Montag, 2. Juli 2012

Zurück&schon wieder weiter

Ich bin am Samstag von einem schönen, einwöchigen Aufenthalt in Kigoma und Gombe, und einer sehr beschwerlichen Hin- uns Herreise wiedergekommen und mache mich morgen nach einem vierstündigen Waschmarathon am gestrigen Sonntag, schon wieder auf eine kleine Reise! Es geht nach Mwanga zu Jonas in den Busch. Eine Straße gibt es nicht und es wird eine staubige, sehr huckelige Fahrt werden. Das letzte Mal waren wir mit allen Freiwilligen im Januar im Busch, als wir dort Olgas Geburtstag gefeiert haben. Ein halbes Jahr später steht nun mein Geburtstag fast vor der Tür und ich mache mich noch einmal auf den Weg. ;-) Beim letzten Mal bin ich mit Malaria im Blut und einer Lebensmittelvergiftung im Bauch wiedergekommen, ich hoffe, dass ich dieses Mal mehr Glück habe.

Am Fluss in Mwanga
Am Freitag werden Jonas und ich dann wieder in die Stadt fahren und hoffentlich auf Luise und Rike treffen, um kurz vor deren Abfahrt vielleicht zum ersten und letzten Mal in Singida feiern zu gehen! Am Tag darauf wartet die Hochzeit der Tochter einer Lehrerin auf mich und Jonas begleitet mich. Endlich einmal eine Gelegenheit, dass er sich in seinen maßgeschneiderten Anzug und ich mich in eines meiner neuen Kleider schmeißen kann! Und nun kann ich auch endlich einmal eine tansanische Hochzeit aus den Augen eines Gastes und nicht als Servierkraft in der Lodge meiner Gasteltern miterleben. ich freue mich und hoffe, dass die Hochzeit nicht noch kurzfristig abgesagt oder umverlegt wird, denn bisher konnte sich das Brautpaar noch nicht auf einen Ort festlegen...
Was ich in Kigoma und Gombe alles erlebt habe, erzähle ich beim nächsten Mal!


Mittwoch, 20. Juni 2012

Eine Buschfahrt...;-)


Von diesem Freitag, den 22.06. bis zum 29.06. reise ich mit Rike zusammen zum westlichsten Teil Tansanias und damit zu dem am Lake Tanganyika gelegenen Kigoma und dem dortigen Nationalpark Gombe Stream.
Für uns bedeutet das eine zweitägige An- und wieder Abreise, womit wir ganze vier Tage zum Reisen benötigen und letztendlich drei Tage vor Ort sein werden. Wir machen uns schon auf eine sehr holprige Fahrt durch den tansanischen Busch gefasst.
Doch diese Mühe scheint sich zu lohnen:
Kigoma ist die einzige Stadt Tansanias am Tanganyikasee und Schnittstelle Zentral- und Ostafrikas. Die Stadt entstand um 1912 mit dem Bau eines Bahnhofs und einer Schiffswerft. Damit wurde Kigoma Endpunkt der „Mittellandbahn“, die von Daressalam im Osten bis dorthin reicht. Im Januar 1914 erreichten die Bauteile des Schiffes „Graf Götzen“ aus Papenburg Kigoma über die noch nicht ganz fertig gestellte Eisenbahn. Im Juni 1915 erlebte das Papenburger Schiff seinen Stapellauf, wodurch letztendlich die heranwachsende Kleinstadt zu einem wichtigen Handelsort aufblühte. Das Schiff fährt nun unter dem Namen „M.V. Liemba“ und wird als Fähre eingesetzt. Es ist das größte und älteste Schiff auf allen innerostafrikanischen Seen und eines der ältesten Passagierschiffe der Welt.
Schon witzig, dass ich so weit von meiner Heimatstadt entfernt bin und doch auf etwas stoßen werde, was direkt aus Papenburg kommt. Unvorstellbar eigentlich. ;-)

Doch ist Rikes und mein eigentlicher Besuch dem Gombe Stream Nationalpark zugedacht. Der Nationalpark wurde errichtet, um die letzten zentralafrikanischen Regenwälder und die dortig lebenden Schimpansen zu schützen. Direkt am Tanganyika-See, dem längsten und zweittiefsten See der Welt und damit der tiefste Stelle ganz Afrikas, liegt das einstige Schimpansen-Reservat, das durch Jane Goodall und ihre Verhaltensforschung an diesen Tieren bekannt wurde. Der heutige Nationalpark ist nun der kleinste aber auch teuerste Park Tansanias und dient weiterhin im ersten Sinne der Forschung.
Ich darf mich nun also neben einer längeren Reise auch auf Schimpansen, einen Fußmarsch durch den tropischen Regenwald, Strände und im Tanganyika-See lauernde Krokodile, giftige Kobras, Wasserschildkröten und exotische Fische freuen. Mal sehen, was alles so anbeißt, mein Bikini reist auf jeden Fall mit! :D

