Freitag, 21. Oktober 2011

Ein Haus mit X, das war wohl nix…


21. Oktober 2011


Ein Haus mit X, das war wohl nix…

Läuft man von meinem Haus die Arusha Road in die Stadt hinein, dann wundert man sich, dass so gut wie jedes Haus, Straßenschild oder Pfeiler mit einem gesprayten, roten „X“ gekennzeichnet ist. Schon auf meiner acht Stunden langen Busfahrt von Arusha nach Singida, auf der ich genügend Zeit zum „Aus-dem-Fenster-Gucken“ hatte, habe ich mich über diese Kennzeichnungen der Häuser gewundert. Ich meine, wenn jedes, also wirklich jedes Haus, das ich auf dem Weg gesehen habe, ein „X“ trägt, warum lässt man es dann nicht gleich sein?

Am Anfang dachte ich noch, dass ein „X“ für eine dort lebende Familie stehen würde, weil teilweise auch ein „X“, ein Strich dazwischen und dann wieder ein „X“ zu erkennen war. Weil sich aber schon nach kurzer Zeit herausstellte, dass in einem Haus meistens mehrere Parteien wohnen, die sich dann einen Hof teilen, konnte das also nicht richtig sein.
Letztes Wochenende habe ich mich dann einmal erkundigt und ein anderer Freiwilliger wusste Bescheid:

Vor, ich weiß nicht wie langer Zeit, brauchte die Regierung irgendeine Methode, mit der sie eine Straße zur Hauptstraße erklären konnte. Also haben sich ein paar Regierungsbeauftragte in ihr Auto gesetzt und sind verschiedene Straßen Tansanias entlanggefahren. Jede Straße, die sie dabei benutzten, wurde umgehend zur Hauptstraße erklärt. Zugleich wurde eine neue Vorschrift verabschiedet, die besagt, dass auf  30 m Entfernung zur Straße nichts fest stehen dürfe. Um die neuen Regelbrecher zu kennzeichnen, bekamen alle Häus, alle Gartenmauern und viele Straßenschilder ein knallrot gespraytes „X“ verpasst. Diese Kennzeichnung verpflichtet ein jeden. den besagten Gegenstand umgehend abzureißen. Das bedeutet, dass die eigene Existenz, aufgrund eines unnötigen, neuen Gesetzes, vom Häuslebauer selbst, binnen einer bestimmten Zeit, vernichtet werden soll(te). Die meisten Häuser stehen zwar noch, jedoch findet man auch viele leer stehende und halb fertig gebaute Gebäude am Straßenrand, manche sind nur noch Ruinen und tragen nicht zum Stadtbild Singidas bei.
Manche Tansanier haben nach der Rundfahrt der Regierungsbeauftragten einfach ihrem Haus eine neue Grundierung verpasst, sodass das „X“ nun nicht mehr zu sehen ist, andere haben die Chance genutzt und an der Stelle Schilder oder Plakate angebracht, aber die meisten „X“ springen einem noch ins Auge, wenn man sich auf einer so genannten „Hauptstraße“ bewegt.

Das Witzige an der Sache ist…
1. dass es eine total schwachsinnige Aktion ist,
2. die Leute selbst den Schaden würden tragen müssen, wenn ihrem Hab und Gut etwas zustieße, weil sie nur ganze 15 Meter vom Straßenrand gebaut haben,
3. ganze Familien ihre Existenz verlieren würden,
4. weil niemand sein selbst zusammengespartes und –gebautes Haus abreißen würde,
5. auch öffentliche Gebäude, wie Schulen und Krankenhäuser dem Erdboden gleich gemacht werden müssten,
6. sogar Straßenschilder für die Geschwindigkeit oder mit den Ortsnamen darauf, abgebaut werden müssten
7. und bis jetzt anscheinend noch keiner die Befolgung dieses Gesetztes kontrolliert hat…



Ruine, in der ein Billardtisch aufgebaut wurde und täglich gespielt wird. Das rote "X" ist links unter dem Pavillon zu erkennen.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Tansanische Hochzeit

