Sonntag, 20. Mai 2012

Wilde Hühner

Kontakt mit Enten und vor allen Dingen Hühnern, lässt sich hier in Tansania nicht vermeiden, was auch nicht weiter schlimm ist. Wenn es in meiner Gastfamilie Hühnerfleisch geben soll, dann wird ein Huhn und meist auch immer gleich ein Hahn dazu gekauft. Warum es immer ein Hahn sein muss, habe ich noch nicht ganz verstanden. Das Huhn wird dann meist relativ schnell geschlachtet, nachdem alle drei Hausmädchen es nach einer Verfolgungsjagd über den ganzen Hof gejagt haben. Der Hahn dagegen stolziert tagelang nervtötend herum, bis auch er dran glauben muss. Hühner und Enten sind hier einfach überall! In der Stadt warten sie darauf verkauft zu werden um zu Zehnt auf einen Gepäckträger gebunden zu werden. Bis zum letzten Tag sorgen sie für Aufruhr und laufen immer gerade da herum, wo man sie nicht gebrauchen kann. Hühner eben. Ein Huhn hat mir ja schon einmal ins Zimmer geschissen, um sich danach in mein Bett zu flüchten, sich im Moskitonetz zu verwickeln und aus lauter Angst Löcher hinein zu pieksen.
Jeden Morgen auf meinem Schulweg trotzen die Hühner dem Schülerlotsen und laufen ohne zu gucken über die Straße. Nicht umsonst spricht man von einem blinden Huhn. Ein besonders blindes und aufgeschrecktes Huhn ist mir letztens vors Fahrrad gelaufen und ich habe es angefahren. Ihm ist aber glaube ich nichts passiert, denn es hat sofort das Weite gesucht. Sie sind schon immer für Überraschungen gut...

Da macht das Spielen doch erst richtig Spaß ;-)
In Iguguno laufen viele Enten auf dem Hof herum und man sollte auf seine Schuhe acht geben, wenn man sie auszieht, da die gerne von den Enten angeknabbert werden. Ansonsten sitzen sie vorzugsweise in der Dusche...Als wir es und letztens draußen auf einer Decke bequem gemacht haben, um Phase 10 zu spielen, liefen die Enten auch ständig um uns herum. Wir haben eine Minute lang nicht aufgepasst und schon war es passiert! Es hatte sich doch tatsächlich eine Ente genau die einzige herumliegende Karte auf dem ganzen Hof als Ziel erkoren, um uns eine schöne Bescherung zu bereiten. Nun ja, seitdem wird mit einer Karte weniger gespielt.



Unser Zwischenseminar, Ende März

..hat in meinem Blog bisher wenig Beachtung gefunden. Von weltwärts ist es vorgeschrieben, an einem Mittelseminar teilzunehmen, damit Probleme und unser Zurechtfinden im Land besprochen und reflektiert werden können.

Mein Strichmännchen-Zeitfluss, der meinen "Wasserpegel" beschreiben soll
Wir waren dafür sechs Tage lang in Moshi, im Norden Tansanias und damit ganz in der Nähe des Kilimanjaros. Unterkunft und die Fahrten habe ich als Weltwärtslerin bezahlt bekommen, das war recht praktisch. Neben uns tansanischen Freiwilligen sind auch die vier Kenianer noch zu uns gestoßen. Dazu kamen unsere Mentoren, zwei andere geschulte Mitarbeiter und unsere Ansprechperson des Kolpingbüros für Freiwilligendienste.
Wir mussten dann unsere bisherige Zeit im Land durch eine Art „Fluss“ darstellen, haben mit den Fidschi-Freiwilligen geskypt, weil die kein Seminar hatten, über Unterrichtsmethoden und vieles mehr gesprochen, konnten uns einen Beitrag angucken, der vor Weihnachten über zwei von unseren kenianischen Freiwilligen vom ZDF gedreht wurde, haben ein Kinderheim besucht und waren an einem Abend in Moshi feiern. An einem freien Nachmittag haben wir uns dann die Stadt ein wenig näher angeguckt. Es gab tolle Kleidermärkte, sodass ich dann nachher sogar auf der Straße mehrere Hosen anprobiert habe.
Aloye, Mentor und Gastvater aus Kenia
Pediküre am Straßenrand ;-)
Dann haben wir noch jemanden gefunden, der an der Straße uns die Nägel lackiert hat und vor allem - unsere Füße dabei mal so richtig sauber gemacht hat! ;-) Moshi ist zwar die sauberste Stadt Tansanias, weil es verboten ist, Müll einfach so fallen zu lassen, aber bei all dem Sand lassen sich schmutzige Füße nicht vermeiden. Hier in Singida liegt der Müll überall und wird in kleinen Feuern vorm Haus verbrannt.