Sonntag, 17. Juni 2012

Der Todesvogel


Seit ein paar Tagen übernachtet Manka, die ca. 13-jährige Tochter einer Köchin von der Lodge bei uns. Sie leidet nun schon seit drei Monaten krank und auch das Bereden/Beschreien durch einen so genannten „Evangelisten“ konnte die Krankheit nicht von ihr lösen. Als ich nachfragte, warum sie nun bei uns schlafen würde, hieß es erst, dass sie bei uns schneller wieder gesund werden würde und ihre eigene Familie zu wenig Betten hätte. Das hat mich bei meiner ständig krakeelenden und unorganisierten Familie nicht überzeugt und ich habe noch einmal genauer nachgefragt. Gestern hieß es dann, dass ein Witchdoctor Manka einen bösen Zauber auferlegt hätte. Er hätte zu Mankas Haus einen verwünschten Vogel geschickt, der, wenn er schreit den Tod eines Menschen nach sich zieht. Nachdem ich in meinem Wörterbuch nachgeschlagen habe, wusste ich, dass es sich um eine Eule handelt. Klar auch in Märchenfilmen wird in diesen Vogel gerne etwas Böses interpretiert. Er erscheint nur nachts, hat große Augen und einen schaurigen Ruf. Weil der Witchdoctor diesen Vogel direkt auf Manka angesetzt hat, kann bisher auch nur sie daran sterben. Doch zur Vorsicht schlafen nun auch ihre ältere Schwester und deren halbjähriger Bruder bei uns. Der Witchdoctor könne diesen Vogel nicht wieder zurückrufen, auch wenn er wolle. Das heißt, dass sie nun wenigstens nachtsüber bei uns bleiben muss, bis sie sicher sein kann, dass der Vogel endgültig weitergeflogen ist und sie nicht mehr mit seinem Ruf töten kann. Ob sich das nun auf ein paar Tage oder den Rest ihres Lebens erstreckt, weiß keiner so genau. Tolle Sache.

Glück im Unglück ist, dass der Vogel nur auf sie angesetzt wurde. Denn wenn man eine Eule in einer Nachbarschaft sähe, dann könne es sein, dass nacheinander immer wieder einzelne Menschen ohne Anhaltspunkt sterben würden. Mein Gastbruder Erick hat beteuert, dass er schon von vieler solcher Geschichten gehört habe und alle bestätigten mir, dass die Schwester meiner Gastmutter den magischen Kräften solch einer Eule unterlegen gewesen und gestorben sei. Wenn also zu uns hier so eine Eule fliegt, dann müssen wir demnach entweder „der Gefahr“ ins Gesicht sehen oder alle flott umziehen… ;-)

Dass Menschen in Hyänen verwandelt werden können und dann beim Töten des Tieres der eigentliche Mensch stirbt, habe ich ja schon hingenommen. Auch dass man mit Hilfe eines verfluchten Gegenstandes vom Witchdoctor seinen Ehemann verhexen kann, wenn man diesen unter sein Kissen legt, ist mir bewusst und dass die Hände eines Albinos besondere Kräfte haben, wenn man sie abhackt ist mir auch nicht neu. Aber anstatt es dabei zu belassen gibt es immer wieder Teufelsaustreibungen und nun auch noch Eulen vor denen man sich in Acht nehmen muss. Auf meine Kritik hin, dass das alles großer Humbug sei, wurde mir von allen gesagt, dass in Tansania das Umgehen von magischen Dingen eben sehr groß sei und man sich in Acht nehmen müsse. Manchmal verstehe ich sie wirklich nicht, wir leben hier ja immerhin schon in einer Stadt. Dass es im Busch und Dorf anders zugeht, das ist klar. Jonas und Olga konnten mir von einem plötzlichen Tod eines Mannes berichten, der dann letztendlich die Verfluchung seiner Ehefrau zur Folge hatte und später noch die Ahnen um ein Urteil befragt wurden. Doch obwohl die meisten Menschen sehr fromm sind und meine Gastfamilie mit einem exemplarischen Beispiel voran geht, schenken sie trotzdem bösen Geistern, Flüchen und Witchdoctors ihren Glauben, da kann man nichts machen.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Kein Alkohol ist auch keine Lösung


