Dieses tansanische Sprichwort gibt viel über die Lebensmentalität hier im Lande preis. Auf Deutsch „Langsam, Langsam“, geht hier sehr vieles zu. Grundsätzlich nicht verkehrt, bedeutet dies, dass man sich viel Zeit für Dinge, wie zum Beispiel die Begrüßung untereinander nimmt. Denn das höchste Gut, das ein Mensch verschenken kann, ist Zeit und das ist hier jedem bekannt. Ob man die Person kennt oder es sich nur um einen flüchtigen Kontakt handelt, ist dabei nebensächlich. So wird sich eingehend nach dem eigenen Befinden, dem der Familie, im speziellen der Kinder oder der Arbeit erkundigt.
Eine normale Begrüßung, wie ich sie jeden Tag in der Schule erlebe folgt in etwa so ab:
Hujambo! Sijambo!
Habari yako? Nzuri!
Habari ya familia? Salama!
Habari ya casi? Njema!
Habari ya nyumbani? Salama!
Ziemlich eintönig, wird also nach allem gefragt, was sich gerade anbietet und die Standardantwort ist dabei immer “gut”, auf verschiedene Arten und Weisen ausgedrückt.
Wie es einem wirklich geht, möchte eigentlich keiner wissen. Sollte man etwa ernsthafte Probleme, bzw. einen Sterbefall zu beklagen haben, dann bietet sich „salama kidogo“ als Antwort an, was so viel wie „ein bisschen friedlich“ bedeutet und weiteres Nachfragen des Gesprächspartners voraussetzt.
Doch nicht nur für die Begrüßung, sondern auch für das Sitzen und Gehen nehmen sich die Menschen hier viel Zeit. So schlendert ein jeder zur Arbeit. Hätte er einen dringenden Termin, so würde er ein Taxi oder ein „pikipiki“ (Moped/Motorrad) nehmen. Ich würde schon des Öfteren angesprochen, ob ich vielleicht krank sei, oder warum ich so schnell gehen würde. Dabei habe ich mich nicht sonderlich beeilt, sondern bin genauso flott/langsam wie sonst auch gegangen. Schon lustig, wie man dann doch unwissentlich immer wieder auffällt. ;-)
Doch als Luis und ich heute Nachmittag gegen 16 Uhr vom Children’s Center runter in die Stadt gingen, war auf einmal jedes „pole pole“ vergessen und neben uns rannten Frauen, Kinder und Männer jeden Alters vorbei. Am Himmel hatten wir schon von weitem eine schwarze Rauchwolke gesehen, doch man weiß nie, ob nicht gerade jemand seinen angesammelten Plastikmüll verbrennt oder es sich um etwas Ernsteres handelt. Doch dieses Mal war es wirklich viel Qualm…Wir sind also unbeirrt weitergelaufen, bis immer mehr Leute anfingen auf die Feuerquelle zuzurennen. Ein junger Mann mit scheinbar verbranntem Gesicht kam uns entgegengelaufen und rief uns irgendetwas auf Kiswahili zu, was wir natürlich nicht verstanden haben. Am Brandherd angekommen, an dem wir unweigerlich vorbeimussten, wussten wir dann schließlich, warum sich alle so beeilt hatten. Es ging keineswegs darum, aus dem brennenden Laden irgendetwas zu retten oder beim Löschen zu helfen, sondern die ganze Straße und sämtliche Erhöhungen waren von Schaulustigen besetzt. Jeder, der die Möglichkeit hatte, kletterte auf sein Auto oder stieg auf nebenstehende Bäume, um eine bessere Sicht zu haben. Als wir uns dann mit meinem Fahrrad, aber zu Fuß durch die Menschen drängten, kam Konzertfeeling auf, so dicht standen sie beieinander. Durch den „Mzungu“(Weißer/Europäer)-Bonus, hatten wir dann manchmal das Glück, dass uns Leute noch eher Platz machten, aber wir mussten trotzdem zusehen, uns durch den Menschenauflauf zu bahnen und dabei unsere Taschen gut im Auge zu behalten. Auslöser für das ganze Spektakel war ein kleiner (Stoff?)-Laden in einer Seitenstraße der Haupteinkaufsstraße. Damit befand sich das Feuer nur zwei Läden schräg hinter dem von meinem „Baba“, was etwas beängstigend war, weil der Shop schon geschlossen war, der Nachbarladen aber bereits ausgeräumt wurde, um die Schäden bei einem Übergreifen der Flammen geringer zu halten.
In der Seitenstraße stand zum Glück ein kleines Feuerwehrauto, was dem weißen Rauch nach zu urteilen, schon mit dem Löschen begonnen hatte. Als Luis und ich es eine Woche vorher schon einmal gesehen hatten, hatten wir noch gehofft, dass es besser nie einen Brand würde löschen müssen, hätte man es in Deutschland schon längst ausgemustert. Der Haken beim Löschen ist nur, dass es in Singida (oder ganz Tansania, keine Ahnung) keine Hydranten gibt. Deswegen würde ich einfach mal vermuten, dass die Feuerwehr alles Wasser, was zum Löschen benötigt wird, direkt im Auto dabei haben muss. So schien es in etwa auch zu sein, denn kurze Zeit später (Luis und ich waren schon fast am Ende der Versammlung angekommen) wurde der Qualm auf einmal wieder dichter und schwarz und es mischten sich hohe Flammen darunter. Auf einmal begannen die Leute um uns zu rennen und es machte sich Aufregung breit. Die Autos, die sich schon in der Straße angestaut hatten, legten allesamt den Rückwärtsgang ein und bahnten sich zwischen den flüchtenden Menschen einen Weg aus der Menge. Weil wir auch von ein wenig Angst gepackt wurden, begannen auch wir das Rad schneller zu schieben und zu rennen.
Am Ende der Straße angekommen, waren auch hier mehr Leute als sonst, die zur Stadt runter liefen, um sich das Spektakel von der Nähe aus anzusehen. Zusätzlich schoben mehrere Wasserkarren den kleinen Berg hoch, ob um Wasser zu holen oder sich schnell noch eigenes zu sichern, weiß ich nicht. Überall an der Straße standen Schaulustige und tauschten die neuesten Informationen über das Geschehene aus. Zu meiner Freude vergaßen sie sogar mir das tägliche „MZUNGUU!!“ hinterher zu schreien. Ob das kleine, veraltete Feuerwehrauto letztendlich dazu in der Lage, das Feuer zu löschen und ob der Laden meines Gastvaters noch steht, weiß ich nicht, doch der Qualm liegt immer noch in der Luft…
Hier nachträglich noch ein Foto von dem japanischen Feuerwehrauto, von dem man aus dieser Perspektive das große Loch am Ende des Autos nicht sehen kann...
Und noch ein Nachtrag: Der kleine Laden meines Vaters hier steht noch, dafür sind insgesamt drei Läden komplett heruntergebrannt. Selbst die Wände stehen jetzt nicht mehr..
Hier nachträglich noch ein Foto von dem japanischen Feuerwehrauto, von dem man aus dieser Perspektive das große Loch am Ende des Autos nicht sehen kann...
Und noch ein Nachtrag: Der kleine Laden meines Vaters hier steht noch, dafür sind insgesamt drei Läden komplett heruntergebrannt. Selbst die Wände stehen jetzt nicht mehr..
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