Normalerweise bekommen Luis und ich mehrmals am Tag gesagt oder hinterher gebrüllt, dass wir „Mzungus“, also Weiße seien. Mittlerweile gehört das schon zum Alltag dazu, auch wenn es uns wirklich auf die Nerven geht.
Doch als ich letztens einmal mit einer Lehrerin durch ein paar abgelegenere Gassen gelaufen bin, da hat mir ein Kind ganz laut „Albino“ entgegen geschrieen und hat sich dann schnell versteckt. Das war schone eine recht lustige Sache, denn Albinos habe ich hier zwar schon ein paar gesehen, aber ihre Herkunft kann man ihnen dann doch ansehen. Für einen Albino-Afrikaner ist es, so wurde mir dann von der Lehrerin erklärt, nicht nur oft demütigend, sondern sogar gefährlich, anders zu sein. Denn laut Tradition sind Albinos entweder auf irgendeine Art gefährlich, bzw. bringt es auch einfach Glück, einem Albino die Hände abzuhaken. So läuft dieser immer Gefahr eines Tages jemandem zu begegnen, der diese traditionelle Drohung wahr macht.
Da habe ich es dann doch lieber, wenn die ganze Straße „Mzungu“ ruft, als dass ich irgendwann keine Blogeinträge mehr schreiben kann, weil ich meine Hände einem kulturellen Ritus opfern musste….
Während ich für einen Albino gehalten wurde, rief man Luis letztens „Araber“ hinterher. Er hat von Natur aus eine leicht dunklere Hautfarbe und dunkle Haare, aber wie ein Araber sieht er dann doch nicht aus. Aber das scheinen sogar noch andere zu denken, denn als wir in unserer ersten Woche hier in Singida in der Cafeteria der Diözese saßen, wurde er doch glatt gefragt, ob er denn Saddam Hussein sei. Auch interessant. Aber wenn man in Betracht zieht, dass Deutschland anscheinend immer noch durch die Mauer geteilt sei, dann verstehe ich auch, warum man Luis für einen etwas jüngeren Saddam Hussein halten könnte. :D
Es gibt auch fast nur einen guten Fernsehsender, auf dem man Nachrichten aus aller Welt sehen kann. Und der ist, zu meinem Glück, auf Englisch, was aber bedeutet, dass viele Tansanier ihn nicht verstehen. Die Informationspolitik ist hier leider nicht sehr ausgefeilt, was sogar schon mit der Informationsweitergabe in der Familie anfängt.
Manchmal rennen kleine Kinder auch schreiend und weinend vor uns weg, weil sie noch nie einen Menschen mit heller Hautfarbe gesehen haben. Es tut mir furchtbar Leid, dass wir teilweise so erschreckend wirken, aber Kleinkinder in Deutschland würden sich bestimmt auch erst einmal vor Menschen dunkeler Hautfarbe fürchten. Das ist ja auch verständlich.
Ganz anders dagegen, hab ich letztens in meiner Gastfamilie mitbekommen, wie die Mädchen unter einander flüsterten, dass ich aussehe wie Gott. Das hat mich erst einmal sehr verwirrt, bis ich dann eben darauf gekommen bin, dass sie Jesus vom Kreuz in der Kirche kennen. Als ich dann meinen großen Gastbruder danach gefragt habe, sagte er, dass die Mädchen meine Nase meinten. Ich hätte also die gleiche Nase wie Jesus. Natürlich ist es auffällig, dass Afrikaner so gut wie alle eine breitere Nase haben. Meine sieht dagegen dann schon anders aus, gehört aber einfach zum „Mzungu-Dasein“ dazu. Weiter wurde ich dann von meinem Gastbruder Justo gefragt, ob es wahr sei, dass Europäer nicht aus einem Becher trinken könnten. Da musste ich wirklich schmunzeln, denn er meinte meine „lange, spitze“ Nase, mit der man bei engeren Gläsern manchmal schon an den Rand stößt. ;-)
Es ist schon lustig, was man alles über Europäer und Vorurteile denen (uns) gegenüber erfährt.
So wurde Luis z.B. in der Schule gefragt, ob er nach Tansania gekommen sei, um das so genannte „Versteckte“ zurück nach Deutschland zu holen…Später kam dann heraus, dass der Lehrer eine Art Schatz meinte, den die Kolonialherren zur Zeit Deutsch-Ostafrikas anscheinend versteckt hätten, bevor sie die Kolonie hatten aufgeben müssen. Was daran wirklich wahr ist, weiß ich nicht, denn das könnte ja schon so gewesen sein.
Dass Luis zu Beginn unserer Zeit hier erklärt hatte, dass er nach Tansania gekommen sei, um einen Freiwilligendienst zu leisten, und dass vor uns und mit uns schon viele andere Deutsche in Tansania waren, war auf einmal nicht mehr interessant. Als er dann unseren Mentor, bei dem er wohnt, darauf angesprochen hat, sagte dieser, dass er Luis auch schon danach hatte fragen wollen. Dabei ist Richard ein gebildeter Mann, der selbst viel Kontakt mit Deutschen hat und selbst auch schon mehrmals in Deutschland war.
Manchmal sind sie schon lustig, diese Tansanier. ;-)
Hier noch ein Nachtrag: Als ich letztens mit Justo einkaufen gegangen bin, wurde ich als "Sub-Nigger" bezeichnet, was dem Anschein nach, nicht als eine Beschimpfung, sondern nur als Bezeichnung für meine Hautfarbe und Herkunft gemeint war. Das war wirklich witzig und ist mir auch zum ersten Mal untergekommen. :D
Hier noch ein Nachtrag: Als ich letztens mit Justo einkaufen gegangen bin, wurde ich als "Sub-Nigger" bezeichnet, was dem Anschein nach, nicht als eine Beschimpfung, sondern nur als Bezeichnung für meine Hautfarbe und Herkunft gemeint war. Das war wirklich witzig und ist mir auch zum ersten Mal untergekommen. :D
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