Sonntag, 26. Februar 2012

Singida Innenstadt

Ladenfronten
Mghahawa - Bistro
Wenn das Geld nicht reicht...
Bistro
Torolli, zum Wasser holen, umziehen usw.
Zwei Muslima in Schuluniform
Waschmittelwerbung

Laden
Alte Wahlwerbung
Friseur
Großflächige Werbung und ein Daladala

Dienstag, 21. Februar 2012

Geschlagen durch die Medien

Seit letztem Donnerstag steht bei uns an der Tafel im Lehrerzimmer, dass nur noch eingeschränkt geschlagen werden darf. Das bedeutet, dass der Lehrer erst ausgiebig mit dem Kind reden muss, Namen und Grund der Strafe in ein Buch eintragen muss und danach, wenn es ein Ernstfall ist, auch den Schüler mit dem Stock schlagen darf. Nun darf also nicht einfach bei der Morgenaufstellung geschlagen werden, werden das Kind zu spät kommt oder das äußerliche Erscheinungsbild nicht dem gewünschten entspricht. Ich freue mich sehr darüber, denn ich scheine endlich mit meinen Erklärungen, Verbesserungsvorschlägen usw. Anklang gefunden zu haben!
In den Tagen davor, hatte man Schüler, die geschwänzt hatten, im Lehrerzimmer von allen Seiten und mit mehreren Lehrern bloß gestellt, angeschrieen usw., weil man eine Antwort aus ihnen herausbekommen wollte. Als ich anmerkte, dass das selbst sogar bei Erwachsenen zu Tränen und Stummstellen führen könnte, bzw. es für keinen eine schöne Situation darstellt, hat man die Schüler danach zu mir an den Tisch geschickt, ich solle es besser machen. Keine von mir gewünschte Situation, aber sie wollten es so. Also habe ich die Kinder sich erst einmal hinsetzten lassen, ihnen ein Taschentuch gegeben, zur Ruhe kommen lassen und danach mit ihnen geredet. Blöd war nur, dass ich unter all den Tränen kaum ein Wort Kiswahili verstehen konnte. Zugleich hat sich das Kind trotzdem eingeschüchtert gefühlt, weil die anderen Lehrer weiterhin über den Schüler diskutiert haben. Aber es hat funktioniert. Als ich dann den Schulleiter fragte, ob wir nicht einen Raum einrichten könnten, wo man Gespräche mit Schülern führen könne, ohne, dass jeder Lehrer selbst noch einmal seinen Senf und Schlag dazu abgeben könne. So einen Raum gebe es, nur werde er nicht benutzt, war die Antwort. Na ja. Daraufhin hat er nun aber eben entschieden, dass jeder Lehrer dem beschriebenen Prozedere folgen muss, bevor er zum Stock greift. Finde ich gut! Und ich bin stolz darauf, dass ich Erfolg gehabt habe, indem ich nicht nachgelassen habe. :-)

Umso mehr habe ich mich gewundert, als ich heute kurz vor Ende der 2. Stunde aus der Nachbarklasse, der 6B, so ohrenbetäubendes Weinen und Schreien gehört habe, dass keiner meiner Schüler mir mehr zuhören konnte. Ich habe versucht, die Konzentration wieder auf die Tafel zu lenken, doch mir fiel auch das Fortfahren schwer. Des Weiteren kamen immer mehr Lehrer mit Stock aus dem Lehrerzimmer zur Klasse gelaufen und schienen auch ein paar Schüler zu strafen. Weil ich so sowieso nicht mehr unterrichten konnte, habe ich versucht meine Klasse abzulenken und wir haben im Kontrast zum Schreien aus dem Nebenraum „Mercy is falling“ gesungen, was vor dem Hintergrund schon etwas obszön war. Aber ein anderes Lied hatte ich ihnen noch nicht beigebracht. ;-)
Als ich dann nachher nach dem Grund der harten Strafe fragte, hieß es, dass ein paar Schüler den Lehrer beleidigt hätten und, dass zwei (männliche) Schüler im Unterricht hinter dem Rücken des Lehrers versucht hätten, miteinander zu schlafen. Schock! So etwas hätte ich von meiner alten 5. Klasse nicht gedacht. Eine krasse Sache. In Tansania ist es mit Gefängnisstrafe (laut Sr. B. bis zu lebenslänglich) verboten homosexuell zu sein und (gleichgeschlechtlichen) Verkehr im Klassenraum zu haben auch, wie man sich denken kann. Gott habe sich das nicht so vorgestellt, deswegen sei es nicht erlaubt, erklärte mir Sister Bernadetta heute. Ein Lehrer hat gedroht die Polizei zu rufen, aber ich gehe nicht davon aus, dass er es macht.
Der einzige Grund für das Verhalten der Kinder scheint zu sein, dass das schlechte tansanische Fernsehen einfach alles zeigt und davon viel. Ist es verpönt, kniefreie Kleidung zu tragen, tun sie’s im TV, zugleich zeigen sie viel über Hexendoktoren und wundersame Heilungen, Prostitution, Diebstahl, Mord und Todschlag, Fremdgehen und eben auch über Homosexualität. Der Fernsehzuschauer hat dann Grund genug sich aufzuregen und mit der ganzen Familie (selbst die Kleinsten schauen mit) sich darüber zu beklagen, wie schlecht manche Menschen oder das Fernsehen sind. Denn was sie im Fernsehen oder Radio sagen, dass ist wahr, ansonsten würde derjenige es ja gar nicht erst sagen. Dass ein Betrunkener zuerst mit einer Prostituierten geschlafen hat und danach neben einem Esel aufwachte, kam im Radio und bedeutet, dass eine magische Verwandlung stattgefunden hat, die nicht anzuzweifeln ist. Denn der Mann im Radio/TV weiß alles und lügt nicht.
So haben meine alten Schüler wohl herausfinden wollen, ob das wirklich funktioniert, was man im Fernsehen gezeigt hat. Ganz schön krass, der Einfluss der Medien.

