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| Im "Discobus" |
Nach vier Tagen in Kigoma, zwei Tagen in Gombe Stream, drei
Tagen in Bus und Bahn, Unmengen an Wäsche (es war alles von unserer Busfahrt
rot-braun eingestaubt) und einem Tag nachgeholtem Schlaf, bin ich froh wieder
in Singida zu sein und diese verrückt lange Reise hinter mir zu haben. 819 km
sind es von Singida bis zur am Lake Tanganyika gelegenen Stadt. In Deutschland
eine Tagesreise, doch weil wir auf das Bussystem hier angewiesen sind, konnten
wir an unserem ersten Reisetag nur die fünf Stunden bis Khahama hinter uns
bringen. Die hatten es allerdings schon in sich, weil die Musik im Bus so
unglaublich laut war, dass ich selbst mit Ohropax noch davon überfordert war. Trotz
der lauten muezzinähnlichen Musik hat der Busbegleiter uns die Reise schön
machen wollen und an alle Fahrgäste Kekse verteilt. Weil er zu uns beiden
Weißen besonders nett sein wollte, haben wir gleich mehr als das Doppelte als
die anderen bekommen. Doch dann stellte sich heraus, dass die Kekse steinhart
waren und weil wir uns bei dem Lärm sowieso nicht unterhalten konnten, haben
wir die letzten Stunden bis zu unserem Zwischenziel Khahama damit zugebracht,
die Kekse zu lutschen. ;-)
Am nächsten Morgen hieß es dann um 4:30 Uhr aufzustehen und
den nächsten Bus zu besteigen. Weil das Busunternehmen mehr Geld verdienen
wollte, ließen sie mehr Leute mitfahren, als es Sitzplätze gab und durch ein
Nicken des Busbegleiters hinter dem Rücken eines Polizisten, bestätigten dann
alle, dass der eigentliche Bus, der im Gang sitzenden Leute, kaputt gegangen
war. So einfach ist das. Die Busgesellschaft namens „Adventure Connection“
verdiente sich eine goldene Nase und Rike und ich wechselten uns mit dem Sitz
am Gang ab, damit jeder von uns einmal an der Reihe war, seinen Sitzplatz mit
Ellenbogen zu verteidigen, alle paar Minuten angerempelt zu werden und Kinder
auf seinen Knien schlafen zu lassen. Währenddessen konnte sich der andere zwar
entspannen, ihm wurde aber aufgrund der prallen Sonne schlecht und das Atmen
fiel durch den vielen hereinwehenden Staub, der sich in der Nase festsetzte,
auch immer schwerer. Also wurde wieder getauscht und die Strapazen gingen
anders weiter.
Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Namen des
Busunternehmens und deren Fahrstil geben könne, war uns nicht in den Sinn
gekommen, bis wir ein kleines Stück aus Khahama herausgefahren waren und die
Straße sich in einem Sandweg fortsetze. Ab dann ging es nur noch durch
Buschland, welches, je weiter wir nach Kigoma kamen, immer mehr durch Palmen
und Bananenstauden dominiert wurde, sodass die Straße später nur noch von
Wäldchen dieser gesäumt war. Das klingt sehr nett; war es auch, aber unser
Busfahrer ist den breiten Pfad in so einem Affenzahn hinunter gebrettert, dass
wir mehr Angst um unser Leben hatten, als dass wir der Landschaft viele Blicke
hätten schenken können. Durch mehrere Hügel glich unsere Busreise eher einer
Achterbahnfahrt und wir wollten sie beide lieber nicht so schnell wiederholen.
Wenige Kilometer vor Kigoma gab es auf einmal wieder eine asphaltierte Straße
und setzte damit zwar nicht dem Fahrstil unseres abenteuerlichen Busfahrers ein
Ende, jedoch war es so nun schon viel leichter zu ertragen und unserer
neunstündigen Horrorfahrt folgte eine halbe Stunde, in der wir uns wieder
vorstellen konnten, dass es auch im westlichsten Teil Tansanias Zivilisation
geben könne. Und so war es dann schließlich auch.