Zeit zum Quatschen und Musikmachen

In der Zeit zwischen unseren Einheiten konnten wir uns gut über unsere Projekte und unterschiedliche Wohnsituationen austauschen. So haben Julia und Johannes in Kenia zum einen ein eigenes, großes Haus mit allem Drum und Dran für sich zu Zweit, während Hanne und Lotte eine eigene kleine Wellblechhütte auf dem Grundstück ihrer Gastfamilie bewohnen und wir Tansanis alle ein Zimmer in unseren Gastfamilien haben. Ansonsten haben wir ein Lied für die Fidschi-Freiwilligen geschrieben und viel Phase 10 gespielt. ;-)
Diese Woche hat uns allen gut getan und ich fand es sehr erholsam, von meiner vorherigen, etwas angespannten Situation mit meinem Gastbruder, für eine Woche Abschied zu nehmen. Zudem haben wir uns alle über die tolle Anlage, die schönen Zimmer und das leckere Essen gefreut, sodass wahrscheinlich jeder von uns mit ein paar Pfund mehr auf den Rippen wieder in sein Projekt zurückgekehrt ist… ;-)

Abendliche Phase 10-Runde
Luise, Rike und ich sind zusammen abgereist, haben aber erst noch einen Gastbruder der Mädels besucht, der als Träger mit den Kilimanjaro besteigt und deswegen vorübergehend in Moshi wohnt. Das war noch einmal ein ganz anderes Erlebnis. Er wohnte bei der Tante weit ab vom Stadtinneren, weswegen wir dann in einem Haus ohne Strom zu dritt in einem Bett, aber mit insgesamt sieben Leuten in einem Zimmer geschlafen haben. Hat sich der eine bewegt, wurde der andere wach usw. ;-) Doch zuerst wollte Fideli uns einem seiner Freunde vorstellen. So sind wir dann abends im Dunkeln mit ihm ca. 30 Minuten über Stock und Stein gestolpert, bis wir irgendwo in ein Wohnzimmer hinein gebeten wurden. Da saß dann eine ganze Familie, die uns sehr herzlich willkommen hieß und mit der wir uns stundenlang bei Kerzenschein unterhielten, obwohl wir uns gegenseitig nicht kannten und wir einfach in deren Abendrunde hereingeplatzt waren. ;-)
Im Kinderheim
Jonas, Luise, Hanne und Johannes
Da habe ich richtig gemerkt, wie hilfreich es doch ist, wenn man sich darauf einlässt, die Sprache des Landes zu lernen und wie schön es ist, dass wir durch unseren Freiwilligendienst hinter die Fassaden schauen können und unser Blickfeld nicht nur auf touristische Attraktionen gerichtet ist. Zudem muss man sich natürlich darauf einlassen, wenn man sich auf einmal in einem fremden, viel zu kleinen Wohnzimmer wieder findet mit ganz vielen Leuten, die einen einfach nur angucken und darauf warten, dass man etwas erzählt. Aber wir hatten einen sehr schönen Abend und einen guten  Abschluss für unser Seminar. :-)

Samstag, 19. Mai 2012

Alles neu macht der Mai

Ab morgen bin ich schon ganze acht Monate hier in Tansania. Die Regenzeit ist mittlerweile vorbei und es wird nachts schon recht kühl, sodass ich mit Pullover und Halstuch morgens auf dem Rad zur Schule fahre. Dass kein Regen mehr fallen wird, haben all die Insekten noch nicht ganz begriffen, sodass plötzlich wieder Heuschrecken in meiner Brotbox sitzen, riesige Grashüpfer mich anspringen und es abends zu einem Kunststück wird, ins Zimmer zu schlüpfen, ohne dass die großen Gottesanbeterinnen sich auch einen Weg hinein bahnen. Ab mittags wird es aber wieder richtig warm, sodass mein Halstuch letztendlich auf meinen Kopf wandert, um als Sonnenschutz zu dienen (Wie blöd das aussehen kann, belegen Fotos auf meinem Blog).