Nachdem ich am Samstag aus Igugunu wiedergekommen bin, hat mich meine Gastmutter eingeladen, bei einer Hochzeit in der Lodge der Familie zuzusehen. Das habe ich mir dann auch mal angesehen, denn schon am Tag davor hatte man bei uns im Hinterhof 20 Hühner getötet, gerupft und die Gedärme in einer großen Schüssel gesammelt. bei so viel Vorbereitng, wollte ich mir das Ganze dann einmal anschauen.
Hier zuerst zwei Foto der "Hochzeitsvorbereitungen":

Genauere Fotos erspare ich euch erst einmal. ;-) Aber darüber bin ich abends gestolpert, als ich nach Hause kam...eine unschöne Überraschung.

Die Hochzeit selbst, kam mir überraschend europäisch vor, traditionelle Kleider haben nur manche Gäste getragen.
Der sonst so einfache Essensraum der Lodge, ohne Fenster und mit Sandboden wurde mit Tüchern, Tischdecken und Lichterketten geschmückt. Das weiterhin die roten Coca-Cola-Stühle da standen, machte keinem etwas aus.

Zwei Stühle für das Brautpaar

Das Brautpaar durfte erst eintreten, als alle Gäste saßen und
2-3 Gruppen tanzend in den Saal eingezogen waren.
Die Braut mit weißem Kleid, Pailetten, Glitzer, Kopfschmuck und glitzerndem Spray im Haar.
Normalerweise müsste sie auch eine Perücke tragen, also falsche Haare eingeflochten bekommen haben, wie die emisten anderen Tansanier mit Haaren auch.
Der geschmückte Raum wurde nur mit den Lichterketten und
dem Flutlichtscheinwerfer des Fotografen beleuchtet.
Das Brautpaar beim gemeinsamen Kuchenanschneiden

Ein Tag in Igugunu

Am Samstag, den 14.10.2011 haben Luis und ich uns auf den Weg nach Igugunu gemacht, wo Luise und Rike wohnen. Nach 45 Minuten Fahrt mit dem Daladala, bei 15 km Entfernung, sind wir im 41.000 Einwohner großen Ort/Dorf angekommen.

 Hier ein paar Fotos:
Braunrote Erde und Lehmhütten, am Ende des Weges sieht man hier einen Mangobaum, der sich stark grün, von den anderen Bäumen absetzt.
Wir vier unter dem Mangobaum :-)

Auf dem Weg zur Schule und Gesundheitsstation, wo die beiden arbeiten.

Eindurcksvolle Landschaft

Dienstag, 18. Oktober 2011

"pole, pole"

Dieses tansanische Sprichwort gibt viel über die Lebensmentalität hier im Lande preis. Auf Deutsch „Langsam, Langsam“, geht hier sehr vieles zu. Grundsätzlich nicht verkehrt, bedeutet dies, dass man sich viel Zeit für Dinge, wie zum Beispiel die Begrüßung untereinander  nimmt. Denn das höchste Gut, das ein Mensch verschenken kann, ist Zeit und das ist hier jedem bekannt. Ob man die Person kennt oder es sich nur um einen flüchtigen Kontakt handelt, ist dabei nebensächlich. So wird sich eingehend nach dem eigenen Befinden, dem der Familie, im speziellen der Kinder oder der Arbeit erkundigt.

Eine normale Begrüßung, wie ich sie jeden Tag in der Schule erlebe folgt in etwa so ab:

Hujambo!                                Sijambo!
Habari yako?                           Nzuri!
Habari ya familia?                    Salama!
Habari ya casi?                        Njema!
Habari ya nyumbani?               Salama!

Ziemlich eintönig, wird also nach allem gefragt, was sich gerade anbietet und die Standardantwort ist dabei immer “gut”, auf verschiedene Arten und Weisen ausgedrückt.
Wie es einem wirklich geht, möchte eigentlich keiner wissen. Sollte man etwa ernsthafte Probleme, bzw. einen Sterbefall zu beklagen haben, dann bietet sich „salama kidogo“ als Antwort an, was so viel wie „ein bisschen friedlich“ bedeutet und weiteres Nachfragen des Gesprächspartners voraussetzt.

