Mittwoch, 9. November 2011

Send-off-Party in der Lodge meiner Gasteltern

Weil Luis und ich schon öfter beim Essenausgeben bei Festen in der Lodge meiner Gasteltern geholfen haben, wurden wir auch für letzten Freitag wieder gefragt. Die beiden Freiwilligen aus Iguguno (Luise und Rike) haben uns an dem Wochenende besucht und haben auch mitgeholfen. Hier in zwei Fotos dazu:
Der festlich geschmückte Saal
Ich, Luis und Luise in unserem doch schon bescheuert aussehenden Servier-Outfit. Das in meinem Gesicht ist keine Kriegsbemalung, sondern nur ein Schatten, also nicht wundern. ;-)

Dienstag, 8. November 2011

Fotos zu meiner Arbeit im Children's Center

Hier ein paar Bilder von meiner Arbeit im "Outreach International Children's Center Singida":

Elisabeth und Rachel, die beiden Köchinnen. Hinter ihnen die großen Öfen und Töpfe, in denen jeden Tag das gleiche Reisgemisch für die Kinder gekocht wird.

Vorbereitete Teller, die auf die Kinder warten


Die um die hundert kleineren Kinder kommen aus dem Kindergarten und der Grundschule in der ersten Runde dran, später kommen die älteren.

Die Küche mit Theke, wo Luis und ich das Essen ausgeben.

Der Becherschrank und zwei Schülerinnen, die uns zwar ordenltich nerven, aber auch helfen. ;-)

Die Kinder warten auf ihr Essen. Sicht aus der Küche heraus.


Die Kinder bekommen ihr Essen

Nachhilfe im Center. Ich lasse gerade einen Test über "Time telling", also das Uhrzeitenlesen schreiben.
Eine Kopfbedeckung ist Pflicht, nur dass es gleich eine Mütze mit der ganzen Obama-Familie sein muss...
Und noch einmal Luis mit Obama

Rachel bei der Essensausgabe, normalerweise machen wir diesen Job.


Die täglich gekochte Reismischung kommt in tausenden solchen Paketen aus den USA von "Outreach International" und anderen Organisationen an.


Ein kleiner Karton der Hilfslieferungen aus den USA

Einer der Kartons der drei Organisationen, die das Center unterstützen

Montag, 7. November 2011

Die Erde wird nass

Gestern, am Sonntag, den 06.11.2011, haben mein Gastbruder Justo und meine neue Zimmerpartnerin und Gastcousine Helena, Luis und mir den zweiten See in Singida gezeigt. So genannter „Lake Kindai“ war längst  nicht so schön wie der See, den wir am letzten Sonntag kennen gelernt hatten (siehe mein Blogeintrag) und wir mussten durch Schlamm, Schlick und Kuhdung  waten, um zum See vorzudringen. Als wir nach bestimmt einer Stunde Fußweg, statt den vorausgesagten 10 Minuten, ankamen, machten sich am Himmel bereits dunkle Wolken bemerkbar.
Die einzige Palme am ganzen Strand, aber wir haben sie gefunden! ;-)

Der Himmel wurde schon etwas dunkler...
 Justo, der sich, seitdem er heldenhaft eine Küchenschabe aus meinem Zimmer entfernt hat, gerne mal in die Brust wirft, meinte, dass er ein sehr guter „Wettervorhersager“ sei und dass uns der Regen erst in der Nacht erreichen würde. Luis und ich waren etwas skeptisch, aber weil wir bis jetzt immer mehr den Menschen selbst als irgendwelchen anderen Wettervorhersagen trauen konnten, vertrauten wir meinem Gastbruder. Als wir von weiter weg dann schließlich ein Grollen hörten, haben wir dann doch etwas mehr Druck gemacht und uns auf den Rückweg begeben. Dieser führte unter anderem über Eisenbahnschienen, die noch von den Deutschen kurz vor dem 1. Weltkrieg gebaut worden waren. Seitdem hatte man daran auch nicht mehr gearbeitet.