Pünktlich zum Ende der Regenzeit hat meine Familie sich nun eine Regenrinne bauen lassen und dafür gesorgt, dass das Wasser in den Brunnen umgeleitet wird. So hatten wir für kurze Zeit immer Wasser zum Waschen da, auch wenn man vorher die kleinen Silberfische heraussieben musste. Doch nun heißt es wieder darauf zu warten, bis irgendjemand sich erbarmt, Wasser zu holen. Weil der Regen viel Sand bei uns auf dem Weg zur weggeschwemmt hat und es immer eine sportliche Höchstleistung war, trockenen Fußes die Küche zu erreichen, wurde dort nun der Boden zementiert und Kohlesäcke und Co. mussten weichen. Nun ist es bei uns schon viel schicker geworden!
Unser vorheriges Regenwassersystem. Suche den Fehler! Richtig, der Regen kam nicht an und alles ist irgendwann zusammengebrochen. ;-)
Aber nicht nur die „Jahreszeit“ hat sich geändert, sondern auch ich habe einiges in Angriff genommen. Die Hausmädchen meiner Gastfamilie haben mich irgendwann so genervt, dass ich vor zwei Wochen beschlossen habe, mir nun eine neue Gastfamilie zu suchen. Doch die beiden darauf folgenden Tage in der Familie waren so schön und ich konnte/durfte auch endlich mal etwas mehr beim Kochen und beim Aufräumen des vielen Gerümpels auf dem Hof mithelfen, dass ich mir immer unsicherer wurde, was ich nun eigentlich wollte.
Gestern: Eine Nachbarin flechtet mir den Pony
Als dann auch noch meine 10-jährige und normalste Gastschwester Enjo von einem dreiwöchigen Besuch bei ihrem Onkel wiederkam und mir mitteilte, dass sie von mir geträumt habe und stolz sei, so eine tolle große Schwester zu haben, war meine Entscheidung gefallen, dass ich hier bleibe. Außerdem ist es ja meine GastFAMILIE. Meine Familie daheim könnte ich ja auch nicht einfach ändern oder mir eine neue suchen, wenn ich wollte. Und um ehrlich zu sein, habe ich sie auch alle in mein Herz geschlossen. Auch wenn die eine oder andere Macke der Hausmädchen ganz schön anstrengend ist, sind sie doch Teil der Familie. Bisher bin ich froh, dass ich nicht gewechselt habe. Weil ich die Hausmädchen nicht ändern kann, habe ich mir nun vorgenommen, etwas einfacher zu werden. Ist kein Wasser da, dann wasche ich eben am nächsten Tag, Ugali esse ich immer wenn es das gibt, auch wenn ich Tomatensalat haben könnte usw. Das Unpraktische ist nur, dass ich dann letztendlich in einer Woche sechs Mal Ugali gegessen habe und direkt auch fünfmal hintereinander das Waschen verschieben musste. Aber was soll’s.
Schüler der 5. Klasse

Weil von Anfang Mai bis Ende Juni hier planmäßig nicht viel passiert (keine Ferien oder irgendwelche anderen Dinge, die den Alltag auflockern könnten), war ich am Anfang etwas verzweifelt und dachte, dass mir in der Zwischenzeit bestimmt die Decke auf den Kopf fallen würde. Damit das nicht passiert, habe ich mich daran gemacht, mein Projekt, also meine Arbeit hier zu verbessern.
5A: Elinkaila und Abdilahi
In der Schule macht mir die Arbeit viel Spaß, aber der Stundenplan der siebten Klasse wurde verändert, weswegen ich dort nur noch selten am Unterricht, bei dem ich einer anderen Lehrerin helfe, teilnehmen kann. So wurden mir Stunden geklaut und ich hatte immer öfter nichts zu tun. Als nun aber eine Lehrerin in Mutterschutz gegangen ist, konnte ich ihre 4. Klasse übernehmen. Leider kann ich dort nur drei von den nötigen sechs Englischstunden unterrichten und so hinken wir etwas nach, doch der Unterricht bei den Kurzen macht mir wirklich Spaß. So habe ich nun 18 Pflichtstunden und kann dazu dann noch entscheiden, wann ich in der siebten Klasse mithelfen möchte.

Weil ich in der Schule immer die ersten Stunden unterrichte, bin ich bei vier Stunden pro Tag schon um 10:40 Uhr mit dem Unterricht fertig, doch die Arbeit im Kinderzentrum beginnt erst aktiv um 14:00 Uhr. Bis dahin verbringe ich meine Zeit mit Unterrichtsvorbereitung, dem langwierigen Korrigieren von Heften und Tests, mache Erledigungen oder schnappe mir mein Buch und lese. Auch im Center ist die Arbeit nicht zu groß und es passiert lange Zeit nichts, bis dann, wenn die Kinder kommen, alles flott gehen muss.
Pause: Ingwertee und täglich eine Banane ;-) Lehrerinnen Mrua und Mohamedi
Weil ich nun schon 7 Monate, fünfmal die Woche, immer wieder hunderte Teller mit Reis beschaufelt habe, habe ich mich dazu entschlossen, mir etwas anderes zu suchen. Bisher wusste ich nicht, ob das „erlaubt“ ist, weil ich ja ein ausgeschriebenes Projekt habe. Doch kann mich ja auch keiner dazu zwingen, mich die größte Hälfte des Tages zu langweilen und darauf zu warten, bis jemand sagt, dass ich mithelfen könne. Weil im Center nicht speziell ich gebraucht werde, da jeder Reis austeilen könnte, habe ich meine Zeit dort auf zwei Nachmittage pro Woche verteilt.
Der Kolpingladen mit Schneiderin und Schülerin