Doch nicht nur für die Begrüßung, sondern auch für das Sitzen und Gehen nehmen sich die Menschen hier viel Zeit. So schlendert ein jeder zur Arbeit. Hätte er einen dringenden Termin, so würde er ein Taxi oder ein „pikipiki“ (Moped/Motorrad) nehmen. Ich würde schon des Öfteren angesprochen, ob ich vielleicht krank sei, oder warum ich so schnell gehen würde. Dabei habe ich mich nicht sonderlich beeilt, sondern bin genauso flott/langsam wie sonst auch gegangen. Schon lustig, wie man dann doch unwissentlich immer wieder auffällt. ;-)
Doch als Luis und ich heute Nachmittag gegen 16 Uhr vom Children’s Center runter in die Stadt gingen, war auf einmal jedes „pole pole“ vergessen und neben uns rannten Frauen, Kinder und Männer jeden Alters vorbei. Am Himmel hatten wir schon von weitem eine schwarze Rauchwolke gesehen, doch man weiß nie, ob nicht gerade jemand seinen angesammelten Plastikmüll verbrennt oder es sich um etwas Ernsteres handelt. Doch dieses Mal war es wirklich viel Qualm…Wir sind also unbeirrt weitergelaufen, bis immer mehr Leute anfingen auf die Feuerquelle zuzurennen. Ein junger Mann mit scheinbar verbranntem Gesicht kam uns entgegengelaufen und rief uns irgendetwas auf Kiswahili zu, was wir natürlich nicht verstanden haben. Am Brandherd angekommen, an dem wir unweigerlich vorbeimussten, wussten wir dann schließlich, warum sich alle so beeilt hatten. Es ging keineswegs darum, aus dem brennenden Laden irgendetwas zu retten oder beim Löschen zu helfen, sondern die ganze Straße und sämtliche Erhöhungen waren von Schaulustigen besetzt. Jeder, der die Möglichkeit hatte, kletterte auf sein Auto oder stieg auf nebenstehende Bäume, um eine bessere Sicht zu haben. Als wir uns dann mit meinem Fahrrad, aber zu Fuß durch die Menschen drängten, kam Konzertfeeling auf, so dicht standen sie beieinander. Durch den „Mzungu“(Weißer/Europäer)-Bonus, hatten wir dann manchmal das Glück, dass uns Leute noch eher Platz machten, aber wir mussten trotzdem zusehen, uns durch den Menschenauflauf zu bahnen und dabei unsere Taschen gut im Auge zu behalten. Auslöser für das ganze Spektakel war ein kleiner (Stoff?)-Laden in einer Seitenstraße  der Haupteinkaufsstraße. Damit befand sich das Feuer nur zwei Läden schräg hinter dem von meinem „Baba“, was etwas beängstigend war, weil der Shop schon geschlossen war, der Nachbarladen aber bereits ausgeräumt wurde, um die Schäden bei einem Übergreifen der Flammen geringer zu halten.
In der Seitenstraße stand zum Glück ein kleines Feuerwehrauto, was dem weißen Rauch nach zu urteilen, schon mit dem Löschen begonnen hatte. Als Luis und ich es eine Woche vorher schon einmal gesehen hatten, hatten wir noch gehofft, dass es besser nie einen Brand würde löschen müssen, hätte man es in Deutschland schon längst ausgemustert. Der Haken beim Löschen ist nur, dass es in Singida (oder ganz Tansania, keine Ahnung) keine Hydranten gibt. Deswegen würde ich einfach mal vermuten, dass die Feuerwehr alles Wasser, was zum Löschen benötigt wird, direkt im Auto dabei haben muss. So schien es in etwa auch zu sein, denn kurze Zeit später (Luis und ich waren schon fast am Ende der Versammlung angekommen) wurde der Qualm auf einmal wieder dichter und schwarz und es mischten sich hohe Flammen darunter. Auf einmal begannen die Leute um uns zu rennen und es machte sich Aufregung breit. Die Autos, die sich schon in der Straße angestaut hatten, legten allesamt den Rückwärtsgang ein und bahnten sich zwischen den flüchtenden Menschen einen Weg aus der Menge. Weil wir auch von ein wenig Angst gepackt wurden, begannen auch wir das Rad schneller zu schieben und zu rennen.
Am Ende der Straße angekommen, waren auch hier mehr Leute als sonst, die zur Stadt runter liefen, um sich das Spektakel von der Nähe aus anzusehen. Zusätzlich schoben mehrere Wasserkarren den kleinen Berg hoch, ob um Wasser zu holen oder sich schnell noch eigenes zu sichern, weiß ich nicht. Überall an der Straße standen Schaulustige und tauschten die neuesten Informationen über das Geschehene aus. Zu meiner Freude vergaßen sie sogar mir das tägliche „MZUNGUU!!“ hinterher zu schreien. Ob das kleine, veraltete Feuerwehrauto letztendlich dazu in der Lage, das Feuer zu löschen und ob der Laden meines Gastvaters noch steht, weiß ich nicht, doch der Qualm liegt immer noch in der Luft…

