Einen Internetstick habe ich zwar, aber doch funktioniert das Internet nicht besonders gut, sodass ich jetzt auch gerade diesen Eintrag offline schreibe, um ihn euch dann, wenn ich Internet habe, schicken zu können.
Momentan ist es hier noch sehr ungewohnt für uns alle und wir können es eher noch nicht genießen hier zu sein. Die meisten sind in Gedanken bei Freund/Freundin und Familie oder zu sehr angenervt von dem tansanischen „pole pole“ (langsam, langsam), was eindeutig nicht zu einem guten Klima zwischen Gastfamilie/Mentor und uns führt. Heute haben wir uns auch nur in Singida, in Richards Büro, dem Bereich der Diözese und dann noch kurz in meiner Schule aufgehalten.
Heute Morgen hat uns Richard bestimmt 4 Std. lang Dinge erzählt, die auch nicht immer unwichtig waren, dann haben wir ihm alle Unterlagen für unser Arbeitsvisum gegeben und sind dann laukalte, ungesalzene, selbstgemachte Pommes mit Hühnchen bzw. Salatähnlichem essen gegangen. Ich bin in meiner Gastfamilie nun offiziell Vegetarierin und esse damit sogar auch keinen Fisch, jippie! J
Weil Hühnchen (kuku) hier Flügel, Rippen und Co mit Hautüberzug bedeutet, komme ich damit sehr gut klar und gehörte zu den Salatessern. Damit habe ich 500 Tsch. Für eine 350ml Cola und 2000 Tsch. für das Essen bezahlt. Zum Vergleich 2.200 Tsch. sind 1€, ein Schulbuch kostet 5.000€, 10 Pakete Taschentücher oder 3 Stangen Camel-Zigaretten das Gleiche. Eine Rolle Klopapier 300 Tsch, was bei normalem Verbrauch auch schon reicht, eine Fahrt im Großraumtaxi Daladala gleich viel und ein Wörterbuch English-Kiswahili/Kiswahili-English kostet gar nichts, weil es das hier gar nicht gibt. Na klasse!
Wir sind momentan alle überfordert von der Langsamkeit und dem Zeitgefühl hier. Es ist sehr anstrengend. Ab 18 Uhr wird Essen gekocht, um 21 Uhr ist es vielleicht fertig, man isst bis halb 10 circa, dann sitzt man weiter rum. In der Zwischenzeit, wo gekocht wird und davor natürlich auch. Die Erwachsenen führen irgendwelche heißen Diskussionen über Kirche (möglicherweise klang so) und andere Dinge auf Kiswahili und man versteht nur maximal 3 Wörter pro 1,5 Std. Demnach waren es heute Abend 6, die ich in der Wartezeit verstanden habe. Wir selbst müssen schweigen, oder dürfen reden, bis jemand das Gegenteil verlangt. Sehr gewöhnungsbedürftig, 3 Std. rum zu sitzen, Riesendurst zu haben und zu warten.
Das Essen bestand dann aus einem Riesen-Pott weißem Reis, dann gab es dazu Soße mit halbiertem Fisch, auf Extraanfrage von Olga noch eine vegetarische Soße und Papaya. Ich versuche so langsam zu essen, dass jeder denkt, ich würde richtig viel essen. Na ja, so gut klappt es leider noch nicht.
Vor und nach dem Essen wird gebetet, jeder bekreuzigt sich, das werde ich hier auch einfach machen müssen. Heute war ich dran. Mir fiel in dem Moment kein freies Gebet ein, sodass ich einfach nur gesagt habe: „Danke für das Essen und dafür, dass ich keinen Fisch essen musste.“, woraufhin ich von meiner Gastmutter für das tolle Gebet gelobt wurde. Glück gehabt, dass sie kein Deutsch können. Aber ich werde in nächster Zeit einfach damit rechnen müssen, beten zu müssen, sodass mir dann auch eher etwas einfällt.