Stattdessen gehe ich nun jeden Mittwoch für ein paar Stunden schneidern. Es gibt hier von Kolping einen kleinen Laden, wo mir Mama Frankie zeigt, wie man schneidert. Aus ein paar Reststoffen habe ich schon einen Rock für das Baby geschneidert, letzten Mittwoch habe ich aus einem verbleibenden Stoff von einem Kleid von mir, mir einen eigenen Rock genäht! Wenn ich am Wochenende nichts zu tun habe, dann bin ich dort auch gerne willkommen, was super ist. In Deutschland werde ich damit wahrscheinlich nicht weitermachen, aber bis dahin ist es eine gute Abwechslung. ;-)
Mein erster selbstgeschneiderter Rock!
Montags und freitags helfe ich nun seit zwei Wochen in einer Dispensary aus. So bezeichnet man eine Gesundheitsstation (kleines Krankenhaus), aber mit Apotheke, Labor, Spritzenraum und zwei Übernachtungsräumen. Weil ich ja absolut keine Ahnung vom medizinischen Bereich habe, darf ich an der Rezeption arbeiten, also alle ankommenden Patienten in die Kartei aufnehmen, Blutdruck und Gewicht messen, ein bisschen Aktenarbeit machen und mit den Patienten schnacken.Wenn er gerade nichts anders zu tun hat, dann sitzt Amos neben mir, ein 20jähriger Tansanier der gerade sein „Abi“ gemacht hat und im Oktober anfängt zu studieren. Als ich ihn getroffen habe, wurde mir erst bewusst, dass das der bisher einzige Tansanier in meinem Alter ist, den ich treffe, der eine gute Bildung hat und mit dem ich mich auf einer Ebene unterhalten kann ohne, dass er nur meine Hautfarbe sieht. In der Schule, im Kinderzentrum und in der Familie habe ich nicht die Möglichkeit mich mit Gleichaltrigen zu unterhalten. Treffe ich Jugendliche auf der Straße, dann regnet es oft doofe Sprüche und mein „Mzungu-Dasein“ wird mit einem Kichern bedacht.
Die anderen jungen Ärzte und Krankenschwestern sind auch alle sehr gut drauf und haben mich gleich mit in ihren Kreis aufgenommen. Ein angehender Arzt läuft zwar immer nur mit einem Kopfhörer im Ohr herum und zu diszipliniert wird auch nicht gearbeitet, dafür ist es aber eine witzige Truppe. Schön ist auch noch, dass Esther, eine ehemalige Freiwillige, die nun wiedergekommen ist, um hier zu heiraten, dort auch arbeitet. Das ist der Hauptgrund, weshalb ich überhaupt auf die Idee mit der Dispensary gekommen bin.

Ich versuche nun also noch etwas einfacher für meine Gastfamilie zu sein und verschönere mir mit der Schule, dem Schneidern und der Arbeit in der Dispensary meine Zeit um einiges. So gestalten sich meine letzten, knappen drei Monate noch einmal ganz neu und ich sitze meine Zeit nicht nur bis zum Ende ab, sondern gebe den letzten Monaten noch einmal die Chance die besten bisher zu werden. ;-)


 P.S.: Ich habe mich nun zum ersten Mal getraut, erst die Hühner an den Beinen zu tragen und danach dann Kartoffeln zu essen, die vorher mit den Hälsen der vorherigen Hühner gekocht wurden. Nicht sonderlich appetitlich, aber es gehört dazu! Ohne es zu wissen, habe ich nun auch schon Rindereingeweidesoße mit Kochbananen gegessen..brr..

