Hause
eingeladen worden, damit sie mir zeigen konnte, Pilau (Gewürzreis) zu kochen.
Ein anderes Mal rief mich der Schulleiter an, um mir mitzuteilen, dass die
Mutter einer Lehrerin verstorben sei und wir sind alle zusammen spontan auf die
muslimische Trauerfeier gegangen und haben beim Kochen geholfen.
Meine Arbeit an der Schule und das Lehrerkollegium nehmen
einen sehr großen Teil meines Freiwilligendienstes hier ein und ich bin sehr
froh, sie alle kennen gelernt zu haben und dadurch so viele Stunden beim Hefte
korrigieren, schwatzen und Tee trinken zu verbringen. Sie haben viele Fragen
zur deutschen Kultur und auch ich konnte schon genug über weniger alltagspräsente
Themen wie Hexerei, den Teufel, Beziehungen usw. lernen. Sie staunen stets
wieder, wenn ich ihnen erzähle, wie „einfach“ es in Deutschland sei, eine
Beziehung zum anderen Geschlecht zu haben, weil man öffentlich zeigen darf,
dass man zusammen ist, ohne gleich heiraten zu müssen. Dass es möglich sei,
dass Junge und Mädchen miteinander in einem geschlossenen Raum sitzen, ohne,
dass sie miteinander schlafen „müssen“ und auch die Eltern viel toleranter
seien. Momentan fiebern die Lehrer alle mit mir um meinen Studienplatz, das
Prinzip des Doppeljahrgangs in Niedersachsen letztes Jahr und dessen
Auswirkungen haben sie verstanden und drücken mir nun die Daumen, trotz
andauerndem Ansturm einen Platz zu kriegen. ;-)
| Das Kollegium |
Nun genieße ich also meine letzte Woche alleine in der Schule,
bevor ich nächsten Montag von meiner Familie Besuch bekomme. Dafür nehme ich
die Schulwoche frei, um mit ihnen zuerst Zeit bei unserer Partnergemeinde in
Kondoa/Haubi zu verbringen. Ab dem darauf folgenden Montag werden wir dann hier
in Singida meiner Arbeit nachgehen und ich werde ihnen alles zeigen können.
Damit ist mein eigentlicher Freiwilligendienst dann auch „schon“ vorbei, wird
durch den Besuch meiner Familie abgeschlossen.
Montag, 16. Juli 2012
Hawapo - Sie sind nicht mehr da
Heute Morgen sind meine beiden Dadas Luise&Rike nach Arusha/Moshi aufgebrochen, um von dort aus Donnerstagnacht gen Heimat aufzubrechen!
Wir hatten eine wirklich schöne gemeinsame Zeit und ich hätte nicht gewusst, was ich ohne die beiden gemacht hätte.
Ob gemeinsames Reisen, Kochen, Karten spielen, den Bus mit Gitarre und leicht schrägem Gesang zu unterhalten, DVD-Abende, Tee- und Pilaugelage und vor allen Dingen das ausgiebige Stoffe shoppen, Schnitte ausdenken, lange Wochenenden und Erzählen, habe ich sehr genossen. Leider haben sie eben nicht wie ich einen Weltwärtsplatz bekommen und konnten mit ihrem ijgd-Platz nur 10 Monate im Land bleiben.
Farida, ein Hausmädchen meiner Familie, war ganz entsetzt, dass die beiden nun schon aufbrechen und hat zu mir gesagt: "Lakini sasa hakuna "blablabla" kwa Iguguno tena", was so viel heißt wie: Jetzt gibt es ja gar kein "Blablabla" mehr in Iguguno! Tja, wir hatten schon viel zu Erzählen, obwohl wir uns ca. jedes zweite Wochenende getroffen haben! ;-) Wie/ob sehr wir uns (äußerlich) verändert haben und dass es in Tansania keine vertrauenswürdigen Friseure gibt, zeigen das Bild von unserem 1. Tag im Land und das Foto von gestern Abend, 10 Monate später.
| Tansanischer Duschdress - Khangas |
Wir hatten eine wirklich schöne gemeinsame Zeit und ich hätte nicht gewusst, was ich ohne die beiden gemacht hätte.