Das scheint sich hier so mancher Mann zu denken. In Singida ist das Alkoholproblem meiner Meinung nach nicht zu hoch, wenn doch offensichtlich vorhanden. Denn auch hier in der Stadt trifft man immer wieder Leute, die meinen sich ihren Nachmittag mit einem Tütchen Konyagi oder ein paar Bier verschönern zu müssen. Vor ein paar Wochen saß mir ein angetrunkener Mann beim Schneidern 1,5 Stunden lang gegenüber und hat mich angestarrt. Einfach so, ohne einen Grund (abgesehen davon, dass ich weiß bin); gehen wollte er auch nicht.
Als Lucia (Hausmädchen) und ich dann letztens mit dem Handwagen bei der Lodge Wasser geholt haben, kam eben jener Mann zu mir und wollte mit mir reden. Wie ich dann herausfand, wohnt er in meiner Nachbarschaft. Er hatte sich in der Lodge mit seinem Freund betrunken, was ihm auch sichtlich anzumerken war. Erst habe ich ihn versucht abzuwimmeln, zum Schluss bin ich einfach nicht mehr auf ihn eingegangen. Sein Freund, dem das Ganz ein bisschen unangenehm war, obwohl auch er getrunken hatte, kam dann auch noch und hat mich zugeredet, wie sehr es ihm doch Leid täte. Da sei ich extra aus Las Vegas gekommen, um hier Urlaub zu machen, würde ja gar nicht verstehen, was der Betrunkene mir sagen wolle und nun müsse ich mich mit ihm herumschlagen. Manchmal ist es schon ganz lustig, wenn manch einer denkt, dass ich, weil ich eine andere Hautfarbe habe, direkt aus den USA komme. Wahrscheinlich kommen für ihn auch einfach alle „Weißen“ aus Las Vegas, weil er bisher noch von keiner anderen Stadt gehört hat.
Ein lustiges Bild gaben diese beiden Betrunkenen schon ab, auch wenn sie uns auf den Keks gegangen sind und auf jegliche Bitten uns in Ruhe zu lassen, nicht reagiert haben.

Letztens als ich mit Luise und Rike auf dem Markt nach Stoffen gesucht habe, kam ein betrunkener Mann in Lumpen auf mich zu. Viele Menschen fragen uns nach Geld, weil unsere Hautfarbe verkündet, dass wir aus einem reichen Land kommen und somit auch selbst viel Geld haben müssen. Auch wenn man von außen sieht, dass wir in unserem Alter wahrscheinlich noch kein Geld selbst verdienen, werden wir immer und immer wieder nach eben diesem gefragt und können nur schlecht glaubwürdig machen, dass wir keinen Goldesel im Keller stehen haben. Diesen Mann schien das nicht zu interessieren und er blieb knappe 15-20 cm vor meinem Gesicht stehen. Das war mir eindeutig zu nah. Als ich mich bewegte, bewegte er sich auch, gruselig. Ich versuchte von ihm wegzugehen, doch mit seiner Nase unweit entfernt von meiner, ging er mit mir mit. Zum Glück haben mir gleich ein paar Leute geholfen, doch es war schon eine komische Situation. Gut ist, dass man sich fast immer sicher sein kann, dass sie nichts Böses im Schilde führen und das Betrunkene zwar gegenwärtig sind, aber nicht geduldet werden, wenn sie andere belästigen.

Doch in den Dörfern ist die Situation meist verschärft. Luises und Rikes ungefähr 27-jähriger Gastbruder Donald ist Alkoholiker und belastet damit die ganze Familie. Zwar wohnt er nicht zuhause, kommt nur zum Essen vorbei und sagt auch immer mal wieder, dass er mit dem Trinken aufhören möchte, doch schön ist das trotzdem nicht. Durch Donald ist das Problem noch einmal mehr präsenter, doch auch im Dorf selbst begegnet man immer wieder Betrunkenen. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um Männer. Manchmal habe ich gar nicht bemerkt, dass jemand völlig betrunken war und habe durch eine Frage uns damit jemanden für eine halbe Stunde aufgeschwatzt. Da kann man machen, was man will, derjenige folgt einem dann auf Tritt und Schritt und redet einen zu.
Nerviger wird es dann, wenn man sich einfach nur einmal gemütlich zu einer Soda in ein Café setzten will. Da schauen einen sowieso schon alle blöd an und dann gesellen sich noch die Betrunkenen zu einem. Ohne zu fragen, setzten sie sich mit an den Tisch und starren einen an. Bei diesen Blicken ist es nicht einfach sich nur auf das eigene Gespräch zu konzentrieren und demjenigen durch Ignoranz mitzuteilen, dass man lieber alleine sein möchte. Waren wir den einen los, kam der nächste schon auf uns zu. Der sah unsere leeren Sodaflaschen, ging zum Kühlschrank des Cafés, bediente sich selbst und stellte uns zwei neue Cola auf den Tisch. Der Bedienung gefiel das zwar nicht, doch sie wollte uns auch nicht helfen. Also mussten wir dem Mann klarmachen, dass wir keinen Durst mehr hätten und ja, wie seien auch beide verheiratet. Als ein neuer angetrunkener Gast kam, wollte er uns ebenfalls neue Soda ausgeben, während ein anderer Mann uns vom Nachbartisch ohne zu blinzeln und mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Wenn man dann fragt, ob oder warum er uns anguckt, dann lautet die Antwort nur, dass er das nicht tun würde und guckt uns weiter an. Irgendwann waren wir es dann satt und sind gegangen. Leider enden so mehrere Cafébesuche… Tja, spannend, was man hier alles erleben kann. Nach diesem Jahr werden wir Freiwillige dann noch einmal ganz anders gewappnet sein….

