Mittwoch, 1. Februar 2012

Ein Besuch in der Stoffstraße

Die unter uns Freiwilligen so genannte Stoffstraße in Singida bietet zwar nur circa vier Läden, in denen man Khangas (Tücher zum Umbinden)und Kitengi (Stoffe für Kleidung) kaufen kann, aber fündig kann man trotzdem werden. Natürlich gibt es auch noch andere kleine Stoffläden, die sich, wie die Schneider, über die ganze Stadt verteilen Im Moment gibt es nicht die allerschönsten Stoffe, weil sie fast nur aus Kenia kommen, aber ein paar Fotos habe ich trotzdem gemacht, damit man es sich einmal vorstellen kann.

Verschiedene Kitengi
Ein Schuhladen der Stoffstraße. Verkauft werden meistes Secondhandprodukte

Khangas werden als Schürze, Überrock, Kopftuch, Handtuch usw. benutzt. Ich habe einen als Tischdecke und gehe darin zur Dusche. ;-)

Nachwuchs

Eigentlich sollte es erst Mitte bis Ende Februar soweit sein, doch dann setzten Freitagnacht bei meiner Gastmutter die Wehen ein und ich habe eine kleine Schwester bekommen!
Zwischen ihr und dem jüngsten Kind, Mkunde, liegen ganze sieben Jahre. So war es ziemlich überraschend, als ich erfahren habe, dass meine Gastmutter, die schon eine Großfamilie mit sechs Kindern hat, nun noch ein siebtes Kind bekommen würde.


Mitten in der Nacht hat Baba Mama und ein Hausmädchen ins Krankenhaus gebracht, wo das Baby zur Welt kam. So wurde ich am nächsten Morgen ganz aufgeregt von den Kindern geweckt, die mir von der Geburt berichteten. Mama ist noch bis zum Mittag dort geblieben, Baba hat den restlichen Tag in seinem Shop verbracht. Als Mama Pendo (meine Gasttante) und ich sie dort abgeholt haben, hatte sie bereits Besuch von ihrer besten Freundin, die ihr half, das Baby in mehrere Khangas (Tücher) einzuwickeln. Sie hat sich dann auch weiter darum gekümmert, bzw. ich durfte das Neugeborene halten. Als ich fragte, wie das Mädchen denn heißen würde, hat sie gesagt, dass ich den Namen aussuchen dürfe. Wow! Ich sollte mir also innerhalb kürzester Zeit etwas ausdenken! Weil ich beim Aufwachen den Namen „Madita“, als Kurzform für Magdalena, im Kopf hatte und mir auf die Schnelle nichts anderes einfiel, heißt meine kleine Schwester nun so. =)  Aussprechen können sie’s, da ist sie besser dran als ich. Nur merken konnte sich den Namen keiner, weswegen Mama alle zu mir schickt, die sie nach dem Namen des Kindes fragen. Ich werde ihr ihn mal aufschreiben^^. Baba wusste bis gestern nicht, wie seine Tochter denn nun eigentlich heißt. Aber solange man den Namen in irgendeiner Form auf die Kirche zurückführen kann, ist ihm das auch egal.

Zu Hause angekommen legte sich Mama erschöpft hin, ihre beste Freundin schlief ein und Mama Pendo kümmerte sich um die Küche. Also saß ich geschlagene 20 Minuten mit dem Neugeborenen in den Armen im Wohnzimmer und habe gehofft, dass meine Gastmutter keine Stunden schlafen würde. Sie kam dann auch irgendwann und ich wurde erlöst. :-)
Die ersten paar Tage wurde Madita nur in besagte Tücher eingewickelt, nun trägt sie Babykleidung darunter, die ihr aber viel zu groß ist. Spielzeug, Schnuller, ein Bettchen oder ähnliches gibt es nicht, sie schläft im Bett der Mutter. Zur Freude der ganzen Familie schreit sie auch nicht besonders viel. xD
Interessant ist, dass so gut wie alle Babys mit heller Haut auf die Welt kommen, so sieht Madita mir bisher am ähnlichsten und mir würde jeder glauben, dass sie meine leibliche Schwester ist. Nur an der Haut über ihren Fingernägeln zeichnet sich ein minimaler hellbrauner Rand ab. Je schneller ein Kleinkind an „Farbe“ gewinnt, bzw. je dunkler es zur Welt kommt, desto dunkler wird auch die spätere Hautfarbe werden. Und je heller die Haut bleibt, desto mehr freut sich die Familie^^.