Ob gemeinsames Reisen, Kochen, Karten spielen, den Bus mit Gitarre und leicht schrägem Gesang zu unterhalten, DVD-Abende, Tee- und Pilaugelage und vor allen Dingen das ausgiebige Stoffe shoppen, Schnitte ausdenken, lange Wochenenden und Erzählen, habe ich sehr genossen. Leider haben sie eben nicht wie ich einen Weltwärtsplatz bekommen und konnten mit ihrem ijgd-Platz nur 10 Monate im Land bleiben.
| 1. Tag in Tansania, Ankunft in Arusha |
| Abschiedsfoto in meinem Zimmer |
Sonntag, 15. Juli 2012
Kigoma
| Im "Discobus" |
Am nächsten Morgen hieß es dann um 4:30 Uhr aufzustehen und
den nächsten Bus zu besteigen. Weil das Busunternehmen mehr Geld verdienen
wollte, ließen sie mehr Leute mitfahren, als es Sitzplätze gab und durch ein
Nicken des Busbegleiters hinter dem Rücken eines Polizisten, bestätigten dann
alle, dass der eigentliche Bus, der im Gang sitzenden Leute, kaputt gegangen
war. So einfach ist das. Die Busgesellschaft namens „Adventure Connection“
verdiente sich eine goldene Nase und Rike und ich wechselten uns mit dem Sitz
am Gang ab, damit jeder von uns einmal an der Reihe war, seinen Sitzplatz mit
Ellenbogen zu verteidigen, alle paar Minuten angerempelt zu werden und Kinder
auf seinen Knien schlafen zu lassen. Währenddessen konnte sich der andere zwar
entspannen, ihm wurde aber aufgrund der prallen Sonne schlecht und das Atmen
fiel durch den vielen hereinwehenden Staub, der sich in der Nase festsetzte,
auch immer schwerer. Also wurde wieder getauscht und die Strapazen gingen
anders weiter.
Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Namen des
Busunternehmens und deren Fahrstil geben könne, war uns nicht in den Sinn
gekommen, bis wir ein kleines Stück aus Khahama herausgefahren waren und die
Straße sich in einem Sandweg fortsetze. Ab dann ging es nur noch durch
Buschland, welches, je weiter wir nach Kigoma kamen, immer mehr durch Palmen
und Bananenstauden dominiert wurde, sodass die Straße später nur noch von
Wäldchen dieser gesäumt war. Das klingt sehr nett; war es auch, aber unser
Busfahrer ist den breiten Pfad in so einem Affenzahn hinunter gebrettert, dass
wir mehr Angst um unser Leben hatten, als dass wir der Landschaft viele Blicke
hätten schenken können. Durch mehrere Hügel glich unsere Busreise eher einer
Achterbahnfahrt und wir wollten sie beide lieber nicht so schnell wiederholen.
Wenige Kilometer vor Kigoma gab es auf einmal wieder eine asphaltierte Straße
und setzte damit zwar nicht dem Fahrstil unseres abenteuerlichen Busfahrers ein
Ende, jedoch war es so nun schon viel leichter zu ertragen und unserer
neunstündigen Horrorfahrt folgte eine halbe Stunde, in der wir uns wieder
vorstellen konnten, dass es auch im westlichsten Teil Tansanias Zivilisation
geben könne. Und so war es dann schließlich auch.
