Montag, 20. Februar 2012

Mein Tagesablauf



Draußen regnet und gewittert es, mein seiner Meinung nach „Verlobter“ turnt um das Haus herum und wartet darauf, mich zu sehen und während ich mich in meinem Zimmer verkrieche, habe ich endlich einmal Zeit meinen langweiligen Tagesablauf zu beschreiben, der in Wahrheit gar nicht mal so langweilig ist. Pünktlich zu Beginn meines 6. Monats hier:

6:40 Uhr: Vorausgesetzt mein Handy fällt nicht gerade ins Plumpsklo, dann weckt es mich um  diese Uhrzeit. Nun habe ich fünfzig Minuten Zeit um mich fertig zu machen, meine Malariaprophylaxe und Brot zu frühstücken und das Rad aus dem Badezimmer zu hieven. Weil es teilweise bergab geht, brauche ich für den Schulweg nicht zu lang und komme 5-7 Minuten später in der Schule an, wo die Kinder sich schon für die National- und Schulhymne auf dem Schulhof versammelt haben. An manchen Tagen werden hier die Länge der Fingernägel und der Haare und die Schuluniform kontrolliert. Manchmal sehe ich mir das Ganze an, meistens jedoch verschwinde ich direkt im Lehrerzimmer, nachdem ich mein Fahrrad in der 6A untergebracht habe. Dort bereite ich dann binnen weniger Minuten meinen Unterricht für die nächsten Stunden vor. Auf dem Hinweg mache ich mir Gedanken, in der Schule schaue ich dann nur noch in die Bücher. Ansonsten nimmt die vielseitige Begrüßung der Lehrer untereinander viel Raum und Zeit in Anspruch.

8 Uhr: Ich stehe (außer Dienstags) in der Klasse und unterrichte jeden Tag die 5 und 6A in Englisch. In beiden Klassen habe ich sechs Wochenstunden, dazu kommen drei Stunden in denen ich mit einem anderen Lehrer vor der siebten Klasse stehe.

10:40 Uhr: Spätestens jetzt bin ich mit dem Unterricht durch, dann gibt es im Lehrerzimmer frischen Ingwertee und alle haben eine 20minütige Pause. Mittwochs stehe ich auf dem Teeplan und helfe mit. Danach habe ich Zeit, um entweder knappe 90 Schulhefte zu korrigieren und mir zu vermerken, wer mitgeschrieben hat, die Hausaufgaben von der Schwester hat schreiben lassen oder von wem ich noch eine Berichtigung bekomme. Ist das geschehen, habe ich manchmal noch etwas Zeit, um bei der Post, der Bank oder beim Schneider vorbeizuschauen.

12:45 Uhr: Höchste Zeit, um mich auf den Weg ins Kinderzentrum zu machen, das „Singida Children & Community Centre“, welches von „Outreach International“ und „Family & Friends“ aus den USA erbaut wurde. Aus den USA kommt auch das Reisgemisch, was die Kinder täglich essen. Bis Dezember habe ich hier Nachhilfe für bis zu 13 Siebtklässler in Englisch gegeben, die darauf gewartet haben, ob sie den Aufnahmetest für die Secondary School bestanden haben. Weil zwei von ihnen es leider nicht geschafft haben und zwei 16jährige Mädchen, die im Center ein bisschen nähen lernen, kein Englisch können, gebe ich ihnen weiter Nachhilfe. Ich musste bei komplett Null anfangen, auch mal etwas anderes. Aber weil oft jemand fehlt und ich bei anderer Arbeit auch gebraucht werden kann, kommt die Nachhilfe nicht täglich zustande. Ansonsten würde ich insgesamt 19 Stunden pro Woche unterrichten.
Wenn ich ins Center komme, dann hat Sister Bernadetta meist schon die Teller für die kleinen Kinder fertiggemacht und ich muss nur noch die Massen an Bechern auf den Tresen stellen und jedem Kind seinen Teller geben.