Montag, 20. Februar 2012

Mein Tagesablauf



Draußen regnet und gewittert es, mein seiner Meinung nach „Verlobter“ turnt um das Haus herum und wartet darauf, mich zu sehen und während ich mich in meinem Zimmer verkrieche, habe ich endlich einmal Zeit meinen langweiligen Tagesablauf zu beschreiben, der in Wahrheit gar nicht mal so langweilig ist. Pünktlich zu Beginn meines 6. Monats hier:

6:40 Uhr: Vorausgesetzt mein Handy fällt nicht gerade ins Plumpsklo, dann weckt es mich um  diese Uhrzeit. Nun habe ich fünfzig Minuten Zeit um mich fertig zu machen, meine Malariaprophylaxe und Brot zu frühstücken und das Rad aus dem Badezimmer zu hieven. Weil es teilweise bergab geht, brauche ich für den Schulweg nicht zu lang und komme 5-7 Minuten später in der Schule an, wo die Kinder sich schon für die National- und Schulhymne auf dem Schulhof versammelt haben. An manchen Tagen werden hier die Länge der Fingernägel und der Haare und die Schuluniform kontrolliert. Manchmal sehe ich mir das Ganze an, meistens jedoch verschwinde ich direkt im Lehrerzimmer, nachdem ich mein Fahrrad in der 6A untergebracht habe. Dort bereite ich dann binnen weniger Minuten meinen Unterricht für die nächsten Stunden vor. Auf dem Hinweg mache ich mir Gedanken, in der Schule schaue ich dann nur noch in die Bücher. Ansonsten nimmt die vielseitige Begrüßung der Lehrer untereinander viel Raum und Zeit in Anspruch.

8 Uhr: Ich stehe (außer Dienstags) in der Klasse und unterrichte jeden Tag die 5 und 6A in Englisch. In beiden Klassen habe ich sechs Wochenstunden, dazu kommen drei Stunden in denen ich mit einem anderen Lehrer vor der siebten Klasse stehe.

10:40 Uhr: Spätestens jetzt bin ich mit dem Unterricht durch, dann gibt es im Lehrerzimmer frischen Ingwertee und alle haben eine 20minütige Pause. Mittwochs stehe ich auf dem Teeplan und helfe mit. Danach habe ich Zeit, um entweder knappe 90 Schulhefte zu korrigieren und mir zu vermerken, wer mitgeschrieben hat, die Hausaufgaben von der Schwester hat schreiben lassen oder von wem ich noch eine Berichtigung bekomme. Ist das geschehen, habe ich manchmal noch etwas Zeit, um bei der Post, der Bank oder beim Schneider vorbeizuschauen.

12:45 Uhr: Höchste Zeit, um mich auf den Weg ins Kinderzentrum zu machen, das „Singida Children & Community Centre“, welches von „Outreach International“ und „Family & Friends“ aus den USA erbaut wurde. Aus den USA kommt auch das Reisgemisch, was die Kinder täglich essen. Bis Dezember habe ich hier Nachhilfe für bis zu 13 Siebtklässler in Englisch gegeben, die darauf gewartet haben, ob sie den Aufnahmetest für die Secondary School bestanden haben. Weil zwei von ihnen es leider nicht geschafft haben und zwei 16jährige Mädchen, die im Center ein bisschen nähen lernen, kein Englisch können, gebe ich ihnen weiter Nachhilfe. Ich musste bei komplett Null anfangen, auch mal etwas anderes. Aber weil oft jemand fehlt und ich bei anderer Arbeit auch gebraucht werden kann, kommt die Nachhilfe nicht täglich zustande. Ansonsten würde ich insgesamt 19 Stunden pro Woche unterrichten.
Wenn ich ins Center komme, dann hat Sister Bernadetta meist schon die Teller für die kleinen Kinder fertiggemacht und ich muss nur noch die Massen an Bechern auf den Tresen stellen und jedem Kind seinen Teller geben.