Den Tag darauf ließen wir mit einem „Chai ya Maziwa“ mit
Gewürzen (eigentlich eine Spezialität aus Zanzibar) anklingen und machten uns
danach auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Der Bahnhof und damit einer der
Entstehungsgründe der Stadt, lag groß und imposant am Ende der Stadt und direkt
am Seeufer, den konnten wir nicht verfehlen. Drinnen warteten ganze Familien
auf ihren Zug und wir wurden von allen Wartenden groß angeschaut. Weil wir
auf keinen Fall noch so eine Busfahrt
wie auf unserem Hinweg erleben wollten, ließen wir uns die Chance nicht nehmen,
mit dem Bahnhofsvorsteher zu sprechen. Die Fakten, dass der Zug nur maximal 40
km/h langsam fahren könne, wir darin auch übernachten müssten, es
wahrscheinlich keine Beleuchtung gebe und es von Dieben nur so wimmeln solle,
machte uns die Sache nicht gerade schmackhafter. Doch letztendlich entschieden
wir uns trotzdem dafür, uns auf dieses Abenteuer einzulassen, denn ein Zug war
immerhin an Gleise gebunden und konnte sich nicht wie unser Bus in nahezu
holperigen Sprüngen fortbewegen. Durch Singida würde die Bahn zwar nicht
fahren, doch trotz anschließender kurzer Busfahrt ließ sich der Preis nicht
toppen. Warum, sollten wir später herausfinden… Doch zuerst folgten wir nur zu
Fuß bei sengender Hitze den deutschen Eisenbahnschienen, auf denen noch die
Marke „Krupp“ und verschiedene Jahreszahlen zu lesen waren, bis in den
Nachbarort Kibrizi, um schon einmal unsere Füße in den Tanganyikasee halten zu
können.
Danach führte uns unser Weg zum zweiten Highlight der Stadt:
Dem Hafen und damit zur M.V. Liemba, der ehemaligen Graf Götzen. Wir hatten
nicht damit gerechnet, dass das Schiff im Hafen liegen würde und ließen uns von
den Sicherheitskräften dort sagen, dass es nur noch zweimal pro Monat ablegen
würde. Uns sagte man auch, dass wir nicht näher an das Schiff herankommen
könnten, da es 1. Sonntag sei und wir 2. keinen Fahrschein hätten. Hier war nun
unser Charme, unsere Hartnäckigkeit und unser Kiswahili gefragt und mit dem
Bestechungsgeld für zwei Soda (welches uns der Watchman letzten Endes selbst
vorgeschlagen hatte), ließ er sich dazu aufmuntern, uns einzulassen, uns das
Wenige, was er wusste über das Schiff zu erzählen und uns die alte Werft der
drei Papenburger zu zeigen. Zum Schluss konnten wir uns nur verabschieden,
indem wir die Handynummer einer Mitarbeiterin bekamen und versprachen, sofort
anzurufen, um zu grüßen, wenn wir unser Guest House erreicht hätten, damit wir
sie auch ja nicht vergessen würden. Schwups hatten wir eine Privatführung
bekommen und uns mit den Sicherheitskräften angefreundet, was später noch
hilfreich sein sollte.
| Gefühlt wie Flüchtlingsboot fahren... |
Mit dem Schiff ging es uns wie mit dem Bus, noch einmal
darin hätten wir nicht unbedingt fahren müssen. Wir haben ehrlich gesagt auch
zwischendrin etwas gezweifelt, ob wir nicht vielleicht doch auf einem
Flüchtlingsboot Richtung Sambia gelandet seien und man uns morgen in den
Nachrichten sehen würde. ;-)
Auf dem Rückweg hatten wir die Möglichkeit mit auf dem
Privat(holz)boot zweier Tschechen zu fahren uns sind so flotter und ohne
Ehering wieder nach Kigoma gekommen.
Die Safari im Gombe Stream war sehr schön. Man
läuft/klettert durch eine Art Regenwald, hört die Schreie der Schimpansen und
kann neben diesen auch einen Blick auf viele verschiene Affenarten werfen. Vor
unserer Unterkunft und am Strand tummelten sich die Paviane und auch
Red-Collabus und Blue-Tail Monkeys konnten wir sehen. Leider fing es auf
unserer nur fünfstündigen Safari an zu regnen und die Schimpansen verzogen sich
auf die Bäume.