13:15 Uhr: Nun beseitige ich meist das entstandene Chaos aus Bechern, helfe einem Kind mit Down-Syndrom sein Essen sicher an seinen Platz zu bringen und stelle alles bereit, was ich für die Essensausgabe des nächsten Trupps brauche.
Oft helfe ich Elisabeth beim Kochen, geselle mich zu den Kindern oder habe ein wenig Zeit, um Kiswahili zu lerne, zu lesen oder mein Rad mal wieder zum Handwerker zu bringen.

14 Uhr: Während ich mit den anderen (Sr. Hilda, Sr. Bernadetta, Rachel, Elisabeth und einem Watchman) zu Mittag esse, kommen schon die nächsten Kinder.

14:30 Uhr: Ich habe eine halbe Stunde Zeit, um schon einmal 200-250 Teller vorzubereiten.

15 Uhr: Das Essen wird ausgegeben, während ich weiter Teller mit dem Reismix befülle. Haben alle gegessen, räume ich all die Becher und Teller wieder in den Schrank.

15:50 Uhr: Exakt um diese Zeit bin ich jedes Mal fertig mit dem Aufräumen, während die Kinder den Boden wischen. Kann ich meinen Verehrer abwimmeln, begebe ich mich direkt auf den Heimweg.

16 Uhr: Wenn es perfekt läuft, kann ich direkt im Anschluss duschen und die 1-2 kg Reis sortieren, die die Familie hier jeden Abend verputzt. Das wurde immer mehr zu meiner Aufgabe und bedeutet, dass ich ca. 30 Minuten lang alle Steinchen und anderen Dreck heraussuche, bevor der Reis gewaschen werden kann. Dann helfe ich manchmal noch mit beim Bohnen pulen oder gehe mit Wasser holen.

17:30 Uhr/18 Uhr: Nun habe ich Zeit für mich, also zum Waschen, Fegen, Lesen, E-Mails nachgucken, Blog schreiben usw. Später setze ich mich dann gerne noch in die Küche, um mit den anderen zu quatschen, während wir darauf warten, dass das Hausmädchen das rettende Singnal gibt : „Chakula ni tayari!“. Manchmal bin ich auch zu müde von der Arbeit, all den Kindern, dem Lärm und der Hitze und schlafe schon mal etwas vor. Allerdings auf die Gefahr hin, dass sie vergessen, mich zu wecken…

21 Uhr/21:30 Uhr: Es gibt Essen, endlich! Das Abendbrot besteht dann weniger aus Brot, dafür mehr aus Reis und Gemüse. „Gemüse“ bedeutet sowohl Bohnen, als auch Fisch, Fleisch oder für mich des öfteren „Katchumbari“, ein Salat aus 1-2 Tomaten, einer Zwiebel, Wasser und Salz, schmeckt aber super!

22 Uhr - 22:30 Uhr: Licht aus und versuchen bei der Wärme einzuschlafen, bis ich wieder um 6:40 Uhr am nächsten Tag geweckt werde.

Man könnte vielleicht denken, dass mein Tagesablauf etwas eintönig ist, aber ich bin froh, dass ich nicht nur in der Schule, sondern auch im Kinderzentrum arbeite und meine Arbeit also nicht schon um 13 Uhr mit dem Hefte korrigieren aufhört. Eine interessantere Arbeit als Becher aus dem Schrank zu nehmen, aufzustellen und wieder einzuräumen, gibt es bestimmt auch, aber es gehört dazu und macht auch irgendwie Spaß. Hatte ich früher oft Langeweile in der Schule oder im Center, so wurde dies nun super durch mehr Schulstunden und den Wegfall von Luis Hilfe im Center kompensiert. Nun habe ich kaum mehr Zeit zum Lesen, Briefeschreiben und Erledigungen machen, freue mich aber darüber. Zuhause bleibt auch nicht zu viel Zeit, um Großes zu erledigen, aber das reicht auch. Groß gewaschen, gewischt, eine Ameisenvolkszählung in meinem Zimmer durchgeführt oder ausgefegt wird bei mir am Wochenende. :-)