Montag, 11. Juni 2012

Mitihanis



Weil am 22.06.2012 bei uns die zweiwöchigen Ferien beginnen, schreiben wir gerade in der Schule unsere Halbjahrestests. Diese so genannten „Mitihanis“ bestehen aus 25-50 Fragen, bei denen es sich meist nur um Ankreuzantworten handelt. Trotzdem sind sie aber so schwer gestaltet, um die Schüler auf die vom Government gestellten Abschlussarbeiten der 7. Klasse vorzubereiten, dass meine Schüler trotz zweiwöchiger Wiederholung leider nicht glänzen konnten. Mit dem Ergebnis bin ich trotzdem einigermaßen zufrieden, schließlich müssen alle Kinder von der 1. bis zur 7. Klasse, egal welchen Alters, innerhalb von drei Tagen Prüfungen in neun Schulfächern ablegen, demnach drei Tests pro Tag. Ganz schön hart, wenn man bedenkt, dass sich ein siebenjähriges Kind somit bis zu fünf Stunden mit kurzen Pausen auf Tests verschiedener Fächer konzentrieren muss.
Mein Arbeitsplatz in der Schule
Da kann ja kaum etwas Gutes dabei herauskommen. Zeit zum Lernen bekommen die Schüler auch nicht, weil sie so gut wie nie vorher über die anstehenden großen und wichtigen Abfragen informiert werden. Die erfolgende Note bestimmt dann zu einem großen Teil die Zeugnisnote. Mündliche Noten werden nicht gegeben, das wäre auch eine Überforderung bei so einer großen Schülerzahl. Doch die Noten von geschriebenen wöchentlichen und monatlichen Tests werden von manchen Lehrern leider auch nicht aufgeschrieben, sodass diese kaum eine Rolle spielen. Ziemlich unfair für die Schüler und die Lehrer machen es sich sehr einfach.
Englischtest der 4. Klasse
Vor der Fertigstellung der Zeugnisse werde ich noch einmal mit dem Schulleiter reden und hoffen, dass ich zumindest für meine Klassen die Noten aus Aufgabenkontrollen, Vokabeltests usw. mit einfließen lassen kann.

Doch bis dahin warten noch um die 120 Klassenarbeiten darauf, korrigiert zu werden. Da ist es dann schon wieder gar nicht mal so schlecht, dass es sich nur um Ankreuztests handelt, auch wenn ich den Schülern etwas anderes wünschen würde. Denn viele verstehen die Aufgaben gar nicht und kreuzen wild irgendetwas an. Weil sich meist drei Schüler eine Bank teilen, erleichtert das auch noch einmal das Abschreiben. Das Gehirn brauchen sie also bei diesen „wichtigen“ Tests kaum…

Samstag, 2. Juni 2012

Sporttag in der Schule



Weil bald ein Wettkampf unter verschiedenen Grundschulen stattfinden soll, trainieren momentan alle Klassen im Fußball, Volleyball und Rennen.
Die Mädchen der 4.-7. Klasse treten gegeneinander an
Normalerweise haben wir gar keinen Sportunterricht, deswegen haben wir ganze 2,5 Schultage für den Sport genutzt, in denen mir wertvolle Stunden für die Vorbereitung der Halbjahresexamen verloren ging. Aber gut, wenn die SchülerInnen auch mal die Möglichkeit haben, etwas Sport zu machen.