So konnten wir „nur“ an zwei Schimpansen bis auf knappe drei
Meter herantreten und ihnen beim Essen, herumliegen und entlausen zusehen.
Weitere zwei konnten wir schemenhaft in den Bäumen sehen, während sie uns mit
zerkauter Fruchtschale beschmissen. ;-) Zum Schluss der Safari führte uns der
Weg an einem schönen Wasserfall vorbei und wir beklommen „Jane’s Peak“, einen
sehr schönen Aussichtspunkt, wo Jane Goodall sich sehr oft aufgehalten hat.
| Schimpanse Ferdinand, König des Stammes F ;-) |
| Schimpanse Tarzan |
Es war eine sehr schöne Safari, weil wir nicht nur aus einem offenem Auto heraus die Tiere aus der Ferne betrachten konnten, sondern selbst durch das Wirrwarr dieses „Dschungels“ stapfend, die Affen beobachten konnten. Leider hat das Wetter eben nicht mitgespielt, so hatte ich mir insgesamt doch etwas mehr erhofft.
Nach dem Marsch konnten wir noch einmal im Tangayikasee
baden und haben es uns danach im Gästehaus gemütlich gemacht.
Zwar gab es nur zu bestimmten Zeiten Strom, doch es hat gereicht, dass wir uns mit meinem Tauchsieder Reisetüten-Essen zubereiten konnten, was mir schon vor Monaten überraschend und sehr lieb geschickt wurde. So gab es Spaghetti, Jäger- und Zigeunertopf und zur Krönung Hamburgerfrikadellen aus Bundeswehrbestand. Etwas verwirrend war es schon in Tansania zu sein und eine Art Dschungel-Safari hinter sich habend, Jägertopf zu essen, aber wir haben uns beide sehr darüber gefreut! Vielen, lieben Dank noch einmal an die Verschicker, die so nett an mich gedacht haben!
Zwar gab es nur zu bestimmten Zeiten Strom, doch es hat gereicht, dass wir uns mit meinem Tauchsieder Reisetüten-Essen zubereiten konnten, was mir schon vor Monaten überraschend und sehr lieb geschickt wurde. So gab es Spaghetti, Jäger- und Zigeunertopf und zur Krönung Hamburgerfrikadellen aus Bundeswehrbestand. Etwas verwirrend war es schon in Tansania zu sein und eine Art Dschungel-Safari hinter sich habend, Jägertopf zu essen, aber wir haben uns beide sehr darüber gefreut! Vielen, lieben Dank noch einmal an die Verschicker, die so nett an mich gedacht haben!
| Spaghetti aus der Tüte - top! :-) |
Am Mittwoch, wieder in Kigoma haben wir uns noch ein Mal zum
Hafen und damit zur M.V. Liemba gemacht, um beim Ablegen des Schiffes
zuzusehen. Es war viel los und die meisten Menschen warteten noch draußen,
obwohl die weißen Passagiere schon ihre Zimmer beziehen durften. Nun war es
praktisch, dass wir uns vorher mit einem Sicherheitsmann angefreundet hatten,
denn so durften wir uns einfach ohne Ticket auf das Gelände begeben und uns
sogar das Schiff von innen ansehen. Schnell hatten wir jemanden gefunden, der
uns trotz des Trubels das komplette Schiff zeigte und unsere Fragen
beantwortete.
Wir durften uns von der Kapitänsbrücke, über den Maschinenraum
bis hin zu den Toiletten der 3. Klasse alles ansehen, kurz bei den Köchen
hereinschauen und nachdem wir uns mit dem Barman Alex angefreundet hatten,
konnten wir ihn sogar dafür gewinnen uns von den Sambusa probieren zu lassen.