Den Tag darauf ließen wir mit einem „Chai ya Maziwa“ mit
Gewürzen (eigentlich eine Spezialität aus Zanzibar) anklingen und machten uns
danach auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Der Bahnhof und damit einer der
Entstehungsgründe der Stadt, lag groß und imposant am Ende der Stadt und direkt
am Seeufer, den konnten wir nicht verfehlen. Drinnen warteten ganze Familien
auf ihren Zug und wir wurden von allen Wartenden groß angeschaut. Weil wir
auf keinen Fall noch so eine Busfahrt
wie auf unserem Hinweg erleben wollten, ließen wir uns die Chance nicht nehmen,
mit dem Bahnhofsvorsteher zu sprechen. Die Fakten, dass der Zug nur maximal 40
km/h langsam fahren könne, wir darin auch übernachten müssten, es
wahrscheinlich keine Beleuchtung gebe und es von Dieben nur so wimmeln solle,
machte uns die Sache nicht gerade schmackhafter. Doch letztendlich entschieden
wir uns trotzdem dafür, uns auf dieses Abenteuer einzulassen, denn ein Zug war
immerhin an Gleise gebunden und konnte sich nicht wie unser Bus in nahezu
holperigen Sprüngen fortbewegen. Durch Singida würde die Bahn zwar nicht
fahren, doch trotz anschließender kurzer Busfahrt ließ sich der Preis nicht
toppen. Warum, sollten wir später herausfinden… Doch zuerst folgten wir nur zu
Fuß bei sengender Hitze den deutschen Eisenbahnschienen, auf denen noch die
Marke „Krupp“ und verschiedene Jahreszahlen zu lesen waren, bis in den
Nachbarort Kibrizi, um schon einmal unsere Füße in den Tanganyikasee halten zu
können.
Danach führte uns unser Weg zum zweiten Highlight der Stadt:
Dem Hafen und damit zur M.V. Liemba, der ehemaligen Graf Götzen. Wir hatten
nicht damit gerechnet, dass das Schiff im Hafen liegen würde und ließen uns von
den Sicherheitskräften dort sagen, dass es nur noch zweimal pro Monat ablegen
würde. Uns sagte man auch, dass wir nicht näher an das Schiff herankommen
könnten, da es 1. Sonntag sei und wir 2. keinen Fahrschein hätten. Hier war nun
unser Charme, unsere Hartnäckigkeit und unser Kiswahili gefragt und mit dem
Bestechungsgeld für zwei Soda (welches uns der Watchman letzten Endes selbst
vorgeschlagen hatte), ließ er sich dazu aufmuntern, uns einzulassen, uns das
Wenige, was er wusste über das Schiff zu erzählen und uns die alte Werft der
drei Papenburger zu zeigen. Zum Schluss konnten wir uns nur verabschieden,
indem wir die Handynummer einer Mitarbeiterin bekamen und versprachen, sofort
anzurufen, um zu grüßen, wenn wir unser Guest House erreicht hätten, damit wir
sie auch ja nicht vergessen würden. Schwups hatten wir eine Privatführung
bekommen und uns mit den Sicherheitskräften angefreundet, was später noch
hilfreich sein sollte.

Weil wir uns für eine Safari am Gombe Stream für den
Dienstag entschieden hatten, mussten wir beide am Montagmittag das Boot in
Richtung Gombe nehmen. Am „Hafen“ von Kibrizi waren wir dann ein klein wenig
verwirrt, weil dort einfach nur ein paar Holzboote am Strand lagen. Doch es
stellte sich heraus, dass wir genau mit solch einem überfüllten Boot, Marke
„Flüchtlingsböötchen aus den Nachrichten“ fahren sollten. Es hatte einen tiefen
Bauch, aus dem das Wasser von der Fahrt zuvor mit Eimern herausgeschöpft wurde
um danach Unmengen an Reis-, Mais und Mehlsäcken neben anderen Gütern und
schlafenden Kindern zu beherbergen. Die Passagiere selbst saßen ganz an der
nicht vorhandenen Reling, d.h. nur an den Seiten des Schiffes, über die man
balancieren musste, wenn man ans andere Ende wollte. Weil wir im Gegensatz zu
Besatzung und Co. pünktlich waren, mussten wir eben über jenes schmale Brett
balancieren, auf dem dann noch keine Menschen saßen. Rechts das Wasser, links
der tiefe Schiffbauch. Kurz vor dem Ende habe ich mich dann geweigert
weiterzugehen und ein Tansanier hat mir seine Hand angeboten und mich
weitergeführt. Auf Nachfrage haben wir erfahren, dass das Boot für 100 Menschen
mitsamt Gepäck (und die meisten Tansanier nehmen auf Reisen immer Unmengen an
Essen mit) ausreichen sollte.