13:15 Uhr: Nun beseitige ich meist das entstandene Chaos aus Bechern, helfe einem Kind mit Down-Syndrom sein Essen sicher an seinen Platz zu bringen und stelle alles bereit, was ich für die Essensausgabe des nächsten Trupps brauche.
Oft helfe ich Elisabeth beim Kochen, geselle mich zu den Kindern oder habe ein wenig Zeit, um Kiswahili zu lerne, zu lesen oder mein Rad mal wieder zum Handwerker zu bringen.

14 Uhr: Während ich mit den anderen (Sr. Hilda, Sr. Bernadetta, Rachel, Elisabeth und einem Watchman) zu Mittag esse, kommen schon die nächsten Kinder.

14:30 Uhr: Ich habe eine halbe Stunde Zeit, um schon einmal 200-250 Teller vorzubereiten.

15 Uhr: Das Essen wird ausgegeben, während ich weiter Teller mit dem Reismix befülle. Haben alle gegessen, räume ich all die Becher und Teller wieder in den Schrank.

15:50 Uhr: Exakt um diese Zeit bin ich jedes Mal fertig mit dem Aufräumen, während die Kinder den Boden wischen. Kann ich meinen Verehrer abwimmeln, begebe ich mich direkt auf den Heimweg.

16 Uhr: Wenn es perfekt läuft, kann ich direkt im Anschluss duschen und die 1-2 kg Reis sortieren, die die Familie hier jeden Abend verputzt. Das wurde immer mehr zu meiner Aufgabe und bedeutet, dass ich ca. 30 Minuten lang alle Steinchen und anderen Dreck heraussuche, bevor der Reis gewaschen werden kann. Dann helfe ich manchmal noch mit beim Bohnen pulen oder gehe mit Wasser holen.

17:30 Uhr/18 Uhr: Nun habe ich Zeit für mich, also zum Waschen, Fegen, Lesen, E-Mails nachgucken, Blog schreiben usw. Später setze ich mich dann gerne noch in die Küche, um mit den anderen zu quatschen, während wir darauf warten, dass das Hausmädchen das rettende Singnal gibt : „Chakula ni tayari!“. Manchmal bin ich auch zu müde von der Arbeit, all den Kindern, dem Lärm und der Hitze und schlafe schon mal etwas vor. Allerdings auf die Gefahr hin, dass sie vergessen, mich zu wecken…

21 Uhr/21:30 Uhr: Es gibt Essen, endlich! Das Abendbrot besteht dann weniger aus Brot, dafür mehr aus Reis und Gemüse. „Gemüse“ bedeutet sowohl Bohnen, als auch Fisch, Fleisch oder für mich des öfteren „Katchumbari“, ein Salat aus 1-2 Tomaten, einer Zwiebel, Wasser und Salz, schmeckt aber super!

22 Uhr - 22:30 Uhr: Licht aus und versuchen bei der Wärme einzuschlafen, bis ich wieder um 6:40 Uhr am nächsten Tag geweckt werde.

Man könnte vielleicht denken, dass mein Tagesablauf etwas eintönig ist, aber ich bin froh, dass ich nicht nur in der Schule, sondern auch im Kinderzentrum arbeite und meine Arbeit also nicht schon um 13 Uhr mit dem Hefte korrigieren aufhört. Eine interessantere Arbeit als Becher aus dem Schrank zu nehmen, aufzustellen und wieder einzuräumen, gibt es bestimmt auch, aber es gehört dazu und macht auch irgendwie Spaß. Hatte ich früher oft Langeweile in der Schule oder im Center, so wurde dies nun super durch mehr Schulstunden und den Wegfall von Luis Hilfe im Center kompensiert. Nun habe ich kaum mehr Zeit zum Lesen, Briefeschreiben und Erledigungen machen, freue mich aber darüber. Zuhause bleibt auch nicht zu viel Zeit, um Großes zu erledigen, aber das reicht auch. Groß gewaschen, gewischt, eine Ameisenvolkszählung in meinem Zimmer durchgeführt oder ausgefegt wird bei mir am Wochenende. :-)

Statt Handywecker - Der einzig funktionierende, den es im Laden gab