Jedenfalls fing der Regen schon an, als wir uns gerade erst einen Weg durch eine Art Dörfchen bahnten. Ich hatte mir schon ausgemalt, dass wir nachher irgendwo unterschlüpfen müssten, doch es ging weiter durch den Regen. Als wir dann irgendwann in der Stadtmitte ankamen, wurde der Regen dann so doll, dass selbst mein Gastbruder es langsam einsah, dass wir uns besser irgendwo unterstellen müssten. 
Der Himmel zieht sich langsam zu, vor uns ein Friedhof

Der Weg vom See aus nach Hause
 Am Straßenrand hatte eine Gruppe älterer Muslime eine Plane aufgestellt und sich darunter zum Dame-Spiel getroffen. Es drängten sich zwar schon mehrere Passanten unter dieses Abdach, doch wir fanden auch noch Platz. Bevor das Gewitter dann zu seinem Höhepunkt auflief, hatte ich bereits einen Platz auf der kleinen Bank zugewiesen bekommen und ein alter Herr lächelte mir ins Gesicht und fragte, ob ich „Draft“ kennen würde, so heißt das Spiel in Tansania.
Während sich immer mehr Leute um uns scharrten, polterte das Gewitter immer weiter. Als der Regen dann ein kleines bisschen weniger wurde, liefen wir in unserer Vierergruppe weiter Richtung Zuhause. Um was für Wassermassen es sich wirklich handelte, haben wir dann gesehen, als wir über einen Busplatz liefen, der leicht schräg angelegt war. Das Wasser floss schnell und in braunen, strömenden Bächen vom Platz in die Schlote neben der Straße. Wir mussten natürlich darüber springen, was sich mit nassen, dreckigen Füßen in nassen Flip-Flops als sehr glitschig und unpraktisch erwies.
Letztendlich haben wir uns dann vor dem Regen und dem tosenden Gewitter in eine mehrstöckige Bar retten können, die zusätzlich noch an einem Felsen gelegen ist. Wir haben uns dann ganz nach oben in einen kleinen Nebenraum gesetzt, der uns durch seine schwache Beleuchtung und Tapete eher an einen Hinterraum für Drogenhandel erinnerte. ;-) Doch man hatte einen schönen Blick über die ganze Stadt und konnte jeden Blitz über den Himmel zucken sehen, was für ein Anblick!

Wir saßen also in diesem winzigen Raum, Justo hat uns eine Soda ausgegeben (Sammelbegriff für Cola, Fanta, Sprite usw.) und während ich Luis gerade etwas erzählte und „Stromausfall“ sagte, ging in GENAU diesem Moment in der ganzen Stadt das Licht aus! Das war wirklich Ironie. xD
So saßen wir nun alle in der Dunkelheit und konnten von dort oben, die im Sekundentakt zuckenden Blitze und den dann kurz lila scheinenden Himmel sehen. Zum Glück fing kurz später der Generator an zu arbeiten und der Regen hört auf. So konnten wir uns auf den Rückweg begeben. Allerdings war die ganze Stadt dunkel und wir konnten die Pfützen nur sehen, wenn gerade ein Auto oder ein „piki piki“ (Motorrad-Taxi) vorbeifuhr. Luis konnte dann auch eines erwischen und musste sich nicht mit seinem Rad durch den Schlamm nach Hause kämpfen. Justo, Helena und ich hüpften weiter über Pfützen und erreichten dann auch irgendwann das Haus. Ziemlich durchnässt und mit einer ersten Gänsehaut seit meiner Ankunft, schöpfte ich mir etwas kaltes Regenwasser aus einem herumstehenden Topf (aufgeräumt wird hier nicht so oft) in einen Eimer zum Duschen. Weil ich vor ein paar Tagen ein Paket von meinen Eltern bekommen habe, was unter anderem einen Wasserkocher (!) enthielt, konnte ich mir so Wasser zum Duschen heiß machen. J Als ich wieder aus meinem Zimmer kam, hatte sich Justo zwar schon meinen Eimer und mein Wasser „ausgeborgt“, aber irgendwann konnte ich dann doch „duschen“.
Als ich mich gerade umgezogen hatte, fing es wieder stark zu regnen an und auch der Strom versagte. Zum Glück kam dieser dann schon bald wieder und die Hausmädchen waren in der Lage draußen unter dem Abdach Spaghetti (!) zu kochen. Etwas anderes hätte unter diesen Wetterbedingungen auch zu lange gedauert. Nachdem jeder seine Portion innerhalb weniger Minuten verschlungen hatte, ging es schnell wieder in das eigene Zimmer, um sich vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Mit einiger Mühe und Unterbrechungen funktionierte mein Internet dann irgendwann und ich konnte den Abend mit meinem Laptop verbringen.