Hier nachträglich noch ein Foto von dem japanischen Feuerwehrauto, von dem man aus dieser Perspektive das große Loch am Ende des Autos nicht sehen kann...


Und noch ein Nachtrag: Der kleine Laden meines Vaters hier steht noch, dafür sind insgesamt drei Läden komplett heruntergebrannt. Selbst die Wände stehen jetzt nicht mehr..

Montag, 17. Oktober 2011

Freitag, der 14., ein neues Fenster und jede Menge leckeres Essen

Heute, Freitag, dem 14.10.2011, war zu Ehren irgendeines verstorbenen Präsidenten ein Feiertag, das hieß ein langes Wochenende stand vor der Tür!
Für Luis und mich bedeutete das, nach einer nur viertägigen Schulwoche, nachmittäglichem Kleidung waschen, Unterricht vorbereiten und in der Familie helfen, einen ganzen Tag ohne Verpflichtungen zu haben. :-) So konnten wir uns zu einem späten Frühstück bei ihm verabreden, was ich besonders genossen habe. Er wohnt bei unserem Mentor Richard Assey (Fotos), der durch seinen vielen Kontakt zu Kolping Deutschland und durch mehrere Besuche in etwa weiß, wie man bei uns frühstückt oder was man generell isst. Denn statt einer Banane und einer Scheibe Toast, wie bei mir jeden Morgen, gab es bei ihm zuhause auch Honig, Marmelade, Erdnussbutter, Margarine, heißes Wasser für Tee und Mandazi (kleine, in Fett gebackene Teigstückchen). So konnte ich endlich einmal mit einer anderen Person zusammen frühstücken und nicht nur alleine mein Malaria-Prophylaxe-Pulver mit einer Banane vermengen, eine schöne Abwechslung. :-)

