Mittwoch, 28. September 2011

27.09.2011


Noch muss ich mich hier ziemlich an alles gewöhnen:

Ich bin gerade mal eine Woche hier, also ist es hier ja noch wie im Urlaub, müsste man auf jeden Fall denken. Aber der Gedanke hier noch so lange sein zu müssen, ist momentan noch ziemlich hart. So etwas möchte man ja eigentlich nicht schreiben, vor allem, wenn man es sich doch so lange gewünscht hat, hierher zu kommen. Nervig ist, dass die Regierung „nicht so demokratisch“ ist und wir anscheinend deswegen oft keinen Strom haben, auch die Wasserprobleme sollen daher kommen.

Jetzt habe ich gerade wieder Strom bekommen und den Laptop direkt angeschlossen, aber gerade saß ich ohne Strom, aber mit Laptopakku unter meinem Moskitonetz mit dem Laptop auf dem Schoß und der Taschenlampe unter dem Kinn.

Erst einmal sollte ich natürlich Kiswahili lernen, aber das gestaltet sich dann doch als schwierig. Ich hätte zuhause natürlich schon mehr Lernen können, aber da wollte ich natürlich auch jede Minute mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen.
Und nach einem langen Tag mich unter mein Netz zu setzen und zu lernen, finde ich momentan noch nicht so attraktiv, bzw. das fehlende Licht hindert mich daran. Hätte ich hier und jetzt keine Taschenlampe, dann könnte ich mich weder umziehen, noch Zähneputzen, das Toilettenloch oder mein Bett finden, was durch das Moskitonetz nicht immer einfach ist.
Das Handy, das ich mir hier gekauft habe, hat eine kleine Taschenlampe, also wenn der Strom (wie gestern Abend) von einer Sekunde auf die andere fehlt, dann kann ich immerhin schnell handeln. Was wiederum bedeutet, dass ich das Handy Tag und Nacht bei mir haben muss, weil ich mich entweder verlaufen habe, die versprochene Person nicht kommt, es hier oft keine Uhren oder eben kein Licht gibt.

Heute war ich das erste Mal im so genannten „Outreach Children Center Singida“, welches von Amerikanern aus Ihowa gegründet wurde, die für diese Woche mit 37 Mann angereist sind, um die Kinder zu untersuchen und auch einfach mal so zu gucken, ob alles läuft. Im März kommen sie das nächste Mal vorbei.

Im Center gibt es einen Schlauch mit Filter, mit dem man das Wasser hier von allen Mikroorganismen befreien kann. Weil meine Gastfamilie es immer noch nicht hinbekommen hat, mir Wasser abzukochen, was NICHT nach reingefallener Asche und Feuer schmeckt, ist das eine ganz klasse Alternative.
Heute musste ich dort kaum etwas tun, sondern nur einmal etwas abwischen, Becher an die Kinder reichen, einmal 10 Teller mit Essen befüllen und ca. 10 Fotos machen, weil Schwester Hilda (afrikanische Nonne, die Englisch spricht!) diese zur Registration neuer Kinder dort benötigte. Sonst habe ich dort gegessen, mich mit den teils aufdringlichen Kindern unterhalten, gesessen und zur notwendigen Kommunikation Pantomime gemacht und mir eine Wasserflasche abgefüllt.  Ich war dort von 12 Uhr bis 16 Uhr, dann bin ich nach Hause gegangen, habe zwei Stunden lang Wäsche gewaschen, „Abendbrot“ (besser „Abendreis/-bohnen“) gegessen und danach meinen Laptopakku strapaziert, bis sich dieser von mir verabschiedet hat.

Dann ist seit gestern Morgen leider ein Auge von mir leicht angeschwollen. Nicht schlimm, aber keine schöne Sache. Meine Gastmutter hat mir Augentropfen besorgt, aber geholfen haben die leider noch nicht. Ob die Reizung durch den ganzen Staub und Sand, der hier ständig rumweht, hervorgerufen wurde, weiß ich nicht, das könnte aber gut sein.

Morgens hatte ich bis jetzt immer Halsschmerzen, d.h. wenn ich versuche einzuschlafen unter meiner Fleecedecke, dann ist es noch warm. Nachts wache ich dann auf, weil es durch die Zugluft in meinem Zimmer so kalt ist.  Doch blöder ist es, hier nachts auf die Toilette gehen zu müssen. Das ist hart für mich, auch wenn Licht da ist, weil dort viele große Spinnen sitzen. ;-)Vorgestern Nacht stand ich dann längere Zeit drinnen vor der Tür und konnte mir nur schlecht vorstellen 10 cm neben der tansanischen Riesenspinne hinzufassen, um die Tür zu öffnen. Aber schlafen konnte ich da ja auch schlecht, also galt es den Ekel zu überwinden, brr...

Die Tansanis sagen dazu nur „pole“ (bedeutet so viel wie „Arme Amrei“) und ich sitze da mit den Halsschmerzen und Spinnen, die wirklich nerven. Auch morgens ist es hier noch kalt und ich habe bisher immer eine lange Strickjacke getragen. Die Tansanis selbst laufen teilweise im selbstgemachten Wickelkleid oder in Winterjacke mit Mütze rum. Mittags ist es dann so warm, dass man schwitzt, aber beim laufen oder Radfahren wird einem durch den starken Wind schnell wieder kalt.
In der Schule gibt es (wie hier zuhause) keine Glasfenster, sondern eben Fenster mit Gittern. Bei 6 Fenstern im Klassenraum zieht es dann wie Hechtsuppe und man kann sich noch schneller erkälten. Die Sonne scheint ja schließlich auch nicht im Klassenraum. ;-)

Morgen kann ich vom Schuldirektor Urassa (sehr netter englischsprechender Mann) ein Wörterbuch für English-Kiswahili bekommen, andersrum nicht. Das ist wirklich klasse und ich muss mir keins kaufen (gibt es ja auch gar nicht in Singida). Aber merken kann ich mir von einem Wort weder die Aussprache, noch die Lautschrift oder wie man es eben schreibt. Es folgen teilweise so viele unmögliche Buchstaben aufeinander..grr..

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