So viel zum gestrigen Tag…

Heute Morgen regnet es immer noch dicke, schwere Tropfen, was die meisten Sandwege nur schwer passierbar macht. Ich habe zwar erst zur zweiten Stunde Unterricht, soll aber trotzdem immer zur ersten Stunde da sein, und habe mich deswegen ganz normal fertig gemacht. Glücklicherweise habe ich alles Waschzeug und Brot und Butter in meinem Zimmer, sodass dies auch so problemlos ging. Zum Zähneputzen habe ich Regenwasser genommen, die Zahnpasta musste ich mehr oder weniger vor meiner Zimmertür ausspucken, bzw. habe mich nachher dann in Regenjacke und Angler-Hut geschmissen. Mkunde, meine 7-jährige Gastschwester, ist währenddessen singend und feixend mit einem großen Regenschirm an mir vorbeigelaufen und hat mein etwas bescheuert aussehendes Outfit bestaunt. xD
                                          
Ich habe mich danach dann zu meiner Gastmutter und meinen vier Gastschwestern in den „Sitting-Room“ gesetzt und sie gefragt, wie ich denn zur Schule kommen würde. „Abwarten und Porridge trinken“, hieß es dann. Nebenbei stelle sich heraus, dass gestern ein Feiertag gewesen sei und dieser heute nachgefeiert werden würde, demnach wäre heute gar keine Schule. Nachdem mir dies alle bestätigt hatten, die Mädchen aber trotzdem alle ihre Schuluniform anhatten, habe ich meinen Schulleiter angerufen, der meinte, dass dem nicht so sei. Ich solle den Regen abwarten und mich dann aber auf den Schulweg machen.
Blick aus meiner Zimmertür, leider sieht man den Regen selbst nicht, er ist aber da. ;-)
 Weil noch kein rasches Ende des Regens hervorzusagen ist, habe ich mich wieder in mein Bett und unter meine Fleecedecke verkrochen und schreibe eben diesen neuen Blogeintrag.
Ich erlebe Tansania, bzw. Singida gerade noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise:
Wenn ich bisher wusste, dass sich alles von einer auf die andere Minute ändern kann, bzw. ich durch schlechte Information oft erst als Letzte von den meisten Dingen erfahre, so konnte ich bisher immer auf das Wetter zählen. Doch jetzt sitze ich in meinem Zimmer und lausche dem klatschenden Regen, der auf einmal eine ganze Stadt lahm legt. Laut meiner Gastfamilie begebe sich bei diesem Wetter verständlicherweise keiner freiwillig nach draußen, die Läden, Schulen usw. seien geschlossen und jeder warte erst einmal ab.
Der Regen fällt hier auch in so dicken, schweren und lauten Tropfen, dass man binnen Sekunden komplett durchnässt ist. Irgendwie noch einmal anders als in Deutschland.
Furchen im Boden vom Wasser
Ich habe zwar eine Regenjacke, aber damit bin ich wahrscheinlich die Einzige. Und wenn das Wasser in neu entstandenen Bächen überall fließt, dann möchte ich auch nicht die Erste sein, die sich auf den Schulweg macht. Helena meinte gerade, dass diese Art von Regen sogar bis zum Abend dauern würde. Jetzt ruft gerade eine Lehrerin an, dass ich doch kommen soll, obwohl mein Schulleiter und meine Familie etwas anderes sagen. Es ist schon verwirrend. Na, dann werde ich mich mal auf den Weg machen, mein Fahrrad aber lieber hier stehen lassen…

Donnerstag, 3. November 2011

Mein Start in den Tag

Leider habe ich bisher erst wenige Nächte komplett durchschlafen können, da der Lärmpegel zu jeder Tages- und Nachtzeit enorm sein kann. Man wundert sich, denn selbst durch meine tollen Ohropax, ohne die ich schon lange verrückt geworden wäre, kann ich das schreiende Gebete, das am Wochenende morgens um 5:30 Uhr losgeht und mit Unterbrechung bis 2:00 Uhr nachts dauern kann, hören. Mein Wecker klingelt also um exakt kalkulierte 6:37 Uhr :P unter der Woche. Dann kommt es ganz darauf an, wie viel Schlaf mir meine Nachbarschaft gegönnt hat, wie lange ich für den Prozess des „Aus-dem-Moskitonetz-Schälens“ brauche. ;-)