Montag, 30. Januar 2012

Ein Wochenende in Mwanga

Vom 13.01. bis 15.01. haben wir ein Wochenende in Mwanga, im so genannten "Busch"  verbracht, um Olgas Geburtstag zu feiern. Ich habe schon kurz darüber geschrieben. Hier noch nachträglich Fotos dazu:
Rike und ich auf dem Riesenbaum
Wunderschöne Landschaft
Geburtstags-Ananas-Picknick mit allen Freiwilligen 
Sonnenaufgang über dem Mt. Hannang
Strahlende Gesichter, es gibt Essen!! Olgas Gastfamilie kocht super und hat ein top Festessen für den Geburtstag zubereitet, nur wahrscheinlich werde ich mir hier irgendwo die Lebensmittelvergiftung zugezogen haben. So etwas Blödes aber auch, gelohnt hat es sich aber. ;-)

Zuhause

Farida lugt zu den Nachbarn rüber
 Hier ein paar Fotos von aus der Familie...
Meine siebenjährige Gastschwester Mkunde
Justo spaltet im Schlafanzug Holz für den Herd
Meine noch schwangere Mama sortiert Korn
Kochtopf und Duschwasser auf dem Herd
Geschirr wird gespült, oder auch nicht ;-)
Der äußere Hof

Farida geht aufs Maisfeld
Nachbarjunge Elias mit einer dahergelaufenen Schildkröte auf dem Arm
 
Erick (16), Evaristi (14) und das baldige Abendessen


Hier noch ein paar Fotos von Weihnachten...

Es  wird zu einer der 200 Kassetten getanzt
Familienfoto :-) Von links oben: Ich, Evaristi, Justo, Lucia, Mama, Baba. Unten links: Farida, Brenda, Enjo, Mkunde. Es fehlen Gastbruder Erick und die drei Shopkeeper
Mama, Baba und ich


"Das Mädchen für alles"


Meine Gastfamilie beschäftigt zwei Hausmädchen, Farida (14) und Lucia (19). Sie kochen, putzen, arbeiten auf dem kleinen Feld neben dem Haus und erledigen auch sonst anfallende Arbeit. Als sie im Oktober hier anfingen, habe ich mich noch nicht so gut mit ihnen verstanden, weil beide etwas verrückt sind, so in mein Zimmer kamen und Lucia unter anderem immer wieder gerne ihren Oberkörper vor mir entblößte. Beide standen kichernd vor meiner Zimmertür, versuchten bei jeder Gelegenheit einen Blick ins Innere zu erhaschen, machten sich einen Spaß daraus meine Tür von außen zu verriegeln und lachten mich für mein Anfänger-Kiswahili aus. Kurzum, sie haben es mir schwer gemacht, sie zu mögen.
Lucia an Weihnachten

Großartig geändert hat sich das noch nicht, weil sie mich täglich fragen, ob sie dies oder das von mir haben können (Geld, Füller, Handy usw.) oder wenn ich Post bekomme, diese am liebsten noch vor mir öffnen wollen. Wenn es nach ihnen ginge, dann müsste ich alles mit ihnen teilen und hätte keine Privatsphäre. Meine Gastgeschwister sind da nicht so aufdringlich. Farida stellt aber auch gerne mal ihren Fuß in die Tür, wenn ich gerne einmal meine Zimmertür hinter mir zumachen würde.
Farida
Mittlerweile kommen wir sehr gut miteinander aus, auch wenn sich ihr Verhalten nicht geändert hat. Farida lacht immer noch über alles und jeden und Lucia möchte weiterhin einfach alles haben, was mir gehört. Aber wenn ich nach Hause komme, sind es die beiden, die mich begrüßen. Die Kinder sind in der Schule, die Älteren nutzen ihre Ferien von der Secondary School dazu, dass sie den Bau der beiden neuen Lodgen überwachen oder helfen im kleinen Laden des Vaters. Weil meine Gastmutter gut drei Viertel des Tages aufgrund ihrer Schwangerschaft (und nun weil das Baby seit Samstag da ist) im Bett verbringt, verbringe ich die meiste Zeit mit Farida und Lucia. Weil sich mein Kiswahili verbessert hat, reden wir über dies und das und ich konnte etwas mehr über die beiden erfahren.