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| Gefühlt wie Flüchtlingsboot fahren... |
Doch beim Zählen der immer weiter zusteigenden Leute
schwirrte uns irgendwann der Kopf und wir können mit großer Sicherheit sagen,
dass weitaus über die Zahl Passagiere mitgefahren sind. Ohne Bedachung haben
Rike und ich uns dann unter unseren Khangas (Tücher) eine Art Sonnenzelt
gebaut. So konnten wir auch den Gedanken unserer baldigen Seebestattung etwas
vergessen. Etwas witzig war, dass die jungen Kerle neben uns natürlich davon
ausgingen, dass wir kein Kiswahili verstehen würden und laut überlegten, wer
von ihnen uns zu einer Hochzeit überreden könne. Irgendwann ging uns das dann
zu weit und wir haben gesagt, dass wir dafür leider nicht zuhaben seien und
dann fing das eigentliche Theater natürlich erst richtig an. ;-) Wir haben uns
auf jeden Fall gefreut, als wir nach drei Stunden Fahrt in der prallen Sonne
und nach allerhand Brautwerbungen wieder festen Boden unter den Füßen hatten
und in Gombe angelangt waren.
Mit dem Schiff ging es uns wie mit dem Bus, noch einmal
darin hätten wir nicht unbedingt fahren müssen. Wir haben ehrlich gesagt auch
zwischendrin etwas gezweifelt, ob wir nicht vielleicht doch auf einem
Flüchtlingsboot Richtung Sambia gelandet seien und man uns morgen in den
Nachrichten sehen würde. ;-)
Auf dem Rückweg hatten wir die Möglichkeit mit auf dem
Privat(holz)boot zweier Tschechen zu fahren uns sind so flotter und ohne
Ehering wieder nach Kigoma gekommen.
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| Wasserfall im Nationalpark |
Die Safari im Gombe Stream war sehr schön. Man
läuft/klettert durch eine Art Regenwald, hört die Schreie der Schimpansen und
kann neben diesen auch einen Blick auf viele verschiene Affenarten werfen. Vor
unserer Unterkunft und am Strand tummelten sich die Paviane und auch
Red-Collabus und Blue-Tail Monkeys konnten wir sehen. Leider fing es auf
unserer nur fünfstündigen Safari an zu regnen und die Schimpansen verzogen sich
auf die Bäume.
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| Schimpanse Ferdinand, König des Stammes F ;-) |
So konnten wir „nur“ an zwei Schimpansen bis auf knappe drei
Meter herantreten und ihnen beim Essen, herumliegen und entlausen zusehen.
Weitere zwei konnten wir schemenhaft in den Bäumen sehen, während sie uns mit
zerkauter Fruchtschale beschmissen. ;-) Zum Schluss der Safari führte uns der
Weg an einem schönen Wasserfall vorbei und wir beklommen „Jane’s Peak“, einen
sehr schönen Aussichtspunkt, wo Jane Goodall sich sehr oft aufgehalten hat.
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| Schimpanse Tarzan |
Es war eine sehr schöne Safari, weil wir nicht nur aus einem
offenem Auto heraus die Tiere aus der Ferne betrachten konnten, sondern selbst
durch das Wirrwarr dieses „Dschungels“ stapfend, die Affen beobachten konnten.
Leider hat das Wetter eben nicht mitgespielt, so hatte ich mir insgesamt doch
etwas mehr erhofft.
Nach dem Marsch konnten wir noch einmal im Tangayikasee
baden und haben es uns danach im Gästehaus gemütlich gemacht.