In der nächsten Stunde entscheidet sich dann ganz schnell, was ich für einen Start in den Tag habe:
  1. Ob mein Brot oder meine Bananen über Nacht verschimmelt sind.
  2. Ich in der Nacht überhaupt einigermaßen schlafen konnte.
  3. Wie viel Mühe sich der Muezzin und die umliegenden Gemeinden mit ihrem Gebrüll geben (Ich höre sie alle ab 6 Uhr  morgens über mehrere Stunden lang durch mein geschlossenes Fenster und meine Ohropax!)
  4. Ob ich auf der Suche nach einem Teller an geköpften Hühnern und ihren gerupften Überresten vorbeilaufen muss, die Katzen Hühnerkrallenfangen spielen und ich beim Spalten des Hühnerkörpers mit Knochenzeugs bespritzt werde… (Dies ist ca. zwei mal pro 14 Tage der Fall, gerade ist es wieder soweit.)
  5. Ob ich überhaupt einen Teller zum Frühstücken finde, denn eine Ordnung gibt es in der Küche nicht und abgespült wird immer erst vor den Mahlzeiten, wenn es unvermeidbar ist.
Weil die Kinder um diese Uhrzeit bereits gefrühstückt haben, was meist unter lautem Geschrei und Gehaue schräg gegenüber von meiner Tür im Stehen stattfindet und auch sonst keiner Interesse oder Zeit für ein gemeinsames Frühstück hat, gehe ich mit meinem eroberten Teller wieder zurück in mein Zimmer. Mein Frühstück bestand zu Beginn meiner Zeit hier nur aus einer Banane, mit meinem ekeligen Malaria-Prophylaxepulver (Zermörserte Blätter der Artemisia annua anamed), nach zwei Wochen kam Rohrzucker dazu, den ich mir immer noch fleißig bunkere.

Zerdrückte Banane mit meiner Malaria-Prophylaxe
Dann wiederum konnte ich Weißbrot-Toast ergattern, das leider oft vielmehr nach Plastik als nach Nichts schmeckt. Also wechselte ich lange Zeit zwischen braunen Bananen mit Zucker und Pulver und einer Scheibe Toast mit Zucker und Pulver ab. Weil der Schwarztee immer mit dem normalen, nicht abgekochten Wasser, zubereitet wird, gab es dazu für mich mein Plastikflaschen-Wasser.
Ein normales Frühstück für Gäste, würde ich sagen: Toast, Maragrine, brauner Zucker und Chai.



Schon bald habe ich mir dann eine Marmelade gekauft, die zum einen eine ganz komische Farbe und Konsistenz hat und zum anderen, einfach nicht schmeckte. Nach der Hälfte habe ich aufgegeben und sie den Kindern geschenkt.
Nach einem Frühstück bei Luis, bei dem es u.a. auch Honig und Erdnussbutter gab, habe ich meine Gastmutter danach gefragt. Daraus geworden ist leider nichts, aber als ich nebenbei einmal in der Schule erwähnt habe, dass ich gerne Honig auf meinem Brot essen würde, hat mir am nächsten Tag eine Lehrerin ein wenig mitgebracht. Dunkelgelber, fruchtiger Honig aus den umliegenden Dörfern Singidas, weltklasse!
Am nächsten Tag hatte meine Familie vergessen, mir Brot oder eine Banane zu kaufen, aber meine Malaria-Prophylaxe musste ich trotzdem morgens einnehmen. So konnte ich glücklicherweise einen Löffel Honig mit dem Pulver essen. Immerhin ;-).
Rechts die kleinsten Bananen, die ich hier bisher gesehen habe.
Und man beachte die Fliege, die ich im Flug fotografieren konnte.
Nach einer Woche täglichem Erinnern habe ich jetzt sogar ein Pöttchen Margarine bekommen. Dass sie gesalzen ist, fand ich am Anfang noch etwas komisch, aber sie reicht dadurch auch ohne weiteren Brotaufstrich. Durch ein Missverständnis, als ich eines der Kinder nach Butter gefragt habe, habe ich einen Rest Johannisbeer-Marmelade bekommen. Eigentlich mag ich die nicht, aber diese hier schmeckt echt gut. Also noch einmal ein Zugewinn! Als der Honig dann aufgebraucht war, habe ich schweren Mutes mein mitgebrachtes Nutellaglas geöffnet und freue mich nun jeden Morgen (und manchmal auch nachmittags^^) über ein oder dann doch schon mal mehrere Toast mit Nutella. Lecker!