;-)
| M.V. Liemba |
Nachdem wir den Hafen schon wieder verlassen hatten, weil
die Gitter dicht gemacht wurden, entschlossen wir uns doch noch, bei der
Abfahrt zuzusehen und wieder löste unser Freund vom Sicherheitsdienst die
Schlösser und wir durften noch auf dem Hafengelände bleiben, um uns die Abfahrt
unter viel Qualm aus dem Schiffsschornstein aus nächster Nähe anzuschauen.
| Unser Freund vom Siecherheitsdienst ;-) |
Obwohl ich vorher einen Roman über den Schiffsbau gelesen
hatte, hatte ich es mir nicht so groß vorgestellt. Unglaublich, was diese drei
Papenburger Männer da in Tansania wieder zusammengesetzt haben. Und nun, weil
ich das Schiff aus nächster Nähe kennen gelernt habe, verstehe ich nicht, warum
man es zurück nach Papenburg holen sollte. Nur für historische Zwecke wäre es
zu schade, weil die Tansanier es sinnvoll nutzen und für ernst gemeinte Reisen
liegt es in meinen Augen unter dem deutschen Standard.
Die dritte Klasse z.B.
hat nicht einmal mehr Betten und Bullaugen, sondern besteht nur aus einem
großen Raum mit kahlen Bänken, die um die Abdeckung einer großen (sehr
wahrscheinlich viel Krach machenden Maschine) im absoluten Bauch des Schiffes
angelegt sind. Wer würde so schon gerne reisen?
| Gepäck der Reisenden |
Rike und ich haben uns auf jeden Fall gefreut, dass wir nach
unserer vorherigen abenteuerlichen Bootsfahrt, nicht noch eine Schiffsreise
ertragen mussten, auch wenn der See relativ still war.
Wir haben uns also wieder auf den Rückweg gemacht und unsere
restliche Zeit damit verbracht, uns Kigoma anzuschauen, und uns Fisch und
Gewürze gekauft. Meine Mutter erschlägt mich wahrscheinlich, wenn sie
mitbekommt, dass ich mich mit 1 kg Reisgewürz eingedeckt habe, was noch alles
auf dem Rückweg seinen Platz finden soll.
Am Donnerstag um 17 Uhr sollte unser Zug fahren und wir
begaben uns an den „Bahnsteig“, wo wir mit vielen anderen Menschen in der
sengenden Hitze darauf warteten, unsere Plätze einzunehmen. Weil ich mir einen
neuen Khanga hatte kaufen wollen, aber bis dahin noch keinen schönen gefunden
hatte, fragte ich eine Frau, wo sie den ihren gekauft habe, der mir sehr
gefiel. Weil sich die meisten Tansanier darüber freuen handeln zu können und
Geld zu machen, hat sie mir dann direkt ihr Tuch angeboten, was ich ihr dann
etwas überteuert abkaufen konnte. Und schwups, konnte ich noch ein schönes
Andenken aus Kigoma mitnehmen und die Frau hat sich mit mir gefreut. Schon
komisch, in Deutschland man so etwas nicht so einfach machen. ;-)
Um 17:30 Uhr fuhr der Zug an und mit ihm Rike und ich in der
Mitte eines 3. Klasse Waggongs auf unseren abgewetzten Sitzplätzen. Unsere
großen Rucksäcke konnten wir über uns verstauen und anbinden, Handy und
mp3-Player brachten wir so gut es ging in unseren Hosentaschen unter und
hofften, dass einfach niemand unsere Taschen unter den Sitzen mitnehmen würde.