Jonas, der seinen Freiwilligendienst an einer Schule in Mwanga (vier Busstunden entfernt, im so genannten „Busch“) ableistet, konnte am Freitag das erste Mal nach Singida kommen, um sich mit verschiedenen Dingen einzudecken. Auf ihn haben wir noch gewartet und sind dann nach dem Mittagessen (Spaghetti mit Ketchup!) in die Stadt hinuntergelaufen.
Als wir noch kurz bei mir zuhause vorbeischauten, war die Überraschung nicht schlecht, als ich den lang vermissten Handwerker in meinem Zimmer antraf. Seit dem beginn meiner zeit hier, hatte ich Halsschmerzen, da es bei diesem starken Wind durch die Tür und das Fenster in meinem Zimmer zog. Weil andere Räume auch Glasfenster haben, hatte ich vor 2-3 Wochen einfach gefragt, ob ich ganz vielleicht auch eines bekommen könnte und auch eine finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt. Finanziell sei das Ganze kein Problem und krank werden sollte ich auch nicht, also hatte meine Familie direkt einen Handwerker bestellt. Der kam dann auch um ein Schloss an meine Tür anzubringen und diese solange mit dem Hammer zu bearbeiten, bis sie auch nicht mehr auf dem Boden schleifte und sich ganz öffnen ließ. Doch für das Fenster bräuchte er noch Materialien, sagte er. Nachdem meine Familie den Handwerker dann bestimmt tausend Mal angerufen hatte und mir immer wieder versprochen wurde, dass er morgen käme, war es also nun endlich am Freitag soweit. Und nun bin ich glückliche Besitzerin eines dreiteiligen Glasfensters, das man sogar öffnen kann!! Ein neues Moskitonetz (das andere hatte schon mehrere Löcher) habe ich nach mehreren Sprachschwierigkeiten mit dem Handwerker auch bekommen. Jetzt besteht mein Fenster also aus einem kleinen Gitter, dann einem starken Moskitonetz, mehreren waagerechten Gitterstäben und Glas davor. Einbruch- und Mückensicher sollte das auf jeden Fall sein. :-)
Mein neues Fenster noch im Bau...

Nun kann ich mich also auch so in meinem Zimmer aufhalten, ohne in der Zugluft zu sitzen. Das ist wirklich klasse und ich habe mich riesig gefreut! (Ansonsten würde ich auch gerade nicht so einen langweiligen Beitrag über das neue Fenster schreiben.)

Das haben Jonas, Luis und ich dann auch direkt ausgenutzt, als wir von der Stadt heimkamen. Wir konnten es uns auf meinem zweiten Bett gemütlich machen und einen Film von meiner Festplatte anschauen. Weil ich demnach offiziell angereisten Besuch hatte, wurde auch extra besonders gekocht, ein richtiger Glückstag also. :-P Wir sollten uns in das Wohnzimmer setzen und haben dann selbst gemachte Pommes, Spaghetti mit viel Öl, gekochten Weißkohl und ein paar Stückchen sehr intensiv schmeckende Ananas bekommen. Ganz viel tolles Essen und eine super Abwechslung zu Ugali (Maismehlbrei), Makande (weiße, harte Bohnen) und Reis. Ein schöner Abschluss für einen schönen Tag.

Unsere Küche, links Evaristi, rechts meine Gastmutter

Selbst gemachte Pommes, die noch auf ihr Ölbad warten. ;-)
 Jetzt könnte es einem so vorkommen, als ob ich die ganze Zeit nur vom Essen und verschiedenen Gerichten berichten würde. Aber das Zubereiten von Mahlzeiten ist ein wichtiger Bestandteil des Tagesablaufes einer tansanischen Familie (auf jeden Fall in Singida und Umgebung) und nimmt pro Tag mindestens vier Stunden ein, wenn nicht sogar mehr. Nachdem man dann allein schon abends zwei bis drei Stunden in der Küche (draußen auf dem Boden neben dem Kohleofen) mit Reis sortieren, Reis waschen, Gemüse schälen usw. zugebracht hat, dann muss man teilweise noch warten, bis irgendjemand Wasser geholt hat, was gestern z.B. bei einer Entfernung von ca. 100-200 Metern ca. 45 Minuten gedauert hat, warum weiß keiner so genau. Dann wünscht man sich nichts anderes, als endlich essen zu können, um ins Bett gehen zu können. Weil ich morgens für mich alleine esse(n muss) und mittags im Children’s Center bin, bekomme ich die Prozedur in meiner Gastfamilie nur abends mit, aber das reicht mir dicke.
Gestern haben wir endlich ein Hausmädchen bekommen, was hart klingt, aber bei einer mindestens zehnköpfigen Familie (normalerweise ist immer irgendjemand zu Besuch) und spät heimkommenden Eltern, wirklich nötig ist. (Leider) ist sie gerade mal 14 Jahre alt, die Cousine aus dem Nachbarort und hat nicht so viel Lust zum Kochen. Sie wartet momentan wie viele andere Kinder auch, auf ihre Endergebnisse der Primary School, um danach einen Aufnahmetest für die Secondary School zu schreiben. Weil ich meistens beim Kochen mithelfe und die Kinder gerade losgezogen waren, um Wasser zu holen, blieb das dann zum Teil bei mir hängen. Sie hat mir dann zugeguckt, während ich Reis und Salat gemacht habe. Für mehr reichen meine mir bisher angereicherten, tansanischen Kochkünste auch noch nicht.
 