Statt Handywecker - Der einzig funktionierende, den es im Laden gab

Donnerstag, 16. Februar 2012

"Raisi ya chooni"

Der Handyfriedhof- das Familienplumsklo
Letzten Donnerstag, um 22:30 Uhr hatte ich mein Handy bei mir, als ich das Badezimmer betrat. Am Nachmittag hatte es noch einen Stromausfall gegeben, deswegen war es wichtig, das Handy in der Tasche zu haben. Doch das sah mein Handy scheinbar anders, denn es fiel aus meiner Jackentasche heraus und geradewegs mit einem letzten Kling-Klong-Klong in unser Plumsklo. Ich war bisher davon ausgegangen, dass einem so etwas Blödes einfach nicht passieren kann, aber doch - es funktioniert. Und statt meinem Zahputzbecher, auf den ich bisher immer getippt hatte, (die Toilette stellt gleichzeitig z.T. das "Waschbecken" dar) musste natürlich gleich mein Handy darin verschwinden.
Mein Gastbruder, mit dem ich eigentlich noch nicht wieder so schnell reden wollte, hat mir geholfen und die Hausmädchen haben mich eine Stunde lang ausgelacht, als ich versuchte mein Handy zu sichten Als ich sah, wie auswegslos die Lage war, habe ich meine Gasteltern aus dem Bett geholt und kniete dann schließlich mit Taschenlampe im Mund, einem selbstgebauten Kescher aus starkem Draht und einer Tüte in der einen und einem Stock in der zweiten Hand vor dem "Loch" und habe versucht mein schönes deutsches Telefon wiederzubekommen. Doch wie meine Gastmutter mir mitteilte, war die Fallgrube das letzte Mal zur Geburt meines zweitgeborenen Gastbruders im Jahre 1995 ausgeleert worden und sei eben noch nicht voll, demnach ist die Grube sehr, sehr tief und das Handy konnte eben so tief sacken. Am nächsten Morgen konnte ich es auch schon nicht mehr sehen...
Die Dusche, das kleine Loch in der Wand
 Ich befand mich die ganze Zeit zwischen Lachen und Weinen, die Situation war dann doch zu komisch, nur leider hatte ich damit mein schönes, treues Handy verloren, was Fotos, Musik, alle Kontakdaten und meine Handynummer miteinschloss. Das war dann schon wieder nicht so witzig.
Weil ich hier in der Familie, der einzig Toilettenpapiernutzer bin, wurde ich schon früher zum inoffiziellen "Raisi ya chooni", zum König/Präsident der Toilette gekürt, ein kleiner Spaß. Mein Gastbruder steuerte in dieser Situation nun bei, dass sich mein "Volk" wohl nun gegen mich gewandt habe und sich seinen Anteil geholt hätte, haha. ;-)
Am nächsten Tag sollte dann der Handwerker kommen, aber neben der Luke, die ein Loch kaum größer als das der Toilette hat, gibt es keinen anderen Zugang zum Inneren. Also keine Chance. Nun liegt mein Handy also, mit einem Waschlappen und einem Shampoo meiner Vorfreiwilligen in den Tiefen des Familienplumsklos begraben...

Hier nun also zwei Bilder des Tatortes. Links im Raum die Dusche mit Eimer und Becher, durch das kleine Loch in der Wand fließt das Wasser ab, durch die Fenster zieht es ordentlich beim Duschen. Toilette und Dusche befinden sich in einem Raum und dienen auch als Schuppen für Fahrräder und Gerümpel.
Meine neue Handynummer findet man unter "Kontakt", leider fehlt mir (noch) das passende Handy dazu!

Donnerstag, 9. Februar 2012

Die Nase voll.