Als der Zug dann anfuhr, mussten wir feststellen, dass 1/3 des Waggons aus
einem reisenden Kirchenchor bestand, der auch prompt mit dem Einsetzen der
Maschinen das erste Lied anstimmte. Die ersten neun (!!!) Stunden der Fahrt,
also bis 2:30 Uhr nachts haben sie dann auch noch nicht einmal eine
Luftholpause gemacht und bis dahin beständig durch gesungen und die Lieder
durch Klatschen begleitet. Auch mit Ohropax ließ sich dieser „Lärm“ nicht
verbannen und wir waren dazu verdonnert ihnen zuzuhören. Aufgehört haben sie
nur, weil ein Jugendlicher eine alte Frau des Chores ansprach, warum sie denn
singen würden, dass Jesus und Gott eine Person seien, er sehe das anders. Also
ging ab dann mit einer nächtlichen Diskussion über dieses Thema weiter. Die
alte Frau schimpfte und machte viel Krach, der junge Mann versuchte sie zum
Zuhören zu bewegen. Um ca. 4:30 Uhr versuchte ein Chormitglied dem Ganzen ein
Ende zu setzen, aber die Streithähne erbaten sich noch fünf weitere Minuten.
Natürlich wurde daraus eine halbe Stunde und als der Zug gegen 5 Uhr morgens in
Tabora hielt, waren alle kaputt und müde. Stopps wurden jedes Mal von Dieben
ausgenutzt, die sich oben auf das Dach des Waggons legten und sich
herunterhängten, um von dort aus in die offenen Zugfenster hineingreifen zu können.
Jedes Mal lösten sie viel Geschrei aus, doch aus unserem Waggongs wurde keiner
beklaut.
In Tabora hielten wir insgesamt fünf Stunden lang, in denen
verschiedene Händler herumliefen und Essen, Zahnbürsten oder Werbezeitschriften
für die Satanisten verkaufen, die hier gerade „cool“ werden. Nachdem Rike und
ich gefrühstückt hatten, wurde mir zusehends übler und ich verbrachte den Rest
der Zeit am Zugfenster…Schön zu beobachten war aber, wie sich die Landschaft
auf dem Weg veränderte. Durchfuhren wir erst Palmen- und Bananenwälder, so
verwandelte sich diese Landschaft immer mehr in eine Halbwüste mit baumhohen
Kakteen. Um 17 Uhr kamen wir dann endlich in einem Ort an, zu dem wir zwar
nicht wollten, aber von dem wir dann am nächsten Morgen einen Bus Richtung
Singida nehmen konnten. Das taten wir dann auch und sind nach unserer Abreise
aus Kigoma am Donnerstag am Samstagmorgen dann endlich wieder zuhause gewesen.
Kurzum, es war eine sehr schöne Reise und Kigoma ist auch eine nette Stadt, nur
würde ich des langen Weges wegen nicht noch einmal dorthin fahren. Trotzdem hat
es sich sehr gelohnt! ;-)
Montag, 2. Juli 2012
Zurück&schon wieder weiter
Ich bin am Samstag von einem schönen, einwöchigen Aufenthalt in Kigoma und Gombe, und einer sehr beschwerlichen Hin- uns Herreise wiedergekommen und mache mich morgen nach einem vierstündigen Waschmarathon am gestrigen Sonntag, schon wieder auf eine kleine Reise! Es geht nach Mwanga zu Jonas in den Busch. Eine Straße gibt es nicht und es wird eine staubige, sehr huckelige Fahrt werden. Das letzte Mal waren wir mit allen Freiwilligen im Januar im Busch, als wir dort Olgas Geburtstag gefeiert haben. Ein halbes Jahr später steht nun mein Geburtstag fast vor der Tür und ich mache mich noch einmal auf den Weg. ;-) Beim letzten Mal bin ich mit Malaria im Blut und einer Lebensmittelvergiftung im Bauch wiedergekommen, ich hoffe, dass ich dieses Mal mehr Glück habe.
Am Freitag werden Jonas und ich dann wieder in die Stadt fahren und hoffentlich auf Luise und Rike treffen, um kurz vor deren Abfahrt vielleicht zum ersten und letzten Mal in Singida feiern zu gehen! Am Tag darauf wartet die Hochzeit der Tochter einer Lehrerin auf mich und Jonas begleitet mich. Endlich einmal eine Gelegenheit, dass er sich in seinen maßgeschneiderten Anzug und ich mich in eines meiner neuen Kleider schmeißen kann! Und nun kann ich auch endlich einmal eine tansanische Hochzeit aus den Augen eines Gastes und nicht als Servierkraft in der Lodge meiner Gasteltern miterleben. ich freue mich und hoffe, dass die Hochzeit nicht noch kurzfristig abgesagt oder umverlegt wird, denn bisher konnte sich das Brautpaar noch nicht auf einen Ort festlegen...