Zwar gab es nur
zu bestimmten Zeiten Strom, doch es hat gereicht, dass wir uns mit meinem
Tauchsieder Reisetüten-Essen zubereiten konnten, was mir schon vor Monaten
überraschend und sehr lieb geschickt wurde. So gab es Spaghetti, Jäger- und
Zigeunertopf und zur Krönung Hamburgerfrikadellen aus Bundeswehrbestand. Etwas
verwirrend war es schon in Tansania zu sein und eine Art Dschungel-Safari hinter
sich habend, Jägertopf zu essen, aber wir haben uns beide sehr darüber gefreut!
Vielen, lieben Dank noch einmal an die Verschicker, die so nett an mich gedacht
haben!
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| Spaghetti aus der Tüte - top! :-) |
Am Mittwoch, wieder in Kigoma haben wir uns noch ein Mal zum
Hafen und damit zur M.V. Liemba gemacht, um beim Ablegen des Schiffes
zuzusehen. Es war viel los und die meisten Menschen warteten noch draußen,
obwohl die weißen Passagiere schon ihre Zimmer beziehen durften. Nun war es
praktisch, dass wir uns vorher mit einem Sicherheitsmann angefreundet hatten,
denn so durften wir uns einfach ohne Ticket auf das Gelände begeben und uns
sogar das Schiff von innen ansehen. Schnell hatten wir jemanden gefunden, der
uns trotz des Trubels das komplette Schiff zeigte und unsere Fragen
beantwortete.
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| M.V. Liemba |
Wir durften uns von der Kapitänsbrücke, über den Maschinenraum
bis hin zu den Toiletten der 3. Klasse alles ansehen, kurz bei den Köchen
hereinschauen und nachdem wir uns mit dem Barman Alex angefreundet hatten,
konnten wir ihn sogar dafür gewinnen uns von den Sambusa probieren zu lassen.
;-)
Nachdem wir den Hafen schon wieder verlassen hatten, weil
die Gitter dicht gemacht wurden, entschlossen wir uns doch noch, bei der
Abfahrt zuzusehen und wieder löste unser Freund vom Sicherheitsdienst die
Schlösser und wir durften noch auf dem Hafengelände bleiben, um uns die Abfahrt
unter viel Qualm aus dem Schiffsschornstein aus nächster Nähe anzuschauen.
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| Unser Freund vom Siecherheitsdienst ;-) |
Obwohl ich vorher einen Roman über den Schiffsbau gelesen
hatte, hatte ich es mir nicht so groß vorgestellt. Unglaublich, was diese drei
Papenburger Männer da in Tansania wieder zusammengesetzt haben. Und nun, weil
ich das Schiff aus nächster Nähe kennen gelernt habe, verstehe ich nicht, warum
man es zurück nach Papenburg holen sollte. Nur für historische Zwecke wäre es
zu schade, weil die Tansanier es sinnvoll nutzen und für ernst gemeinte Reisen
liegt es in meinen Augen unter dem deutschen Standard.
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| Gepäck der Reisenden |
Die dritte Klasse z.B.
hat nicht einmal mehr Betten und Bullaugen, sondern besteht nur aus einem
großen Raum mit kahlen Bänken, die um die Abdeckung einer großen (sehr
wahrscheinlich viel Krach machenden Maschine) im absoluten Bauch des Schiffes
angelegt sind. Wer würde so schon gerne reisen?
Rike und ich haben uns auf jeden Fall gefreut, dass wir nach
unserer vorherigen abenteuerlichen Bootsfahrt, nicht noch eine Schiffsreise
ertragen mussten, auch wenn der See relativ still war.
Wir haben uns also wieder auf den Rückweg gemacht und unsere
restliche Zeit damit verbracht, uns Kigoma anzuschauen, und uns Fisch und
Gewürze gekauft. Meine Mutter erschlägt mich wahrscheinlich, wenn sie
mitbekommt, dass ich mich mit 1 kg Reisgewürz eingedeckt habe, was noch alles
auf dem Rückweg seinen Platz finden soll.