Dieser fünfte Monat scheint mich auf die Probe stellen zu wollen, denn bisher hat er es mir nicht sehr einfach gemacht. Momentan kommen einfach viele Dinge zusammen, auf die ich auch gut verzichten könnte. Der Zusammenfall all dieser Sachen ist dann im Paket nur schwer zu ertragen. Fange ich so an…

1) Seit der letzten Woche habe ich einen anstrengenden 18jährigen, tansanischen Verehrer, der zu den hilfsbedürftigen Kindern aus dem Center gehört. Ich habe ihm ziemlich schnell zu verstehen gegeben, dass ich für uns beide keine Zukunft sehe, was dazu geführt hat, dass er geweint hat, mich trotzdem zweimal auf meinem Nachhauseweg begleitet hat und dass er seitdem nicht mehr viel mit mir geredet hat. Heute hat er dann (leider) wieder damit angefangen und musste mich natürlich auch gleich wieder begleiten, grr.
Die anderen Kinder Im Center benehmen sich zurzeit auch gerne wie kleine, zickige Mädchen, weinen wegen jeder Kleinigkeit und sind schnell eingeschnappt. Ich hoffe nicht, dass so etwas Schlimmes wie die Pubertät grassiert. Oha.
Es kann manchmal ganz schön schwer sein in der Schule, im Kinderzentrum und Zuhause Kinder jeden Alters um mich herum zu haben, puh.

2) Aus der Schule kann ich berichten, dass ich, als ich letztens aus dem Unterricht kam und ins Lehrerzimmer ging, dachte, dass wir einen Fernseher bekommen hätten. Es klang nach einem Actionfilm, erwies sich aber als die Stockstrafe für einen Jungen, wie ich feststellte. Dumm, dass ich vorher etwas anderes in Betracht gezogen hatte. Unser einziger Lehrer aus dem Kollegium hat mit einem viel zu langen und dicken Stock auf einen sich am Boden windenden Jungen eingeschlagen, der seiner Mutter anscheinend Geld gestohlen hatte, um seine Vormittage mit Keksen und Freunden zu verbringen, anstatt in der Schule. So die Version einer Lehrerin. Der Junge hat anscheinend eine Strafe zuhause verweigert (wie das denn bitte?) und nun war der Vater mit ihm zur Schule gekommen, damit die Lehrer diese vollführen könnten. Alle Lehrer guckten zu, schrieen das Kind an, lachten oder schienen die Situation auszublenden, während dieses in der Mitte des Lehrerzimmers schreiend und weinend auf dem Boden lag und versuchte dem Stock auszuweichen. Woher dieser Lehrer diese Aggressivität nehmen kann und von 0 auf 100 so zuschlagen kann, begreife ich nicht. Ich konnte mich fast nur umdrehen, habe aber am ganzen Körper gezittert. Versteh einer diese Lehrer.

3) Auf dem Weg von der Schule zum Center fuhr vor mir ein Motorrad. Ich konnte zusehen, wie eine Frau vom Straßenrand dem Pikipiki in den Weg sprang, vortäuschte, er hätte sie angefahren, um dann zu versuchen ihm die Tasche zu klauen. So war ich schon vorbereitet, als sie bei mir dasselbe versuchte. Nur trotzdem habe ich mich erschreckt, dass ich sie „fast angefahren“ hätte mit meinem Rad, während sie versuchte an meinen Rucksack auf dem Rücken zu kommen. Ich konnte zum Glück einen Bogen fahren und bin ordentlich in die Pedale getreten, aber schön, war das trotzdem nicht.
Das nächste Mal werde ich beim Fahrradfahren am Arm festgehalten, bekomme einen Klaps verpasst und darf mich freuen, weil ich „Baby, I love you!“ zuhören bekomme. Wildfremde Menschen meinen, sie dürfen sich das erlauben, nur weil sich meine Hautfarbe von der ihren unterscheidet. Angesprochen zu werden, blöde Sprüche zu hören, das bin ich ja gewohnt, aber dieses anfassen müssen, damit kann ich mich nicht anfreunden. Da fühlt man sich manchmal schon leicht wie im Zoo. :D