Am Start
Die Schüler haben sich nicht extra Sportsachen angezogen, sondern haben in ihren Schuluniformen Sport gemacht, weswegen die Mädchen dann auch alle in Röcken antreten mussten.
Weil die anderen Lehrer sich schön an den Rand gesetzt haben, um die freie Zeit zum Plaudern und Erdnüssepellen genutzt haben, habe ich mich zu den Kindern gesellt und bin letztendlich selbst gegen die Mädchen meiner 6. Klasse – auch im Rock –  im 100 Meter Sprint angetreten.
Die etwas faulen, aber sehr lieben Lehrerinnen (links im Bild meine "Ersatzgastmama")
Man sagt nicht umsonst, dass Afrikaner gute Läufer seien, denn sie haben mich zum Schluss doch noch alle überholt… Dafür habe ich den Zuschauern im Scherz vorher gedroht, dass wenn sie lachen würden, wenn ich verliere, sie alle einen Berg Hausaufgaben aufbekommen würden. ;-) 
Da lohnt es sich doch mal, Lehrer zu sein. Die Schüler waren auf jeden Fall begeistert, dass endlich auch mal ein Lehrer mitmacht, anstatt nur Tee zu trinken. Denn die hängen meist träge herum und ich glaube nicht, dass sie überhaupt noch im Stande zu einem leichten Trab wären. Dafür hatte ich aber auch noch zwei Tage später Muskelkater… ;-)

Schüler aus meiner 6. Klasse

Mzungu amepata kizunguzungu


Seit dem  07.05.2012 arbeite ich nun montags und freitags in einer Dispensary, die von LAHFA (Love and Hope for Africa) aus Deutschland gegründet wurde. Deswegen ist sie auch ein bisschen besser ausgestattet als die normalen tansanischen Gesundheitsstationen. Meine Aufgabe besteht eigentlich darin, an der Rezeption Patienten ins System aufzunehmen und deren Gewicht und Blutdruck zu messen.

Amos & ich an der Rezeption
Doch mittlerweile durfte ich auch schon zweimal bei einer Operation zusehen. Bei beiden Malen wurde ein Lipom, ein gutartiges Gewächs, entfernt. In voller OP-Montur durfte ich direkt dabei sein, als die Schulter einer Frau geöffnet wurde und ein fastgroßer „Fettklumpen“ entfernt wurde.
Das Gewächs wird entfernt
Das war sehr eindrucksvoll, nur wurde Amos (mein nun ehemaliger Mitrezeptionist) etwas flau, für mich war es komischerweise kein Problem, das hätte ich nicht gedacht.
Beim zweiten Mal hatte ich nichts anderes erwartet. Doch das Gewächs saß tiefer als gedacht und von einer lokalen musste zu einer Vollnarkose gewechselt werden. Das Narkosemittel veranlasste zwar, dass die Patientin keinen Schmerz spürte, doch hielt sie  nicht davon ab, mit halb geöffneten Augen immer wieder lauthals zu brüllen, dass es ihr wehtun würde, sie Jesus lieben würde und dieser sie gerettet habe. Trotz eines späteren Beruhigungsmittels und eines anderen Narkosemittels wollte diese Frau nicht aufhören zu schreien. Nach geglückter OP haben wir sie dann in ein Bett im Schlafraum gehievt und
Esther und ich nach der OP
die Krankenschwester hat mehrmals versucht, ihr einen neuen intravenösen Zugang zu legen, während ich den Tropf hielt. Die Schwester konnte keine geeignete Ader finden, die Patientin hat weiter geschrieen und ich stand immer noch, nach einer schlecht geschlafenen Nacht und mit noch leerem Magen neben ihrem Bett und habe die Tropfflasche gehalten. Und während die Schwester immer wieder im Arm der Frau herumstocherte, wurde mir dann plötzlich schwarz vor Augen…
Für den nächsten Gebrauch wird alles wieder sterilisiert
Ein schlechter Wortwitz, aber ich konnte die Flasche gerade noch abgeben, bevor ich mich komplett schwindelig in das Bett neben der Patientin legen musste^^.
Daraufhin hieß es dann: „Mzungu amepata kizunguzungu“, der Weißen wurde schwindelig…

Doch nach ein paar Chapati zur Stärkung ging es mir bald wieder besser und bei nächster Gelegenheit schaue ich auch wieder gerne im OP vorbei! Nur mein Mitleider Amos hat leider seine Arbeit in der Dispensary wegen seines baldigen Studiums beendet und nun sitze ich wieder alleine an der Rezeption.

Abschiedsfoto mit dem Staff für Amos