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Die alte, noch intakte Hafenanlage
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Am Donnerstag um 17 Uhr sollte unser Zug fahren und wir
begaben uns an den „Bahnsteig“, wo wir mit vielen anderen Menschen in der
sengenden Hitze darauf warteten, unsere Plätze einzunehmen. Weil ich mir einen
neuen Khanga hatte kaufen wollen, aber bis dahin noch keinen schönen gefunden
hatte, fragte ich eine Frau, wo sie den ihren gekauft habe, der mir sehr
gefiel. Weil sich die meisten Tansanier darüber freuen handeln zu können und
Geld zu machen, hat sie mir dann direkt ihr Tuch angeboten, was ich ihr dann
etwas überteuert abkaufen konnte. Und schwups, konnte ich noch ein schönes
Andenken aus Kigoma mitnehmen und die Frau hat sich mit mir gefreut. Schon
komisch, in Deutschland man so etwas nicht so einfach machen. ;-)
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| Links der neue Khanga |
Um 17:30 Uhr fuhr der Zug an und mit ihm Rike und ich in der
Mitte eines 3. Klasse Waggongs auf unseren abgewetzten Sitzplätzen. Unsere
großen Rucksäcke konnten wir über uns verstauen und anbinden, Handy und
mp3-Player brachten wir so gut es ging in unseren Hosentaschen unter und
hofften, dass einfach niemand unsere Taschen unter den Sitzen mitnehmen würde.
Als der Zug dann anfuhr, mussten wir feststellen, dass 1/3 des Waggons aus
einem reisenden Kirchenchor bestand, der auch prompt mit dem Einsetzen der
Maschinen das erste Lied anstimmte. Die ersten neun (!!!) Stunden der Fahrt,
also bis 2:30 Uhr nachts haben sie dann auch noch nicht einmal eine
Luftholpause gemacht und bis dahin beständig durch gesungen und die Lieder
durch Klatschen begleitet. Auch mit Ohropax ließ sich dieser „Lärm“ nicht
verbannen und wir waren dazu verdonnert ihnen zuzuhören. Aufgehört haben sie
nur, weil ein Jugendlicher eine alte Frau des Chores ansprach, warum sie denn
singen würden, dass Jesus und Gott eine Person seien, er sehe das anders. Also
ging ab dann mit einer nächtlichen Diskussion über dieses Thema weiter. Die
alte Frau schimpfte und machte viel Krach, der junge Mann versuchte sie zum
Zuhören zu bewegen. Um ca. 4:30 Uhr versuchte ein Chormitglied dem Ganzen ein
Ende zu setzen, aber die Streithähne erbaten sich noch fünf weitere Minuten.
Natürlich wurde daraus eine halbe Stunde und als der Zug gegen 5 Uhr morgens in
Tabora hielt, waren alle kaputt und müde. Stopps wurden jedes Mal von Dieben
ausgenutzt, die sich oben auf das Dach des Waggons legten und sich
herunterhängten, um von dort aus in die offenen Zugfenster hineingreifen zu können.
Jedes Mal lösten sie viel Geschrei aus, doch aus unserem Waggongs wurde keiner
beklaut.
In Tabora hielten wir insgesamt fünf Stunden lang, in denen
verschiedene Händler herumliefen und Essen, Zahnbürsten oder Werbezeitschriften
für die Satanisten verkaufen, die hier gerade „cool“ werden. Nachdem Rike und
ich gefrühstückt hatten, wurde mir zusehends übler und ich verbrachte den Rest
der Zeit am Zugfenster…Schön zu beobachten war aber, wie sich die Landschaft
auf dem Weg veränderte. Durchfuhren wir erst Palmen- und Bananenwälder, so
verwandelte sich diese Landschaft immer mehr in eine Halbwüste mit baumhohen
Kakteen. Um 17 Uhr kamen wir dann endlich in einem Ort an, zu dem wir zwar
nicht wollten, aber von dem wir dann am nächsten Morgen einen Bus Richtung
Singida nehmen konnten. Das taten wir dann auch und sind nach unserer Abreise
aus Kigoma am Donnerstag am Samstagmorgen dann endlich wieder zuhause gewesen.
Kurzum, es war eine sehr schöne Reise und Kigoma ist auch eine nette Stadt, nur
würde ich des langen Weges wegen nicht noch einmal dorthin fahren. Trotzdem hat
es sich sehr gelohnt! ;-)