Nach zwei Stunden Zubereitung, also frühestens um 21 Uhr ist das Abendbrot dann normalerweise endlich fertig. Dann ist es mir auch fast egal, wie ekelig das Ugali ist, oder wie viele Hühner zwei Meter neben mir ausgenommen werden. Dann möchte ich nur noch essen. Dieses dient dann auch vielmehr nur der Nahrungsaufnahme, als dem Genuss. Habe ich anfangs noch von einem Markt mit großen Gewürzsäcken aller Farben geträumt, weiß ich jetzt, dass außer Unmengen von Salz in meiner Gastfamilie nichts anderes zum Kochen genutzt wird. In der Lodge der Familie hab ich letztes „pilipili“ (rote Chilipaste) zum Reis dazu bekommen, im kleinen Supermarkt kann man allenfalls noch Senfpulver und Ketchup finden.
So ist die Freude bei den Kindern und uns Freiwilligen umso größer, wenn es so etwas Besonderes wie Pommes oder Nudeln gibt. Letztere bekommt Luis in seiner Gastfamilie nun bei jeder Gelegenheit, weil er einmal angemerkt hat, dass er gerne Spaghetti isst. ;-) Aber auch die werden hier noch einmal ganz anders als in Deutschland zubereitet und statt nur in Wasser, danach auch noch irgendwie in Öl gekocht. auch ist es nicht üblich, dazu Soße zu essen.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die tansanische Art des Kochens geben… :-)

Samstag, 8. Oktober 2011

Negative Motivation, eine ganz normale Unterrichtsmethode ?

Den Tag gestern (Freitag, der 7.Oktober 2011) , hätte ich am liebsten aus dem Kalender streichen wollen. Zwar gelang es mir endlich im Internetcafé via Skype zum ersten Mal mit meinem Freund reden zu können, doch ansonsten ging alles schief.

Schon auf dem morgendlichen Weg zur Schule kam eine meiner drei Hosen in die Kette meines Fahrrades und hatte sofort mehrere Löcher. Also musste ich in der Pause zum Schneider und sie flicken lassen. Das hieß dann, dass ich mich in einem winzigen und offenen Laden zur Straße hin umziehen musste, ein Tuch um mich wickeln musste und auf meine geflickte Hose gewartet habe. Auf dem Rückweg von der Schule ist sie noch einmal in die Kette gekommen und hat jetzt neben blöden Flecken auch einen großen Riss. Mal schauen, ob man das noch nähen kann. Das hat mich besonders geärgert, weil ich nicht so viele Hosen habe, ich hier keine für mich kaufen könnte/wollte und ich in dieser Woche nur damit beschäftigt war, mein Rad dreimal reparieren zu lassen, mein Handy wieder in Gang zu bringen und schon wegen anderen Sachen beim Schneider war.

Das war zwar alles blöd und hat mich geärgert, aber ich war danach immer wieder froh, wenn es repariert war.

In der Schule wurde es dann auch nicht besser.
Als ich gerade auf dem Weg zu meiner Klasse war, lief ein weinendes, kleines Mädchen an mir vorbei, dass sich die Hand hielt. Ich habe sie getröstet und dann eine andere Lehrerin gefragt, was denn passiert sei. Sie sei geschlagen worden, weil sie keinen Bleistift hatte.
Sie tat mir so leid und ich war wütend, wie man einem kleinen Kind willentlich für eine Lappalie so wehtun kann, dass ich einfach mitweinen musste. Das ist als Lehrer natürlich nicht gerade das Beste und meine Klasse konnte aus dem Fenster alles mitverfolgen, na klasse.^^
Die Lehrer haben versucht mir zu erklären, dass das nicht schlimm sei für die Kinder und dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Aha...

