Mittwoch, 18. Juli 2012

Workshops


Meine letzte Woche war stark vom Plakatemalen und Übersetzen dominiert, denn ich habe mich darauf vorbereitet, am 11.07. mit meinem Lehrerkollegium einen Workshop zu Lehrmethoden durchzuführen. Lehrmethoden stehen zwar grundsätzlich auf dem Ausbildungsplan eines angehenden Lehrers, doch wenden zumindest meine Lehrer diese kaum an. Luise hatte vorher schon bei sich in Iguguno einen dementsprechenden Workshop durchgeführt, so konnte ich ein wenig abgucken. Ich habe den Lehrern also ein bisschen etwas von Lernspielen, Mind-Maps, Stichpunkten, Rhetorik usw. erzählt und es ließen sich besonders alle für das „Galgenmännchenspiel“ begeistern.
Lehrmethoden-Plakat
Weil die Schüler noch draußen auf dem Schulhof herumlungerten, haben sie sich leider nicht getraut, mit mir zwei Spiele auszuprobieren, aber trotzdem war es ein gelungener Workshop und die Lehrer haben sich bei mir zum Schluss bedankt, dass ich ihre Kenntnisse aufgefrischt und ihnen neue Impulse gegeben habe.
Ich war mir erst nicht sicher, ob es wirklich gut sei, wenn ich als gerade 20-Jährige den alt eingesessenen Lehrern erzähle, wie sie unterrichten sollen. Doch letztendlich waren es ja nur Verbesserungsvorschläge, die auch von allen angenommen wurden und ich bin froh, den Workshop gemacht zu haben.

Einen Tag später, am 12.07., habe ich dann ein weiteres Projekt unter dem Namen „Wiki mjoa bila fimbo“ (Eine Woche ohne Stock) vorgestellt, was wir zurzeit an der Schule durchführen. Statt Stockschläge bekommen die Klassen Punkte und wer am meisten Punkte gesammelt hat, muss für eine Woche die Schultoiletten putzen. Die Klasse, die am wenigsten Strafpunkte bekommt, wird mit Bonbons belohnt. Zuerst habe ich mit den Lehrern über die allgemeine Beziehung zu den Schülern geredet. Wie sie ist und wie sie sein sollte und was es für Möglichkeiten gibt, um diese zu verbessern und nicht durch den Stock behaupten zu lassen. Ich habe mich fast schon ein bisschen gewundert, wie gut sich alle darauf eingelassen haben. Sogar einer der wenigen männlichen Lehrer, der allzu gerne mal nach dem Stock langt, zeigte sich zufrieden.
Bisher verläuft die Woche sehr gut und auch die Schüler haben verstanden, dass das Ziel dieser besonderen Woche nicht nur die Bonbons sind, sondern eine Art „kleiner Beweis“, dass zumindest meine Grundschule wandelbar ist und es auch ohne Stock gehen kann.
Erklärungen zu "Einer Woche ohne Stock"
Meine Gastmutter hat mir noch vor Beginn der Woche erklärt, dass tansanische Kinder anders als deutsche seien und ich gnadenlos scheitern würde. Ohne den „fimbo“ würden die Kinder nicht sporen, sagte sie. Ich habe ihr meine Position erläutert und aber auch gesagt, dass ich nicht weiß, ob großes Chaos das Resultat sein würde. Doch bis jetzt sieht es sehr gut aus! Ob wirklich alle Lehrer ihre Punkte auch gewissenhaft eintragen, kann ich nicht sagen, aber es scheint zu funktionieren und ich bin froh, dieses Projekt noch auf den „letzten Drücker“, in meiner letzten richtigen Woche in der Schule, zu machen. Am Freitag werde ich alles mit den Lehrern zusammen auswerten und es wird eine Siegerehrung geben.
Heute habe ich mit meinem Schulleiter geredet und er hat mir gesagt, dass er so begeistert von meinem Projekt sei, dass er sich vorstellen könne, dies als generelles Strafsystem an seiner Schule einzuführen!! Ich weiß nicht, ob er es nicht doch wieder vergessen wird, aber immerhin mehrfach wiederholt soll es werden! Mit so einem großen Erfolg habe ich nicht gerechnet und bin sehr stolz auf meine Lehrer und eben vor allen Dingen meinen toleranten und offenen Schulleiter. Mit meiner Schule habe ich wirklich großes Glück gehabt und hätte mir auch kein besseres Lehrerkollegium vorstellen können. Sie kümmern sich besser als meine Gastfamilie um mich, es gibt immer viele offene Ohren für mich und egal, ob ich kochen lernen möchte, ein Fahrradschloss brauche oder andere Fragen, sie helfen wir immer. ;-)
Die Lehrer hören mir zu ;-)
Vor ein paar Wochen bin ich zu einer Lehrerin nach Hause eingeladen worden, damit sie mir zeigen konnte, Pilau (Gewürzreis) zu kochen. Ein anderes Mal rief mich der Schulleiter an, um mir mitzuteilen, dass die Mutter einer Lehrerin verstorben sei und wir sind alle zusammen spontan auf die muslimische Trauerfeier gegangen und haben beim Kochen geholfen.
Meine Arbeit an der Schule und das Lehrerkollegium nehmen einen sehr großen Teil meines Freiwilligendienstes hier ein und ich bin sehr froh, sie alle kennen gelernt zu haben und dadurch so viele Stunden beim Hefte korrigieren, schwatzen und Tee trinken zu verbringen. Sie haben viele Fragen zur deutschen Kultur und auch ich konnte schon genug über weniger alltagspräsente Themen wie Hexerei, den Teufel, Beziehungen usw. lernen. Sie staunen stets wieder, wenn ich ihnen erzähle, wie „einfach“ es in Deutschland sei, eine Beziehung zum anderen Geschlecht zu haben, weil man öffentlich zeigen darf, dass man zusammen ist, ohne gleich heiraten zu müssen. Dass es möglich sei, dass Junge und Mädchen miteinander in einem geschlossenen Raum sitzen, ohne, dass sie miteinander schlafen „müssen“ und auch die Eltern viel toleranter seien. Momentan fiebern die Lehrer alle mit mir um meinen Studienplatz, das Prinzip des Doppeljahrgangs in Niedersachsen letztes Jahr und dessen Auswirkungen haben sie verstanden und drücken mir nun die Daumen, trotz andauerndem Ansturm einen Platz zu kriegen. ;-)
Das Kollegium
Nun genieße ich also meine letzte Woche alleine in der Schule, bevor ich nächsten Montag von meiner Familie Besuch bekomme. Dafür nehme ich die Schulwoche frei, um mit ihnen zuerst Zeit bei unserer Partnergemeinde in Kondoa/Haubi zu verbringen. Ab dem darauf folgenden Montag werden wir dann hier in Singida meiner Arbeit nachgehen und ich werde ihnen alles zeigen können. Damit ist mein eigentlicher Freiwilligendienst dann auch „schon“ vorbei, wird durch den Besuch meiner Familie abgeschlossen.

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