4) Am selben Tag ist ein Onkel hier zu Besuch, den ich schon öfter gesehen habe und sagt mir beim Handschütteln in einem Raum voller Leute „Hujambo. I love you!“ Und keiner außer mir hat es verstanden. Warum so etwas immer sein muss, habe ich noch nicht verstanden. Seine Frau sitzt schließlich neben ihm, er ist 20 Jahre älter als ich. Wo ist der Sinn der Sache? Momentan haben wir jeden Tag Besuch, weil Mama jeden Tag ein extra Essen bekommt, was Freunde und Verwandte für sie kochen. Auch wenn ich mit den mir bekannten Leuten auf Swahili rede, unterhalten sie sich dann über meinen Kopf hinweg, um unser Gespräch durch das Hausmädchen vermitteln zu lassen. D.h. obwohl ich sie in ihrer Sprache anrede und die Antwort meistens verstehe, gehen sie dazu über, über mich zu reden, auch wenn ich daneben stehe oder lassen vermitteln. Für sie bin ich vielleicht doch noch Jemand, der hier nur wohnt.

5) Letzten Dienstag habe ich mich dann unfreiwillig mit meinem Gastbruder Justo angelegt. Ich lag schon im Bett, als ich vor meiner Tür Brenda (12) laut schreien hörte. Als ich danach dann noch das „Ssssst“ des Stockes in der Luft hörte, bin ich gleich hinaus. Da stand sie auch und Justo redete wild auf sie ein. Ich dachte, dass die Situation schon vorüber wäre und wollte nur sichergehen, dass er nicht noch einmal zuschlug. Aber weil Brenda nicht zu weinen aufhören wollte, hat Justo sie weiter geschlagen. Gerade eben dahin, wo er sie erwischen konnte. Sie rannte weg und er hinterher. Nachdem ich sie getröstet hatte und sie sich wieder in die Küche getraut hatte, schien er aber noch nicht genug zu haben und er versuchte weiter auf sie einzuschlagen. Ich habe mich dann vor Brenda gestellt, was Weiteres verhindert hat. Um seine Aggressionen herauszulassen, hat er dann jedem x-beliebigen der Kinder einen leichten Schlag mit der Hand auf den Kopf verpasst, nachdem Farida ihm den Stock geklaut hatte.
Ich hätte mich nicht dazwischengestellt, wenn es nicht eindeutig an Schlägen gereicht hätte. Dass in Tanzania geschlagen wird, habe ich begriffen. Dass ich daran nicht zu viel ändern kann, habe ich vielleicht auch schon eingesehen, aber an einem gewissen Punkt reicht es dann auch. So wusste ich, dass ich mich meinem ältesten Gastbruder nicht in den Weg stellen darf, aber was soll ich machen, wenn er einfach immer weiter schlägt? Damit habe ich seine Autorität missachtet und ihm im Beisein aller Kinder gesagt, dass ich ihn so nicht respektieren kann. Dabei ist/war er bisher meine engste Bezugsperson in der Familie. Nicht gut. Wir haben dann später noch etwas diskutiert, wo er mir nicht geglaubt hat, dass das Schlagen in Schulen in diesem Land verboten ist. Ich habe ihm auch gesagt, dass es mir Leid tut, ihn in so eine blöde Situation gebracht zu haben, aber dass ich es beim nächsten Mal rein aus einer inneren Verpflichtung wieder tun werde. Aber bloß zuzuschauen wäre noch schlimmer, als alles andere. Auch wenn es vielleicht richtig wäre? ich weiß es nicht. Das kann ich auch (leider) nicht.
Den Rest der Woche haben wir uns wieder gut verstanden. Bis gestern.

6) Zuerst wurde vorgestern den Hausmädchen die Hälfte ihres Gehaltes gestrichen, weil ein Sack Bananen verschwunden ist. So viele Bananen könnten sie nie im Leben essen und verstecken auch nicht, hat mir Lucia gesagt, die daraufhin den ganzen Tag nur geweint hat. Da muss ich ihnen Recht geben. Wir anderen wurden auch erst gar nicht befragt, auch hart. Nun ja, somit bekommen Farida und Lucia nun nur noch 5 Euro statt 11 pro Monat, mit denen sie auskommen müssen. Das ist auch für Tanzania wenig, habe ich mir sagen lassen.