Ein Nutellabrot, ein Traum :-)
                          Einmal habe ich sogar Mandazi-Donuts bekommen, das war wirklich klasse!
Nutella, Blue-Band-Margarine und kleine Donuts
Manchmal haben die Kinder am Abend auch Mandazi gemacht, beliebig große, in Fett gebackene Teigstücke. Doch leider haben sie das noch nicht richtig drauf und man kann durch die harte Fettkruste kaum beißen. Aber wenn man sie direkt am nächsten Morgen isst (und dann am besten mit Nutella) schmecken sie vorzüglich. Sie liegen durch das ganze verwendete Öl nur eben schwer im Magen.
Mandazi, bevor sie ins kochende Fett getaucht werden.
Ein mehr oder weniger schlechtes Foto von Mandazi,am Glanz zu erkennen ist aber,
wie viel Fett für die Zubereitung gebraucht wird.
Dann habe ich durch Zufall gesehen, dass im „Wohnzimmer“ ein braunes Brot lag. ich habe direkt gefragt, ob ich das einmal probieren könnte. Mir wurde von allen dringlichst davon abgeraten, weil es keinen Zucker enthalte, nur der Vater würde es mögen, Ich habe es getestet und nun eindeutig für mich eine klasse Alternative zu dem weißen Toastbrot gefunden. Braunes Toastbrot!
Leider kann man es nur in bestimmten Lädchen kaufen und auch nicht zu allen Tageszeiten. Deswegen gab es für mich schnell wieder Weißbrot. Mein Gastbruder Justo und ich gehen momentan so gut wie jeden Abend noch los und kaufen Bananen, Tomaten oder Brot, so konnte ich dann einmal sogar „Brötchen“ bekommen. Die sind natürlich auch anders als daheim und auch aus Weißmehl, aber viel leckerer (und riesig)!
Gestern habe ich dann ein Paket von daheim bekommen und so auch ein Glas Zimt und Mamas selbst gemachte Himbeermarmelade. Letztere werde ich wohl erst öffnen, wenn mein Nutella aufgebraucht ist, aber den Zimt (mein Lieblingsgewürz, was ich in Deutschland auch schon immer zu allem gegessen habe) nehme ich jetzt schon mit der Margarine als Brotaufstrich.

In der großen Pause in der Schule, gegen 11 Uhr, wenn ich dann nach den paar Scheiben Toastbrot am Morgen schon fast wieder vor Hunger umkomme, gibt es eine ganz tolle Lehrerin, die sich als meine „Ersatz-Mutter“ ansieht und für mein leibliches Wohl sorgt. Neben dem frisch zubereiteten Ingwertee, den es in der Schule jeden Tag gibt, schickt sie Schüler los, um entweder Mandazi (und zwar viel bessere als die von meinen Gastkindern;), Chapati, Dengu (erst gestern kennen gelernt, frittierter Teig mit Zwiebeln), Kitumbua (aus Maismehl und frittiert), komischen Sandkuchen, Popcorn, eine Banane oder eine Mango zu kaufen. Am meisten freue ich mich über eine Mango, Chapati oder Mandazi, die sind mir bisher noch nicht zu viel geworden. ;-)
Ein abslouter Glückstag in der Schule: Mangos, Banane und ein Stück Wassermelone.
Kam leider aber erst so einmal vor. ;-)
Ich konnte am Anfang mein Glück kaum fassen, aber sie hat mir einfach angesehen, wie schlecht ich mich ohne ein Pausenbrot konzentrieren konnte. Denn zu Beginn wusste ich mir nicht wirklich selbst zu helfen, weil ich durch meine Familie nicht die Möglichkeit bekomme, mir eine Art Pausenbrot mitzunehmen. Bananen, die ich mir für die Schule eingesteckt hatte, stellten sich dort meist als verschimmelt heraus. Auch Möhren, die ich zeitaufwendig mit meinem Buttermesser geschält hatte, waren oft vergammelt.
Mittlerweile kalkuliere ich meine tägliches Brotbudget von vier Toast pro Tag, die ich von meiner Familie zum Frühstück bekomme, so, dass ich entweder schon satter als früher zur Schule komme, oder mir, dank angekommener Brotdose aus Deutschland, zur Schule mitnehme.
Doch ab jetzt muss ich schon für mein Zweites Frühstück bezahlen, „Ersatzmutter“ hin oder her. Das ist grundsätzlich kein Problem, aber dann überlegt man es sich schon noch einmal, wie viel Geld man täglich extra dafür ausgeben möchte/kann.
Bei dem braunen Brot lohnt es sich auch, sich das für die Schule einzupacken, da es den Hunger immerhin etwas mehr als das Weißbrot stillt und auch nicht sofort zerbricht. Solange ich das öfter bekommen kann, habe ich damit eine gute Lösung für länger gefunden.