Dienstag, 1. Mai 2012

Meine Gastfamilie

…ist groß.
Sie besteht aus meinen Gasteltern,  drei Söhnen, vier Töchtern, drei Hausmädchen, zwei Jugendlichen, die im Shop in der Stadt und in der Lodge arbeiten und mir.
Damit sind wir 15 Leute. Hier möchte ich aber nur kurz meine Gasteltern vorstellen.
Familienfoto zu Weihnachten (nicht vollständig)
Baba Edwin- Mein Gastvater ist zwischen 40 und 50 Jahren alt, genauer kann ich das nicht sagen. Er ist das offizielle Familienoberhaupt, aber wird von seiner Frau untergebuttert. Wie in jeder tansanischen Familie (so sollte es auf jeden Fall sein) hat der Vater das letzte Wort und trifft größere Entscheidungen. Alle Familienmitglieder gehen aber zur Mutter, um alles zu besprechen. Die gibt diese Informationen dann an den Baba weiter, der dann entscheidet. Er ist ein so genannter „Businessman“, d.h. er besitzt einen kleinen Laden in der Stadt, wo er von morgens bis abends aus China importierte Süßigkeiten verkauft. Er scheint im Süßigkeitengeschäft Singidas ein bedeutender Mann zu sein, da er anscheinend der einzige ist, der solche Beziehungen zu China pflegt. Ich würde das nicht behaupten, aber okay, wer weiß. Ichs ehe ihn nur sehr selten und dann auch nur, wenn ich es darauf anlege, weil er spät heim kommt und danach dann entweder betet, schläft oder besuche macht.
An sich ist Baba Edwin ein kleiner, gutgelaunter Mann, der sehr schnell redet und ich ihn deswegen kaum verstehen kann. Im Englischen beherrscht er nur ein paar Sätze, wie z.B. „God is goddie for customers“, was er jeden Abend auf meine Frage antwortet, wie es ihm gehen würde. Auf alles, was ich sage, antwortet er mit „Thank youuu!“ und „ I am happy to meet YOU“, weshalb ich mich am Anfang etwas gewundert habe, dass er es toll findet, dass mein Fahrrad gerade wieder kaputt ist, meine Schüler im Unterricht geschlafen haben oder ähnliches. Auch wusste ich nicht, ob er informiert wurde, dass ich in dieser Familie für 11 Monate leben würde. Er freut sich also weiterhin, dass er mich täglich sieht. Auch schön. :-)

Mama Maria- oder von mir nur Mama Ngure genannt, ist das inoffizielle und strenge Familienoberhaupt, wie wahrscheinlich in den meisten tansanischen Familien. Von September bis März ist sie wegen ihrer Schwangerschaft kaum in Erscheinung getreten, was der Familie und mir nicht gut getan hat. So hat keiner irgendetwas gemanagt und jeder machte irgendwie, was er wollte, wenn mein Bruder Justo nicht den großen Macker markierte. Seit Mitte März sieht man sie auch mal wieder draußen und beginnt nun, wieder in das Geschehen einzugreifen. Ihr neues Projekt ist den Laden am Haus wieder zu eröffnen, der vollkommen verrottet ist, ansonsten verbringt sie natürlich weiterhin viel Zeit mit dem Baby, was leider gerade krank ist, weswegen sie mehrmals wöchentlich zum Arzt muss.
Hausmädchen Lucia und Schwester Brenda
Momentan gehe ich meiner Gastmutter lieber aus dem Weg. Sie schnauzt alle nur an und bringt auch kein Verständnis mehr für mich auf, wenn ich mich darüber beklage, dass wir erst um 22 Uhr zu Abend essen und ich aber so müde bin, dass ich gerne schon viel früher schlafen gehen würde. Allein schon wenn ich frage, wann der Strom wiederkommt, stellt sie es so dar, dass „die Weiße“ eben nicht ohne Strom klarkommen würde, dabei habe ich mich an ein Leben mit nicht immer präsentem Strom gut gewöhnt und finde es nicht schlimm.

Farida, Lucia und Helena
- das sind die drei Hausmädchen der Familie. Leider glänzen sie nicht dadurch, dass man gut mit ihnen quatschen kann, sie intelligent sind und dafür sorgen, dass das Essen vor 21 Uhr abends auf dem Tisch steht. Ohne übertreiben oder gemein sein zu wollen, lässt sich sagen, dass sie alle etwas zurückgeblieben sind. Es wird wild und schrill hin- und hergeschrieen, über andere Familienmitglieder gelästert, sich gegenseitig ausgelacht, angelogen und einander verpfiffen. Sie selbst sagen untereinander, dass der andere verrückt sei, machen sich aber nicht viele Gedanken über sich selbst. Vor einiger Zeit haben sie aufgehört, mich aus Spaß in meinem Zimmer auszuschließen oder beim Duschen das Licht auszumachen, das ist schon mal gut. Passiert mir dafür irgendetwas Blödes, dann lacht sich die ganze Meute schlapp darüber. Trotzdem sind sie diejenigen, mit denen ich am meisten in der Familie mache, weil der Rest kaum da ist.

Meine Liebslingsschwester Enjo und ich
Brenda, Enjo, Mkunde und Madita- Meine vier Gastschwestern sind zwischen 12 Jahren und vier Monaten alt und alle mit Schule, Nachhilfe, Freunden, Sandkuchen backen, häuslichen Aufgaben oder Schreien beschäftigt. Sie sind immer überall und nirgendwo und es ist nicht zu einfach, einen zwischen die Finger zu kriegen. Außer sie versammelt sich manchmal abends bei mir auf meinem Bett um „Die Pfefferkörner“ zu gucken, die ich ihnen dann übersetze. Ich mag sie alle gerne, nur sind sie leider noch etwas klein, um mit ihnen viel anfangen zu können.