Doch dann habe ich in meiner nächsten Unterrichtsstunde aus dem Klassenfenster mitverfolgen können, wie eine Lehrerin die Kinder der 1. und 2. Klasse mit einem ziemlich dicken Stock mehrmals auf die Finger gehauen hat, wie diese zusammenzuckten und weinten. Das Erlebnis zuvor noch in den Gliedern, wusste ich nichts anderes zu tun, als aus dem Unterricht zu gehen, um mit dieser Lehrerin zu reden. Normalerweise ist es ein dünner Stock, mit dem die Kinder geschlagen werden und die Lehrer holen nicht so weit aus...
Ich habe ihr dann meine Position erläutert und ihr erklärt, dass ich es nicht verstehe, warum man Schüler haut, die doch gar nichts Schlimmes gemacht haben. Klar, ich bin dann die „Weiße“,  mit ihren komischen Ideen, keine gute Vorraussetzung. Aber in Tansania ist es offiziell verboten, Kinder in der Schule zu schlagen und das war schon einmal ein gutes Argument. Ich gefiel mir nicht gut in der Rolle und möchte mich auch gerne ins Kollegium integrieren und mit allen Lehrern klarkommen, aber ich musste ihr einfach sagen, wie brutal und sinnlos das ist. Welches Kind hätte nicht gerne einen Bleistift? Und wenn die Eltern kein Geld haben usw., dann helfen da auch keine Schläge. Ich habe mir dann das Versprechen geben lassen, dass sie versucht, andere Methoden zur Motivation einzusetzen (das Schlagen läuft hier unter „Negativer Motivation“), ob das etwas gebracht hat, weiß ich nicht. Aber bei diesem dicken Stock und den zusammenzuckenden Kindern, konnte ich einfach nicht anders. Natürlich wusste ich vorher, dass das in Tansania so gehandhabt wird, aber ein dünner Stock und ein paar Schläge auf den Po sind da dann doch noch etwas anderes. Das könnte ich hier denke ich auch keinem Lehrer abgewöhnen, auch wenn der Schulleiter selbst das nicht für gut erachtet.
Ich weiß letztendlich nicht, ob das gut war, dass ich dahin gegangen bin, aber ich konnte das nicht mehr länger mit ansehen.
Ob ich am kommenden Montag nun mit harten Blicken bedacht werde, wird sich zeigen. Aber eine Lehrerin, die mit mir gekommen war, um zu übersetzen meinte zu mir, dass es nicht schlimm sei, zu sagen, was man denkt und andere damit in Schutz zu nehmen und dass mir das bestimmt nicht übel genommen werden würde. Ich habe die andere Lehrerin auch nicht vor ihrer Klasse angesprochen und sie damti auch nicht lächerlich gemacht, sondern ihr nur „unter Kollegen“ meine Meinung gesagt. Ich hoffe, dass sie das einigermaßen versteht, denn ärgerlich war sie danach schon, puh.
Dass in Deutschland die Schulsituation vor noch gar nicht mal so langer Zeit ganz ähnlich war, kann man dabei schnell vergessen, das habe ich ja nicht mehr selbst erfahren, zum Glück. Es ist schwer mit anzusehen, was für „Machtspiele“ manche Lehrer treiben und wie sie ihre Autorität auch in anderen Bereichen ausnutzen. So werden Schüler losgeschickt, um neues Handyguthaben, einen Pausensnack, Getränke, Kreide, Hefte, das eigene Portemonnaie, das im Lehrerzimmer vergessen wurde, usw. für die Lehrer zu holen…

Singida


Hier einmal etwas über die Stadt, in der ich lebe und über die Eindrücke, die ich bisher von Landschaft und Menschen bekommen habe.
 