Was ich in Kigoma und Gombe alles erlebt habe, erzähle ich beim nächsten Mal!
| Am Fluss in Mwanga |
Was ich in Kigoma und Gombe alles erlebt habe, erzähle ich beim nächsten Mal!
Mittwoch, 20. Juni 2012
Eine Buschfahrt...;-)
Von diesem Freitag, den 22.06. bis zum 29.06. reise ich mit Rike zusammen zum westlichsten Teil Tansanias und damit zu dem am Lake Tanganyika gelegenen Kigoma und dem dortigen Nationalpark Gombe Stream.
Für uns bedeutet das eine zweitägige An- und wieder Abreise,
womit wir ganze vier Tage zum Reisen benötigen und letztendlich drei Tage vor Ort
sein werden. Wir machen uns schon auf eine sehr holprige Fahrt durch den
tansanischen Busch gefasst.
Doch diese Mühe scheint sich zu lohnen:
Kigoma ist die einzige Stadt Tansanias am Tanganyikasee und
Schnittstelle Zentral- und Ostafrikas. Die Stadt entstand um 1912 mit dem Bau
eines Bahnhofs und einer Schiffswerft. Damit wurde Kigoma Endpunkt der
„Mittellandbahn“, die von Daressalam im Osten bis dorthin reicht. Im Januar
1914 erreichten die Bauteile des Schiffes „Graf Götzen“ aus Papenburg Kigoma
über die noch nicht ganz fertig gestellte Eisenbahn. Im Juni 1915 erlebte das
Papenburger Schiff seinen Stapellauf, wodurch letztendlich die heranwachsende
Kleinstadt zu einem wichtigen Handelsort aufblühte. Das Schiff fährt nun unter
dem Namen „M.V. Liemba“ und wird als Fähre eingesetzt. Es ist das größte und
älteste Schiff auf allen innerostafrikanischen Seen und eines der ältesten
Passagierschiffe der Welt.
Schon witzig, dass ich so weit von meiner Heimatstadt
entfernt bin und doch auf etwas stoßen werde, was direkt aus Papenburg kommt.
Unvorstellbar eigentlich. ;-)
Doch ist Rikes und mein eigentlicher Besuch dem Gombe Stream
Nationalpark zugedacht. Der Nationalpark wurde errichtet, um die letzten
zentralafrikanischen Regenwälder und die dortig lebenden Schimpansen zu
schützen. Direkt am Tanganyika-See, dem längsten und zweittiefsten See der Welt
und damit der tiefste Stelle ganz Afrikas, liegt das einstige
Schimpansen-Reservat, das durch Jane Goodall und ihre Verhaltensforschung an
diesen Tieren bekannt wurde. Der heutige Nationalpark ist nun der kleinste aber
auch teuerste Park Tansanias und dient weiterhin im ersten Sinne der Forschung.