Justo, Erick und Evaristi- Das sind meine drei Gastbrüder im Alter von 18 bis 14 Jahren, die leider allesamt auf’s Internat gehen. Hat man die Grundschule nach sieben Jahren abgeschlossen, ist ein Internat fast die einzige Möglichkeit auf gute Schulbildung, deswegen sind sie alle in verschiedenen Ecken Tansanias und kommen möglicherweise vor meiner Abfahrt auch nicht wieder. Justo war bis vor kurzem für mehrere Monate hier in Singida, weil er lange Ferien hatte. Am Anfang haben wir uns sehr gut verstanden und waren so etwas wie Freunde, doch als er angefangen hat, seine „Große-Bruder-Rolle“ auszunutzen und die anderen schlecht zu behandeln, haben sich unsere Wege getrennt, sodass ich nun froh bin, dass er wieder zur Schule geht.

Juma und Samuel- Die beiden sind in meinem Alter und arbeiten im Laden in der Stadt und in der Vatcan Lodge. In Letzterer schlafen sie auch meistens, obwohl sie hier ein Bett haben. Sie sind tagsüber viel beschäftigt und kommen nur abends her, um sich ihr Abendbrot abzuholen. Juma spielt sich nun sehr gerne als „Justo-Ersatz“ auf und beginnt jedes Mal einen Streit, der darin endet, dass er eines der Hausmädchen schlägt. Zu mir war er bisher immer recht nett, nur stört er das sowieso schon nicht so herzliche Klima in der Familie, wenn er für ca. 15 Minuten vorbeischaut, zu streiten anfängt und uns verärgert zurücklässt.
Juma, ich und mein erstes Mal Porridge

Ich- Auch ich gehöre zur Familie, obwohl die Familie mich des Öfteren vergisst. So wohne ich hier zwar, doch durch die nicht existierende Zusammengehörigkeit der Familie leben alle etwas an einander vorbei, so eben auch ich. Ein bisschen komme ich mir so vor, als ob ich zwar immer als „Tochter“ von meiner Gastmutter vorgestellt werde, aber es sich in Wahrheit kaum jemand für mich interessiert. Jeder macht irgendetwas oder auch gar nichts, was die Tansanier besonders gut können. Setze ich mich dazu, dann laufen entweder alle weg, weil irgendein Handy klingelt, das Baby schreit, der Porridge anbrennt, die Freunde vorbeischauen oder die Mama ruft. Oder ich sitze eben nur und höre den Gesprächen zu, die sich um nicht viel drehen, weil die „Haus“mädchen eben kaum das Gelände verlassen und nur wenig erleben. Begebe ich mich dann in mein Zimmer, schauen sie ab und zu mal herein, um sicherzugehen, dass sie nicht gerade Bonbons oder einen Film auf meinem Laptop verpassen, gehen dann aber auch genauso flott wieder, weil die Mama alle zwei Minuten jemanden zu sich her zitiert.

Vielleicht merkt man, dass ich nicht allzu zufrieden mit meiner Gastfamilie bin. Es ist nicht leicht hier zu wohnen und es wäre auch bestimmt alles einfacher, wenn ich eine andere Gastfamilie hätte. Immer wieder kommt mir auch der Gedanke durch den Kopf, umzuziehen, doch vor zwei Monaten habe ich mich dagegen entschieden. Eine andere geeignete Familie scheint es nicht zu geben, ich würde den Ruf meiner jetzigen Familie ruinieren und bin ja auch nur noch 3,5 Monate hier, von denen ich hoffentlich noch drei Wochen reisen kann. Also heißt es durchhalten und meinem Nachfolgefreiwilligen eine bessere Familie suchen!

Donnerstag, 26. April 2012

"Du bist aber...FETT"

24.04.2012
„Du bist aber…FETT“

„Achso, Danke Mama, das wäre mir fast entgangen. WAAAAS????“
So einen Satz, wie in der Überschrift habe ich mir diese Woche bestimmt schon viermal anhören müssen. Letzten Dienstag umfasste meine Gastmutter noch meinen Arm und fragte mich, was wir mit mir denn bloß machen könnten, ich hätte ja erschreckend viel abgenommen.
Als ich am Tag danach von der Arbeit (und der dort vorhandenen Waage) nach Hause kam, habe ich ihren vorherigen Kommentar verbessern müssen und ihr erzählt, dass ich ein bisschen zugenommen hätte (mich damit aber immer noch unter meinem Ankunftsgewicht befinde). Sie posaunte es gleich in der Familie aus, sodass ich innerhalb von fünf Minuten von der GANZEN Familie, meinen Gastvater ausgenommen, entgegen geschrieen bekam, was für einen „Bierbauch“ ich doch hätte. Aha. Schön, von allen so beäugt zu werden. Meine Gastmutter setzte noch einen drauf und sagte, dass ihr das schon länger aufgefallen sei, dass ich fett angesetzt hätte.
Das Wochenende verbrachte ich mit Luise und Rike. Weil meine Familie es bisher nicht geschafft hat, haben sie mir gezeigt, wie man Chapati backt, haben uns ausgiebig auf die Suche nach Stoffen gemacht, uns Schnitte für Kleider daraus einfallen lassen und einen Abend lang uns den Bauch mit Spaghetti voll geschlagen. Ein sehr gelungenes Wochenende, aber am Montag bestieg ich doch etwas ängstlich die Waage. Die war mir zum Glück wohlgesinnt, im Gegensatz zu meiner Gastmutter. Ich hatte mich zu ihr zum Quatschen ins Wohnzimmer gesetzt und als ich mich verabschiedete und sie deshalb einen guten Blick auf mich werfen konnte, sagte sie: „Du bist aber….FETT. Richtig dick geworden bist du. Herzlichen Glückwunsch!“ Ich habe dann so etwas wie „ Na ja, vielleicht habe ich am Bauch ein kleines bisschen zugenommen..“ erwidert, worauf ich die volle Auflistung der menschlichen Körperteile bekam. Danke, Mama, nun muss ich die wenigstens nicht mehr auf Kiswahili lernen. Aus Trotz mache ich mich gerade über eine Haribotüte her, während ich diesen bitteren Blogeintrag verfasse. ;-)

