Freitag, 20. Juli 2012

Älterwerden auf die tansanische Art ;-)

Letzte Woche, am Freitag, den 13. Juli, habe ich die 20er-Marke geknackt und in der Schule, zuhause und mit meinem Mitfreiwilligen Jonas aus Mwanga diesen Festtag würdig begangen. ;-)

Mein Geburtstagstisch
An meinem Geburtstagsmorgen habe ich mir eine Kerze angezündet, mir ein Ständchen gebracht und das 2 kg schwere Süßigkeiten-Paket meiner Familie geöffnet. Weil sich meine Rücklagen zu dem Zeitpunkt auf ganze zwei Maoams beschränkten, war die Freude doppelt groß. ;-)  In der Familie hat mir keiner gratuliert, einen Geburtstag zu feiern ist hier auch nicht üblich. Aber das war auch nicht weiter schlimm, weil die Mama ankündigte, am Abend Pilau (Gewürzreis), Pommes und Kachumbari (Tomatensalat) für mich zu kochen, juhu!

Am Donnerstag hatte ich schon für alle Lehrer Maandazi gebacken und Sambusa gekauft, die ich dann zur Freude aller zum Tee am Freitag verteilen konnte. Meine Lehrer hatten meinen Geburtstag zwar erst vergessen, doch mir dann noch schnell einen Khanga gekauft, alle Lehrer zusammen gerufen und mir ein Ständchen gebracht.
Teacher Mrua packt mein Geschenk unter dem Gesang aller aus

Die Lehtet freuen sich mit mir
Während alle „Öffne es, öffne es!“ gesungen haben, hat Mwl. Mrua mir mein in grüner Glitzerfolie eingepacktes Geschenk geöffnet und ich wurde dann mit lautem „Lululululu“ von oben bis unten in die Stoffbahnen eingewickelt und von allen umarmt.
Von oben bis unten eingepackt!
Khangas sind traditionelle Stoffe, die immer mit einem Spruch versehen werden. Auf meinem Geburtstags-Khanga steht, dass wenn man jemanden respektiert, einem als Dank Liebe entgegen gebracht werde. Kurzum, der Khanga soll ausdrücken, dass ich meine Lehrer respektiere und sie mich, was uns als Grundlage dient, uns gegenseitig zu mögen. ;-)
Ganz liebe Geschenke meiner 5. Klässler

Meine 5. und 6. Klasse, die davon Wind bekommen haben, haben auch noch einmal „Happy Birthday“ für mich gesungen, Schüler meiner 5. Klasse haben mir zwei Kekse, 10ct und ein halbes Stück Kreide geschenkt. Das war wirklich sehr niedlich. ;-) Mein Schulleiter hat mir eine große Glitzerkarte gekauft, die nach ein paar technischen Fehlern ein Liedchen für mich trällerte und ich war mit meinem Geburtstag rundum zufrieden.
Nachdem ich in der Dispensary meiner üblichen Arbeit nachgegangen war, konnte ich am Nachmittag ausgiebig mit Familie und Freunden skypen, am Abend kamen mein Mitfreiwilliger Jonas und mein Mentor Richard zu Besuch.
Mein 20er-Schild von Olga und Jonas
Obwohl Jonas und Olga bisher noch keiner emsländischen „Schildaufstellen“-Tradition beiwohnen konnten, haben sie mir ein witziges Schild gemalt, was nun einen Ehrenplatz in meinem Zimmer bekommen hat.
Jonas,ich& Mentor Richard beim Festtagsschmaus
Mama, Madita und im Hintergrund Enjo

Um 22:15 Uhr stand etwas verspätet das Abendessen auf dem Tisch und wir konnten mit Soda, Kassettenmusik und unserem Festmahl mit meiner Gastfamilie feiern. :-)
Danach wollten Jonas und ich uns zum ersten Mal in den Club hier im Ort trauen, was dann schon daran scheiterte, dass er nur sonntags geöffnet habe, wie wir erfuhren. Also sind wir ein bisschen weiter weg zu einer Art Bar gefahren, wo ungefähr 20 Menschen im durchschnittlichen Alter von 35 Jahren und meist vorhandenem Bierbauch ihr Bestes auf der Tanzfläche gaben. Die Musik aus den aktuellen tansanischen Charts wurde leider gänzlich von den beiden Playbackmusikern vernachlässigt.
Endlich eine Gelgenheit für die Abendgarderobe gefunden!
Aber auch wenn man in Deutschland diesen Diskobesuch als einen regelrechten Flop bezeichnen würde, war es eine witzige Sache sich unter die paar Leute zu mischen und so zu tun, als ob es nichts Besseres gebe, als dicken, alten, leicht angetrunkenen Männer beim Tanzen auszuweichen. ;-) Der Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt, allein schon, um einmal bei Nacht und klarem Sternenhimmel auf dem Rücksitz eines Pikipikis durch Singida zu brausen!

Doch auch der nächste Tag barg noch einige Highlights: Wir wurden per Skype live zu einem Afrikafestival in Aschaffenburg zugeschaltet, um dort vor einem Publikum Fragen zu unserem Freiwilligendienst zu beantworten.
Und am Abend gingen wir schick essen, um nun doch noch einmal unsere maßgeschneiderte
Vielleicht das beste,wenn auch scharfe Essen der bisherigen 10 Monate hier ;-)
Kleidung auszuführen. Diese war eigentlich für eine Hochzeit am Wochenende davor gedacht gewesen, die aber letztendlich an der Entscheidung scheiterte, ob evangelisch oder katholisch geheiratet werden sollte. Vor allem Jonas konnte es sehr genießen, statt dem täglichen Maisbrei (Ugali) nun ein Pfeffersteak vor sich zu wissen. In meinem Essen hatten die Köche leider eine Chilischote versteckt, weshalb der Abend trotz der leckeren Gerichte in Tränen endete. ;-)

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