In den nächsten Tagen versuche ich endlich einmal etwas über einen ganze normalen Tagesablauf zu schreiben, aber jetzt gerade fragt mich mein Gastbruder Justo, ob ich ihn auf unseren abendlichen Ausflug, um Brot u.äh. zu kaufen begleite. Er macht in seinem gelben Eichhörnchen-Schlafanzug schon einen drolligen Eindruck, wenn wir in völliger Dunkelheit von Shop zu Shop gehen, um herauszufinden, ob es vlt. doch heute braunes Brot zu kaufen gibt. :-) Nach dm Wochenende gibt es hoffentlich mehr von mir zu hören! :-)

Sonntag, 30. Oktober 2011

Lake Singidani, hier in Singida

Heute hat uns mein Gastbruder Justo (der mit dem netten Schlafanzug) den einen der beiden Seen hier in Singida gezeigt. Wir haben den ganze Nachmittag dort verbracht und ich meine ganze 2 GB-Speihcerkarte voller schöner Fotos vollgeknipst. So eine schönen Ort hatten wir vorher in ganz Singida noch nicht gesehen: Kein Lärm, kein Massenandrang, leichter Regen und schöner Wind zwischendurch, ein Regenbogen und viele schöne Eindrücke...Solche Momente braucht man dann auch wirklich, wenn man danach wieder die Stadt aushalten können muss. Hier in paar Fotos, von unserem Nachmittag:

Luis und ich sitzen auf einem Einbaum vor dem See

Einbaum im Wasser

Sonnenuntergang :-)
Im Hintergrund sieht man einen Mangobaum :-)
Noch einmal das Böötchen
Ich vor dem Hintergrund der anderen Uferseite
Der See und...mein Schatten.

Erster, leichter Regen und tada...! Ein riesiger Regenbogen!

Leichte Verwechslungsschwierigkeiten

Normalerweise bekommen Luis und ich mehrmals am Tag gesagt oder hinterher gebrüllt, dass wir „Mzungus“, also Weiße seien. Mittlerweile gehört das schon zum Alltag dazu, auch wenn es uns wirklich auf die Nerven geht.
Doch als ich letztens einmal mit einer Lehrerin durch ein paar abgelegenere Gassen gelaufen bin, da hat mir ein Kind ganz laut „Albino“ entgegen geschrieen und hat sich dann schnell versteckt. Das war schone eine recht lustige Sache, denn Albinos habe ich hier zwar schon ein paar gesehen, aber ihre Herkunft kann man ihnen dann doch ansehen. Für einen Albino-Afrikaner ist es, so wurde mir dann von der Lehrerin erklärt, nicht nur oft demütigend, sondern sogar gefährlich, anders zu sein. Denn laut Tradition sind Albinos entweder auf irgendeine Art gefährlich, bzw. bringt es auch einfach Glück, einem Albino die Hände abzuhaken. So läuft dieser immer Gefahr eines Tages jemandem zu begegnen, der diese traditionelle Drohung wahr macht.
Da habe ich es dann doch lieber, wenn die ganze Straße „Mzungu“ ruft, als dass ich irgendwann keine Blogeinträge mehr schreiben kann, weil ich meine Hände einem kulturellen Ritus opfern musste….

Während ich für einen Albino gehalten wurde, rief man Luis letztens „Araber“ hinterher. Er hat von Natur aus eine leicht dunklere Hautfarbe und dunkle Haare, aber wie ein Araber sieht er dann doch nicht aus. Aber das scheinen sogar noch andere zu denken, denn als wir in unserer ersten Woche hier in Singida in der Cafeteria der Diözese saßen, wurde er doch glatt gefragt, ob er denn Saddam Hussein sei. Auch interessant. Aber wenn man in Betracht zieht, dass Deutschland anscheinend immer noch durch die Mauer geteilt sei, dann verstehe ich auch, warum man Luis für einen etwas jüngeren Saddam Hussein halten könnte. :D
Es gibt auch fast nur einen guten Fernsehsender, auf dem man Nachrichten aus aller Welt sehen kann. Und der ist, zu meinem Glück, auf Englisch, was aber bedeutet, dass viele Tansanier ihn nicht verstehen. Die Informationspolitik ist hier leider nicht sehr ausgefeilt, was sogar schon mit der Informationsweitergabe in der Familie anfängt.