Seitdem ich aus Sansibar wiedergekommen bin, also am 10. dieses Monats, hat meine Familie insgesamt viermal vergessen, dass ich auch Frühstück brauche. Statt Brot oder mal einer Banane gab es trotz mehrmaligem Erinnern und dem vereinbarten Einkaufslistenschreiben gar nichts zum Frühstück. Ich konnte dann zum Glück das Müsli öffnen, was mein Freund mir aus Deutschland mitgebracht hat. Auch abends wurde das Essen dürftiger und ein traditionelles „Bohnen-Mais-Gemisch“ (Makande) wurde zu groben Maiskörnern in brauner, angebrannter Soße, von dem ich nicht zu viel essen konnte. Aus Brotmangel mussten dann spontan Kekse herhalten. So bin ich dann, statt mit einem knurrenden, mit einem Bauch voller Kekse ins Bett gegangen. Auch nicht toll. Das war vor allem in der letzten Woche blöde, weil es so oft passierte. Da habe ich mich schon etwas veräppelt gefühlt, denn wenigstens Essen sollte ich doch hier bekommen, wenn es schon an anderem mangelt. Nun läuft es zum Glück besser. Wie lange das geht, kann ich bei meiner Gastfamilie leider nur sehr schlecht einschätzen. Es ist einfach sehr unpraktisch, wenn man keinen Kühlschrank besitzt und kaum abgepackte Lebensmittel verkauft werden. So wird immer nur für eine Mahlzeit eingekauft und gleich alles aufgegessen. Packt einen dann der kleine Hunger gibt es maximal eine dunkelbraune Banane, aber das wäre schon hoch gepokert…

Donnerstag, 19. April 2012

Auf dem Kopf 2

Wenn sich Tansanierinnen ihre Haare wachsen lassen, dann bedeutet das lauf meiner Gastmutter viel Pflege: Die Haare müssen jeden, aber wirklich jeden, Monat einmal gewaschen werden. Möchte man den Afro, der natürlicherweise entsteht, nicht so tragen, dann muss entweder eine Perücke her oder die Haare müssen geflochten werden. Weil die Haare aber immer ein kleines Stückchen wachsen, müssen die Haare dann jede Woche neu geflochten werden. Das ist bei meiner Gastmutter ziemlich witzig zu beobachten: Sie kann sich ihre kleinen, in alle Richtungen abstehenden Zöpfchen zwar selbst machen, aber wenn sie dann rausmüssen, dann kommen Freundinnen oder die Hausmädchen zum Einsatz. Meine Mutter nimmt auf dem Boden im Wohnzimmer Platz und dann werden ihr mit einem langen, groben Holzkamm die Zöpfchen aufgezogen. Zurück bleibt dann ein ca. 10cm langer, krissiliger Afro, der einfach nur witzig aussieht. Fotos durfte ich davon leider noch nicht machen. Doch bei Feierlichkeiten wie z.B. der Taufe setzt sie sich dann ihre Kunsthaar-Perücke auf, was sie, je nach Wahl, sehr hübsch und jung aussehen lässt.
Die meisten anderen Frauen aber lassen sich ihre Haare im "Saloon" ganz eng an den Kopf flechten, was dann anscheinend aber auch nur 1-2 Wochen hält. Nachts muss dann manchmal mit einem Kopftuch geschlafen werden, weil sich sonst das Geflecht auflösen könnte. Beim Frisör kann man sich dann zwischen, ich schätze, 50 verschiedenen Frisuren entscheiden. Zum Flechten kann man fast überall hingehen, es sei denn man landet bei einem Herrenfrisör, der außer einem Rasierer, einem zusammengeschweißten "Friesierstuhl" und meist einer lauten Musikanlage nicht viel mehr als eine Vollglatze zu bieten hat. Schulkinder müssen fast alle eine Glatze oder bis zu 1cm Haare haben. Deswegen habe ich mir besser zweimal selbst meine Haare mit meiner Bastelschere geschnitten, was auch akzeptabel ist.