Die Landschaft in Singida ist leider nicht so schön, man findet überall braunen, staubigen Sand, nicht viel anders als auf einem Festival, falls das als Vergleich hilft. Bäume gibt es ein paar, ich glaube das sind teilweise Affenbrotbäume, aber spannend ist das leider nicht. Dafür sind hier zwischen Nachbarschaften immer mal wieder mehrere Felsen. Aber um Landschaft und Tiere zu sehen, müsste man hier reisen. In der Serengeti findet man dann Elefanten, Löwen, Giraffen, Affen usw., aber man darf da natürlich nur mit dem Auto und einem Fahrer durch. Ich glaube aber, dass einem das dann auch ganz lieb ist^^ ;-) Leider kostet es auch eine ganze Menge, wie viel weiß ich nicht, aber die Preise sind für europäische Touristen gemacht, die Tansanier selbst zahlen wenig.

Die Menschen lachen gerne und viel, am liebsten aber an unpassenden Stellen (z.B. zum Thema Kinder schlagen) oder über uns Freiwillige und unser deutsches Verhalten. Musik machen sehen habe ich auch noch keine, leider.
Musik machen, habe ich auch noch keinen gesehen. Nur das sonntägliche, stundenlange Geschreie der Muslime, aber das ist dann wohl eher Beten als Musik. damit möchte ich auf keinen Fall abwerten gegenüber den Muslimen und ihrer Religion sein, aber es klingt jedes Mal eher wie ein Schlachtfest als eine Glaubensveranstaltung.

Letztens war ich auf der Suche nach einer Holzschüssel, um da Wasser zum Gesichtwaschen hineinzufüllen. Meine Gastcousine (die da noch da war) hat mich nur ausgelacht und meinte, so etwas würde man hier nicht finden. Maximal eine Porzellanschüssel mit komischen Blümchen drauf. Also habe ich mir jetzt eine gelbe Plastikschüssel gekauft.
Es ist leider so, dass die Tansanier, die ich bisher kennen gelernt habe, schon jeder afrikanische Tücher haben, die Kinder auf dem Rücken tragen und handgenähte Kleider tragen, aber am liebsten von irgendwelchen Händlern, die z.B. auch bei uns ins Lehrerzimmer kommen, nachgemachte Kroko-Handtaschen, schon getragene Schuhe, Plastiklatschen und alte Blazer, Hemden und T-Shirts kaufen. Sie sehen damit wie arme Europäer aus und man trifft nicht selten Leute, die hinten auf dem Rücken "Eintracht Wolfsburg", "Heidelberg Zement" oder "Football Team Wisconsin" oder so etwas stehen haben.
Es ist so schade, dass die Tansanier hier anscheinend versuchen, ihre eigene Kultur abzulegen und sich damit in Richtung billig und Kitsch bewegen.
Ich habe mir das noch viel traditioneller vorgestellt, aber so ist das leider nicht. Auch Schmuck ist aus Glitzerzeugs, nachgemachtem Silber und sieht aus wie von Tedi. So ist es auch hier in der Familie. Die Mutter trägt eher traditionelle Kleidung, die Kinder sehen oft nach Altkleidersammlung aus. Ich habe auch herausgefunden, dass so gut wie alle Tansanier/Afrikaner, die man trifft, die Haare haben (also mehr, als kurze Stoppel) Perücken tragen. Auf dem Familienfoto unter „Fotos“ in meinem Blog sieht man, dass die Haare der Kinder kurz sind. So wäre das normalerweise bei jedem Afrikaner, weil die Haarstruktur nur sehr schwer zu pflegen ist. Die Mutter hat sich extra ihre Perücke aufgesetzt und auch meine Gastcousine hat eine eingeflochtene Perücke auf. Rosi, die hier im Laden am Haus arbeitet und in der Familie schläft, hatte bis vor kurzem noch kleine am Kopf anliegende Zöpfe, einen Tag später lief sie mit langen Rastazöpfen herum. Kaum zu glauben.