Meine letzte Woche war stark vom Plakatemalen und Übersetzen
dominiert, denn ich habe mich darauf vorbereitet, am 11.07. mit meinem
Lehrerkollegium einen Workshop zu Lehrmethoden durchzuführen. Lehrmethoden stehen
zwar grundsätzlich auf dem Ausbildungsplan eines angehenden Lehrers, doch
wenden zumindest meine Lehrer diese kaum an. Luise hatte vorher schon bei sich
in Iguguno einen dementsprechenden Workshop durchgeführt, so konnte ich ein
wenig abgucken. Ich habe den Lehrern also ein bisschen etwas von Lernspielen,
Mind-Maps, Stichpunkten, Rhetorik usw. erzählt und es ließen sich besonders
alle für das „Galgenmännchenspiel“ begeistern.
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| Lehrmethoden-Plakat |
Weil die Schüler noch draußen
auf dem Schulhof herumlungerten, haben sie sich leider nicht getraut, mit mir
zwei Spiele auszuprobieren, aber trotzdem war es ein gelungener Workshop und
die Lehrer haben sich bei mir zum Schluss bedankt, dass ich ihre Kenntnisse
aufgefrischt und ihnen neue Impulse gegeben habe.
Ich war mir erst nicht sicher, ob es wirklich gut sei, wenn
ich als gerade 20-Jährige den alt eingesessenen Lehrern erzähle, wie sie
unterrichten sollen. Doch letztendlich waren es ja nur Verbesserungsvorschläge,
die auch von allen angenommen wurden und ich bin froh, den Workshop gemacht zu
haben.
Einen Tag später, am 12.07., habe ich dann ein weiteres
Projekt unter dem Namen „Wiki mjoa bila fimbo“ (Eine Woche ohne Stock)
vorgestellt, was wir zurzeit an der Schule durchführen. Statt Stockschläge
bekommen die Klassen Punkte und wer am meisten Punkte gesammelt hat, muss für
eine Woche die Schultoiletten putzen. Die Klasse, die am wenigsten Strafpunkte
bekommt, wird mit Bonbons belohnt. Zuerst habe ich mit den Lehrern über die allgemeine
Beziehung zu den Schülern geredet. Wie sie ist und wie sie sein sollte und was
es für Möglichkeiten gibt, um diese zu verbessern und nicht durch den Stock
behaupten zu lassen. Ich habe mich fast schon ein bisschen gewundert, wie gut
sich alle darauf eingelassen haben. Sogar einer der wenigen männlichen Lehrer,
der allzu gerne mal nach dem Stock langt, zeigte sich zufrieden.
Bisher verläuft die Woche sehr gut und auch die Schüler
haben verstanden, dass das Ziel dieser besonderen Woche nicht nur die Bonbons
sind, sondern eine Art „kleiner Beweis“, dass zumindest meine Grundschule
wandelbar ist und es auch ohne Stock gehen kann.
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Erklärungen zu "Einer Woche ohne Stock"
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Meine Gastmutter hat mir noch
vor Beginn der Woche erklärt, dass tansanische Kinder anders als deutsche seien
und ich gnadenlos scheitern würde. Ohne den „fimbo“ würden die Kinder nicht
sporen, sagte sie. Ich habe ihr meine Position erläutert und aber auch gesagt,
dass ich nicht weiß, ob großes Chaos das Resultat sein würde. Doch bis jetzt
sieht es sehr gut aus! Ob wirklich alle Lehrer ihre Punkte auch gewissenhaft
eintragen, kann ich nicht sagen, aber es scheint zu funktionieren und ich bin
froh, dieses Projekt noch auf den „letzten Drücker“, in meiner letzten
richtigen Woche in der Schule, zu machen. Am Freitag werde ich alles mit den
Lehrern zusammen auswerten und es wird eine Siegerehrung geben.
Heute habe ich mit meinem Schulleiter geredet und er hat mir
gesagt, dass er so begeistert von meinem Projekt sei, dass er sich vorstellen
könne, dies als generelles Strafsystem an seiner Schule einzuführen!! Ich weiß
nicht, ob er es nicht doch wieder vergessen wird, aber immerhin mehrfach
wiederholt soll es werden! Mit so einem großen Erfolg habe ich nicht gerechnet
und bin sehr stolz auf meine Lehrer und eben vor allen Dingen meinen toleranten
und offenen Schulleiter. Mit meiner Schule habe ich wirklich großes Glück
gehabt und hätte mir auch kein besseres Lehrerkollegium vorstellen können. Sie
kümmern sich besser als meine Gastfamilie um mich, es gibt immer viele offene
Ohren für mich und egal, ob ich kochen lernen möchte, ein Fahrradschloss
brauche oder andere Fragen, sie helfen wir immer. ;-)
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Die Lehrer hören mir zu ;-)
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Vor ein paar Wochen bin ich zu einer Lehrerin nach Hause
eingeladen worden, damit sie mir zeigen konnte, Pilau (Gewürzreis) zu kochen.
Ein anderes Mal rief mich der Schulleiter an, um mir mitzuteilen, dass die
Mutter einer Lehrerin verstorben sei und wir sind alle zusammen spontan auf die
muslimische Trauerfeier gegangen und haben beim Kochen geholfen.
Meine Arbeit an der Schule und das Lehrerkollegium nehmen
einen sehr großen Teil meines Freiwilligendienstes hier ein und ich bin sehr
froh, sie alle kennen gelernt zu haben und dadurch so viele Stunden beim Hefte
korrigieren, schwatzen und Tee trinken zu verbringen. Sie haben viele Fragen
zur deutschen Kultur und auch ich konnte schon genug über weniger alltagspräsente
Themen wie Hexerei, den Teufel, Beziehungen usw. lernen. Sie staunen stets
wieder, wenn ich ihnen erzähle, wie „einfach“ es in Deutschland sei, eine
Beziehung zum anderen Geschlecht zu haben, weil man öffentlich zeigen darf,
dass man zusammen ist, ohne gleich heiraten zu müssen. Dass es möglich sei,
dass Junge und Mädchen miteinander in einem geschlossenen Raum sitzen, ohne,
dass sie miteinander schlafen „müssen“ und auch die Eltern viel toleranter
seien. Momentan fiebern die Lehrer alle mit mir um meinen Studienplatz, das
Prinzip des Doppeljahrgangs in Niedersachsen letztes Jahr und dessen
Auswirkungen haben sie verstanden und drücken mir nun die Daumen, trotz
andauerndem Ansturm einen Platz zu kriegen. ;-)
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Das Kollegium
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Nun genieße ich also meine letzte Woche alleine in der Schule,
bevor ich nächsten Montag von meiner Familie Besuch bekomme. Dafür nehme ich
die Schulwoche frei, um mit ihnen zuerst Zeit bei unserer Partnergemeinde in
Kondoa/Haubi zu verbringen. Ab dem darauf folgenden Montag werden wir dann hier
in Singida meiner Arbeit nachgehen und ich werde ihnen alles zeigen können.
Damit ist mein eigentlicher Freiwilligendienst dann auch „schon“ vorbei, wird
durch den Besuch meiner Familie abgeschlossen.