Lucia (19) zum Beispiel wurde nach der Primary School (7 Jahre lang), also ca. im Alter von dreizehn Jahren an einen weitaus älteren Mann verheiratet. Dieser hat sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen, sie täglich geschlagen und auch sonst alle Arbeiten verrichten lassen. Nachdem Lucia schwanger wurde und es ihr dort immer schlechter ging, hat sie sich geweigert weiter mit ihrem „Ehemann“ zu schlafen, weshalb der sich von ihr hat scheiden lassen. Es wird als „Schuld“ der Frau angesehen, wenn diese „ungewollt“ schwanger wird. Für Verhütungsmethoden wird zwar geworben, doch viele verweigern sich diesen. So wird der Frau beispielsweise vom Mann verboten durch die Pille o.ä. zu verhüten. Wird sie schwanger, dann hat sie ihren Körper nicht im Griff.  Die Scheidung von Lucia und ihrem Mann lief aber nun nur so ab, dass er ihr sagte, sie solle das Haus verlassen und sich nicht wieder zeigen. Scheidung vollzogen. Offiziell lässt sich also nichts beweisen.
Lucia und ich
Lucia, froh darüber, diesen Mann verlassen zu dürfen, ist wieder zu ihrer Familie nach Iguguno (wo Luise und Rike wohnen) zurückgekehrt. Weil er, so scheint es, aber keinen anderen Geschlechtspartner fand und ihm seine Frau „einfach weggelaufen“ war, hat er sie und das Kind zuhause aufgesucht. Lucia wurde von ihrer Familie nahe gelegt, dass sie doch bitte wieder an ihren angetrauten Platz zurückkehren solle, denn schließlich hatte man vom Bräutigam damals Kühe für Lucia erhalten. Da die Familie nicht im Stande war, den Brautpreis zurückzuzahlen und Lucia freiwillig nicht wieder sich diesem Mann unterstellt hätte, hat man sie zu uns, nach Singida geschickt. Hier versteckt sie sich nun vor ihrem „Ehemann“, einem Mann, mit dem sie Kühe, Prügel und ein gemeinsames Kind verbinden und der sie immer noch zu suchen scheint. Wo das Kind ist und wie alt es mittlerweile ist, weiß ich nicht.
Nachdem ich das wusste, tat es mir schon Leid, dass ich sie am Anfang für etwas komisch gehalten habe. Aber leicht hat sie es mir auf keinen Fall gemacht. Doch wir verstehen uns nun gut. Sie kocht mir manchmal Spaghetti mit klasse Soße, wenn es mal wieder Ugali gibt, und hilft mir beim Zubereiten von „Katchumbari“ (Salat aus Tomate und Zwiebel), den ich sehr gerne esse. Dafür wiederum profitieren Farida und Lucia davon, einen „Mzungu“ (also mich) im Haus zu haben. Weil sich Mama und die anderen Familienmitglieder nicht sonderlich Gedanken um die beiden machen, kommen sie zu mir, um sich bei kleineren Dingen verarzten zu lassen, mein Handy auszuborgen, um zuhause anzurufen, Brot oder Milchpulver abzustauben oder Seife auszuleihen. Es ist aber auch wirklich klasse, dass einer der beiden mir gerne hilft, wenn ich mit einem Stück altem Pullover meinen Zimmerboden wischen soll oder z.B. ein mein Bettlaken waschen möchte.
Farida kocht "Weihnachtsessen"

Ein Hausmädchen zu haben, ist in Tansania kein besonderer Luxus, sondern eher Standard bei größeren Familien. Mama Ngure kocht kaum, die Kleidung von ihr und Baba waschen auch die beiden. Es hat jeder seine Aufgabe und bei dem wenigen Gehalt für ein Hausmädchen, lohnt es sich, jemanden zu haben, der die Arbeit macht, die keiner will und dem man auch gerne die Schuld für vieles in die Schuhe schieben kann.
So ist das leider. Beide haben nur die Grundschulbildung und sind deswegen nicht besonders helle und das wird gerne ausgenutzt. Bei einem kleinem Streit zwischen den Kindern hat letztendlich die unbeteiligte Lucia, die „zu dumm dafür sei, für ihr Kind zu sorgen“ von Justo alle Schuld bekommen und wurde von ihm als „Ding“ bezeichnet. Das hat mich ziemlich geschockt und scheint sie verständlicherweise sehr verletzt zu haben.