Danach sollten wir (es war mittlerweile schon 22 Uhr) noch die Freundin der Mutter nach Hause bringen mit allen Freiwilligen, mussten bei ihr zu Hause uns allen (!) Hausbewohnern namentlich vorstellen, von Deutschland erzählen, Nummern austauschen und Smalltalk betreiben. Uns wäre fast allen der Kragen geplatzt, als es auf halb 11 zuging, wir immer noch nicht geduscht und im Bett waren und wieder gebetet wurde. Diesmal folgte danach noch ein Swahili-Lied mit Klatschen, auch nicht besser. Damit wir heil nach Hause kommen, hat uns dann diese Freundin wiederum mit ihrem Sohn begleitet, obwohl wir zu dritt waren (Olga schläft hier heute Nacht noch, dann bin ich allein, die Gastmutter und ich).
Duschen ist kompliziert: in Eimer Wasser und ein Becher, grundsätzlich kein Problem, aber es dauert lange. Im „Badezimmer“ gibt es also KEINE Toilette, KEIN Waschbecken und KEINE Dusche. Lustigerweise ist es eben einfach ein Raum, in dem man sich über einem Loch hinhockt. Neben einem stehen dann alte Metall-Lattenroste, krabbeln große Spinnen, schlafen Katzen und bei dem starken Wind hier hört es sich jedes Mal so an, als ob irgendwas zusammenbricht.
Der Wind ist auch ein Problem in meinem Zimmer. Hier zieht es durch das verrammelte Fenster und die Tür, die immer einen Spalt aufgeht. Es zieht also genug. Da hilft natürlich kein Moskitonetz. Stiche habe ich auch schon, die bekommt man unter anderem beim Duschen, weil da ja überall Fensternischen sind. Dann habe ich auch kein Kissen, aber da lasse ich mir noch etwas einfallen.
Morgen muss ich (diesmal etwas später) um 06:45 Uhr aufstehen, um halb 8 kommen Richard und die anderen Freiwilligen, essen hier mit Olga und mir Frühstück ( pro Person 1/3 von einem ganzen, gelben, komisch-schmeckenden Toastbrot, dazu Margarine ohne Messer und Zucker für den erdigen Tee) und dann fahren alle nach Iguguno und Mwanga, um zu ihren eigenen Gastfamilien zu gehen.
Eigentlich sollte ich da auch mitkommen, um die Orte und Familien kennen zu lernen, aber die Cousine (Janet, spricht Englisch) möchte mit mir morgen auf die Graduation vom Internat ihrer Schwester. Ich konnte mich nur schlecht wehren, na ja. D.h. ich habe einen Tag weniger mit den anderen und fahre wieder mit dem schrecklich-vollgestopften Bus. Ich habe irgendwie etwas Schiss, dass die anderen dann erst einmal ganz weg sind. Mwanga ist 4 Std. entfernt, Iguguno nur 15 km, aber das reicht als Barriere hier.
Luis unterrichtet an einer anderen Schule und der Weg von dort zum Center ist eigentlich zu weit, d.h. wir werden uns wahrscheinlich nur am Wochenende sehen. Das wäre sehr schade, denn es ist nicht schlecht sich auszutauschen.
Noch kurz zum Strom: Den gibt es hier nicht immer, d.h. z.B. montags am Nachmittag, also abends nicht. Dafür vlt. am Dienstag abends, aber nicht am Nachmittag. Nachmittags komme ich auch so ohne aus, aber abends erkennt man hier nicht mal seine eigen Hand vor Augen, die Afrikaner sowieso nicht, D.h. kein Lesen, kein Film, keine Schulstunde vorbereiten, kein Laptop, die „Toiletten“-Benutzung wird äußerst kompliziert, Offiziell gibt es hier einen „Electricity Timetable“, aber wie man da rankommt, weiß selbst Richard (mein Mentor) nicht ganz. Gestern und heute Abend habe ich einfach Glück! J
Morgen bin ich dann komplett weg, am Sonntag geht es mit meiner Familie (die Eltern gehen jeden Tag) und Richard und Luis zu 10:30 Uhr in die katholische Kirche, danach hoffentlich auspacken oder Wäsche waschen?
Vielleicht könnt ihr euch meine Situation hier nun etwas besser vorstellen, ich hoffe es. Momentan glaube ich nicht, dass ich mit diesem Internet Fotos hochladen kann, aber ich werde es irgendwann probieren!
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