Ich darf mich nun also neben einer längeren Reise auch auf
Schimpansen, einen Fußmarsch durch den tropischen Regenwald, Strände und im
Tanganyika-See lauernde Krokodile, giftige Kobras, Wasserschildkröten und
exotische Fische freuen. Mal sehen, was alles so anbeißt, mein Bikini reist auf
jeden Fall mit! :D
Sonntag, 17. Juni 2012
Der Todesvogel
Seit ein paar Tagen übernachtet Manka, die ca. 13-jährige
Tochter einer Köchin von der Lodge bei uns. Sie leidet nun schon seit drei
Monaten krank und auch das Bereden/Beschreien durch einen so genannten
„Evangelisten“ konnte die Krankheit nicht von ihr lösen. Als ich nachfragte,
warum sie nun bei uns schlafen würde, hieß es erst, dass sie bei uns schneller
wieder gesund werden würde und ihre eigene Familie zu wenig Betten hätte. Das
hat mich bei meiner ständig krakeelenden und unorganisierten Familie nicht
überzeugt und ich habe noch einmal genauer nachgefragt. Gestern hieß es dann,
dass ein Witchdoctor Manka einen bösen Zauber auferlegt hätte. Er hätte zu
Mankas Haus einen verwünschten Vogel geschickt, der, wenn er schreit den Tod
eines Menschen nach sich zieht. Nachdem ich in meinem Wörterbuch nachgeschlagen
habe, wusste ich, dass es sich um eine Eule handelt. Klar auch in Märchenfilmen
wird in diesen Vogel gerne etwas Böses interpretiert. Er erscheint nur nachts,
hat große Augen und einen schaurigen Ruf. Weil der Witchdoctor diesen Vogel
direkt auf Manka angesetzt hat, kann bisher auch nur sie daran sterben. Doch
zur Vorsicht schlafen nun auch ihre ältere Schwester und deren halbjähriger
Bruder bei uns. Der Witchdoctor könne diesen Vogel nicht wieder zurückrufen,
auch wenn er wolle. Das heißt, dass sie nun wenigstens nachtsüber bei uns
bleiben muss, bis sie sicher sein kann, dass der Vogel endgültig weitergeflogen
ist und sie nicht mehr mit seinem Ruf töten kann. Ob sich das nun auf ein paar
Tage oder den Rest ihres Lebens erstreckt, weiß keiner so genau. Tolle Sache.
Glück im Unglück ist, dass der Vogel nur auf sie angesetzt
wurde. Denn wenn man eine Eule in einer Nachbarschaft sähe, dann könne es sein,
dass nacheinander immer wieder einzelne Menschen ohne Anhaltspunkt sterben
würden. Mein Gastbruder Erick hat beteuert, dass er schon von vieler solcher
Geschichten gehört habe und alle bestätigten mir, dass die Schwester meiner
Gastmutter den magischen Kräften solch einer Eule unterlegen gewesen und
gestorben sei. Wenn also zu uns hier so eine Eule fliegt, dann müssen wir
demnach entweder „der Gefahr“ ins Gesicht sehen oder alle flott umziehen… ;-)
Dass Menschen in Hyänen verwandelt werden können und dann
beim Töten des Tieres der eigentliche Mensch stirbt, habe ich ja schon
hingenommen. Auch dass man mit Hilfe eines verfluchten Gegenstandes vom
Witchdoctor seinen Ehemann verhexen kann, wenn man diesen unter sein Kissen
legt, ist mir bewusst und dass die Hände eines Albinos besondere Kräfte haben,
wenn man sie abhackt ist mir auch nicht neu. Aber anstatt es dabei zu belassen
gibt es immer wieder Teufelsaustreibungen und nun auch noch Eulen vor denen man
sich in Acht nehmen muss. Auf meine Kritik hin, dass das alles großer Humbug sei,
wurde mir von allen gesagt, dass in Tansania das Umgehen von magischen Dingen
eben sehr groß sei und man sich in Acht nehmen müsse. Manchmal verstehe ich sie
wirklich nicht, wir leben hier ja immerhin schon in einer Stadt. Dass es im
Busch und Dorf anders zugeht, das ist klar. Jonas und Olga konnten mir von
einem plötzlichen Tod eines Mannes berichten, der dann letztendlich die
Verfluchung seiner Ehefrau zur Folge hatte und später noch die Ahnen um ein
Urteil befragt wurden. Doch obwohl die meisten Menschen sehr fromm sind und
meine Gastfamilie mit einem exemplarischen Beispiel voran geht, schenken sie
trotzdem bösen Geistern, Flüchen und Witchdoctors ihren Glauben, da kann man
nichts machen.
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