Fazit: Die beiden laden durch ihr Verhalten und das ständige Ausnutzen meiner Person und kleine Fiesigkeiten nicht dazu ein, sie zu mögen, werden aber auch nicht freundlich behandelt. Sodass ich dann mehr mit ihnen mache, was aber ganz schön anstrengend sein kann, weil ich immer darauf gefasst sein muss, dass es nachher doch nur wieder darauf hinausläuft, dass sie irgendetwas von mir haben wollen. Aber ich mag sie trotzdem. :-)

Donnerstag, 19. Januar 2012

Ein bisschen Lebensmittelvergiftung, ein bisschen mehr Malaria und von allem ein bisschen zu viel

Über das Wochenende haben wir Olga anlässlich ihres 20. Geburtstages einen Überraschungsbesuch im so genannten „Busch“ abgestattet. Wir hatten eine tolle Zeit, konnten das schöne Mwanga kennen lernen und u.a. bei einem Picknick die Stille, Landschaft und den Anblick der dort lebenden Affen genießen.
Doch auf der Rückfahrt habe ich schon starke Bauchschmerzen bekommen und ich war froh, als ich dir vier Stunden Busfahrt im äußerst wackeligen Vorkriegsbusmodell heil überstanden hatte.
Wir alle versammelt auf einem Ast eines riesigen Baumes
Noch am selbigen Tag ging ich zu einer Gesundheitsstation hier in Singida und machte verschiedene Tests, bei denen herauskam, dass ich eine Lebensmittelvergiftung hatte. Ich habe verschiedene Tabletten bekommen, doch am Abend ging es mir bedeutend schlechter. Kopfschmerzen, Schwindel, Kraftlosigkeit, Fieber, Magen-Darm-Probleme, Bauchkrämpfe, Spucken und Gliederschmerzen, eine Kombination, die mich ziemlich ausgeknockt hat. Trotzdem bin ich mit meinem Gastbruder Justo noch am selben Abend zu einer weiteren Dispensary gegangen. Die hatte leider geschlossen, aber der Apotheker konnte mir auch so Tabletten geben. Also alle sechs Stunden jene, vor dem Essen diese und danach dann wiederum andere. Bescheuert.
Am Montag sind wir dann noch zu einer anderen Gesundheitsstation gegangen, denn eigentlich hätte es mit all den Pillen schon viel besser gehen müssen. Justo meinte, dass die Station, bei der ich erst gewesen wäre, sowieso gerne Testergebnisse zurechtbiege, sodass er meinem negativen Malariatestergebnis nicht trauen würde. Zusätzlich überredete er mich zu einem Typhustest, wo mir dann in dem einzigen Raum der Dispensary (ohne Tür und direkt an der Straße wohlgemerkt) Blut abgenommen wurde. Durch weitere Tests wurde deutlich, dass ich zu dem Zeitpunkt wirklich eine (wohl eher leichte) Lebensmittelvergiftung hatte und man im Labor drei Malariaparasiten in einem Blutbild auf dem Objektträger gefunden hatte.
Die höchste Parasitenanzahl wäre sechs Stück, Luis hatte wahrscheinlich 1-2 würde ich schätzen und Luise ganze vier. Letztere hatte schwer damit zu kämpfen. Mit drei Euro habe ich dann für insgesamt vier verschiedene Tests bezahlt und die Tabletten gegen Malaria, nur 2 Stück, für 2,50 € bekommen. Nachdem ich die beiden geschluckt hatte, sank das Fieber und es blieben auch fast nur noch Magenprobleme und Bauchkrämpfe zurück. Denen machte ich dann am Dienstag mit Snickers, Salzkräckern, Cola und neuen Tabletten den Gar aus.
Ein gutes Stück Arbeit

Das hört sich nun alles vielleicht nicht so schlimm an - und das war es auch nicht. Klar, am Sonntag und Montag hätte ich mich am liebsten schon beerdigen lassen und die Bauchkrämpfe setzten mir schon ganz schön zu, aber so schlimm wie bei Luise war es nicht. An’s Essen musste ich mich nach vier Tagen Brühe und Tee erst wieder gewöhnen und etwas kraftlos war ich gestern auch noch, aber es war dann doch eine kurze Zeit und mir geht es vollständig wieder gut!
Gepflegt hat mich mein Gastbruder Justo, ein Hausmädchen hat eine Nacht bei mir im Zimmer geschlafen, weil ich Angst hatte, dass ich auf dem Weg zur Toilette umkippen könnte, die Familie und Richard haben immer mal wieder reingeschaut und meine älteren Gastbrüder haben extra für mich Spaghetti statt Ugali gekocht.
Meine ekelige Malariaprophylaxe werde ich trotzdem weiter nehmen, denn immerhin bin ich die Monate davor insgesamt bestimmt schon 100 Mal von Mücken gestochen worden und noch nicht krank geworden. Die anderen Freiwilligen nehmen allerdings keine und fahren damit auch nicht schlechter als ich. Ärgerlich ist nur, dass ich nun aus der Wette unter uns Freiwilligen gefallen bin, die nun nur noch unter Olga/Jonas und Rike ausgetragen wird.