Manchmal rennen kleine Kinder auch schreiend und weinend vor uns weg, weil sie noch nie einen Menschen mit heller Hautfarbe gesehen haben. Es tut mir furchtbar Leid, dass wir teilweise so erschreckend wirken, aber Kleinkinder in Deutschland würden sich bestimmt auch erst einmal vor Menschen dunkeler Hautfarbe fürchten. Das ist ja auch verständlich.

Ganz anders dagegen, hab ich letztens in meiner Gastfamilie mitbekommen, wie die Mädchen unter einander flüsterten, dass ich aussehe wie Gott. Das hat mich erst einmal sehr verwirrt, bis ich dann eben darauf gekommen bin, dass sie Jesus vom Kreuz in der Kirche kennen. Als ich dann meinen großen Gastbruder danach gefragt habe, sagte er, dass die Mädchen meine Nase meinten. Ich hätte also die gleiche Nase wie Jesus. Natürlich ist es auffällig, dass Afrikaner so gut wie alle eine breitere Nase haben. Meine sieht dagegen dann schon anders aus, gehört aber einfach zum „Mzungu-Dasein“ dazu. Weiter wurde ich dann von meinem Gastbruder Justo gefragt, ob es wahr sei, dass Europäer nicht aus einem Becher trinken könnten. Da musste ich wirklich schmunzeln, denn er meinte meine „lange, spitze“ Nase, mit der man bei engeren Gläsern manchmal schon an den Rand stößt. ;-)
Es ist schon lustig, was man alles über Europäer und Vorurteile denen (uns) gegenüber erfährt.

So wurde Luis z.B. in der Schule gefragt, ob er nach Tansania gekommen sei, um das so genannte „Versteckte“ zurück nach Deutschland zu holen…Später kam dann heraus, dass der Lehrer eine Art Schatz meinte, den die Kolonialherren zur Zeit Deutsch-Ostafrikas anscheinend versteckt hätten, bevor sie die Kolonie hatten aufgeben müssen. Was daran wirklich wahr ist, weiß ich nicht, denn das könnte ja schon so gewesen sein.
Dass Luis zu Beginn unserer Zeit hier erklärt hatte, dass er nach Tansania gekommen sei, um einen Freiwilligendienst zu leisten, und dass vor uns und mit uns schon viele andere Deutsche in Tansania waren, war auf einmal nicht mehr interessant. Als er dann unseren Mentor, bei dem er wohnt, darauf angesprochen hat, sagte dieser, dass er Luis auch schon danach hatte fragen wollen. Dabei ist Richard ein gebildeter Mann, der selbst viel Kontakt mit Deutschen hat und selbst auch schon mehrmals in Deutschland war.
Manchmal sind sie schon lustig, diese Tansanier. ;-)

Hier noch ein Nachtrag: Als ich letztens mit Justo einkaufen gegangen bin, wurde ich als "Sub-Nigger" bezeichnet, was dem Anschein nach, nicht als eine Beschimpfung, sondern nur als Bezeichnung für meine Hautfarbe und Herkunft gemeint war. Das war wirklich witzig und ist mir auch zum ersten Mal untergekommen. :D

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Untermieter

Ein unerwünschter Untermieter in meinem Zimmer - eine Küchenschabe.

Mein stolzer Bruder, der der Küchenschabe ein neues Zuhause verschafft hat...
Nachdem ich am Morgen schon eine tote Küchenschabe in meinem Zimemr gefunden habe, saß am Nachmittag dann genau neben mir auf der Gardine noch eine, brr. Zum Glück war einige Tage vorher mein Gastbruder, den ich bisher noch nicht kannte, aus dem Internat zurückgekommen und hat sie aus meinem Zimemr rausgetragen. Er heißt Justo, ist 18 und trägt am liebsten seinen Eichhörnchen-Schlafanzug, den er lustigerweise sogar in Europa, in Spanien, auf einem Schüleraustausch mal gekauft hat. Er ist sehr nett, hat durch sein Alter den anderen Kindern etwas gegenüber zu sagen und kann Englisch sprechen, was klasse ist. Er hat noch bis Januar Ferien und geht dann zurück auf Internat.