Gestern hat Justo dann noch einmal irgendeiner Aggression freien Lauf gelassen. Er hatte Lucia bereits am Kopf geschlagen, weil ihm irgendetwas nicht passte. Doch dann sollte sie seine Kleidung waschen, worauf sie ihm aber nicht antwortete. Sie hatte einfach Angst vor ihm, er hat sich aber dadurch provoziert gefühlt. Nachdem er sie mehrmals aufgefordert hat und ihr gedroht hat, sollte sie seine Kleidung dann in ihr Zimmer bringen (dort schlafen sie zu fünft) und später waschen. Als die beiden um die Ecke gingen, habe ich mir schon gedacht, dass das nicht ganz koscher ist. Und richtig, als ich gerade dazukam, konnte ich sehen, wie er mit seinen Fäusten ihr direkt ins Gesicht und auf den Kopf schlug. Und durch die häuslichen Tätigkeiten hat so gut wie jeder männliche Tansanier genug Muskelkraft, um damit ordentlich zuschlagen zu können. Ich habe versucht zwischen die beiden zu kommen, weil Justo mich normalerweise nicht schlagen sollte, aber er hat es geschafft trotzdem weiter zuzuschlagen. Bis ich die beiden ganz getrennt hatte, hatte Lucia noch einiges einstecken müssen. Mein Gastbruder ist dann weggegangen und zurück blieb eine am Boden liegende und schluchzende Lucia. Alle Kinder hatten sich um sie versammelt, aber keines traute sich oder wollte ihr helfen. Als ich mich vergewissert hatte, dass es ihr einigermaßen gut ging, war mir dann alles egal und ich bin zur Mama gegangen. Die lag zwei Zimmer weiter mit dem Baby im Bett und hatte anscheinend von allem nichts mitbekommen. Dabei waren wir laut genug gewesen. Ich war dann so fies und habe der Mutter von dem Geschehenen erzählt und damit Justo „verpetzt“, aber irgendwo hört auch der Spaß auf. Sie hat dann Justo noch einmal gesagt, was wir alle schon vorher wussten; dass Lucia nicht dafür zuständig sei, seine Kleidung zu waschen. Tja…Weitere Konsequenzen wird es aber wahrscheinlich nicht geben, auch wenn sich die Hausmädchen wünschen, wieder nach Hause gehen zu dürfen, wird das wohl erst einmal nicht der Fall sein.

7) Zusätzlich habe ich gerade mal wieder/immer noch ein Trinkwasserproblem, weil alles Wasser hier im Haus verölt ist. Damit habe ich mir dann auch meinen Wasserfilter vollgeölt und musste am Wochenende zusehen, dass ich von anderswo Wasser herbekomme und meinen Filter irgendwie wasche. So habe ich letztendlich eine 20 Liter Gallone Wasser auf meinem Kopf tragen müssen. Aber nun weiß ich, das ist unschaffbar. xD Ich bin nach der Hälfte der kurzen Strecke nahezu zusammengeklappt… 10 Liter schaffe ich aber schon. :-)

Nun ja. Das Gesamtpaket all dieser Dinge ist etwas krass und momentan auch etwas viel für mich, weil es alles innerhalb von weniger als zwei Wochen passiert ist. Viele dieser Dinge hätten nicht passieren müssen und tragen nicht dazu bei, dass ich mich hier noch etwas wohler fühlen kann. Aber nun habe ich sie hinter mir, mich über 2,5 Seiten lang beschwert und hoffe, dass in den nächsten zwei Wochen nicht mehr allzu viel Nervenaufreißendes folgt. Aufzugeben habe ich noch nicht in Betracht gezogen und werde ich hoffentlich auch nie müssen. ;-) PUH!

So, das waren meine letzten zwei Wochen. Dafür beginnt morgen ja schon das Wochenende und ich werde für eine Nacht nach Iguguno zu Rike fahren, um hier mal raus zu kommen. :-)