In Sansibar habe ich mich das erste Mal getraut, meinen Pony flechten zu lassen, was mich eine halbe Stunde und 50ct gekostet hat. Mehr habe ich bis vor zwei Wochen noch nicht über den Weg getraut
Mit geflochtenem Pony
Dafür habe ich einfach jemanden auf der Straße angesprochen, ob er mir helfen könnte, einen Saloon zu finden. Er hat mit dann seinen Sohn mitgegeben, der mit mir durch verschiedene Gassen und an Hinterhöfen vorbei gegangen ist. Er hat mich zu einem Privathaus geführt, wo ein Raum druch ein Tuch abgetrennt war. Dahinter saßen fröhlich schnackend mehrere Frauen auf dem Boden, Platsikstühlen und unter Trockenhauben. Man konnte sich nicht nur die Haare flechten oder Rastazöpfe machen lassen, sondern auch für Maniküre, Pediküre und Henna war gesorgt. Witzig war es vor allem einer jungen Muslima in Burka zuzusehen, die sich langsam aus ihrem Gewand schälte, um dann nachher im Top auf Gesicht und das Dekoltée weißmachende Creme aufgetragen zu bekommen. Sie verharrte dann für ca. 10 Minuten mit der Paste im Gesicht und schien danach zu denken, dass sie nun wirklich hellere Haut bekommen hätte. Als ich irgendwo mal erzählt habe, dass ich das für Blödsinn halte, habe ich mir nachher einreden lassen müssen, dass es wirklich etwas bringt. Na ja...
Jedenfalls habe ich mich heute, weil meine Haare von der Sonne sowieso schon kaputt sind, getraut, mir all meine Haare flechten zu lassen. Dafür bin ich in einen neu eröffneten Laden direkt neben dem Kindercenter gegangen.
Lucia und ich, frisch vom Frisör
Und ich kann sagen, dass es mein erstes und wahrscheinlich auch letztes Mal war. Ich hatte mir vorher nicht vorgestellt, dass es solche Schmerzen verursachen könnte! Sie hat meine Haare innerhalb einer Stunde für (die Verhältnisse hier überteuerte) 1,50€ geflochten und ich musste mich wirklich zusammenreißen, nicht alles hinzuschmeißen, weil es so wehtat. Da gehe ich lieber zum Zahnarzt!

Einen Versuch war es wert, aber ob ich mich damit anfreunden kann?
Weil ich mein Gesicht die ganze Zeit zusammengezogen habe, sind die Zöpfe leider etwas locker geworden, aber das ließ sich nicht verhindern. ;-) Während ich dasaß hat die ganze Belegschaft mich immer wieder versucht mich zu überreden, mir Rastazöpfe flechten zu lassen. Aber davon bin ich erst einmal noch weit entfernt...Obwohl ich später in meinem Leben wahrscheinlich nie wieder die Möglichkeit habe, so etwas  auszuprobieren, ohne von allen Seiten komisch angeguckt zu werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut aussehen könnte, momentan bin ich mir auch nicht so sicher, ob mir meine Frisur gefällt. Mal sehen, ob ich mich daran gewöhne. Eine andere Frage ist ja auch noch, inwiefern ich meine Haare nun waschen kann? 


Mittwoch, 18. April 2012

Auf dem Kopf

Beim Kochen
 Auf dem Kopf habe ich schon so vieles getragen, deswegen habe ich mir gedacht, lohnt es sich diess auch einmal, zu erwähnen. Wegen der starken Sonneneinstrahlung hier, empfiehlt es sich den Kopf eigentlich immer bedeckt zu halten, dem kommen auch die meisten tansanischen Frauen nach, auch wenn diese keine Angst haben müssen, dass die eigenen Haare ganz struppig von der Sonne werden. Mittlerweile trage ich auch nur noch Tücher auf dem Kopf anstatt anfänglichen Versuchen mit Cowboyhut oder Baseballcap. Weil ich in Deutschland bisher noch nicht mit so "interessanten" Kopfbedeckungen wie hier in Tansania herumgelaufen bin, hier ein paar Fotos:
Mit einem Tuch von daheim

Auf dem Weg zu einer Beerdigung, traditionell mit zwei Khangas (Ich weiß übrigens, dass das bescheuert aussieht, aber es war ein Muss.)
Der nervenaufreibende Gift und ich im Kindercenter
Im Center ist eine Kopfbedeckung ein Muss, wenn ich Essen austeile